Schöllnach

Aus RegioWiki Niederbayern
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schöllnach
Das Wappen von Schöllnach


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Deggendorf
Höhe: 371 m
Fläche: 39,93 km²
Einwohner: 4.960 (30. Juni 2013)
Postleitzahl: 94508
Vorwahl: 09903
Kfz-Kennzeichen: DEG
Website: www.schoellnach.de
Erster Bürgermeister: Alois Oswald (FW)

Schöllnach ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Deggendorf. Er hat sich mit der Gemeinde Außernzell zur Verwaltungsgemeinschaft Schöllnach zusammengeschlossen.

Lage

Umgeben von den sanft ansteigenden Hügeln des „Sonnenwaldes“ liegt der Markt Schöllnach im Naturpark Bayerischer Wald und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Die im Tal der Kleinen Ohe gelegene Gemeinde besteht aus dem Hauptort Schöllnach und den Ortschaften Taiding und Riggerding sowie weiteren 59 Gemeindeteilen auf der Sonnenseite des 1016 m hohen Brotjacklriegels.

Das Rathaus von Schöllnach
Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer
Die Friedhofskapelle Maria Hilf

Ortsteile

Ortsteile des Marktes sind Adlmaning, Arbing, Aubermühle, Birnbaum, Bradlberg, Brumbach, Daxstein, Dingstetten, Emming, Englfing, Gaichet, Geßling, Glashausen, Haidhof, Heitzing, Herrnholz, Hilkering, Hinding, Hof, Ilgering, Jetzing, Kleibhof, Kleibmühle, Kollmering, Lehen, Lehenreut, Leutzing, Lohholz, Mahd, Neuhofen, Obergriesgraben, Oblfing, Oh, Oitzing, Ölberg, Poppenberg, Predling, Prünst, Prünstmühle, Reindobl, Reit, Reitberg, Rieden, Riggerding, Rothedern, Säcklmühle, Schachen, Schöllnach, Schuhreuth, Schuttholz, Schwanenreit, Simmetsreut, Steinach, Straching, Taiding, Thann, Tiefendobl, Trupolding, Vorading, Weißenstein und Wiesenberg.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Schöllnach fällt in das Jahr 865. König Ludwig der Deutsche bestätigte dabei in einer Urkunde dem Kloster Niederaltaich den Besitz von Scellinha. Der Name leitet sich aus dem Althochdeutschen von „scellan“ (=schallen, rauschen) und „aha“ (=Wasser, Bach) ab und bedeutet demnach „rauschender Bach“, womit die Kleine Ohe gemeint ist.

Vermutlich blieb der Ort bis in das 10. Jahrhundert beim Kloster Niederaltaich. Er soll dann bis 1262 der Grafschaft Schweinachgau um das heutige Schwanenkirchen unterstanden haben und gelangte 1306 in den Besitz der bayerischen Herzöge. Bis 1833 war Schöllnach ein landesfürstliches Rittermannslehen, das vermutlich seit 1311 den Status einer Hofmark hatte.

Zunächst im Besitz der Puchberger zu Winzer, ging der Ort 1375 in den Besitz des Adelsgeschlechtes der Rüd, denen 1429 Oswald der Kafringer zu Socking als Besitzer folgte. Ebenfalls 1429 wurde eine Kirche erbaut. Die erste Kirche entstand vermutlich schon im 11. Jahrhundert.

1445 begann die bis 1612 währende Herrschaft der Reutorner, die Schöllnach zu einer wirtschaftlichen Blüte führten, indem sie die Ansässigmachung von Handwerkern und Tagelöhnern gestatteten. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges erfolgte 1647 eine Plünderung von Schöllnach und des Schlosses durch den bayerischen General Johann von Werth. 1649 wütete die Pest fünf Monate lang, 600 Menschen fielen ihr zum Opfer.

1658 wird erstmals die Pfarrschule mit Schulmeister Wolfgang Hiernkauf erwähnt. Vor dieser Zeit wurde der Schulunterricht vom Mesner der Pfarrkirche gehalten. 1700 erfolgte der Bau der Maria-Hilf-Kapelle.

Von 1719 bis 1774 war die Herrschaft Schöllnach in den Händen der Herren von Vieregg, die 1739 anlässlich der Zertrümmerung des Sitzes Klebstein bei Schönberg mehr als 50 Güter erwerben konnten. Im Österreichischen Erbfolgekrieg wurden Schloss und Hofmark Schöllnach 1742 durch die Ungarn verwüstet. Die letzten Besitzer der Hofmark, die Freiherrn von Pfetten, gründeten 1790 Birken und 1793 Lehenreut.

Mit der Einführung der Schulpflicht in Bayern 1802 wurde die Pfarrschule zur Gemeindeschule. 1808 umfasste die Herrschaft Schöllnach mit drei Rentämtern 155 Untertanen. 1818 erfolgte die Bildung der politischen Gemeinde Schöllnach. Nach der Auflösung der Hofmark und der Schlossökonomie konnten in den 1830er Jahren die Häusler, Tagelöhner und Handwerker des Herrschaftsdorfes und der Neugründungen (Colonien) ihren schmalen Besitz vergrößern.

1954 wurde das Gemeindewappen eingeführt, „in Gold ein schwarzes Lindenblatt am Zweig“. Es ist das Wappen des Adelsgeschlechtes der Reutorner, die von 1445 bis 1612 die Hofmark Schöllnach besaßen. 1966 wurde Schöllnach Markt nach bayerischem Gemeinderecht. Die Gebietsreform brachte 1972 die Eingemeindung der Gemeinden Taiding und Riggerding. 1978 kam es zur Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Schöllnach bestehend aus den Ortschaften Schöllnach, Außernzell und Iggensbach, aus der Iggensbach 1990 ausschied.

Gemeindewappen

Das Gemeindewappen, das seit 1954 geführt wird, ist nach dem Vorbild des Familienwappens der Reutorner gestaltet. Die Familie nannte sich nach ihrem Stammsitz Reitern bei Garham (Gemeinde Hofkirchen, Landkreis Passau) und hatte von 1445 bis 1612 als Lehenempfänger der Grafen von Ortenburg die Hofmark Schöllnach inne. Vor der Zeit in Schöllnach führte das 1686 ausgestorbene Geschlecht einen Käfer im Wappen.

Politik

Bürgermeister

  • 1. Bürgermeister ist Alois Oswald (FW). Er wurde am 2. März 2008 mit 75,24 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt und am 16. März 2014 ohne Gegenkandidat mit 91,38 Prozent im Amt bestätigt.
  • 2. Bürgermeister ist Josef Drasch (CSU).

Marktgemeinderat

Der Marktgemeinderat hat 20 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister). Die Sitze verteilen sich wie folgt:

  • FW: 7 Sitze + 1. Bürgermeister (2008: 9 Sitze)
  • CSU: 8 Sitze (2008: 7)
  • SPD: 5 Sitze (2008: 4)

Sehenswürdigkeiten

  • Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, moderner Hallenbau von 1954, Ausstattung modern mit einigen barocken Figuren.
  • Werktagskapelle St. Johannes. Sie war bis zur Kirchenvergrößerung 1954 die Hauptkirche und besteht aus einem alten gotischen Teil. Die Kapellenfenster stammen aus den 1930er Jahren, der Altar ist neugotisch. In der Kapelle befinden sich Grabsteine aus dem 15. und 16. Jahrhundert aus der Zeit der Reutorner, den früheren Hofmarksherren von Schöllnach.
  • Friedhofskapelle Maria Hilf, 1700 erbaute barocke Wallfahrtskapelle, mit Altar von Christian Jorhan.

Tourismus

  • Der Jugendzeltplatz in Schöllnach lockt im Sommer viele Jugendreisegruppen an
  • Schuttholzer Moor

Wirtschaft

Bahngeschichte

Das schlichte Bahnhofsgebäude bestand aus Schalter- und Warteraum mit angebauter "Güterabfertigungshalle". Foto: Loibl.

Am 1. August 1914 wurde das erste Teilstück der Bahnstrecke Deggendorf-Kalteneck zwischen Hengersberg und Eging dem Verkehr übergeben. Die Eisenbahntrasse sollte ursprünglich weit an Schöllnach vorbeiführen, doch durch das Handeln der Bürger wurde der Ort doch noch an das Schienennetz angebunden. Rund 80 Jahre nachdem die erste Zugverbindung zwischen Nürnberg und Fürth entstanden war, bekam auch Schöllnach den ersehnten Bahnanschluss. Am 31. Juli 1914 wurde deshalb anlässlich der Probefahrt im Gasthof zur Post ein glänzendes Fest gefeiert, das allerdings durch die telegraphische Nachricht von der allgemeinen Mobilmachung ein jähes Ende fand.

Das Bahnhofsgebäude in Schöllnach bestand aus Schalter- und Warteraum mit angebauter "Güterabfertigungshalle". In Reichweite stand ein ein seperates kleines Haus mit Trockenklo.

In den 1950er Jahren standen regelmäßig einmal wöchentlich von Viehhändlern bestellte Waggons bereit, um Rinder und Kälber aufzunehmen zur Fahrt in Richtung Schlachthof München. Güter aller Art konnte man an der Bahnstation zum Versand bringen oder abholen. Über sechs Jahrzehnte wirkte sich die Bahnstrecke Deggendorf-Kalteneck für Schöllnach und seine Umgebung vorteilhaft aus. Die zunehmende Motorisierung leitete aber den allmählichen Verfall und Rückzug der Bahn ein. Am 25. September 1981 fuhr der letzte Personenzug von Deggendorf nach Schöllnach und zurück.

Bildung und Erziehung

  • Grundschule Schöllnach
  • Wilhelm-Reuttorner-Mittelschule Schöllnach
  • Sonderpädagogisches Förderzentrum
  • Staatliche Realschule mit 34 Lehrkräften und 500 Schülern
  • Kindergarten St. Josef Schöllnach
  • Kindergarten St. Maria Schöllnach
  • Kindergarten St. Anna Schöllnach-Riggerding

Personen

  • Dr. Heinrich Altendorfer (* 17. Juni 1876 in Schwarzach, † 1949 in Schöllnach) war Landarzt, Zahnzieher und als Menschenfreund bekannt. Seine Praxis, der eine Apotheke angeschlossen war, lag in der Bahnhofsstraße. Dr. Altendorfer starb 1949 im Alter von 73 Jahren. Die Praxis übernahm sein Sohn Dr. Siegfried Altendorfer. Die Altendorfers waren nicht die ersten Mediziner in Schöllnach. Aus einer alten Chronik geht hervor, dass bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Landarzt namens Franziszi dort seine Praxis hatte. Er soll ein tüchtiger Chirurg und Heilkundiger gewesen sein. Nach seinem Tod gab es jahrelang nur einen Bader im Ort, bis sich um 1890 mit Dr. Weber wieder ein Arzt niederließ.

Vereine

  • EC Schöllnach
  • Faschingsgesellschaft Schöllonia
  • FFW Schöllnach
  • Fischereiverein Schöllnach
  • Gartenbauverein Schöllnach
  • Hundesportverein Schöllnach 1982
  • Imkerverein Schöllnach
  • Kath. Frauenbund Schöllnach
  • Kath. Landjugend Schöllnach
  • Motorradclub Schöllnach
  • Ohe Schützen Schöllnach
  • Ortscaritasverein Schöllnach
  • Plattl-Club Schöllnach
  • Radfahrerverein Schöllnach
  • Reservistenkameradschaft Schöllnach
  • Seniorenclub Schöllnach
  • Skiclub Schöllnach
  • Sonnenwaldschützen Schöllnach
  • SV Schöllnach
  • Tennisclub Schöllnach
  • TSC Schöllnach
  • Veteranen- und Reservistenverein Schöllnach
  • VW-Audi Club Schöllnach
  • Wasserwacht Schöllnach
  • Watterclub Schöllnach

Literatur


Städte und Gemeinden im Landkreis Deggendorf
Wappen Landkreis Deggendorf.png

AholmingAuerbachAußernzellBernriedBuchhofenDeggendorfGraflingGrattersdorfHengersbergHundingIggensbachKünzingLallingMettenMoosNiederalteichOberpöringOffenbergOsterhofenOtzingPlattlingSchauflingSchöllnachStephansposchingWallerfingWinzer