Soldaten- und Kriegerverein Ruderting

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Der Soldaten- und Kriegerverein Ruderting (SKV) ist ein vermutlich in den 1860ern gegründeter Rudertinger Soldatenverein.

Geschichte

Vorgeschichte

Schon früh erfreuten sich Vereine der ehemaligen Krieger und Soldaten großer Wertschätzung und die Mitglieder hatten ein gewichtiges Mitspracherecht im gesellschaftlichen Leben. Die Soldaten versicherten sich bei ihren Treffen gegenseitig und dem abwesenden König, dass ihnen männliche Wehrhaftigkeit und Einigkeit heilig waren. Sie gaben sich das soldatische Versprechen, Blut und Leben für das Vaterland zu opfern und die Heimat zu schützen. Zeitweise dienten die Zusammenkünfte ehemaliger Soldaten auch der Aufarbeitung von Kriegserlebnissen; wegen der psychologischen Wirkung könnte man sie auch als frühe Form von „therapeutischen Selbsthilfegruppe“ bezeichnen. Die meisten Vereinsgründungen dieser Art entstanden nach den Kriegen von 1866 und 1870/71.

Auch in Ruderting wuchs in jener Zeit der Wunsch, sich als eigenständiger Verein zu präsentieren. Ein genaues Gründungsjahr des Vereins der Rudertinger „Krieger und Veteranen“ ist dabei jedoch nicht mehr dokumentiert – inzwischen nahm der Verein Abstand von dem früher vermuteten Jahr 1866, das 1996 mit einem 130-jährigen Jubiläum gefeiert wurde; im Jahr 2008 hatte es ein neues Fest zum 140-jährigen Bestehen gegeben. Der Gründungsort des Vereins war jedenfalls das Rudertinger Gasthaus des Ehepaares Joseph und Aloisia Maier, Hausnummer 1, das später über sechzig Jahre lang das Gasthaus Muttenhammer war und heute das Gasthaus „Zur alten Post“ ist. Die Namen der tonangebenden Bauern lassen sich sowohl hier als auch im Gemeindeausschuss, im Armenpflegschaftsrat, in der Freiwilligen Feuerwehr und im späteren Kirchbau-Verein Ruderting finden. Die Besonderheit liegt auch darin, dass einfache Dienstknechte Mitglied werden konnten und damit dem Bauern auf eine besondere Weise gleichgestellt waren.

Im Jahre 1894 wurde der Rudertinger Verein in der Zeitung genannt, weil er als Patenverein des Haselbacher Veteranen- und Kriegervereins anlässlich dessen Fahnenweihe auftrat. Die Rudertinger widmeten ein sehr schönes Erinnerungsband. 1895 schrieb die Passauer Zeitung vom „Freudentag“ des Veteranen- und Kriegervereins Ruderting, denn er „feierte sein 27-jähriges Gründungsfest und die Weihe der neuen Fahne“. Diese war „sehr preiswerth im Institute der englischen Fräulein in Freudenhain hergestellt und wurde allgemein bewundert“.

Zeit der Weltkriege

Die Kriegserklärung an Russland 1914 durch den deutschen Kaiser Wilhelm II. begeisterte die Mitglieder der Veteranen- und Kriegervereine. Es hieß, man müsse sich gegen den Feind wehren und die Heimat schützen. Druckereien überboten sich mit der Herausgabe fröhlicher Postkarten, die dann die Soldaten von der Front nach Hause schicken konnten und die Verhältnisse im Schützengraben verfälschten. Schon drei Wochen nach Kriegsausbruch fiel der Gastorfer Bauernsohn Jakob Risinger. Ihm folgten noch 41 junge Männer aus der Gemeinde Ruderting in den Tod.

Nach dem Krieg drängten die Vereinsmitglieder, die auch im Kirchbau-Verein waren, auf den Bau einer Kriegergedächtniskapelle in Ruderting. Sie fanden Gehör beim Tiefenbacher Ortspfarrer, der den Kirchbau in diesem patriotischen Sinne unterstützte. Am 28. August 1927 wurden an der nördlichen Außenmauer der Kirche die Steinplatten mit den Namen der gefallenen Soldaten angebracht und geweiht. Am 1. Juni 1930 feierte der Verein sein 61-jähriges Gründungsjubiläum, was auf das Gründungsjahr 1869 schließen ließe. Die Festansprache hielt Max Reschauer. 1934 kaufte die Gemeinde Ruderting für 188,50 RM eine Ehrenchronik „Weltkrieg 1914/18“.

Die bisher bekannten Vereinsvorstände des Vereins bis Ende des 2. Weltkrieges: Bei der Errichtung des Kriegerdenkmals 1927 war ein Matthias Koller Vorstand der Rudertinger Veteranen. Bis zum Januar 1929 war Ludwig Winter, Bauer in Tauschberg Vereinsvorsitzender. Ab Januar 1929 übernahm der Gastwirt Alois Muttenhammer das Amt als Vorstand. Im Januar 1932 wird Josef Streifinger aus Reithof als Vorstand genannt; wie lange er dies blieb ist nicht bekannt. In den Jahren 1936 und 1940 wird ein Matthias Kühberger aus Gastorf als Kameradschaftsfüher genannt, der Verein hatte 1940 nur 34 Vereinsmitglieder.

Die nationalsozialistische Gleichschaltung ordnete dem Rudertinger Verein – wie alle anderen Veteranenvereinen – dem Kyffhäuserbund unter. Das Banner wurde am 19. Mai 1935 geweiht. Der Kriegsausbruch vier Jahre später, am 1. September 1939, war für ehemalige Soldaten nicht so überraschend, hieß es zumindest nach dem Krieg. So habe sich in Ruderting mit dem Ausbau der Ostmarkstraße gezeigt, dass nicht nur eine gute Verbindung von der Donau nach Norden als wirtschaftsfördernde Maßnahme Zielsetzung war, sondern eine militärstrategische Absicht die Dringlichkeit vorgegeben hatte. Alles in allem forderte der Zweite Weltkrieg das Leben von 47 Rudertingern, sechs blieben vermisst. Für die Heldenehrung nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Gemeinde 1950 die Kosten für den Kranz am Kriegerdenkmal.

Wiedergründung

Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen sich die Männer wieder im Vereinslokal, teilten oft stumm ihre Erlebnisse, weil Worte fehlten. Im Gasthaus Muttenhammer gaben sie sich gegenseitig neuen Mut und gründeten ihren Verein neu. Der Veteranen- und Kriegerverein Ruderting, wie er sich weiterhin nannte, wählte den Juni 1951 mit den Daten 3. und 10. Juni 1951 als neuen Gründungszeitraum fest. Jetzt war es leicht, als Verein zur Freude der Rudertinger am 12. August 1951 ein Heimkehrerfest zu feiern, obwohl das Kriegsende schon sechs Jahre zurücklag. 1952 baute der Verein mit vereinten Kräften und mit Unterstützung der Gemeinde ein frei stehendes Denkmal zu Ehren der gefallenen und vermissten Kameraden. Am 17. August 1952 wurde es feierlich eingeweiht.

Nach dem voraus gegangenen Deutschlandvertrag vom 26. Mai 1952 fand ab 5. Mai 1955 das Besatzungsregime in der Bundesrepublik ein Ende, wenn auch noch Stationierungen der Amerikaner, Engländer und Franzosen im Westsektor blieben. In Ruderting begrüßte man überwiegend die friedenssichernde Kraft der Bundeswehr, als sie am 12. November 1955 eingeführt wurde. Der Rudertinger Verein hoffte auf neue Mitglieder und konnte ehemalige Kriegsteilnehmer mit den Soldaten der Bundeswehr in Gesprächen vereinen, so dass sich alle einig waren: „Nie wieder Krieg!“

1955 kaufte die Gemeinde eine Phototafel für 45 Mark, auf der die Gefallenen, Vermissten und Soldaten des letzten Weltkrieges aufgelistet stehen. 1959 gab der Gemeinderat dem Verein 100 Mark Zuschuss zum Kauf einer Salut-Kanone. Bis heute werden aus ihr bei Beerdigungen eines Vereinsmitglieds während des Liedes „Ich hatt‘ einen Kameraden“ drei Kanonenschüsse abgefeuert. Der Verein widmete sich auch der Geselligkeit und veranstaltete immer wieder einen Ball und ein Sommerfest. Das (vermeintlich) 100-jährige Gründungsfest wurde am 17. Juli 1966 im Beisein von über 50 Vereinen gefeiert.

Fahnenmutter des Vereins war viele Jahre lang Maria Muttenhammer. Diese trat aber nach dem Tod ihres Ehemannes Alois Muttenhammer aus dem Licht der Öffentlichkeit. Sie überließ die Repräsentation ihrer Tochter Maria „Marli“ Muttenhammer, verheiratete Lindner. Sie stiftete 1957 ein Fahnenband. Später zog sie nach München – neue Fahnenmutter wurde ihre Schwägerin Else Muttenhammer, die Ehefrau des Ignaz Muttenhammer.

Jüngste Geschichte

1970 wurde das Kriegerdenkmal baulich verändert, die Gemeinde gab dazu 200 DM. Im November 1975 wurde die neue Fahne des Vereins geweiht und die „Sechsergemeinschaft“ mit Haselbach, Kirchberg vorm Wald, Schalding links der Donau, St. Korona und Tiefenbach gegründet. Ende 1979 hatte der Verein 140 Mitglieder. 1981 änderte sich der Name in „Soldaten- und Kriegerverein Ruderting“ (SKV). Weil immer noch das Jahr 1866 als Gründungsjahr für den „Veteranen- und Krieger-Verein Ruderting“ galt, feierte der SKV am 3./4. August 1991 das 125-jährige Gründungsfest, zu dem 96 Gastvereine gratulierten.

Vom 5. bis 7. Juli 1996 fand ebenfalls ein großes Fest mit Weihe der neuen Fahne „Mit Gott für Heimat, Frieden und Freiheit“, zu dem sich 60 Vereine angesagt hatten. Im Jahr 2002 wurde eine neue Vorstandschaft gewählt und Else Muttenhammer wurde zur Ehrenfahnenmutter gekürt. Mittlerweile wurde das Gründungsjahr auf 1868 festgesetzt und brachte im Jahr 2008 das 140-jährige Jubiläum. Erster Vorstand ist Walter von der Sitt, der mit seinen Kameraden und mit Fahnenmutter Paula Kreipl, Wirtin des Vereinsgasthauses „Zur alten Post“, den Rudertinger Verein vertritt.

Kontakt

Soldaten- und Kriegerverein Ruderting e.V.
Bgm.-Jungwirth-Straße 1
94161 Ruderting

Telefon: +49 8505 915744
Telefax: +49 8509 935308

Literatur

  • Eva Maria Öttl: Leben im Dorf und in alten Vereinen. Ruderting 2011
  • Manfred Stolper, Sammlung von Zeitungsartikeln aus der Passauer Zeitung und der Donau Zeitung 2017
  • Manfred Stolper, Soldatenarchiv Tiefenbach (Stand April 2018)
  • Manfred Stolper, Unterlagen zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in Ruderting (BezA/LRA (Rep. 164/13), Nr. 1375