Zwiesel Kristallglas AG

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Die höchste Kristallglas-Pyramide der Welt (Foto: Zwiesel Kristallglas AG)
Der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Andreas Buske (r.) und Vorstand Christian Nasarow (Foto: Zwiesel Kristallglas AG)

Die Zwiesel Kristallglas AG ist das bedeutendste Glasunternehmen in Zwiesel und der größte Arbeitgeber der Stadt. Sie gehört zu den 100 innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand und beschäftigt über 672 Mitarbeiter. Die Produkte werden weltweit in über 130 Ländern vertrieben. Der Umsatz des Unternehmens lag im Geschäftsjahr 2017/2018 bei 99,3 Millionen Euro.

Geschichte

Gründung

Gegründet wurde die heute bedeutendste Glasfabrik Zwiesels als Glasfabrik Annathal von dem Fuhrunternehmer Anton Müller aus Zwiesel. Im April 1872 begann der Bau der Fabrik und am 25. November des gleichen Jahres wurde erstmals Tafelglas in der neuerbauten Hütte hergestellt und ausgeliefert. Am 14. Juli war Müllers 45-jährige Ehefrau Anna gestorben, zu deren Ehre er die neue Fabrik Annathal-Hütte nannte.

Am 7. November 1884 verkaufte Anton Müller seine Glashütte an die Brüder Gustav und Theodor Tasche, Glasgroßhändler aus Köln. Fortan nannte sich die Firma Zwieseler Farbenglaswerke Gebr. Tasche. Der Name Tasche-Hütte ist auch heute noch bei der Zwieseler Bevölkerung geläufig. 1889 verlegte Gustav Tasche das Verkaufsbüro nach München.


Gründung der Farbenglashütte

Aktie über 1000 Mark der Vereinigte Zwieseler & Pirnaer Farbenglaswerke AG vom Mai 1922
Ein Glasmacher zwischen 1920 und 1930 bei der Arbeit. (Foto: Repro Haller)
Richard Mittinger (2.v.l.) vor der ehermaligen Direktorenvilla. (Foto: Repro Haller)
Das alte Portierhaus, was vormals das Kontorgebäude war. (Foto: Repro Haller)
Das Generatorengebäude. (Foto: Repro Haller)

Am 21. Juni 1898 wurde die Zwieseler Farbenglashütte, vormals Gebrüder Tasche AG gegründet und ein Jahr später die OHG Müller, Krug & Co, Saechsische Kathedral- und Farbenglaswerke in Pirna an der Elbe angekauft. Der neue Firmenname lautete Vereinigte Zwieseler und Pirnaer Farbenglaswerke AG. Am 12. Oktober 1899 wurde der Bau des 50 Meter hohen Kamins abgeschlossen. Gustav Tasche blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1905 Generaldirektor des Unternehmens.

Es folgte von 1940 bis 1972 die Bezeichnung „Vereinigte Farbenglaswerke AG“. Ab dem Jahr 1972 nannte sich die Firma „Schott-Zwiesel-Glaswerke AG“. Heute firmiert die Glashütte unter dem Namen „Zwiesel Kristallglas AG“ und ist der größte Arbeitgeber der Stadt.

Von 1884 bis 1914 ging die Entwicklung der Firma stetig, teilweise sogar stürmisch, aufwärts. Hergestellt wurde in Zwiesel Tafelglas aller Art. Besondere Spezialitäten waren das Antik-Glas für Kirchenfenster, das in alle fünf Erdteile verkauft wurde, und die Glasfliese Monachia. Sie war ein Patent der Firma, zeichnete sich durch günstigen Preis aus und konnte auch in extremen Größen hergestellt werden.

Von 1914 bis 1931 war Richard Mittinger Direktor der Vereinigten Zwieseler und Pirnaer Farbenglashütte AG. Seiner Begeisterung für die Fotografie verdanken Glas-Freunde historische Aufnahmen der Glashütte, die 2010 wiederentdeckt wurden. Er dokumentierte die Glashüttenanlage mit mehreren Fotos und beschriftete jedes Foto persönlich mit der „goldenen Feder“.

Beginn der Ära Schott

1927 wurde die Firma Jenaer Glaswerke Schott & Gen. Großaktionär des Unternehmens und erwarb mit 52,2 Prozent die Aktienmehrheit. Der Umwandlungsprozess, die Umstellung von Spezial-Aktien und die Beteiligung an anderen Firmen wie Zuckmantel in Böhmen zog sich bis zum November 1929 hin.

1931 wurde die Flachglasherstellung eingestellt und fortan nur noch Hohlglas hergestellt. In den folgenden Jahren hatte das Zwieseler Werk unter den allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sehr zu leiden, der Hauptaktionär musste mehrfach finanzielle Hilfe leisten. 1938 konnte ein neues Fabrikgebäude erbaut werden und 1940 wurde der Firmenname in Vereinigte Farbenglaswerke AG geändert.

Kriegsende und Wiederbeginn

In den letzten Kriegsjahren wurde kriegsbedingt mit den Vorarbeiten begonnen, den Betrieb auf die Produktion von optischem Glas für Schott umzustellen. Nach dem Bombenangriff auf die Bahnlinie bei Zwiesel am 20. April 1945 musste der Betrieb eingestellt werden, weil weder Kohle noch Rohmaterialien beigeschafft werden konnten.

Ende 1945 kamen die ersten Jenaer Spezialkräfte über Heidenheim an der Brenz nach Zwiesel und begannen mit dem Ofenbau für die Herstellung von optischem Glas. Das Werk in Zwiesel war das einzige von ehemals fünf Betrieben, das dem Schott-Konzern unter seinem Leiter Dr. Erich Schott verblieben war. Mit der ersten Schmelze an Pfingsten 1946 begann für die Glashütte eine neue Ära.

Kapazitätssteigerung und Expansion

1961 gelang die vollautomatische Erzeugung von Kelchglas, das besonders in der Gastronomie in großen Stückzahlen nachgefragt wurde. Hervorragende Absätze führten zur Steigerung der Kapazität. In seiner neu formulierten Aufgabe als Konsumgüterschwerpunkt der Schott Gruppe, deren Hauptbetrieb sich seit 1952 in Mainz befindet, übernahm der Zwieseler Betrieb den Vertrieb von Hauswirtschaftsglas unter dem traditionellen Markennamen Jenaer Glas und trägt fortan den Namen Schott Zwiesel Glaswerke AG.

In den 1970er Jahren kam es zu einer beträchtlichen Expansion: 1973 wurde ein 100.000 m² großes Gebiet angekauft, auf dem das neue Werk Regenwiese entstand. Der Jahresumsatz konnte von 46 Millionen DM im Jahr 1971 auf 120 Millionen DM im Jahr 1978 gesteigert werden. 1979 beschäftigten die Schott-Zwiesel-Glaswerke etwa 1.900 Mitarbeiter und waren Europas größter Kelchglashersteller. Nach weiterem Ausbau in den achtziger Jahren kam es in den neunziger Jahren infolge von Standortverlagerungen der Schott AG nach Osteuropa zu einem ständigen Rückgang. Im Jahr 2001 war die Zahl der Arbeitsplätze auf 569 zurück gegangen, der Umsatz lag noch bei etwa 100 Millionen DM.

Neuausrichtung

Die Vorstände und Eigentümer Dr. Robert Hartel und Prof. Dr. Andreas Buske hatten 2001 die Umsetzung eines Programms zur Rettung des Unternehmens gewagt und damit soziale Verantwortung vor persönliche Sicherheit gestellt. Durch den Management Buy-Out konnte das traditionsreiche Unternehmen am Standort Zwiesel weiter bestehen bleiben und hunderte von Arbeitsplätzen sichern.

Die neuen Eigentümer führten eine radikale Sanierung durch mit Reduzierung des Sortiments, dem Verkauf von Lagerbeständen und Grundstücken sowie einer weiteren Verkleinerung der Mitarbeiterzahl auf rund 400 Beschäftigte. Das Unternehmen konzentrierte sich auf den Bereich der gehobenen Gastronomie und Hotellerie.

2002 gelang es dem Zwieseler Betrieb, zusammen mit der Universität Erlangen, nach langjähriger intensiver Forschung, das neue bruchsichere Kristallglas Tritan zu entwickeln. Aus veränderten Rohstoffen, kombiniert mit einem neuen Herstellungsverfahren, entsteht ein Glas von höchster Reinheit. Durch die Gründung eigener Vertriebsgesellschaften im Ausland wird der Grundstein für die internationale Expansion gelegt.

Zwiesel Kristallglas AG

Mit der Umfirmierung in Zwiesel Kristallglas AG im Jahr 2005 und der Einführung der Marke ZWIESEL 1872 dokumentiert das Unternehmen seine Verbundenheit zu der Region des Bayerischen Waldes und stärkt seine Identität am Standort Deutschland.

Die Zwiesel Kristallglas AG baut ihre Position als Anbieter hochwertiger Markenprodukte weiter aus und erwirbt 2006 die Rechte an der Traditionsmarke JENAER GLAS. Dadurch wird das Portfolio um funktionale und zeitlos schöne Produktionslösungen aus hitzebeständigem Borosilikatglas ergänzt.

Mit der Errichtung der spektakulären Kristallglas-Pyramide aus 93.665 Kristallgläsern im Jahr 2007 auf dem Werksgelände dokumentiert der Weltmarktführer in der Spitzengastronomie und -hotellerie auf eindrucksvolle Weise seine Innovationskraft und Leistungsfähigkeit, sowie die enge Verbundenheit mit der Stadt Zwiesel, der Region Niederbayern und dem Standort Deutschland. Das Bauwerk bleibt der Glasstadt dauerhaft als Wahrzeichen erhalten. Im Rahmen des zehnten Geburtstags werden 2017 auch kleinere Varianten der Pyramide, bestehend aus 1.496 Martinigläsern, unter anderem in Paris und Flensburg aufgebaut.

Im Jahr 2008 entsteht eine Vertriebsgesellschaft in Shanghai. 2010 wird eine dritte Glasschmelzwanne in Betrieb genommen und die Oxyfuel-Technologie eingesetzt. Im Jahr 2011 eröffnet das Unternehmen ein Representative Office in Mumbai (Indien).

Im Oktober 2012 wird der Umbau der gesamten Produktion auf die umwelt- und ressourcenschonende Oxyfuel-Technologie abgeschlossen. Der Sauerstoff, der hierfür benötigt wird, wird durch eine neue, vor Ort installierte Luftzerlegungsanlage gewonnen. Dadurch reduziert sich der Energieverbrauch um ca. 30 Prozent gegenüber einer konventionell betriebenen Feuerung mit Luft. Gleichzeitig werden Kohlendioxidausstoß und Stickoxidemissionen deutlich reduziert. Als eine Weiterentwicklung der Tritan-Technologie präsentierte die Zwiesel Kristallglas AG im gleichen Jahr TRITAN PROTECT, eine vergütete Stieloberfläche, die Kratzer auf den Gläsern verhindern und die Bruchfestigkeit und Widerstandsfähigkeit von Stielgläsern steigern soll.

Nach fast 20 Jahren im Unternehmen wird 2015 der Vorstandsvorsitzende Dr. Robert Hartel in den Ruhestand verabschiedet. Am 1. Oktober 2015 wird Prof. Dr. Andreas Buske Alleineigentümer und Vorstand der Zwiesel Kristallglas AG. Der Aufsichtsrat der Zwiesel Kristallglas AG ernennt Prof. Dr. Buske im Oktober 2016 zum neuen Vorstandsvorsitzenden und Verantwortlichen der Geschäftsbereiche Strategie, Finanzen, Controlling, Produktion, Einkauf, Logistik und Personal. Georg Thaller wird gleichzeitig zum neuen Vorstand für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Innovation berufen. Dieser scheidet Ende Juni 2018 wieder aus dem Unternehmen aus. Seit Oktober 2018 ist Herr Christian Nasarow Vorstand für Produktion, Technik und Supply Chain Management. Die Geschäftsbereiche Strategie, Finanzen, Controlling, Personal sowie Marketing und Vertrieb liegen bei Prof. Dr. Buske.

Marken

Die globale Marke SCHOTT ZWIESEL ist auf getränkegerechte Spezialglas-Serien und innovative Servierprodukte fokussiert und bietet funktionale Produktlösungen an. Charakteristika wie Brillanz, Robustheit und Langlebigkeit zeichnen das Designkonzept aus.

Die Marke ZWIESEL 1872 steht für exklusive Gourmetglas-Serien und Living Accessoires in Manufakturqualität. Anspruchsvolles Design mit herausragendem, handwerklichem Know-how werden in dieser Marke miteinander verbunden.

JENAER GLAS steht als Inbegriff für individuelles Kochen, Servieren und Genießen mit hitzebeständigem Glas. Seine praktische Funktionalität sorgt für hohe Alltagstauglichkeit mit einer zeitlos klaren Gestaltung.

Auszeichnungen

  • 2006: red dot design award für die Glasserie THE FIRST von ZWIESEL 1872
  • 2006: Glasstraßenpreis für das Engagement des Unternehmens für den Standort Bayerischer Wald durch Einführung der Manufakturmarke ZWIESEL 1872
  • 2006: Turnarounder des Jahres und Best Business Award für unternehmerisch gezeigtes Geschick
  • 2007: red dot design award für die Serie GENTLE von SCHOTT ZWIESEL
  • 2007: Großer Preis des Mittelstandes
  • 2007: Top 100 Auszeichnung für die 100 innovativsten Unternehmen Deutschlands
  • 2008: Bayerischer Gründerpreis in der Kategorie Nachfolge
  • 2010: Best of Award für nachhaltige Unternehmensführung
  • 2010: Marke des Jahrhunderts für die Marke SCHOTT ZWIESEL
  • 2010: Auszeichnung der Marke SCHOTT ZWIESEL im Lexikon der deutschen Weltmarktführer
  • 2010/2011: Auszeichnung Zweitbester Partner des Fachhandels
  • 2012: Markenchampions der Gastronomie: Top 3 Platzierung
  • 2012: Deco-Award für SPOTS NEO von SCHOTT ZWIESEL und HOMMAGE BY CHARLES SCHUMANN von ZWIESEL 1872
  • 2012: Interior Innovation Award für Teeservice von JENAER GLAS
  • 2013: red dot design award und Interior Innovation Award" für WINE CLASSICS von ZWIESEL 1872
  • 2015: red dot design award für Vasen, Schalen und Windlichter der Serie DIAMONDS von ZWIESEL 1872
  • 2015: German Design Award Special für die Serie Viña Touch von SCHOTT ZWIESEL
  • 2016: German Design Award Nominee für die Serie FINESSE von SCHOTT ZWIESEL
  • 2016: Serie PURE von SCHOTT ZWIESEL ist Testsieger beim VINUM-Profipanel
  • 2016: Mundgeblasene Serie AIR SENSE von ZWIESEL 1872 als Testsieger beim VINUM-Profipanel gekürt
  • 2016: Weltmarktführer 2017 Champions - Kristallglaserei für gehobene Hotellerie und Gastronomie (Auszeichnung der Wirtschaftswoche, Akademie Deutscher Weltmarktführer (ADWM) und Universität St. Gallen)
  • 2017: Design Plus – Ethical Desgin-Preis für die Serie FINESSE von SCHOTT ZWIESEL
  • 2017: German Brand Award für die Serie WINE CLASSICS von ZWIESEL 1872
  • 2017: ZWIESEL KRISTALLGLAS als Top Unternehmen Niederbayern ausgezeichnet
  • 2017: ZWIESEL KRISTALLGLAS erhält das Siegel ARBERLAND Premium Gold
  • 2017: German Design Award Nominee für die Serie SIGNUM von ZWIESEL 1872
  • 2018: Iconic Award für ICONICS von ZWIESEL 1872
  • 2018: iF Design Award für die Serie SIMPLIFY von ZWIESEL 1872
  • 2018: Reddot Award für die Serie TOWER von SCHOTT ZWIESEL
  • 2018: German Design Award für die Serie SENSA von SCHOTT ZWIESEL
  • 2019: DINEUS Award für die Serie SIMPLIFY von ZWIESEL 1872

Produktinnovationen

  • Tritan®-Kristallglastechnologie: Das patentierte TRITAN®-Kristallglas verfügt über einzigartige Produkteigenschaften wie Brillanz, Bruch- und Spülmaschinenfestigkeit und ist zudem schwermetallfrei.
  • DROP PROTECT: Die spezielle Oberflächenveredelung DROP PROTECT verhindert die Tropfenbildung außen am Glas und sorgt für strahlende Sauberkeit.
  • TRITAN®PROTECT: Weiterentwicklung der Tritan®-Kristallglastechnologie. TRITAN®PROTECT ist eine neuartige Oberflächenveredelung, bei der durch eine speziell vergütete Stieloberfläche die Bruch- & Widerstandsfähigkeit des Glases nochmal deutlich erhöht wird.

Kontakt

Zwiesel Kristallglas AG
Dr.-Schott-Strasse 35
94227 Zwiesel

Telefon: +49 9922 98-0
Telefax: +49 9922 98-399

E-Mail: info@zwiesel-kristallglas.com
Internet: www.unternehmen.zwiesel-kristallglas.com

Literatur

Weblinks

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