spectrumKIRCHE

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spectrumKIRCHE

spectrumKIRCHE ist ein Exerzitien- und Bildungshaus des Bistums Passau in Passau-Mariahilf

Geschichte

Anfänge des Exerzitienhauses

Das Exerzitienhaus in Passau wurde 1959 erbaut. Am 11. Januar 1960 nahm Bischof Simon Konrad Landersdorfer die feierliche Einweihung des „Diözesan-Exerzitienhaus Mariahilf ob Passau“ mit der Segnung des Hauses und der Heilig-Geist-Kapelle und die Konsekration des Altares vor und feierte bei diesem Anlaß „zum Volk gewendet“ eine Pontifikalmesse. Die Heilig-Geist-Kapelle war vom Regensburger Architekten Hans Beckers, die Glaswand von Notburga Beckers, Vortragekreuz und Tabernakel vom Künstler Roland Friedrichsen aus München und das Wandfresko in der Kapelle (der Auferstandene) wie jenes an der Außenwand des Speisesaals (die Diözesanpatrone) von Karl Mauder gestaltet worden. Geistlicher Initiatior des Hauses war Domdekan Dr. Baumgärtler.

Den finanziellen Grundstock bildete der Verkauf des Hotels „Passauer Wolf“ in der Bahnhofstraße (heutige Engel-Apotheke), mit dessen Erlös die Brauerei Hacklberg 1957 ein Darlehen an die Diözese zurückzahlte. Die ursprünglichen Pläne, das Haus auf Stiftungsgrund in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wallfahrtskirche Mariahilf als Flachdachbau zu errichten, wurden von den Behörden abgelehnt. Ein moderner Baukörper neben der barocken Klosteranlage fand nicht das Placet der Baubehörde. Schließlich erwarb die Diözese an der Schärdinger Straße ein Grundstück, das für den Bau des Hauses geeignet schien. Bereits am 4. Juni 1959 konnte in einer schlichten Feier das Richtfest begangen werden, am 11. Januar 1960 erteilte Bischof Simon Konrad Landersdorfer im Beisein von Domdekan Dr. Baumgärtler, Subregens Dr. Josef Hacker, von vier Benediktinerinnen aus Neustift, sechs Hausmädchen, dem Hausmeister und den Ehrengästen die kirchliche Weihe.

Erste Wirkungsjahre

Von Anfang an bildeten die Exerzitienkurse den Schwerpunkt des Hauses; dazu gesellte sich in der Person des Konzilvaters Bischof Simon Konrad Landersdorfer und des ersten Direktors, Dr. Josef Hacker das Bemühen um die liturgische Bildung des Diözesanklerus sowie um Kunst und Kultur. Zahlreiche Tagungen, etwa die Arbeits- und Einkehrtagung der CSU-Landtagsfraktion (1962), belegen den Bildungsauftrag des Hauses. Bereits in den Gründungsjahren vereinte das Exerzitienhaus jene vier Aufgabenfelder, die es auch derzeit wahrnimmt: I. Exerzitien/Spiritualität, II. Liturgische Bildung, III. Kunst und Kultur sowie IV. Tagungen.

Durch den plötzlichen Unfalltod des erst 48-jährigen Direktors Dr. Hacker am 8. Januar 1962 wurde eine große Lücke gerissen, die mit dem neuen Direktor P. Dr. Gislar Aulinger aus Schweiklberg geschlossen wurde. Ihm folgte 1991 Domvikar Hans Willeitner nach.

Generalsanierung und Wiedereröffnung

Nach der Generalsanierung von 1994 bis 1998 und der Wiedereröffnung durch Bischof Franz Xaver Eder verfügt das in spectrumKIRCHE umbenannte Exerzitienhaus über 68 Zimmer für 90 Personen. Die beim Umbau neugestaltete Heilig-Geist-Kapelle fasst ca. 120 Personen. Neu hinzugekommen ist ein zweistöckiger Meditationsturm mit Meditations/Vortragsraum und die „Sinai“-Kapelle. Sie zeichnen sich durch die künstlerische Gestaltung von Prof. Johannes Schreiter aus. Besonders beeindruckt der Fensterzyklus „Mose und der brennende Dornbusch“, den Schreiter zu seinen besten Werken zählt. Darüber hinaus bietet das Exerzitienhaus seinen Gästen fünf Tagungs- und Seminarräume mit moderner Tagungstechnik, acht Gruppenräume, vier Speiseräume, eine Caféteria und eine Weinstube an. Besonders beliebt ist bei den Besuchern der 7.000 Quadratmeter große Park und der Innenhof mit Teich und Seebühne.

Seit Herbst 2002 leitet Domvikar Dr. Bernhard Kirchgessner das Exerzitienhaus.

Aufgaben

Liturgie und liturgische Bildung

Dem promovierten Liturgiewissenschaftlers Dr. Hacker war die Sorge um eine würdige Feier der Liturgie im Haus anvertraut. Dazu setzte Bischof Simon Konrad Landersdorfer durch die „versus populum“ gefeierte Pontifikalmesse bei der Hauseinweihung lange vor der Liturgiereform ein deutliches Zeichen. Die Chronik erwähnt eigens Hackers Bemühen, „den Exerzitanten den Sinn für einen würdig und geziemend gestalteten Gemeinschaftsgottesdienst mitzugeben“. Hacker machte „die Exerzitienhaukapelle zur hohen Schule der Messopfererziehung.“ (Chronik S. 105) Einen Meilenstein in der Geschichte der liturgischen Erneuerung legte Bischof Simon Konrad Landersdorfer genau zwei Jahre nach Konzilseröffnung, am 11. Oktober 1964, als er zum Abschluss einer Tagung der CAJ (Christliche Arbeiterjugend) mit zehn Kaplänen die erste Heilige Messe in Konzelbration in der Stadt Passau feierte.

Die Aufgabe der liturgischen Bildung hat Bischof Wilhelm Schraml seit Herbst 2002 wieder an spectrumKIRCHE gebunden. Fachspezifisch wie spirituell ausgerichtete Studientagungen sowie eintägige Angebote wollen in Priestern und Diakonen, Kirchenmusikern, Lektoren, Kommunionhelfern und Wortgottesdienstleiter die Liebe zur Liturgie wecken und stärken.

Künstlerseelsorge

Die Künstlerseelsorge, von Bischof Wilhelm Schraml im Herbst 2002 errichtet, ist eine junge Einrichtung der Diözese Passau, die auf den Erfahrungen der Gründerjahre des Hauses aufbauen kann. Nebst der musischen Kunst hat auch die literarische (Lesungen) und bildende Kunst durch Ausstellungen (Grafik, Glasarbeiten, Keramiken, Enkaustiken, Stahlskulpturen, Textilarbeiten, Fotographien, Bronzeplastiken u.a.) ihren Platz im Haus. Auf vielfältige Weise können im schönen Ambiente von spectrumKIRCHE Kunst und Kirche miteinander in Dialog treten.

Das Gros der Künstlerseelsorge bleibt jedoch im Verborgenen, die Besuche bei Künstlern, die Besichtigung ihrer Ateliers und ihrer Werke, das Gespräch, das vielfach in einen Dialog über religiöse Fragen mündet und Einblick in das ganz persönliche Schicksal jener Frauen und Männer, die sich als Künstler engagieren, gewährt.

Bildunghaus

Tagungen und Konferenzen bilden das vierte Standbein des Exerzitienhauses. Bereits im Gründungsjahr 1960 nahmen mehr Menschen an Tagungen (2.440) als an Exerzitien und Einkehrtagen (2.200) teil. 1990 besuchten von 6.442 Gästen insgesamt 4.387 Fortbildungsveranstaltungen. Dieses Zahlenverhältnis hält bis heute an. Sowohl diözesane als auch außerdiözesane Gruppen belegen unser Haus regelmäßig, darüber hinaus Institutionen wie die Universität Passau, die Sparkasse Passau oder die Regierung von Niederbayern, um nur einige zu nennen.

Immer wieder fragen auch Einzelpersonen nach Tagen persönlicher Recollectio an. Sie können sich auf Wunsch mit Teilnahme am liturgischen Leben und mit geistlicher Begleitung zu Tagen der Stille, der Ruhe und Selbstfindung in unser Haus zurückziehen. In Erfüllung seines Bildungsauftrags lädt das Haus in Kooperation mit diözesanen Partnern (z.B KEB) zu Veranstaltungen ein. Im Rahmen der Gesprächsreihe „colloquium im spectrum“ sind interessante Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, Kirche, Kunst und Kultur zu Gast (Prof. Dr. Dr. Franz Mußner, Prof. Ruth Zechlin, Prof. Dr. Gustav Kuhn, Dr. Hanna-Renate Laurien, Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel, Nuntius Erzbischof Dr. Karl-Josef Rauber, Staatsminister Dr. h.c. Hans Zehetmair, Dr. Thomas Goppel, Altabt Emmanuel Jungclaussen OSB, Prof. Dr. Günther Meinrath)

Leitbild von spectrumKIRCHE

  • spectrumKIRCHE – Exerzitien- und Bildungshaus auf Mariahilf, Passau, steht unter dem Leitwort: „Offen für Gott und die Menschen“. Es ist für alle Menschen guten Willens offen, die, wenn auch nur vorübergehend, Beheimatung, d.h. ein Dach über der Seele suchen. („Porta patet, cor magis.“)
  • spectrumKIRCHE greift im Sinne einer offenen, dialogbereiten Kirche (II. Vatikanisches Konzil) die Bedürfnisse heutiger „Gottsucher“ auf, sucht die Zeichen der Zeit zu erkennen und im Licht des Evangeliums zu deuten.
  • In spectrumKIRCHE gehen Leben und Glauben, actio und contemplatio, Mystik und Politik Hand in Hand. Das Haus will immer mehr zu einem spirituellen Zentrum der Diözese Passau werden.
  • Das Angebot von spectrumKIRCHE möchte für Leben und Glauben heutiger Menschen konkrete Hilfen anbieten und deshalb sowohl die Engagierten bestärken und als auch jene Menschen ansprechen, die im Leben der Pfarreien nicht (mehr) präsent sind. Das halbjährlich erscheinende Hausprogramm umfasst Exerzitien, christliche Spiritualität und Mystik, Liturgie und Liturgische Bildung, Fortbildung sowie die KünstlerSeelsorge.
  • Das Kriterium der Qualität prägt ganz entscheidend das Programm des Hauses. Was wir tun soll nicht Masse, wohl aber Klasse haben.
  • Die Liturgische Bildung möchte den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern fachspezifische, wie spirituelle Impulse für die Feier des Glaubens und des Lebens in heiligen Zeichen vermitteln und Freude an der Liturgie wecken. Die regelmäßig gefeierten Gottesdienste laden die Mitfeiernden ein, im Geheimnis Gottes zu wohnen und aus diesem Geheimnis ihr Leben zu gestalten.
  • Die in spectrumKIRCHE angesiedelte Künstlerseelsorge bemüht sich um die Intensivierung des Dialoges zwischen Kunst und Kirche. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen etc. wollen Kirche, Künstler und interessierte Menschen einander näher bringen und die Scheu vor zeitgenössischer Kunst abbauen helfen. Darüber hinaus konzentriert sich KünstlerSeelsorge vor allem auf die menschlich-seelsorglichen Begleitung der Künstler.
  • spectrumKIRCHE steht allen Menschen und Institutionen für Tagungen, Kongresse und Veranstaltungen offen, welche die Atmosphäre eines christlichen Hauses schätzen.
  • Einzelpersonen sind zu Tagen der Stille und Erholung in unserem Haus herzlich willkommen. Auf Wunsch können Sie an diesen Tagen geistlich begleitet werden, an den liturgischen Feiern teilnehmen und in einer Atmosphäre des Schweigens persönliche Oasentage verbringen.

Weblinks