Sebastian Schenk

Aus RegioWiki Niederbayern
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bezirkstagspräsident Sebastian Schenk

Der niederbayerische Politiker Sebastian Schenk (* 4. April 1929 in Hirblingen bei Augsburg; † 24. Dezember 1998) in Landshut (Klinikum)) war von 1978 bis 1998 Präsident des Bezirkstags von Niederbayern. Er starb wenige Wochen nach Beendigung seiner politischen Karriere.

Leben und Wirken

Sebastian Schenk absolvierte eine Ausbildung zum Landmaschinen-Mechaniker. 1954 bis 1994 war er in Landshut als Geschäftsführer der CSU-Bundeswahlkreisgeschäftsstelle tätig. In seiner Heimatgemeinde Mainburg war er als Kreisrat (Landkreis Kelheim) kommunalpolitisch aktiv. Als sein politischer Lehrmeister gilt der CSU-Politiker Dr. Josef Müller (vulgo „Ochensepp“), dem er einige Jahre als Fahrer diente.

Seit 1962 war er Mitglied des Bezirkstags von Niederbayern, dort 1966 bis 1974 Fraktionsführer der CSU. Ab 30. Juni 1970 war Sebastian Schenk Bezirkstagsvizepräsident, schließlich 1978 bis 1998 in der Nachfolge von Karl Freiherr von Moreau Bezirkstagspräsident.

„Während dieser 20 Jahre (1978–1998) wurden mit der Limestherme und der Kaisertherme neue Zweckverbands-Kurmittelhäuser in Bad Gögging und Bad Abbach errichtet und mehrmals erweitert. (…) Im Laufe seiner Amtszeit entstanden ferner der Fischereiliche Lehr- und Beispielsbetrieb in Lindbergmühle und die Bezirkskrankenhäuser Straubing und Landshut. Bedingt durch den anhaltenden Strukturwandel in der Landwirtschaft entwickelten sich die 1854 als ‚Ackerbauschule‘ gegründeten Landwirtschaftlichen Lehranstalten Schönbrunn in das vielgegliederte Agrarbildungszentrum.“[1]

Als im Jahr 1982 das verfallende Schloss Neuburg am Inn leer stand, überführte es Sebastian Schenk in Absprache mit der Regierung von Niederbayern in das Eigentum des Bezirks Niederbayern und ließ es unter der fachlichen Aufsicht von Dr. Hans Bleibrunner umfassend sichern und in wesentlichen Teilen sanieren.[2] 1998 vollzog er den Eigentumsübergang an den Landkreis Passau. Ebenso maßgeblich, mit politischem Geschick und wirtschaftspolitischem Weitblick, brachte er die Erdgasversorgung Niederbayerns auf den Weg. Die Finanzen des Bezirks übergab er 1998 mit geringem Schuldenstand: „In der Tat ist die Finanzpolitik das Glanzstück der Ära Schenk“ (B. Stuhlfelner)[3]

Gedenktafel im Freilichtmuseum Finsterau in der Dorfkapelle aus Schwolgau. Nach ikonographischem Konzept (schematische Draufsicht auf einen landschaftstypischen offenen Dreiseithof) von Dr. Martin Ortmeier 1999 geschnitzt von Michael Lauss (Foto: Martin Ortmeier, 2018)

Am 3. Juli 1979 wurde unter dem Vorsitz von Bezirkstagspräsident Sebastian Schenk der Zweckverband Niederbayerische Freilichtmuseen Massing im Rottal und Finsterau im Bayerischen Wald gegründet. Zweck dieser Körperschaft ist seitdem der Aufbau und Betrieb der Freilichtmuseen in Finsterau und in Massing, die gemeinsam zur Aufgabe haben, die historische ländliche Siedlungskultur Niederbayerns zu dokumentieren. Von den regionalen Initiatoren (Stiftung niederbayerisches Bauernhofmuseum Massing –Vorsitzender Michael Osterholzer – und Landkreis Freyung Grafenau – Landrat Franz Schumertl) waren zwei Zweckverbände angestrebt worden, denen jeweils der Bezirk, der Landkreis und die Standortgemeinde angehören sollten. Sebastian Schenk bestand darauf, einen Zweckverband zu schaffen, der in wirtschaftlicher Weise beide Standorte betreiben sollte. Und er war es auch, der gegen die traditionell heimatpflegerische Auffassung des Landkreises Rottal-Inn der Empfehlung des Bayerischen Nationalmuseums, Abteilung nichtstaatliche Museen folgte und eine wissenschaftliche Leitung durchsetzte. Als Verbandsvorsitzender forcierte er den Ausbau der beiden peripheren Standorte und den Aufbau eines qualifizierten Personalstamms.[4] „Er will, dass unsere Museen auf Augenhöhe mit den Bauernhofmuseen in Mittelfranken, Oberbayern und -Schwaben kommen.“ (Bezirksrat Siegfried Galleitner, 24. Juni 1984 bei der Eröffnung des Sachls in Finsterau)

Schenk veranlasste als Bezirkstagspräsident grundlegende Publikationen: Von Bezirksheimatpfleger Dr. Hans Bleibrunner (1927–1994) – aufbauend auf seinen „Beiträgen zur Heimatkunde in Niederbayern“ (1967, 1970 und 1976 in der Reihe der „Neuen Veröffentlichungen des Instituts für ostbairische Heimatforschung“ – das Werk „Niederbayern – Kulturgeschichte des bayerischen Unterlandes“ in zwei Bänden (1979), vom Hausforscher Dr. Martin Ortmeier, Leiter der Niederbayerischen Freilichtmuseen 1984–2019, den Band „Bauernhäuser in Niederbayern“ (1989), von Prof. Dr. Maximilian Lanzinner, 1991 bis 2001 Professor für Neuere Geschichte und Bayerische Landesgeschichte an der Universität Passau, ein Gutachten mit dem Titel „Spezifikum Bezirk“ (1994), zusammengefasst 1997 im Aufsatz „Die Bezirksordnung von 1953 und der Bezirk Niederbayern“ im Jahrbuch „Ostbairische Grenzmarken“ (Bd. 39, S. 191–200).

Die Partnerschaft des Bezirks Niederbayern mit dem französischen Département Oise ließ er vorrangig unter dem Aspekt des Jugendaustauschs wirken.

Der Lehrer (an der bezirklichen Hörgeschädigtenschule in Straubing) und Lichtbildner (Leica-Preisträger) Bruno Mooser hat Sebastian Schenk 1997 gemeinsam mit seinem Dienstfahrer Rudolf Hochban in Finsterau am Wistlberg porträtiert. Das Doppelporträt dokumentiert: Sebastian „Wastl“ Schenk war ein Bezirkstagspräsident ohne Dünkel.[5]

Als im Zuge der Diskussion um die Abschaffung des Bayerischen Senats 1997 bis 1999 die bayerische Staatsregierung die Bezirke als Einrichtung der dritten kommunalen Ebene liquidieren wollte, wirkte er gemeinsam mit Bezirkstagspräsident (Schwaben) Georg Simnacher (1932–2014) im Verband der bayerischen Bezirke (jetzt Bayerischer Bezirketag) und mit Abgeordneten des Bayerischen Landtags (u.a. Dr. Herbert Kempfler) erfolgreich auf einen Fortbestand der Bezirke hin.

Publikation

  • „Rückblick auf 40 Jahre Bezirkstagsarbeit in Niederbayern“, Rede des Bezirkstagspräsidenten von Niederbayern Sebastian Schenk bei einer Festsitzung des Bezirkstags am 21.Oktober 1994“ (Konzept: Edeltraud Nuhn)
Bezirkstagspräsident Sebastian Schenk am 11. Oktober 1998 im Freilichtmuseum Massing (Foto: Josef Lang)

Würdigungen

  • Bundesverdienstkreuz Erster Klasse
  • Bayerischer Verdienstorden
  • Komturkreuz mit Stern des päpstlichen Ritterordens zum heiligen Silvester
  • Kommunale Verdienstmedaille in Gold
  • Große Goldene Bezirksmedaille
  • Ehrenbürger der Universität Passau (22. Dezember 1987)
  • Ehrenbürger des Landkreises Passau

Quelle

  • Eintrag über Sebastian Schenk in der Wikipedia
  • Walter Schöttl, Der Bezirk trauert um Sebastian Schenk. Schlaganfall: Am Heiligenabend ist im Alter von 69 Jahren überraschend der niederbayerische Alt-Bezirkstagspräsident verstorben. Passauer Neuen Presse, 28.12.1998
  • Stuhlfelner Bernhard, Urgestein und Motor niederbayerischer Politik. Erschütterung über jähen Tod des Altbezirkstagspräsidenten Sebastian Schenk. Landshuter Zeitung, 28.12.1998
  • Begrüßungsrede von Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein anlässlich der Feierstunde zum Bezirksjubiläum am Freitag, 10. Dezember 2004, 15:00 Uhr, im Bezirksklinikum Mainkofen[6]

Anmerkungen

  1. Manfred Hölzlein: Begrüßungsrede zur Feierstunde des Bezirksjubiläums am 10. Dezember 2004
  2. Zeitschrift Schönere Heimat. Erbe und Auftrag. Jg. 80, Sonderheft 8, München 1991
  3. Bernhard Stuhlfelner, 1998, a.a.O.
  4. Martin Ortmeier: Verstreute Quellen zur Gründungsgeschichte des Freilichtmuseums Finsterau. In: Passauer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte und Kultur Ostbaierns, 57 (2015), S. 219–226 – Ders.: Vom Niederbayerischen Bauernhofmuseum Massing im Rottal zum Freilichtmuseum Massing – 50 Jahre Geschichte eines Heimatmuseums. In: Passauer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte und Kultur Ostbaierns, 61 (2019), S. 275–292
  5. Bruno Mooser, Dorit-Maria Krenn und Martin Ortmeier: Rückspiegel. Niederbayern diesseits und jenseits, Straubing 2003, ISBN 3-936511-00-4, S. 93
  6. Manfred Hölzlein: Rede zur Feierstunde zum Bezirksjubiläum am Freitag, 10. Dezember 2004 auf www.bezirk-niederbayern.de