St. Marien am Eisernen Zaun (Haidmühle)

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Die Kapelle St. Marien am Eisernen Zaun im sogenannten „Müllerwaidl“ oberhalb von Haidmühle. (Foto: Draxinger)

St. Marien am Eisernen Zaun ist eine Kapelle nahe Haidmühle im Landkreis Freyung-Grafenau. Sie wurde ein wenig versteckt auf einem Felsblock im sogenannten „Müllerwaidl“ in der Nähe von Haidmühle erbaut und am 12. Oktober 1958 eingeweiht.

Ursprung des Namens

Der Name „St. Maria am Eisernen Zaun“ für die Marienkapelle tauchte schon kurz nach ihrer Gründung auf. Mit „Eiserner Zaun“ ist die deutsch-tschechische Staatsgrenze gemeint, die in diesen Zeiten mit Stacheldraht und Stolperdrähten gesichert war. Nach der Grenzöffnung 1990 wäre die Bezeichnung eigentlich überholt gewesen. Sie wurde jedoch aus historischen Gründen beibehalten.

Chronik

Dass im Wald an der Straße von Haidmühle nach Langreut im Landkreis Freyung-Grafenau heute die gern besuchte Kapelle Sankt Marien am Eisernen Zaun steht, hängt mit der Realisierung eines Versprechens aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges zusammen. Auf wundersame Weise war in Haidmühle ein Unglück vermieden worden.

In den letzten Tagen des Krieges im April 1945 waren von Waldkirchen her amerikanische Artillerietruppen mit starker Bewaffnung bis nach Haidmühle vorgedrungen. Am Abend des 30. Aprils 1945 gaben amerikanische Artilleriesoldaten, in der Vermutung auf versprengte SS-Leute, drei Warnschüsse in Richtung Oberludwigsreut ab. Die erste Granate explodierte zwischen verstreut liegenden Anwesen, die zweite an einer Stelle, die als Aussichtspunkt genutzt wurde, an der sich aber zu diesem Zeitpunkt keiner aufhielt; die dritte Granate flog über das Haus von Lina Schano hinweg, riss dort einen Stromständer mit sich und schlug in den Erdboden ein. Gerade dorthin aber hatten sich einige Bewohner in ihrer Furcht geflüchtet. Wäre die Granate explodiert, hätte es eine Menge Toter gegeben. Sie tat es nicht. Es gab keine Detonation – ein Wunder.

In den Köpfen der Menschen hielt sich das Versprechen, das man damals gegeben hatte, nämlich als Dank eine Kapelle zu errichten. 1958 kam der richtige Zeitpunkt. Zum hundertjährigen Jubiläum der Marienerscheinung im französischen Lourdes, dem weltberühmten Marienwallfahrtsort, ging man an den Bau so unmittelbar zum Eisernen Vorhang, der starren Grenze, die damals und für Jahrzehnte Bayern und Böhmen trennte – und die Einweihung. Der frühere Pfarrer von Haidmühle, Moritz Meisl (verstorben in Pfarrkirchen), hatte maßgeblichen Anteil. In den Grundstein der Kapelle wurden eine Urkunde und 72 Zettel mit dem von 72 Haidmühler Familien unterschriebenen Versprechen, das Rosenkranzgebet zu Ehren der Mutter Gottes zu pflegen, eingefügt. Und die Granate, die damals nicht expolodiert ist, steht heute noch in der Kapelle – als Blumenvase!

Architektur

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Der Altarraum der Kapelle. Links vom Altar steht als Blumenvase die Hülse der seinerzeit nicht detonierten Artilleriegranate. (Foto: Draxinger)

Kapelle

Die jetzige Kapellenspitze wurde im April 1961 aufgesetzt. Sie stellt das Marienmonogramm in einer goldenen Sonne dar.

Unter Pfarrer Johannes Bischof wurde etwas abseits der Kapelle im Jahre 1969 ein großer eigener Glockenturm gebaut, der ein vorbildliches Werk des Altreichenauer Zimmerermeisters Kellermann ist. Er beinhaltet eine absolute Rarität: Die Glocken des Turnmes spielen das „Ave Maria“ von Lourdes – regelmäßig mehrmals am Tag zu vollen Stunden. Ferner gehören zum wunderschönen Ensemble der Einkehr, der Besinnung und des Gebets ein Außenaltar und ein geschnitzer Holzbrunnen, den die Figur der Hl. Bernadette ziert. Übrigens: Kapelle und Glockenturm sind auf zwei Felsentischen erbaut, ähnlich wie sie für den nahen Dreisesselberg so charakteristisch sind. Das ursprünglich mit Schindeln gedeckte Kapellendach musste 1973 einem Kupferdach weichen, da Spechte es ständig beschädigten.

Die Marienstatue, welche sich bis 1927 in der Haidmühler Notkirche befand, ließ man in Kloster Thyrnau restaureiern und stellte sie ebenfalls auf. Die Statue, ein Abbild der Gnadenmutter von Altötting, enthält von dieser einen echten Holzsplitter.

Der eherne Tabernakel, dessen Vorderseite fünf Bergkristalle aus Madagaskar enthält, wurde am 24. Mai 1967 vom Straubinger Architekten Karl Engelmann gestiftet.

Glocken

In Auftrag gegeben wurde eine Zentner schwere Glocke bei einer Passauer Glockengießerei. Acht Jahre später wurde der Glockenturm in seiner jetzigen Form nach einer Idee eines Moslems aus dem Libanon, der damals Architekt in einem Passauer Architekturbüro war, erstellt und am 12. Oktober 1969 eingeweiht. Mit den weiteren Glockenspenden von Pfarrer Bischof, Sidone Mühldorfer, einer Studentenvereinigung und Kerzenopfern von Kapellenbesuchern befinden sich insgesamt fünf Glocken im Glockenturm.

Erstmals verkündete damit das seinerzeit erste Glockenspiel Niederbayerns am 3. Mai 1972 und ab dann zu jeder Stunde über die tschechische Grenze hinweg als Friedensgruß die Melodie des „Ave Maria von Lourdes“.

Brunnen

Der seit 1974 an der Kapelle stehende Brunnen ist der Wassergarant der Waschküche des ehemaligen Haidmühler Pfarrhofes. Ihn ziert eine in St. Ulrich in Südtirol geschnitzte Holzfigur der Hl. Bernadette von Lourdes. Seit Sommer 1989 erinnert auch ein Gedenkstein der ehemaligen Pfarrei Maria Gojau, dem heutigen Kajov in der Nähe von Krumau, an die verlorene Heimat der von dort Vertriebenen.

Literatur