Rottal-Kaserne

Aus RegioWiki Niederbayern
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel ist noch besonders ausbaufähig.
Dieser Artikel ist leider noch sehr kurz und wurde daher als besonders ausbaufähig markiert. Wenn Sie mehr zum vorliegenden Thema wissen, dann helfen Sie bitte mit, die Inhalte zu vervollständigen. Danach können Sie diese Kennzeichnung entfernen.
In diesem Artikel fehlen noch Bilder oder Fotos.
Dieser Artikel ist leider noch ohne Bebilderung. Wenn Sie über passende Bilder oder Fotos verfügen, dann laden Sie sie bitte hoch (unter Beachtung der Lizenzregeln) und fügen sie in diesem Artikel ein. Danach können Sie diese Kennzeichnung entfernen.


Die Rottal-Kaserne war eine Kaserne der Deutschen Bundeswehr in Kirchham im Landkreis Passau. Über 500 Soldaten waren einst hier stationiert. 2001 wurde die Kaserne aufgelöst.

Nach der Schließung

Verkauf

2007 hat Gustav Struck gut die Hälfte des Areals gekauft und zeigt jetzt, „wie schön und gepflegt es hier doch ist“. Statt verwildertem Gras ist das Grün beinahe parkähnlich getrimmt, eine mächtige Eiche spendet Schatten im Büro des Chefs. Der ist jetzt immer öfter hier anzutreffen. „Und ich kenne jeden kleinsten Quadratmeter“, sagt Struck. Es sind viele: Genauer 1,74 Millionen; 174 Hektar. Da wäre Platz für rund 20.000 hübsche Einfamilienhäuschen auf jeweils relativ großzügiger Bauparzelle.

Doch Menschen finden sich selten. Wenn, dann arbeiten sie hier. In den ehemaligen Panzerhallen, die Struck gleich nach dem Verkauf an Firmen vermietet hat. Dazu gibt es eine Handvoll Struck-Mitarbeiter wie Techniker oder Hausmeister, auch eine Sekretärin gibt es und einen stellvertretenden Geschäftsführer. Der heißt Eduard Rosenkranz und teilt sich mit Gustav Struck das Büro im ehemaligen Rotkreuz-Haus. Der Rest der ehemaligen Kasernengebäude für Mannschaften, Offiziere, für Kasino oder Essensausgabe, für Lager oder Technik steht noch leer. Struck lässt sich Zeit.

GIS Solar GmbH

Das Rotkreuz-Haus hat zumindest schon einen fliederfarbenen Außenanstrich bekommen, wurde innen saniert, so dass die Firma GIS Solar GmbH (steht für Gustav Ingo Struck) in repräsentiven Räumen residiert. GIS Solars Firmenzweck ist die Planung und der Bau von Solarparks. Einer davon befindet sich mehr oder weniger vor der Haustür: Etwa 35 Hektar auf dem Struck-Gelände sollen noch in diesem Jahr mit Solarmodulen überzogen werden und Ökostrom liefern. Bauherr ist GIS, das den fertigen Park an eine Betreiberfirma verkauft. „Und die wird ihr Büro am Alten Horst haben“, verspricht Struck. Er pflegt den guten Kontakt zu den Gemeinden: Der Großteil seines Besitzes liegt auf Pockinger Gebiet, der Rest in Kirchham (Kasernengelände) und ein kleinerer Teil in Bad Füssing.

Noch in diesem Jahr soll der Solarpark, der über 3.000 Haushalte mit Strom versorgen kann, ans Netz gehen. Dazu plant GIS Solar weitere Parks in Größenordnungen von 50 Hektar - „in ganz Europa aber vornehmlich in Tschechien“, so Rosenkranz. Ein rentables Geschäft: „Die Einspeise-Vergütungen dort sind weit höher als hier“, ergänzt Gustav Struck.

Die Solar-Module liegen zuhauf bereit. Es traf sich gut, dass die Bundeswehr noch eine Halle für Flugzielsimulatoren und vier Flugabwehrkanonenpanzer zu damals 2,8 Millionen Mark, sowie eine Kfz-Halle zu 2,5 Millionen Mark gebaut hat. Einweihung der Neubauten war 1999, zwei Jahre später war Schluss.

Struck Aquaristik GmbH

Neben der einstigen Panzerwaschanlage brodelt das Leben. In dem Becken, in dem einst Millionen Liter Wasser nach dem Waschen öliger, schmutziger Panzer geklärt und gereinigt in das nächste Bassin zur Wiederbenutzung gepumpt wurden, tummeln sich heute Fische. Goldfische verschiedenster Arten. 250.000 sind es ungefähr: „Ich beliefere Dehner und auch Fressnapf in ganz Deutschland“, erklärt Struck den Zweck seiner Firma Ingo-Pet bzw. Struck Aquaristik GmbH. Ganz Tierfreund lässt er dem geschützten Eisvogel freie Auswahl im Fischegewurl. Gegen Reiher und Kormorane helfen große Netze über den Becken.

Der Sikahirsch, eine aussterbende Wildart, lässt sich auch nicht durch den Hausherrn aus der Ruhe bringen.

„Renaturiertes“ Gelände

Tierisch geht auch außerhalb des abgesperrten Bundeswehrgeländes zu: Sechs Hektar hat Gustav Struck einzäunen lassen. Rehe und Hirsche liegen hier faul im Gras, der Hirsch mit seinem stattlichen Geweih lässt sich durch nichts aus seiner Ruhe bringen. „Ein Hobby von mir“, beschreibt Gustav Struck nun dieses Tierparadies mit den vietnamesischen Sikahirschen. „In Vietnam sind sie schon ausgestorben“, bedauert der Tierfreund, weshalb er mit anderen Züchtern an der Erhaltung dieser Art arbeitet, während er auf dem ehemaligen Schießplatz Alpakas, Lamas und zwei Esel angesiedelt hat. Auch fürs Geschäft? „Nein“, winkt Gustav Struck ab, „Hobby“.

Weitere Pläne

Dabei ist jemand, der 1,7 Millionen Quadratmeter Grund kaufen kann, niemand, der sich nur Hobbys leistet. Gustav Struck ist Geschäftsmann, der auf internationalem Parkett spielt: Die Generalvertretung für Audi und Porsche in Russland hat er, Ingo-Casino (Ingo ist die Abkürzung von Ingolstadt, wo Struck seine ersten Geschäfte betrieb) mit sieben Casinos in Tschechien ist ebenfalls die Seine. Wird es ein Ingo-Casino im Bundeswehrgelände geben? „Nein“, bekräftigt Struck, lächelt und erinnert daran, dass Casinos in Deutschland nur staatlich betrieben werden dürfen. Und sollte einmal das Monopol fallen: „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis mit Bad Füssing.“ Das möchte er nicht durch eine Konkurrenzsituation stören.

Zumal er mit dem Kurort in Kontakt fürs nächste Projekt steht: ein Blockheizkraftwerk auf dem alten Horst. Es soll Wärme für Europas größte Zuchtstation von tropischen Zierfischen liefern. 34.000 Aquarien kommen in die ehemaligen Mannschaftsgebäude. Und die bunten Fische brauchen, um sich wohl zu fühlen, gleichbleibend warme Temperaturen. Die Zuchtstation könnte eine Touristenattraktion werden, doch Zweck ist der Handel mit den Fischen „Die müssen jetzt für viel Geld aus Brasilien oder Singapur eingeführt werden“, sagt Fisch-Experte Struck.

Für die Aquarien-Heizung braucht es eine 1,6 Megawatt-Anlage. Und Wärme ergibt Abwärme, die nicht sinnlos in die Luft geblasen, sondern weiterverkauft wird - nach Bad Füssing. Die Gespräche verliefen vielversprechend. Für Struck jedenfalls ist es ein Projekt, das konkret ist. Und darüber spricht er. Über weitere Pläne indes weniger. Ja, ein Freizeitpark ist angedacht auf 50 Hektar, „wenn es so weit ist, kann man darüber reden“, blockt er ab. Ebenso spärlich fallen auch die Infos über die Investitionssummen aus. Da spricht Gustav Struck lieber über seine Tiere, die Fische, Ökowärme, Ökostrom, Eichhörnchen im Luxus-Laufrad und Hirscharten, die vor dem Aussterben gerettet werden oder Geländepflege. Aber: So kann Abrüstung eben auch aussehen.

Literatur