Siegfried Zimmerschied

Aus RegioWiki Niederbayern
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sigi Zimmerschied. (Foto: PNP)
Sigi Zimmerschied (li.) und Maximillian Brückner. (Foto: Köhler)
„Portrait“ von Sigi Zimmerschied an der Wand seines Hauses in Passau.

Siegfried „Sigi“ Zimmerschied (* 7. Oktober 1953 in Passau) ist ein aus Passau stammender Kabarettist. Bekannt ist er vor allem in Bayern und Österreich mit seinen Soloprogrammen. Seinen künstlerischen Ursprung hat er im Scharfrichterhaus Passau. Er zeichnet sich durch seinen – immer parteiübergreifenden und unideologischen – Humor aus, der mal pointiert geistreich, mal derb und ätzend daherkommt. Zudem besitzt er ein seltenes stimmenimitatorisches Talent und eine bemerkenswerte Mimik.

2017 tourte er mit seinem Soloprogramm „Der siebte Tag – Ein Erschöpfungsbericht“ durch Bayern.

Leben und Wirken

1975 gründete Siegfried Zimmerschied zusammen mit Bruno Jonas die Passauer Kabarettgruppe „Die Verhohnepeopler“, es folgte die Aufführung der "Himmelskonferenz" in Passau, die zu einem halbjährigem Ermittlungsverfahren wegen Gotteslästerung führte, an deren Ende ein Freispruch stand, 1976 startete er sein erstes Soloprogramm „Zwischenmenschen“, dem weitere Soloprogramme folgten. 1977: Mitglied beim Münchner "Rationaltheater". 1979: Herausgabe der satirischen Zeitung "Hirtenbrief". Auch in Filmen wirkte er mit, darunter 1982 „Peppermint Frieden“ von Marianne Rosenbaum, mit Peter Fonda in der Hauptrolle. 1983: Gründung des Passauer Volkstheaters; Produktion: "Neubayerischer Bilderbogen". 1983 und 1986 drehet er unter der Regie von Josef Rödl die Filme „Grenzenlos“ und „der wilde Clown“, 1989 spielte er in „Himmelsheim“ von Manfred Stelzer. Seine künstlerische Vielseitigkeit bewies er 1992, als er das Projekt „Schartl“ startete, einen frei finanzierten Spielfilm, in dessen Produktion er als Autor, Darsteller, Regisseur, Komponist und Produzent wirkte.

Im Kinofilm „Räuber Kneißl“, der 2008 von Marcus H. Rosenberger verfilmt wurde, spielte Zimmerschied die Rolle des intriganten „Flecklbauers“. Ebenfalls 2008 wirkte er im Film „Die Perlmutterfarbe“ von Marcus H. Rosenmüller mit, hier spielt er einen Konditor.

In dem Film „Das Monster ist tot“ spielt Siegfried Zimmerschied den Verräter des Helden. Der Held ist ein Räuber, es wird aber so dargestellt als wäre er durch die äußeren Umstände dazu gezwungen worden ein Bösewicht zu werden. Aus diesem Grund übt Siegfried Zimmerschied auch sanfte Kritik am Regisseur wie in seinem Zitat über den Räuber Kneißl deutlich wird: „Das ist die subjektive Meinung des Regisseurs, man hätte ihn auch viel zerissener und psychopathischer zeigen können.“

Im Tatort „Häschen in der Grube“, der am 23. November 2008 bei der ARD gesendet wurde, spielte Zimmerschied an der Seite von Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec als ermittelnde Kommissare einen Pförtner, der mit einer trauernden Familie mitfühlt. Er ist einer, der alles beobachtet und viel weiß.

Am 12. Oktober 2008 erhielt Zimmerschied den erstmals verliehenen Preis des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten e.V. (IBKA). Ausgezeichnet werden Personen, „die sich in herausragender Weise um Weltanschauungsfreiheit, Selbstbestimmung und Toleranz, Trennung von Staat und Kirche, Förderung vernunftgeleiteten Denkens sowie Aufklärung über Wesen, Funktion, Strukturen und Herrschaftsansprüche...“ verdient gemacht haben. Am 22. November des Jahres erhielt er außerdem den renommierten und mit 10.000 Euro dotierten Friedrich-Baur-Preis für darstellende Kunst – als erster Kabarettist überhaupt.

Am 12. Januar 2010 stellte er in München sein neues Programm "Lachdichter" vor, was aus Texten seiner gesammelten Fernseh-Manuskripte besteht, die alle abgelehnt wurden. Im Jahr 2011 war Zimmerschied in dem Film „Eine ganz heiße Nummer“ als Dorfpfarrer zu sehen. Bekannt wurde er ab 2013 auch als Dienststellenleiter Moratschek in der Verfilmung der Buchreihe von Rita Falk. Darüber hinaus spielte er zahlreiche Fernsehrollen u.a. in "Polizeiruf" mit Jörg Hube und Matthias Brandt, "Tatort" und "Unter Verdacht" mit Senta Berger.

Publikationen

Werke

  • A ganz a miesa, dafeida, dreckada Dreck san Sie., Passau: Andreas-Haller-Verlag, 1982, ISBN 3-88849-001-4
  • Für Frieden und Freiheit – ein Holzweg in 14 Stationen, Passau: Andreas-Haller-Verlag, 1983, ISBN 3-88849-008-1
  • Die Stachelbeersträucher von Saigon, München: Langen Müller Verlag, 2013, ISBN 3-78443-325-1
  • Der Komparse Ein Roman, (Eigenverlag), 2017

Soloprogramme

  • 1976: 1. Soloprogramm: "Zwischenmenschen"
  • 1978: Soloprogramm "Haltungsschäden"
  • 1979: Soloprogramm "A ganz a miesa, dafeida, dreggiga Dreg san Sie"; halbjähriges Ermittlungsverfahren wegen Verunglimpfung des Staates − Freispruch
  • 1986: Soloprogramm "Betondeppn"; Ludwig-Thoma-Medaille für Zivilcourage in der Öffentlichkeit
  • 1990: Soloprogramm "Ausschwitzn"
  • 1996: Soloprogramm "Danemlem"
  • 1999: Soloprogramm "Ihobs"
  • 2002: Soloprogramm "Diddihasi"
  • 2005: Soloprogramm "Scheißhaussepp"
  • 2006: Soloprogramm "Hirnrisse"
  • 2009: Soloprogramm "Zeitgeister"
  • 2010: Soloprogramm "Lachdichter"
  • 2011: Soloprogramm "Reißwolf"
  • 2013: Soloprogramm "Multiple Lois – Einwürfe eines Parasiten"
  • 2015: Soloprogramm "Tendenz steigend" ein Hochwassermonolog
  • 2017: Soloprogramm "Der siebte Tag – Ein Erschöpfungsbericht"

Programme auf CD

  • Werkschau 1975-1982, Bogner Records
  • Werkschau 1983-1989, Bogner Records
  • Diddihasi, Bogner Records
  • Danemlem, Bogner Records
  • Ihobs, Bogner Records
  • Ausschwitzn, Bogner Records

Filme

  • 1982: "Peppermint Frieden" von Marianne Rosenbaum
  • 1986: "Der wilde Clown" von Josef Rödl
  • 1989: "Himmelsheim" von Manfred Stelzer
  • 1995: "Schartl" als Autor, Komponist, Darsteller, Regisseur und Produzent
  • 2008: "Räuber Kneißl" von Marcus H. Rosenmüller
  • 2010: "Sau Nummer vier", ein Niederbayernkrimi von Max Färberböck
  • 2010: "Zimtstern und Halbmond" von Matthias Steurer
  • 2011: "Eine ganz heiße Nummer" von Markus Goller
  • 2013: "Dampfnudelblues" von Ed Herzog
  • 2014: "Winterkartoffelknödel" von Ed Herzog
  • 2016: "Schweinskopf al dente" von Ed Herzog
  • 2017: "Grießnockerlaffäre" von Ed Herzog
  • 2018: "Sauerkrautkoma" von Ed Herzog

Auszeichnungen

  • Ludwig-Thoma-Medaille
  • Deutscher Kleinkunstpreis, Kategorie Kabarett (1970)
  • Ernst-Hoferichter-Preis (1984)
  • Preis Berliner Wecker (1985)
  • Österreichischer Kleinkunstpreis (1988)
  • Preis des internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten(2008)
  • Friedrich-Baur-Preis für darstellende Kunst (2008)
  • Österreichischer Kabarettpreis (2011)
  • Deutscher Schauspielerpreis (für den Polizeiruf "Schuld" von Hans Steinbichler) (2014)
  • Kulturpreis Bayern (2016)
  • Großer Karl-Valentin-Preis (2017)

Literatur

Weblinks