Schloss Rathsmannsdorf


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Die Burganlage und ihre Arkaden 2008. (Foto: Haslinger)
Schloss Rathsmannsdorf

Schloss Rathsmannsdorf ist eine dem Verfall preisgegebene Burganlage aus dem 14. Jahrhundert oder früher, die am südlichen Ortseingang von Rathsmannsdorf im Markt Windorf gelegen ist.

Geschichte

Anfänge der Burg

Die Entstehungsgeschichte der Burg Rathsmannsdorf ist nicht bekannt: Eine erste gesicherte Erwähnung der ursprünglich dreiflügeligen Anlage mit Burgkern, Turm und Burgmauer ist um das Jahr 1400 nachzuweisen. Damals fand auch eine umfangreichere Erweiterung mit diversen Außen- und Grabenanlagen, Zwinger, Rundtürmen sowie Stauwerk statt, um in unruhigen Zeiten die Wehrhaftigkeit der Burg zu erhöhen. Von 1449 an ging die Anlage in den Besitz der Passauer Bischöfe über. Entscheidend für das heute noch vorherrschende Erscheinungsbild der Burg waren die Jahre 1578/79, als Fürstbischof Urban von Trennbach die Anlage in ein vierflügeliges Renaissanceschloss umbauen ließ. In dieser Bauperiode entstanden der Südflügel, die Arkaden und das Eingangsportal.

Allmählicher Niedergang

1763 erfolgte unter Fürstbischof Leopold Ernst Graf von Firmian eine letzte umfassende Erneuerung von Teilen der Burganlage. Nach der Säkularisation kam das Schloss 1803 in den Besitz des bayerischen Staates und blieb zunächst für längere Zeit unbewohnt. Von da an begann durch Fehlnutzung und Vernachlässigung auch der unaufhaltsame und bis heute andauernde Niedergang.

Im 19. Jahrhundert wechselte die Anlage mehrmals den Besitzer, ehe sie an den ortsansässigen Wirt Seidl verkauft wurde. Dessen Schwiegersohn Wilhelm von Ruffin errichtete 1850 im Schloss eine Brauerei. Bei den Umbauarbeiten wurden der Südflügel zerstört, die Arkaden teilweise abgebrochen und die mit kunsthistorisch wertvollen Renaissance-Malereien verzierte Kapelle durch eine Stahlbetondecke verunstaltet. Von 1911 bis 1989 waren die Grafen von Preysing Herren über das Rathsmannsdorfer Schloss. In diesem Zeitraum waren einige Gebäude noch teilweise bewohnt und wurden daher notdürftig instand gehalten.

Teilung des Grundstücks

Nach dem Tod der Gräfin von Preysing, die bis 1989 das Herrenhaus der Vorburg bewohnte, wurde das Grundstück geteilt: Das noch gut erhaltene und zuletzt 1990 renovierte Herrenhaus mit Stallgebäude und Parkanlage – auch Ruffin-Schlössl genannt – war noch bis 2012 im Besitz der Adelsfamilie. Die vom Verfall bedrohte Kernburg wechselte in den vergangenen Jahren mehrfach den Eigentümer.

Derzeitiger Besitzer ist der ehemalige Münchner Geschäftsmann Werner von Kahlden-Gmell. Er plant den Verkauf der Burganlage, wobei er beim Preis auch größere Abstriche in Kauf nehmen würde. Ursprünglich sollte das Schloss in Absprache mit dem Landkreis Passau und dem Markt Windorf zu einer Alteneinrichtung umfunktioniert werden. Das Vorhaben zerschlug sich jedoch, da der Landkreis diese Pläne nicht weiterverfolgte. Werner von Kahlden-Gmell versuchte daraufhin vergebens, in Eigenregie ein Pflegeheim zu errichten. Der Noch-Eigentümer gibt dem Rathsmannsdorfer Schloss ohnehin nur eine Chance, wenn es auf Dauer wirtschaftlich genutzt wird.

Zustand 2008

2008 stellt sich der Bauzustand der Burg Rathsmannsdorf in so schlechten Zustand dar, dass in einigen Jahren nur noch eine Ruine vorhanden sein wird. Der Verfall der Kernburg ist schon weit fortgeschritten – im Gegensatz zum noch relativ gut erhaltenen, 1859 erbauten Herrenhaus im Vorfeld des Schlosses. Die Anlage ist völlig verwildert und zugewachsen: Laubbäume und Büsche reichen bis an die Außenmauern heran, Wurzeln sprengen Mauerwerk und Putz, Äste zerstören bei Wind und Wetter Dachkanten, Rinnen und Fenster. Die meisten Scheiben sind zerborsten oder fehlen gänzlich, so dass Feuchtigkeit und Nässe ins Innere der dreigeschossigen Gebäude eindringen können, ebenso wie durch die Lücken im steilen Satteldach. Durch die zerstörerischen Witterungseinflüsse sind Teile des tragenden Gebälks durchfeuchtet und morsch und sorgen daher nicht mehr für die notwendige Stabilität der Dachkonstruktion. Algen, Schimmelpilze sowie tierischer Befall beschleunigen den unaufhaltsamen Niedergang dieser einst so stolzen Schlossanlage zusätzlich. Und jeder neue Regen, Schnee oder Sturm trägt zum weiteren Verfall der von der Öffentlichkeit kaum mehr beachteten Burg bei. Dringende Erhaltungs- und Sicherungsarbeiten wären auf der Stelle erforderlich, um zu verhindern, dass in ein paar Jahren nur noch ein trauriger Trümmerhaufen übrig bleibt.

Zu diesem Ergebnis kam auch eine Expertenrunde der Universität Bamberg sowie der Fachhochschule Coburg, die im Jahr 2004 eine ausführliche Bau- und Zustandsanalyse der Burg erstellte. Noch könnten beeindruckende Burgdetails wie Wehrmauern, Torturm-Bergfried oder der Arkadeninnenhof gerettet werden. Die eingestürzten Rundtürme im Südwesten des Gebäudekomplexes sind hingegen nur noch bruchstückhaft zu sehen.

Siehe auch

Literatur