Wallfahrts-Stiege Mariahilf

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Eingang am Neutorgraben.
Blick die Stiege hinab.

Die überdachte Wallfahrts-Stiege Mariahilf (ugs. teils auch Himmelsleiter genannt) führt über 321 Stufen vom Neutorgraben in der Passauer Innstadt aus hinauf in den Hof des Klosters Mariahilf und zur dortigen Wallfahrtskirche. Die eigentliche Wallfahrts-Stiege besitzt 190 Stufen. An den Wänden finden sich zahlreiche Votivtafeln.

Geschichte

Die erste, bereits überdachte Wallfahrtsstiege entstand 1627 bis 1628 zusammen mit dem Bau der Wallfahrtskirche. Sie ist auf einem Kupferstich von 1628 zu sehen und begann bei der Klosterkirche des Kapuzinerklosters. Parallel zur eigentlichen Wallfahrtsstiege verlief östlich davon der Zugang der Mönche zur Wallfahrtskirche. Nach dem Stadtbrand von 1662 wurde sie sogleich wiederhergestellt.

Im Zuge der Säkularisation ging ein großer Teil der Votivtafeln verloren. Bischof Heinrich von Hofstätter ließ 1862 bis 1864 die Wallfahrtsstiege instandsetzen. An die Stelle der Holzstufen trat Hauzenberger Granit, und das Satteldach aus Holzschindeln wurde durch ein Schieferdach ersetzt. Heute trägt die Wallfahrtsstiege ein Blechdach.

Beschreibung

In einer Vorschussmauer mit Kranzgesims bildet ein architraviertes, granitenes Portal mit einem barocken Sprenggiebel den Zugang zur Wallfahrtsstiege. Die überdachte Steintreppe führt vom Kapuzinerplatz/Ecke Neutorgraben hinauf zur Wallfahrtskapelle. Beim Zugang zur Stiege steht ein frühbarockes Kruzifix. Der 321-stufige Treppengang von der Passauer Innstadt bis hoch zum Kloster Mariahilf ist nicht nur Aufgang zum Wallfahrtsort, es wird auch dort schon gebetet: Stufe für Stufe sprechen die Pilger ein Gebet, bis sie oben angekommen sind. Mit den drei zum Vorplatz der Kirche führenden Stufen beträgt die Zahl der Stufen heute 323.

Votivtafeln

„Maria hilf!“ sind zwei Worte, die vieles ausdrücken. Als Schlachtruf sollten sie 1683 die Türkengefahr bannen, als Gebetszeile drohendes Unheil abwenden und noch heute geben sie vielen Menschen Trost und Hoffnung. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch auf zahlreichen Votivtafeln in der Wallfahrtsstiege und im Beichtgang von Mariahilf zu lesen sind. Votivgaben haben dabei seit jeher eine zweifache Funktion: Die Menschen erbitten durch sie nicht nur Marias Hilfe, sondern danken ihr auch für bereits gewährte Gnade. Manche Tafeln in Mariahilf sind schon um die 200 Jahre alt und die Zeit ist nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen. Die Farben sind verblasst oder stark nachgedunkelt, die Schrift kann teilweise kaum mehr entziffert werden. Die Holzbildchen erzählen von Schicksalen, Katastrophen, Krankheiten, Krieg und Gefahr und von dem Vertrauen, das die Menschen Maria trotz all ihrer Not stets entgegenbrachten.

Die Sorgen der Bittsteller sind oft bildlich dargestellt, manchmal werden der Anlass für das Gelübde und der Votant selbst in einem kleinen Text näher beschrieben. Eine Passauer Besonderheit stellen die Bilder dar, die zum Dank für die Rettung aus Donau, Inn und Ilz gestiftet wurden. Doch nicht nur Bilder, sondern auch Rosenkränze, Kerzen und aus Blechfolie nachgebildete Gliedmaßen sind Maria geweiht.

Daneben treten „modernere“ Formen der Anbetung und des Gebets, wie etwa ein Votivbuch, in das die Gläubigen ihre Gedanken schreiben können. Beliebt ist auch der kleine Briefkasten, in den man „Briefe an Maria“ stecken kann, die dann in der Mittwochabendandacht vorgelesen werden. Bis zu 50 Briefe werden in der Woche in den Kasten geworfen. Am oberen Ende der Wallfahrtsstiege ist der Gang bedeckt mit kleinen Botschaften an Maria, mit Kugelschreiber oder Filzstift direkt an die Wand geschrieben. Es sind viele Bitten um Gesundheit, um Schutz für die Familie oder darum, dass sie einen Menschen finden, der ihre Einsamkeit beendet.

Weitere Bilder

Literatur