Spiegelau

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Spiegelau
Das Wappen von Spiegelau


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 734-820 m
Fläche: 40,42 km²
Einwohner: 3.947 (30. Juni 2013)
Postleitzahl: 94518
Vorwahl: 08553
Kfz-Kennzeichen: FRG
Website: www.gemeinde-spiegelau.de
Erster Bürgermeister: Karlheinz Roth (CSU)

Spiegelau ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau.

Lage

Spiegelau im Bayerischen Wald liegt direkt am Fuße des Rachels (1453 m), umgeben von einer üppigen Waldlandschaft des Nationalparks Bayerischer Wald.

Nach Grafenau sind es 8 km, nach Freyung 26 km, nach Zwiesel 20 km und nach Passau 48 km. Zum tschechischen Grenzübergang Bayerisch Eisenstein oder zum Grenzübergang Philippsreut fährt man jeweils 35 km. Der Ort besitzt einen eigenen Bahnhof an der Bahnlinie Zwiesel - Grafenau der Bayerischen Waldbahn, die im Zweistundentakt bedient wird.

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer
Die evangelische Martin-Luther-Kirche
Der Bahnhof in Spiegelau

Geschichte

Bereits im ausgehenden Mittelalter begann die systematische Rodung und Besiedlung des Waldgebietes rund um Spiegelau. Auch damals versuchte die Obrigkeit, von ihren Untertanen so viele Steuern und Abgaben wie nur möglich einzutreiben. Dazu brauchte man genaue Kenntnis von den Besitzverhältnissen der Menschen, die man akribisch in Verzeichnissen festhielt. Dadurch wissen wir heute, dass schon 1395 die Orte “Kreitzperg” (das heutige Oberkreuzberg), “Chlingprun” (das heutige Klingenbrunn), Palmberg, Langdorf und Hirschschlag, sowie die Güter Augrub und Winkelhof bestanden. Scherbenfunde aus der Zeit der Frühgotik belegen, dass die Besiedlung bereits mindestens 100 Jahre früher begonnen haben muss.

Ende des 15. Jahrhunderts begann man, das reichlich vorhandene Holz und die Quarzvorkommen zur Glasherstellung zu nutzen. In Hirschschlag stand zu dieser Zeit eine Glashütte, in der “Patterl” (Glasperlen) hergestellt wurden. Auch in Klingenbrunn wurde Glas erzeugt. In diese Zeit fällt auch die Gründung von Spiegelau als Glashüttenstandort. 1521 vermachte der Grafenauer Kaufmann Erasmus Mospurger seine beiden Glashütten Spiglaw (Spiegelau) und Klingenprun (Klingenbrunn) testamentarisch der Grafenauer Pfarrkirche. Mit dieser Urkunde wurde die Existenz Spiegelaus als Glashütte zum erstenmal dokumentarisch belegt. Das dazu gehörende Glashüttengut mit Herrenhaus, Landwirtschaft, Brauhaus und den Häusern für die Bediensteten stand in Klingenbrunn und blieb dort bis ins 19. Jahrhundert. Die Karte des Philipp Apian aus dem Jahr 1568 zeigt Spiegelau und einige umgebende Orte. Insbesondere sind die Glashütten eingezeichnet.

Der größte Ort blieb bis ins 19. Jahrhundert hinein Oberkreuzberg. Dort stand auch seit 1607 die Kirche (als Nebenkirche der Pfarrei Schönberg), von der aus die anderen Orte und Güter betreut wurden. Der kleine Ort Palmberg ist im 16. Jahrhundert als “Obmannschaft” (vergleichbar mit dem heutigen Begriff “Gemeinde”) erwähnt, zu der Langdorf, Klingenbrunn, Hirschschlag, Holzmühle und Pronfelden gehören.

Als 1832 der letzte Klingenbrunner Glashüttenherr Felix von Hilz seinen ganzen Besitz an das Königreich Bayern verkaufte, begann eine neue Zeit. Auswärtige Unternehmer investierten in die Glashütten und betreiben diese mit zunehmenden Erfolg, die ehemaligen Bediensteten konnten ihre Wohnhäuser und Grundstücke als Eigentum erwerben. Die 1808 und 1818 zu einer Gemeinde zusammengelegten Ortschaften um Klingenbrunn und Kreuzberg wurden schon 1833 wieder getrennt. Unter dem neuen Eigentümer Anton Stangl blühte die Spiegelauer Glashütte auf. Gleichzeitig entstand eine regelrechte Holzindustrie. Der Ort, der zunächst Schwarzach, manchmal auch “Stanglhütte” genannt wird, wuchs schnell. 1890 erhält Spiegelau einen Eisenbahnanschluss und wird dadurch noch interessanter für sich ansiedelnde Unternehmen.

Holz- und Glasindustrie machten Spiegelau, das damals politisch zu Klingenbrunn gehörte und kirchlich von der Pfarrei Oberkreuzberg betreut wurde, zu einem der wichtigsten Industriestandorte der Gegend. Hunderte von Arbeitsplätzen entstanden. In Spiegelau selbst wurde 1901 mit der evangelischen Martin-Luther-Kirche die erste Kirche erbaut. Die katholische Pfarrkirche folgte 1917. Ebenfalls um die Jahrhundertwende begann man die urige Gegend mit den unübersehbaren Wäldern und der beeindruckenden Steinklamm als “Sommerfrische” zu entdecken.

Der Klingenbrunner Ortsteil Spiegelau wuchs weiter, und 1959 wurde der Name der Gesamtgemeinde in Spiegelau umgeändert. Der Name Klingenbrunn bleibt jedoch als Gemeindeteilname erhalten.

Zu Spiegelau gehören jetzt die Gemeindeteile Spiegelau, Althütte, Flanitzhütte, Hauswald, Jägerfleck, Klingenbrunn, Kronreuth, Neuhütte, Ochsenkopf, Reinhardschlag und Sommerau und bald auch List.

Die bisher eigenständige und auch ältere Gemeinde Oberkreuzberg mit ihren bisherigen Gemeindeteilen Augrub, Beiwald, Hirschöd, Hirschtalmühle, Hirschschlag, Hochreuth, Holzhammer, Holzmühle, Kirchenberg, Langdorf, Luisenfels, Marienhöhe, Mühlberg, Palmberg, Rehbruck, Reuteck, Ringen, Steinbüchel, Winkelhof, Winkelmühle und Winkelreuth wurde im Zuge der Gemeindegebietsreform 1978 nach Spiegelau eingegliedert. Im gleichen Zug kam auch Pronfelden von St. Oswald-Riedlhütte zu Spiegelau.

Gemeindewappen

Ein Gemeindewappen wird seit 1962 geführt. Der Spiegel ist redendes Bild für den Gemeindenamen und weist zugleich auf die traditionell im Gemeindegebiet betriebene Glasmacherei, insbesondere die Spiegelglasfabrikation, hin. Der blaue Balken im silbernen Schild entspricht dem Wappen der Landgrafen von Leuchtenberg, unter deren Herrschaft (1375-1417) die Gegend von Spiegelau siedlungsmäßig erschlossen wurde. Der ältere Hauptort der Gemeinde war Klingenbrunn. Spiegelau, 1521 erstmals als Glashüttenstandort genannt, entwickelte sich im 19. Jahrhundert durch das Aufblühen der Holz- und Glasindustrie und den Anschluss an das Eisenbahnnetz (1890) zum wichtigsten Industriestandort der Gegend. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde die Gemeinde Klingenbrunn 1959 in Spiegelau umbenannt.

Politik

Bürgermeister

  • 1. Bürgermeister ist Karlheinz Roth (CSU). Er gewann 2014 die Wahl gegen Amtsinhaber Josef Luksch (SPD) mit 72,75 Prozent. Luksch war davor 18 Jahre lang Bürgermeister.

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 16 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister) und folgende Sitzverteilung:

  • SPD: 5 Sitze (2008: 7)
  • CSU: 8 Sitze + 1. Bürgermeister (2008: 5)
  • FW: 3 Sitze (2008: 4)

Tourismus

Im Jahr 1997 eröffnet der damalige Bundeskanzler Kohl in Spiegelau die Glasstraße, eine deutsche Ferienstraße. In der Kristallglasfabrik Spiegelau kann man bei einer Hüttenführung die Herstellung des Spiegelauer Echtkristallglases bestaunen. 1970 wurde in der Nähe der Nationalpark Bayerischer Wald gegründet. Weitere Einrichtungen sind ein großer Kurpark, Seen, Tennis, Naturkneippanlage, das Naturbad Spiegelau, Hallenbad mit Sauna und Solarium, Kristallglasfabrik, Schnapsmuseum mit Kunstgalerie, einheimische Glaskunst, Lese- und Internetraum in der Touristinformation.

Darüber hinaus bietet das Umfeld ein großes Waldspielgelände mit Naturerlebnispfad, zirka 200 Kilometer markierte Radwege. Europaweit einmalig ist der Seelensteig und Aufichtenwaldsteg. Es finden zahlreiche Feste statt (z.B. historisches Pandurenfest), Exkursionen im Nationalpark, Ausflugsfahrten, Aussichtsturm Oberkreuzberg, Nordic-Walking-Park „Walderlebnis Spiegelau“.

Projekt "Tierisch Wild"

Am 1. Januar 2009 fiel der Startschuss für das über Interreg geförderte Projekt "Tierisch Wild", eine Kooperation von Naturschutz und Tourismus. 13 bayerische und neun böhmische Gemeinden, sowie die Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava haben sich zusammengeschlossen, um die Stärken der Nationalparkregion optimal zu nutzen und miteinander zu kombinieren.
Patentier der Gemeinde ist der Specht.

Verkehr

  • Spiegelau beteiligt sich neben sieben weiteren Gemeinden seit dem 1. Mai 2010 an dem GUTi - Gästeservice Umwelt-Ticket, das seinen Gästen kostenlosen Beförderung auf allen Bahn- und Busverbindungen im Bayerwald-Ticket-Tarifgebiet anbietet.

Sehenswürdigkeiten

Spiegelau gilt als idealer Ausgangspunkt für Wandertouren durch die Steinklamm.

Bildung und Erziehung

Vereine

  • Bayer. Siedlerbund Siedlergemeinschaft Spiegelau
  • Bayer.Wald-Verein Sektion Spiegelau
  • BRK Sanitätskolonne Spiegelau
  • Freiwillige Feuerwehr Spiegelau
  • Förderverein Freiwillige Feuerwehr Spiegelau
  • Gewerbeverein Spiegelau
  • Kaninchenzuchtverein Spiegelau
  • Kath. Frauenbund Spiegelau
  • Krieger- u. Soldatenverein Spiegelau
  • Männergesangsverein Spiegelau
  • Skiclub Spiegelau
  • Tennisclub Spiegelau
  • Tourismusgemeinschaft Spiegelau
  • Turn- und Sportverein Spiegelau
  • VdK-Ortsverband Spiegelau
  • Wasserwacht Spiegelau
  • ÜPG-Ortsverband Spiegelau
  • SPD-Ortsverband Gemeinde Spiegelau
  • Freie Wähler
  • CSU-Ortsverband Spiegelau-Klingenbrunn-Oberkreuzberg
  • Junge Union Spiegelau-St. Oswald-Riedlhütte

Sport

Der Skiclub Spiegelau und die Freiwillige Feuerwehr Spiegelau organisieren jährlich die Langlaufveranstaltung Sprintnight.

Bekannte Persönlichkeiten

Literatur

Weblinks


Städte und Gemeinden im Landkreis Freyung-Grafenau
Wappen Landkreis Freyung-Grafenau.png

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