Stadtratswahl 2008 (Passau)

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Ergebnis der Stadtratswahl 2008.
Neue Sitzverteilung nach der Stadtratswahl 2008.

Die Stadtratswahl 2008 in Passau fand am 2. März 2008 statt. Dabei wurden sowohl der Stadtrat als auch der Oberbürgermeister für die Amtsperiode 2008/2014 gewählt. Wahlsieger war die ÖDP, die zwei Stadtratssitze hinzugewinnen konnte. Stärkste Kraft blieb dennoch wie bisher die CSU, auch wenn sie gleich drei Mandate einbüßen musste. Das Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters entschied sich erst am 16. März in einer Stichwahl zwischen Amtsinhaber Albert Zankl (CSU) und Herausforderer Jürgen Dupper (SPD), die letzerer klar für sich entscheiden konnte.

Im Vorfeld der Wahl

Am 10. Januar war die Frist abgelaufen, bis zu der Wahlvorschläge für die Kommunalwahl eingereicht werden konnten. Seither stand fest, dass es bei der Wahl vier OB-Kandidaten und sechs Stadrats-Listen geben würde. Das waren drei Listen weniger als noch bei der letzten Wahl vor sechs Jahren. Nicht mehr angetreten sind die Republikaner, die mit Klaus Renner damals sogar ein Mandat erringen konnte. Renner war aber während der Legislaturperiode zur CSU gewechselt und andere Republikaner waren 2008 nicht gewillt zu kandidieren. Ebenfalls nicht mehr dabei waren die Studenten für Passau, die bislang mit Anselm Lienen ebenfalls einen Stadrat stellten. Unter den Studierenden fanden sich keine Interessenten. Die Junge Liste schließlich kandidierte dieses Jahr als Passauer Liste PaL auf einer gemeinsamen Liste mit der FDP.

Damit war der Stimmzettel 2008 deutlich kleiner als derjenige von vor sechs Jahren.

Wahlkampf auf den Politischen Aschermittwochen

Der Politische Aschermittwoch 2008 wurde von allen Parteien für den Wahlkampf genutzt.

Auf dem Aschermittwoch der CSU durfte Albert Zankl sogar selbst mehr als fünf Minuten reden: er sprach als Vertreter der CSU Passau-Stadt das diesjährige Grußwort. In den anschließenden Ansprachen von Günther Beckstein und Erwin Huber folgte viel Lob für den amtierenden Passauer Oberbürgermeister. So wurde Zankl von Beckstein als „erfolgreicher OB“ betitelt und Huber nannte ihn einen „solide[n] OB, [...] [der] neuen Schwung in die Stadt gebracht [hat]“.

Im Gegensatz dazu erhielt Jürgen Dupper auf dem Politischen Aschermittwoch der SPD in Vilshofen weniger deutliche Unterstützung von oben: Bundesparteivorsitzender Kurz Beck verlor kein Wort über ihn. Lediglich Franz Maget, der bayerische SPD-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, ging auf den Wahlkampf in Passau ein und stärkte Dupper den Rücken.

Den anderen zwei Kandidaten erging es ebenso unterschiedlich: Während Erika Träger aus der Aschermittwochskundgebung der Grünen in Landshut kaum Kapital schlagen konnte (es kam lediglich am Rande zu einem kleinen Treffen mit der Bundesvorsitzenden Claudia Roth), durfte Urban Mangold als ÖDP-Geschäftsführer in der Passauer Redoute sogar ans Mikrofon treten und vor den anwesenden Parteigängern das Wort ergreifen.

Der OB-Wahlkampf und mögliche Stichwahl

Als Höhepunkt des Wahlkampfs um das Amt des Oberbürgermeister konnte ganz klar die PNP-Podiumsdiskussion am 20. Februar angesehen werden. Vor ganzen 700 Besuchern stellten sich die vier Kandidaten zwei Stunden lang den Fragen von Stadt-Redaktionsleiter Helmuth Rücker und des Publikums. Dabei stellte die Neue Mitte das zentrale Thema dar.

Eine der entscheidensten Fragen im Wahlkampf war unter anderem aber auch diejenige, was die ÖDP unter Urban Mangold macht, wenn es zwischen Albert Zankl und Jürgen Dupper zur Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeister kommt. Dabei signalisierte der ÖDP-Chef mehrmals indirekt, im Falle eines Falles eher Dupper unterstützen zu wollen – immerhin forderte Mangold während des ganzen Wahlkampfes deutlich die Abwahl von Albert Zankl als Oberbürgermeister.

Die Spitzenkandidaten

Zankl-Wahlplakat.
Dupper-Wahlplakat.

Als jeweilige Spitzenkandidaten und damit als Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters traten folgende Personen an:

Jürgen Dupper

Am 12. Juli wurde Jürgen Dupper, der bereits im Vorfeld allen der einzig mögliche Kandidat schien, mit 100 Prozent der Delegiertenstimmen zum SPD-Spitzenkandidaten und damit zum OB-Kandidaten gewählt. Dupper – „Mein Traumberuf ist OB von Passau“ – machte deutlich, dass er sich unter anderem für eine offene und ehrliche Stadtpolitik einsetzen und die städtische Verschuldung weiter abbauen wolle. Darüber hinaus plane er, das Potential der Universität Passau besser für die Region zu nutzen und die Stadt zu einem führenden Medizin- und Gesundheitsstandort auszubauen. Wichtiger Aspekt von Duppers Programm war auch das Versprechen, bei einem Wahlsieg die Ringstraße schnellstmöglich wieder zu öffnen.

Urban Mangold

Spitzenkandidat der ÖDP war Urban Mangold sein, der die Liste seiner Partei als die eigentliche „Herausfordererliste“ bei diesen Wahlen sah. Immerhin gehörten 17 der 44 Kandidaten nicht der Partei an, sondern bezeichnen sich als Aktive Bürger. Gemeinsam verfolgte man jedoch klare Ziele: mehr Transparenz, höhere Familienfreundlichkeit, größere Wertlegung auf den Naturschutz, Verbesserung des Verkehrskonzeptes, Politik für Senioren und Abbau der Schuldenlast.
Urban Mangold sagte in der Nominierungsversammlung der ÖDP am 14. Februar auch: „Mein Ziel ist die Abwahl von Albert Zankl.“ (Zitat: PNP) und unterstrich damit nochmals sein ganz persönliches Wahlziel.

Erika Träger

Die Grünen nominierten Erika Träger als ihre OB-Kandidatin. Der Gepflogenheit der Grünen entsprechend trat die sie nur auf Platz 2 an, während Karl Synek die Liste anführte. Hintergrund: die Listenplätze der Grünen werden stets im Reißverschluss-System zwischen männlichen und weiblichen Bewerbern besetzt. Auf mittleren und hinteren Plätzen wird das System jedoch zum Teil durchbrochen, weil mehr Frauen als Männer kandidieren (im Gegensatz zu allen anderen Parteien).

Albert Zankl

Für die CSU ging der amtierende Oberbürgermeister Albert Zankl ins Rennen. Seine Zusage zur erneuten Kandidatur gab er zwar offiziell erst am 26. Mai 2007 bekannt, jedoch hatte in ganz Passau niemand daran gezweifelt. Zankl selbst sagte zu seiner zweiten Kandidatur nach 2002, er wolle „nicht auf halber Strecke aufhören“. Vielmehr beabsichtige er, seine bisherige, alles in allem großteils erfolgreiche Stadtpolitik weiter zu führen. Die endgültige Nominierung durch die Kreisdelegiertenversammlung des CSU-Kreisverbandes Passau-Stadt erfolgte am 28. Juni 2007.

Wahllisten

Diejenigen Kandidaten, die in den künftigen Stadtrat einziehen werden, sind fett hervorgehoben. Für den zum neuen Oberbürgermeister gewählten Jürgen Dupper rückte Franz Eibl auf der Liste der SPD in den neuen Stadtrat nach (zusätzlich kursiv markiert).

CSU

1. Albert Zankl
2. Dagmar Plenk
3. Prof. Dr. Gerhard Waschler
4. Dr. Andreas Scheuer
5. Dr. Chrysant Fischer
6. Dr. Renate Zehner
7. Armin Dickl
8. Karl Abelein
9. Andreas Dittlmann
10. Alois Ortner
11. Evi Buhmann

12. Klaus Burke
13. Josef Reischl
14. Josef Thuringer
15. Klaus Fiedler
16. Alexander Wösner
17. Clemens Damberger
18. Ursula Karl-Hellwing
19. Hildegunde Brummer
20. Josef Haydn
21. Siegfried Heindl
22. Peter Pell jun.

23. Wilhelm Mixa
24. Klaus Renner
25. Peter Probst
26. Stefan Ostermaier
27. Steffi Schneider
28. Stefan Brand
29. Klaus Biella
30. Helmut Luther
31. Dr. Heidi Brandl
32. Margarete Öller
33. Severin Haydn

34. Heinrich Moser
35. Corinna Weiß
36. Bärbel Benkenstein-Matschiner
37. Christian Gruber
38. Klaus Seipt
39. Willi Zacharias
40. Heinz Tauscher
41. Klaus Würfl
42. Mayer Fritz
43. Georg Steiner
44. Peter Stephani

SPD

1. Jürgen Dupper
2. Karin Kasberger
3. Markus Sturm
4. Silke Hasenöhrl
5. Rainer Holzmann
6. Patricia Veitengruber
7. Manfred Springinklee
8. Sissi Geyer
9. Hans-Jürgen Bauer
10. Katja Reitmeier
11. Sebastian Boch

12. Helmut Krautstorfer
13. Ivan Kuba
14. Wolfgang Wagner
15. Franz Eibl
16. Andreas Rother
17. Angela Roos
18. Andreas Wimmer
19. Gertraud Fuchsberger-Zirbs
20. Hannes Hügle
21. Brigitte Feltl
22. Jonathan Weinert

23. Dr. Harald Bähr
24. Florian Bachhuber
25. Nicole Haumer
26. Heinrich Gottinger
27. Bianka Holzinger
28. Martina Jorde
29. Erich Kopp
30. Fritz Luther
31. Franz Erntl
32. Michael Wegner
33. Andrea Stecher

34. Franz Märtlbauer
35. Josef Schönbauer
36. Eva Zacher
37. Alex Burgholzer
38. Andreas Dietz
39. Georg Schilleder
40. Uwe Brandes
41. Christoph Andres
42. Daniel Kuba
43. Heike Leichsenring
44. Maxi Springinklee

ÖDP

1. Urban Mangold
2. Paul Kastner
3. Matthias Koopmann
4. Jörn Rüther
5. Dr. Claudia Faßbender
6. Sebastian Frankenberger
7. Bernd Scheibner
8. Dr. Marcel Vachek
9. Barbara Bonauer
10. Michael Geins
11. Andreas Seitz

12. Oliver Robl
13. Michael Schöffberger
14. Marianne Würzinger
15. Franz Prügl
16. Dr. Katharina Thalheim
17. Andrea Krauth
18. Robert Cihlars
19. Elisabeth Mauritz
20. Dieter Listl
21. Siegfried Wachler
22. Wally Keilbart

23. Gudrun Dentler
24. Helga Weinfurtner
25. Hans Anetzberger
26. Prof. Dr. Ottfried Seewald
27. Ursula Rüther
28. Paul Saffenreuther
29. Josefine Windisch
30. Max Seiler
31. Otto Bauer
32. Dr. Harald Fischer
33. Josef Glotz-Faßbender

34. Manfred Hornung
35. Thomas Buck
36. Dr. Werner von Glasenapp
37. Stefan Stadler
38. Gunther Willeitner
39. Martin Ziegler
40. Andi Stockbauer
41. Susanne Vesper
42. Peter Koloczek
43. Dr. Josef Weig
44. Reinhard Bauer

FDP/Junge Liste

1. Dr. Max Stadler
2. Dr. Anton Jungwirth
3. Heinz-Peter Höber
4. Korbinian Faltner
5. Rolf Frommelt
6. Ulrich Popp
7. Ingrid Splitgerber
8. Sabine Hahne-Wehe
9. Werner Scharinger
10. Harald Putz
11. Andreas Piehler

12. Antonia Koubeck
13. Andreas Jacksch
14. Silvia Schuh
15. Frank Dinessen
16. Dr. Ralph Krause
17. Dr. Lutz Diegmann
18. Bernd Rose
19. Anneliese Stang
20. Stephan Reiffen
21. Khaled El Hindi
22. Claus Peter Hahne

23. Marianne Brunner
24. Lilly Koloczek
25. Stephan Zeil
26. Joachim Braun
27. Andreas Hindemith
28. Markus Schätz
29. Prof. Dr. Gregor Snelting
30. Ingrid Caspari
31. Matthias Müller
32. Monika Bauer
33. Thomas Bessert-Nettelbeck

34. Erich Tschöpa
35. Markus Rohmann
36. Rainer Wensauer
37. Ralf Wimmer
38. Nadja Fussari
39. Otto Bauer
40. Dr. Alex Hartmann
41. Joseph Drexler
42. Christopher Beer
43. Martin Spandel
44. Jürgen Freymadl

B'90/Die Grünen

1. Karl Synek
2. Erika Träger
3. Boris Burkert
4. Andrea Zaretsky
5. Stephan Bauer
6. Stefanie Wehner
7. Dominik Renner
8. Maria Anneser
9. Christa Hartl
10. Carola Schanzer
11. Bernhard Riederer

12. Günter Schauberger
13. Thea Schmuck
14. Bernd Sluka
15. Annette Piwowarsky
16. Andreas Herrmann
17. Johanna Köppl
18. Walter Günther
19. Angelika Wörl
20. Dominik Hammer jun.
21. Lois Jurkowitsch
22. Sepp Sommer

23. Dr. Hannelore Gotzler
24. Kurt Lerach
25. Susanne Kayko
26. Snjezana Matic
27. Margarete Brecheisen
28. Isolde Pontz
29. Christian Dadlhuber
30. Christian Hammes
31. Sylvia Anetsberger
32. Petra Neumeier
33. Erika Wimmer

34. Irmgard Miller
35. Andreas Hoenle
36. Eva Barstorfer
37. Marianne Schwägerl
38. Ulrich Müller
39. Sabine Schwarzberg
40. Alois Zechmann
41. Eva Kammermayer
42. Heidi Arenz
43. Melanie Arenz
44. Rainer Barth

FWG

1. Alois Feuerer
2. Klaus Schürzinger
3. Helmut Königsbauer
4. Anna Maria Ramelsberger
5. Siegfried Kapfer
6. Günter Albrecht
7. Rosa Pilsl
8. Manfred Vesper
9. Alois Burgholzer
10. Jürgen Karl
11. Martin Burkert

12. Hans Stegmaier
13. Klaus Frankenberger
14. Heinz Bauer
15. Ingeborg Hindringer
16. Prof. Wolfgang Hromadka
17. Josef Meißner
18. Stefan Schwarz
19. Andreas Feldschmid
20. Gerhard Koschel
21. Reinhold Mast
22. Norbert Hacker

23. Dr. Michael Weithmann
24. Thomas Vogl
25. Antonia Greiner-Glotz
26. Robert Braunersreuther
27. Hans Jobst
28. Sabine Olzinger
29. Margarete Ernst
30. Martin Lindner
31. Otti Heitzer
32. Ulrich Engert
33. Norbert Wimmer

34. Stefan Riedl
35. Günter Schmidt
36. Dr. Michael Dressel
37. Jonny Goebel
38. Jürgen Baron
39. Dr. Heinrich Moser
40. Günter Friedl
41. Oskar Kunkel
42. Stefan Krompass
43. Otto Peter
44. Anita Schürzinger

Ergebnisse

Beim Auslesen eines der Stimmzettel mit Hilfe eines elektronischen Stiftes. (Foto: Jäger)

Stadtrat

Endgültiges Ergebnis der Stadtratswahl 2008
Gruppierung Stimmen Mandate
Anzahl  % +/− Anzahl +/−
CSU 35,38 -5,00 16 -3
SPD 25,74 -0,57 12 ±0
ÖDP 15,78 +5,28 7 +2
GRÜNE 8,56 +3,81 3 +1
FDP/JL 8,02 +2,15 3 +1
FWG 6,53 +2,26 3 +1
Gesamt 755.874 100 44

Mit einem solch knappen Wahlergebnis dürfte im Vorfeld wohl niemand gerechnet haben. Denn damit steht es nun mehr oder minder Unentschieden im Stadtrat: CSU, FDP und FWG – die bisher als „Gestaltungsmehrheit“ im Stadtrat regiert haben – halten 22 Stimmen, andererseits halten aber SPD, ÖDP und die Grünen ebenfalls 22 Stimmen. Erst mit Jürgen Dupper, der in der Stichwahl zum neuen Oberbürgermeister gewählt wurde, erreichte dessen Seite eine Mehrheit von einer einzigen Stimme Vorsprung – alles andere als eine sichere Mehrheit. Konstruktive Arbeit wird dadurch nicht unbedingt erleichtert. Daher dachte auch schon vor der Stichwahl am 16. März so mancher CSU- oder SPD-Politiker laut über eine große Koalition im Passauer Stadtrat nach.

Die Wahlbeteiligung lag bei 54,45 Prozent.

Oberbürgermeister

Bereits die ersten Prognosen des Bayerischen Rundfunks waren spektakulär: „in Passau zeichnet sich eine kleine Sensation ab!“ Und in der Tat war es so: bei der Wahl um das Amt des Oberbürgermeisters erreichte Herausforderer Jürgen Dupper von der SPD ganze 46,75%. Amtsinhaber Albert Zankl von der CSU kam auf „gerade einmal“ 37,67%. Der Stimmenunterschied zwischen beiden betrug dabei aber lediglich um die 1.900 Stimmen – und das noch dazu bei einer relativ geringen Wahlbeteiligung (54,47%). Andererseits fehlten Dupper nur knappe 710 Stimmen auf die absolute Mehrheit und damit zum sofortigen Sieg. Urban Mangold (ÖDP) erreichte 12,65% und Erika Träger (Grüne) kam auf 2,93%.

Damit war das eingetreten, womit viele Passauer sowieso bereits im Vorfeld gerechnet hatten: es lief auf eine Stichwahl zwischen Albert Zankl und Jürgen Dupper hinaus.

Stichwahl

Ausgangssituation

Die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters zwischen Albert Zankl und Jürgen Dupper fand am 16. März statt und verursachte zusätzliche Kosten von etwa 30.000 bis 35.000 Euro. Die Ausgangssituation hierbei war 2008 etwas anders als bei den bisherigen Stichwahlen. Denn bislang lag stets immer der Herausforderer hinten: Schmöller hinter Hösl (1990) sowie Zankl hinter Schmöller (2002). Allerdings überholte jedesmals der Herausforderer den Amtsinhaber in der Stichwahl und ging letzten Endes als Sieger hervor.

Im Stichwahlkampf – der alles in Allem vergleichsweise ruhig von statten ging – versuchten beide Kandidaten vor allem zwei Zielgruppen anzusprechen: einerseits diejenigen, die nicht zur Wahl gegangen sind. Und andererseits die Wähler der ÖDP, die Urban Mangold immerhin 12,65% einbrachten.

Ergebnis

Auch in der Stichwahl gelang es Herausforderer Jürgen Dupper, seinen Vorsprung von vor zwei Wochen zu behaupten. Bei einer (im Vergleich zur Stadtratswahl leicht gesunkenen) Wahlbeteiligung von 52,28% erlangte Dupper 61,41% (12.858 Stimmen), Amtsinhaber Albert Zankl kam nur auf 38,59% (8.081 Stimmen). Dupper löste damit Zankl nach nur einer Legislaturperiode als Oberbürgermeister der Stadt Passau ab.

Damit war Dupper aber außerdem auch etwas gelungen, was vor ihm noch kein Herausforderer bei einer OB-Wahl jemals erreichen konnte – denn noch nie hatte in Passau ein Herausforderer bei der OB-Wahl mit mehr als 60 Prozent gewonnen.

Die feierliche Amtsübergabe fand am 30. April 2008 im Rathaussaal statt. Unter den Ehrengästen waren unter anderem Bischof Wilhelm Schraml, Regierungspräsident Heinz Grunwald, Uni-Präsident Prof. Dr. Walter Schweitzer sowie die Ehrenbürger Fritz Gerstl, Dr. Gebhard Glück und Dr. Axel Diekmann. Als symbolisches Zeichen der Amtsübergabe hängte Albert Zankl seinem Nachfolger im Oberbürgermeisteramt die Amtskette um – ganz wie es der Tradition entspricht.

Der neue Stadtrat

Mehrheitsverhältnis und Bürgermeister-Wahl

Der neue Stadtrat hatte am 8. Mai 2008 im großen Rathaussaal seine erste (konstituierende) Sitzung – bis einschließlich April regierte noch der alte Stadtrat. In dieser öffentlichen Sitzung wurden auch die Posten des Zweiten und Dritten Bürgermeisters in einem geheimen Wahlgang bestimmt.
Bis dahin fanden Gespräche statt, wie denn die Mehrheiten für die nächsten sechs Jahre aussehen könnten. Dabei hat Dupper vor allem eine Mehrheit deutlich jenseits der 23:22 angestrebt, die sich aus SPD, ÖDP und Grünen ergibt. „Die Chance dazu besteht vor allem jetzt, im Stadium der Gespräche vor der Bürgermeister-Wahl.“, meinte er diesbezüglich zur PNP. Als ersten Ansprechpartner sah er dabei die ÖDP unter Urban Mangold, mit der Dupper die größten Schnittmengen sieht.
Letzten Endes jedoch sollte Duppers Wunsch, eine deutlichere Mehrheit zu gewinnen nicht ganz in Erfüllung gehen: es sollte auf SPD, ÖDP und FDP/JL hinausgelaufen – auch wenn der der Unterstützung der Grünen sicher sein dürfte und damit auf 25 Stimmen kommt.

Grundsätzlich aber gab es bei der Bürgermeisterwahl verschiedene Möglichkeiten, die vorstellbar erschienen:

  1. Am nahe liegendsten war die Variante mit einem ÖDP-Bürgermeister (wofür nur Urban Mangold in Frage kam) und einer der drei „kleinen“ Parteien Grüne, FDP/JL oder FWG. Von diesesn Fraktionen hätte Dupper mindestens eine für sich gewinnen müssen – besser aber mehrere, weil er ja deutliche Mehrheiten anstrebte.
  2. Ebenso möglich erschien die Variante mit einem ÖDP-Bürgermeister und einem von der SPD, wofür etwa Markus Sturm in Frage kam. Größtes Problem hierbei wäre aber gewesen, dass sich daraus wohl keine Mehrheit ableiten lässt.
  3. Variante Nummer 3 bestand aus einem ÖDP-Bürgermeister und einem von der CSU (evtl. Dagmar Plenk oder Alois Ortner). Hieraus hätte sich mit satten 35 Sitzen eigentlich die größtmögliche Mehrheit ergeben. Dafür bestanden allerdings in thematischer Hinsicht die geringsten Schnittmengen.
  4. Zu guter Letzt war auch die „große Koalition“ mit einem CSU- und einem SPD-Bürgermeister vorstellbar, bei der eine ebenso satte Mehrheit erreicht hätte werden können. Allerdings wäre bei dieser Variante jene Partei außen vorgeblieben, mit der Dupper die größten Gemeinsamkeiten sah: die ÖDP.

Bei der Wahl der Bürgermeister einigte man sich schließlich aber auf die erste und nahe liegendste Variante, bei der die vorab getroffenen Vereinbarungen zwischen den Fraktionen auch klar eingehalten wurde: Auf der konstituierenden Sitzung entfielen 25 der insgesamt 45 Stimmen auf Urban Mangold, also genau die Stimmenanzahl der SPD, ÖDP, Grünen und FDP/JL. Die Gegenkandidatin und Amtsinhaberin Dagmar Plenk erhielt 17 Stimmen, das entspricht der CSU plus einem weiteren Unterstützer. Drei Stadträte wählten ungültig (Enthaltung sind nicht zulässig).

Für den dritten Bürgermeister gab es mit Anton Jungwirth nur einen Kandidaten, denn der von der CSU-Fraktion vorgesehene Andreas Dittlmann hatte nach Partei-internen Reibereien auf eine Kandidatur verzichtet. Auf Jungwirth entfielen 32 Stimmen, elf waren ungültig und je eine bekamen Josef Reischl und Karl Synek, die nicht als Kandidaten aufgestellt waren. Dem Ergebnis nach haben also auch CSU-Stadträte Jungwirth unterstützt.

Den Amtseid nahm dem neuen Oberbürgermeister und dem neuen Zweiten Bürgermeister der älteste Stadtrat ab (Klaus Burke); für Jungwirth gilt der bereits 2002 abgelegte Eid fort. Sowohl Dupper als auch Mangold sprachen die Eidesformel inklusive des freiwilligen Zusatzes „So wahr mir Gott helfe“.

Kuriositäten

Der bisherige ÖDP-Stadtrat Max Seiler wollte eigentlich gar nicht mehr in den Stadtrat, ließ sich aber auf Bitten der Partei als „Stimmenfänger“ auf Platz 30 stellen. Die Taktik der Partei ging voll auf und Seiler wurde so weit nach vorne gewählt, dass er den Sprung in den Stadtrat trotzdem schaffte. Den bei weitem größten Sprung nach vorne konnte allerdings Dr. Josef Weig, ebenfalls ÖDP, verbuchen. Er schaffte es, von seinem ursprünglichen Platz 43 – also dem vorletzten der ganzen Liste – auf Platz 15 vorgewählt zu werden. Trotz dieser Leistung gelang ihm der Einzug in den Stadtrat allerdings nicht.

Generell ist bei der Wahl aber aufgefallen, dass besonders diejenigen Kandidaten mit sozialen Berufen (Arzt, Hebamme, Lehrer, Wirt, Krankenschwester, Pastoralassistent oder Vereinsvorsitzender) nach vorne gewählt worden sind. Offenbar billigt man diesem Personenkreis mehr Kompetenz zu als anderen.

Durchschnittsalter

Das Durchschnittsalter im neuen Stadtrat liegt bei 50 Jahren – und ist damit höher als beim alten Stadtrat. Dieser Umstand täuscht ein wenig darüber hinweg, dass sich die Altersstruktur dennoch wesentlich verändert hat. So sind sechs Stadträte über 60 ausgeschieden (Abelein, Brummer, Öller, Jahrstorfer, Jorde, Heindl) und nur ein Über-60-Jähriger wurde hineingewählt (Geins). Dafür sind aber gleich fünf Unter-40-Jährige in den Stadtrat eingezogen (Bauer, Dickl, Frankenberger, Robl, Rother).

Das jüngste Mitglied des neuen Stadtrats ist Armin Dickl mit 25 Jahren, das älteste Klaus Burke mit 71.

Frauenanteil

Der Stadtrat hat sich damit aber nicht nur etwas verjüngt, sondern auch der Frauenanteil hat sich erhöht. Während mit Hildegunde Brummer nur eine Frau ausgeschieden ist, sind mit Evi Buhmann, Dr. Renate Zehner und Patricia Veitengruber gleich drei neue hinzugekommen. Damit besteht der Stadtrat künftig aus 9 Frauen und 35 Männern.

Literatur

  • Stefan Rammer, Helmuth Rücker: Albert Zankl will noch einmal OB werden. In: Passauer Neue Presse vom 27. Mai 2007 (S. 27)
  • Helmuth Rücker: Keine Überraschung: Dupper OB-Kandidat In: Passauer Neue Presse vom 10. Juli 2007 (S. 25)
  • Helmuth Rücker: Der Wahlkampf ist eingeläutet. In: Passauer Neue Presse vom 13. Juli 2007 (S. 29)
  • Helmuth Rücker: 100 Prozent: Optimaler Start für OB-Kandidaten Jürgen Dupper. In: Passauer Neue Presse vom 13. Juli 2007 (S. 29)
  • Anonymus: Junge Liste wappnet sich für Stadtrats-Wahlkampf. In: Passauer Neue Presse vom 14. Juli 2007 (S. 41)
  • Helmuth Rücker: ödp: Wir sind die eigentliche Herausforderer-Liste In: Passauer Neue Presse vom 10. Oktober 2007 (S. 27)
  • Anonymus: Das blieb hängen: Die Worte des Jahres. In: Passauer Neue Presse vom 31. Dezember 2007 (S. 29)
  • Helmuth Rücker: „Studenten für Passau“ treten nicht zur Wahl an. In: Passauer Neue Presse vom 9. Januar 2008 (S. 25)
  • Helmuth Rücker: Vier OB-Kandidaten und sechs Stadtrat-Listen. In: Passauer Neue Presse vom 12. Januar 2008 (S. 33)
  • Helmuth Rücker: Rückenwind von oben. In: Passauer Neue Presse vom 7. Februar 2008 (S. 31)
  • Michael Koch: Für wen ist Mangold? In: Am Sonntag vom 17. Februar 2008 (S. 6)
  • Franz Danninger: Höhepunkt des OB-Wahlkampfs. In: Passauer Neue Presse vom 21. Februar 2008 (S. 31)
  • Christian Karl: 7000 Briefwähler in Passau. In: Passauer Neue Presse vom 27. Februar 2008 (S. 27)
  • Michael Oswald: OB-Kandidaten bleiben heute cool! In: Am Sonntag vom 2. März 2008 (S. 12)
  • Thomas Seider: Dupper überholt Zankl. In: Passauer Neue Presse vom 3. März 2008 (S. 31)
  • Helmuth Rücker: Links oben: Die Strafe des Wählers In: Passauer Neue Presse vom 3. März 2008 (S. 31)
  • Helmuth Rücker, Stefan Rammer: Historische Niederlage der CSU. In: Passauer Neue Presse vom 3. März 2008 (S. 33)
  • Thomas Seider: Der Stadtrat wird... In: Passauer Neue Presse vom 5. März 2008
  • Thomas Seider: Das Schweigen danach. In: Passauer Neue Presse vom 6. März 2008 (S.35)
  • Helmuth Rücker: Kandidaten-Katapult: Wer die größten Sprünge machte. In: Passauer Neue Presse vom 6. März 2008 (S. 38)
  • Helmuth Rücker: Spannungsvolle Ruhe vor der Stichwahl. In: Passauer Neue Presse vom 12. März 2008 (S. 33)
  • Stefan Brandl: Machtkampf im Rathaus. In: Passauer Woche vom 12. März 2008 (S. 2)
  • Michael Oswald: Die Qual der Wahl. In: Am Sonntag vom 16. März 2008 (S. 5)
  • Isabel Metzger, Helmuth Rücker: Bittere Wahlschlappe für Passaus OB. In: Passauer Neue Presse vom 17. März 2008 (S. 12)
  • Thomas Seider: Es war kein Sieg, es war ein Sturmlauf. In: Passauer Neue Presse vom 17. März 2008 (S. 35)
  • Thomas Seider: Die Bürgermeister-Frage. In: Passauer Neue Presse vom 18. März 2008 (S. 32)
  • Stefan Rammer: „Ich weiß das OB-Amt in guten Händen“. In: Passauer Neue Presse vom 1. Mai 2008 (S. 39)
  • Thomas Seider: Im Spaziergang zum Bürgermeister. In: Passauer Neue Presse vom 9. Mai 2008 (S. 31)
  • Helmuth Rücker, Thomas Seider: OB Jürgen Dupper: „Es gibt keine Koalitionen.“ In: Passauer Neue Presse vom 9. Mai 2008 (S. 31)
  • Thomas Seider: Mehrheit in den Ausschüssen hat sich verschoben. In: Passauer Neue Presse vom 9. Mai 2008 (S. 34)

Weblinks


Stadtrats- und Oberbürgermeisterwahlen in der Stadt Passau

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Dies ist ein ausgezeichneter Artikel.
Diesem Artikel wurde am 22. Juli 2010 das Prädikat „Ausgezeichneter Artikel“ verliehen.