Säuglingsheim Passau

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Das ehemalige Säuglingsheim, hier links im Bild, beherbergt heute die Europa-Bücherei Passau.

Das Säuglingsheim Passau war eine Fürsorgeeinrichtung des Dritten Ordens in Passau.

Geschichte

Im Jahr 1918 kamen die ersten Deutschordensschwestern nach Passau, wo sie in der Folge eine fast das ganze 20. Jahrhundert währende Tradition begründeten: Sie kümmerten sich damals vor allem um die kranken, unterernährten und pflegebedürftigen Säuglinge und Kleinkinder. Die allgemeine Not schrie freilich bald nach einem Haus, in dem die Kinder untergebracht werden konnten zur besseren Pflege. Die Stadt stellte ihnen das von Johann Seidl errichtete, ausgediente Seuchenhaus neben dem Krankenhaus in der Heiliggeistgasse als „Domizil für ein Säuglingsheim“ zur Verfügung. Das Gebäude in der Schießgrabengasse war ein quadratisch gebautes Häuschen im Stil alter Landkrankenhäuser mit blau gestrichenen Zimmern, alten Kachelöfen und Bretterböden. Die vier Schwestern der Gemeinschaft bauten 1922 das alte Haus in entbehrungsreicher Pionierarbeit um und machten es zu einem Säuglings-Wöchnerinnenheim. Das Geld dazu erbettelten sie sich in Passau und in der Region. Der damalige Domprobst Dr. Franz Seraph Ritter von Pichler kommentierte: „Wenn durch das Heim nur eine Mutter davor bewahrt wird, ihr Kind nicht zur Welt zu bringen, hat es seinen Zweck erfüllt.“ Für den Bau zuständig war Stadtoberbaurat Franz Keßler.

Im April 1923 konnte das Haus bezogen werden, schon nach wenigen Wochen waren 18 Kinder stationär untergebracht. Der erste ärztliche Leiter wurde Dr. Josef Bartschmid. 1925 wurde an das kleine Haus ein um das „Dreifache größeres Gebäude“ angebaut. 1927 konnte hierin auch eine Schule für Kleinkinder- und Säuglingspflegerinnen begründet werden. Sie nannte sich später „Fachschule für Kinderkrankenpflege“.

Im Jahr 1949 ging das Haus, das bis dahin dem Verein für Kleinkinder- und Tuberkolosefürsorge gehörte, in den Besitz des Dritten Ordens über. 1953 erfolgte ein weiterer Erweiterungsbau und 1964 die Errichtung eines Personalbaus im ehemaligen Krankenhausgarten, sowie ein Pavillon für die Schwesternschule. Kinder aus dem gesamten Bayerischen Wald, aus Plattling, Landau, Pfarrkirchen und sogar aus Oberösterreich wurden behandelt.

Bis zum Bau der neuen Kinderklinik Dritter Orden, der 1991 in nächster Nähe zum Klinikum Passau realisiert werden konnte, haben die Dritte-Ordens-Schwestern in Passau über 40.000 Frauen stationär betreut und behandelt. Sie haben als Hebammen Geburtshilfe geleistet. Über 63.000 Kinder wurden stationär behandelt. 1956 war die Zahl der stationierten Schwestern auf 25 angewachsen, darunter etwa Helwiga Daendler.


600 bis 700 Kinder kamen damals jährlich im Säuglingsheim zur Welt.

Seit 1992 befindet sich in dem Gebäude in der Schießgrabengasse 2 die Europa-Bücherei. Die Kinderstation ist in das Klinikum Passau integriert worden.

Literatur