Tanzboden (Passau)

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Der denkmalgeschützte Tanzboden 2010 an der Schärdinger Straße in Passau. (Foto: Kuhnt)
Der wiederaufgebaute und erneuerte Tanzboden 2013 im Freilichtmuseum Finsterau. (Foto: Kaulich)
Diese Postkarte aus dem Jahr 1910 zeigt das Wirtshaus Bachl, am linken Bildrand ist von Bäumen verdeckt noch der dazugehörende Tanzboden zu sehen.

Der Tanzboden (auch Glashalle oder schlicht Salettl) ist ein denkmalgeschützter Holzpavillon, der sich ursprünglich an der Schärdinger Straße in Passau-Mariahilf befand und vermutlich von 1881 bis 1915 genutzt wurde. Seit 2011 steht er im Freilichtmuseum Finsterau im Bayerischen Wald.

Beschreibung

Unter einem Salettl versteht man ein kleines, meist offenes „Gartenhaus“, das der Bauform des Pavillons entspricht. Der Ausdruck ist vor allem in Österreich und Süddeutschland verbreitet. Sprachlich stammt das Salettl von der italienischen saletta ab, einem „Sälchen“.

Geschichte

Ursprüngliche Nutzung

Das heutige Anwesen in Passau, auf dem sich auch der Tanzboden befindet, war im Jahre 1875 im Besitz des „Anwesens- und Ziegeleibesitzers“ Max Späth. Späth stellte im Oktober 1875 einen Antrag auf Genehmigung einer Gastwirtschaft. Seine erste Erwähnung fand das eigentliche „Salettl“ 1884, erbaut wurde es vermutlich bereits 1881 als Trinkhalle bei der Gastwirtschaft Späths in der Gemeinde Beiderwies bei Passau. 1899 wurde in der Bauakte vermerkt, das Anwesen verfüge „ganz besonders über ein [...] geräumiges Glashaus, in welchem [...] alle Art von Vergnügungen wie Bälle, Hochzeiten etc. abgehalten werden können“ – vor allem auch im Winter, weil es beheizbar war. Als Eigentümer des 13,70 Meter langen, 12,25 Meter breiten und 4 Meter hohen Tanzbodens ist zu diesem Zeitpunkt bereits Josef Riederer angegeben. 1909 haben dann die Gastwirtseheleute Franz und Anna Bachl die Gastwirtschaft erworben. Laut Wirtshausakt führte die Familie Bachl zwar die Gastwirtschaft bis zum Jahre 1942, allerdings waren gesellige Veranstaltungen nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr recht nachgefragt. Deshalb wurde die Nutzung des Tanzbodens schon ca. 1915 wieder eingestellt. 1924 wurde er zu einer Werkstätte umgebaut. Ein Lackierbetrieb mit Schreinerei wurde eingerichtet, erst 1971 wurde diese Nutzung eingestellt. Seitdem verfiel der einstmals prächtige Holzbau.

Verfall und Umzug

Bis März 2010 befand sich der Tanzboden noch im Besitz eines Passauers. Der hatte den Holzpavillon einst mit den angrenzenden Gebäuden gekauft. Beim Bau eines Wohnhauses wollte er den Tanzboden mit integrieren. Weil der Denkmalschutz dagegen war, wurde daraus jedoch nichts. Der 180 Quadratmeter große Pavillon hätte nur restauriert und im ursprünglichen Sinne genutzt werden dürfen. Der Eigentümer hatte sich redlich um den Erhalt bemüht, doch weil kein Wirtsbetrieb mehr da ist, war auch keine Nutzung zu finden. Nachdem sich in der Folge auch Stadtheimatpfleger Richard Schaffner vergebens um den Erhalt des Tanzbodens vor Ort bemüht hatte, übernahm Martin Ortmeier, der Leiter des Freilichtmuseums Finsterau, die Initiative, den Holzpavillon nach Finsterau zu holen. Die Trägerversammlung des Zweckverbands Niederbayerische Freilichtmuseen war davon sofort begeistert. Nachdem auch das Passauer Bauordnungsamt die Genehmigung für den Abriss erteilt hatte, erfolgte der Umzug im April/Mai 2010. Der Abriss kostet laut Ortmeier 36.000 Euro, wovon 10.000 Euro der Förderverein des Museums übernahm.

Wiederaufbau in Finsterau

Dokumentation und Abtragung, Einlagerung, Finanzierung und Planung, Quellenforschung und Wiederaufbau gelangen in gerade einmal dreieinhalb Jahren. Der Wiederaufbau kostete 210.000 Euro und musste auf die auf 1.000 Meter Höhe herrschenden Bedingungen abgestimmt werden. So wurden unter anderem ein Stahlgerüst – für die Besucher nicht sichtbar – im Dachstuhl und in eine Wetterschutzwand auf der Westseite eingezogen, mehr als 40 Prozent der Bausubstanz mussten erneuert werden. Nur im Innenbereich hat man die rekonstruierten Teile den vorhandenen Originalen angepasst. Außen kann der Besucher die von fachkundigen Museums-Handwerkern erneuerten Balken und die restaurierten feingliedrigen Schmuckelemente klar erkennen. Durch große Rundbogenfenster fällt wieder großzügig Licht in den ungeteilten Innenraum, die gesamte Einrichtung wurde rekonstruiert, auch der dicke Holzdielenboden ist wiederhergestellt.

Im Oktober 2013 wurde der wiederaufgebaute und erneuerte Tanzboden bei einer Feierstunde offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Bei Tanz und Feiern Kehrte wieder neues Leben ein. Das Museum trägt mit kulturellen Veranstaltungen einen Teil dazu bei, der Verein der Freunde und Förderer des Museums bemüht sich um Musik und Volkstanz. Wegen des großen öffentlichen Interesses ließ das Museum eine tschechiche sowie eine deutsche Broschüre zur Geschichte des Salettls drucken.

Galerie

Literatur