Bahnstrecke Passau-Neumarkt-Sankt Veit

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Verlauf in Niederbayern
Stationen, Abzweige und wichtige Kreuzungen
Ein Zug der Rottalbahn im Jahr 2009, im Hintergrund ist die Ortschaft Oberdietfurt zu erkennen

Die Bahnstrecke Passau-Neumarkt-Sankt Veit (auch Rottalbahn genannt) ist eine 97 Kilometer lange, eingleisige Nebenbahn in Ober- und Niederbayern. Neben dem Verkehrsaufkommen durch Pendler hat sie auch eine große Bedeutung im Fremdenverkehr, da sie mitten durch das Niederbayerische Bäderdreieck führt. Im Güterverkehr wurde das Rottwerk - eine Silicium-Fabrik bei Pocking - noch bis Ende 2004 von Mühldorf aus angebunden, auf dem Streckenabschnitt Passau - Pocking wurde der Güterverkehr bereits Anfang der 1990er Jahre eingestellt. Dieser ist als Lokalbahn gebaut und weist daher engere Kurvenradien auf. Daher kann hier maximal 50 km/h gefahren werden, was für manche Reisende durch die lange Fahrzeit unangenehm ist. Sie transportiert täglich rund 2 600 Fahrgäste.

Geschichte

Am 6. Oktober 1888 ging um 9.15 Uhr der Probezug mit einer D VII und sieben Personenwagen von Passau ab. Um 14.30 Uhr startete der Zug in Pocking zur Rückfahrt.

Am 8. Januar 1916 um 19.30 stürzte der Personenzug 81 aufgrund eines Dammrutsches zwischen Pfenningbach und Neustift eine Böschung hinunter. Der Lokführer starb, der Heizer wurde schwer, vier Beamte und acht Reisende leicht verletzt. Im Frühjahr 1933 nahmen die nur drei Exemplare zählenden Triebwagen vom Typ VT 133 vom Hauptbahnhof Passau aus den Betrieb auf.

Der Fahrplan von 1934 zeigt, dass damals von den vier Personenzügen täglich drei aus Triebwagen bestanden. Von diesen legte einer die Strecke in 159 Minuten zurück, der Dampfzug dagegen brauchte 240 Minuten, wovon allein 12 bzw. 15 Minuten in Pocking und Pfarrkirchen beim Wasserfassen vergingen.

Bereits 1977 gab es Bestrebungen, die Strecke stillzulegen. Vor allem wegen des Fremdenverkehrs im Niederbayerischen Bäderdreieck stieg ihre Bedeutung aber wieder trotz der ungünstigen Streckenführung. Es wurden sogar Kurswagen aus Nord- und Westdeutschland bis nach Pocking eingesetzt. Am 1. September 1979 wurde in Pfarrkirchen die 100-Jahr-Feier zum Bestehen der Bahnlinie Neumarkt-Sankt Veit–Pocking mit besonderer Festlichkeit begangen, auch als Protest gegen mögliche Stilllegungspläne. Schienenbusse besorgten meist den regulären Personenverkehr in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Immer wieder ereigneten sich Unfälle und Beinahe-Unfälle auf den etwa 100 nicht beschrankten und meist unübersichtlichen Bahnübergängen. Die SüdostBayernBahn ist dabei, die Straßenüberquerungen vermehrt mit Blinklichtanlagen und Schranken zu sichern. Am 14. August 2008 wurden gleich zwei Motorrollerfahrer an verschiedenen Stellen von Zügen der Rottalbahn erfasst und getötet.

Am 6. Oktober 2013 feierte die Rottalbahn ihr 125-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen entlang der Strecke.

Verlauf

Passau - Fürstenzell - Pocking - Pfarrkirchen - Eggenfelden - Neumarkt-Sankt Veit (- Mühldorf am Inn)

verkehrende Linien

  • Linie 946
  • RB Mühldorf (Oberbay.) - Passau Hbf und zurück (DB-SüdostBayernBahn; Stundentakt)
  • IC Hamburg Altona - Mühldorf (Oberbay.) und zurück (DB-Fernverkehr; ein Zugpaar Samstags; Kurswagen; verkehrt zwischen Passau Hbf und Mühldorf (Oberbay.) als RE)

Stationen

Anschließende Bahnstrecken

Knotenpunkt Passau Hbf

Knotenpunkt Pocking-Bad Füssing

Knotenpunkt Neumarkt-Sankt Veit

Wichtige Bauwerke an dieser Strecke

Verbesserte Anbindung

Im Juli 2009 kündigte die Deutsche Bahn an, auf der Strecke künftig bis zu doppelt so viele Züge wie bisher verkehren lassen zu wollen. Auf der Rottalbahn werden künftig 17 statt bisher neun Verbindungen pro Richtung angeboten. Außerdem wird es mehr Spätverbindungen und neue, schnellere Züge geben.

Der letzte Zug ins Rottal startet künftig in Passau um 23:03 (bisher: 22:08 Uhr) Uhr, der letzte Zug von Mühldorf nach Pocking geht um 23:37 Uhr. Zudem soll die Fahrzeit auf der Strecke verkürzt werden. Zu diesem Zweck sollen wenig genutzte Bahnübergänge geschlossen und stärker frequentierte mit Schranken und modernen Ampelanlagen ausgestattet werden.

Künftig sollen außerdem verstärkt Fahrzeuge vom Typ Lirex zum Einsatz kommen. Die Züge seien mit Klimaanlage, behindertengerechten Toiletten, Platz für die Fahrradbeförderung und ebenen Einstiegsmöglichkeiten ausgestattet – was eine deutliche Verbesserung gegenüber einigen jetzt fahrenden Zügen, die zum Teil 40 Jahre auf dem Buckel haben, darstellt.

Neuerungen auf der Strecke

Die Rottalbahn von Passau bis Neumarkt Sankt Veit, das sind 97 Kilometer, 19 Bahnhöfe, 159 Bahnübergänge, von denen bisher 41 technisch gesichert wurden. Ungefähr alle 600 Meter gibt es dabei einen Übergang. 325 Brücken und Durchlässe sind zu unterhalten. Vorher galt die Strecke als Stilllegungskandidat, mit der Gründung der Südostbayernbahn 2001 wurde sie deutliche aufgewertet. Mit einem umfangreichen Modernisierungspakt seien Bahnhöfe und Haltepunkte saniert, neue Bahnsteige gebaut und Bahnübergänge technisch gesichert worden.

Dazu gehörte auch der Bahnhof Fürstenzell, der künftig ganztägig mit Personal besetzt sein wird. Der Kreuzungsbahnhof hat neue Bahnsteige und eine neue Beleuchtung bekommen – für insgesamt rund 115.000 Euro. Aber auch die Haltepunkte Bad Höhenstadt und Engertsham haben neue Bahnsteige erhalten. Insgesamt seien zehn Millionen Euro für das Modernisierungsprogramm auf der Strecke bereitgestellt worden.

Der Gemeinderat Neuburg am Inn stimmt im Januar 2011 der endgültigen Auflösung der Haltestelle Pfenningbach zu. Somit wird die 1991 geschlossene Haltestelle nicht wiedereröffnet werden. Das Gremium reagierte damit auf ein Schreiben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft München an das Landratsamt. Die Eisenbahngesellschaft, die den Reiseverkehr auf der Rottalbahn bestellt, hatte angefragt, ob Bedarf bestehe, die Haltestelle Pfenningbach zu reaktivieren. Der letzte Zug hatte dort 1991 gehalten. Die anfallenden Kosten wären der Gemeinde zu hoch gewesen.

Durch stündliche Fahrten in beide Richtungen und zusätzliche Abendfahrten werde das Verkehrsangebot auf der Strecke fast verdoppelt, so dass sich die Bahn den Fahrgästen in neuem Glanz präsentieren könne. Darüber hinaus starte man in Kooperation mit dem ADAC und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat eine Sensibilisierungskampagne, um die Bevölkerung auf die Gefahren an den Bahnübergängen aufmerksam zu machen. Das sei beim Stundentakt besonders wichtig. Knapp 70 Mitarbeiter bekämen durch die Rottalbahn einen wohnortnahen Arbeitsplatz und durch die Modernisierung würden bis Dezember 2009 weitere 20 Arbeitsplätze neu geschaffen.

Literatur

Weitere Berichterstattung der PNP