Ringelai

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Ringelai
Das Wappen von Ringelai


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 425 m
Fläche: 16,39 km²
Einwohner: 2.047 (30. Juni 2013)
Postleitzahl: 94160
Vorwahl: 08555
Kfz-Kennzeichen: FRG
Website: www.ringelai.de
Erster Bürgermeister: Max Köberl (SPD/FWG)

Ringelai ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau.

Blick auf Ringelai

Lage

Die Gemeinde im Bayerischen Wald liegt im tief eingeschnittenen, weiten Talboden der Wolfsteiner Ohe. Das Tal wird durch Berge eingerahmt, von denen der Geistliche Stein (731 Meter) im Westen und der Frauenstein (632 Meter) im Osten die bekanntesten sind.

Ringelai befindet sich rund 8 km westlich der Kreisstadt Freyung, 11 km südöstlich von Grafenau, 18 km nordöstlich von Tittling und 33 km nördlich der Universitäts- und Dreiflüssestadt Passau.

Ortsteile

Ortsteile sind Eckertsreut, Kringing, Kühbach, Lichtenau, Neidberg, Poxreut, Ringelai, Wasching, Waldbrunn, Wamberg, Wittersitt und Wolfertsreut.

Geschichte

Die Lonsdorfer Urbane, nach heutigem Begriff ein Grundbuch, das Bischof Otto von Lonsdorf während seiner Regierungszeit 1254 bis 1265 erstellen ließ und in welchem alle Lehen im damaligen fürstbischöflichen Bereich aufgeführt sind, sowie die „Passauer Hochstifts-Traditionen“ des 13. Jahrhunderts nennen den Ort Ringelai noch nicht namentlich. Erstmals wird Ringelai im Zusammenhang mit einem Verkauf erwähnt: Im Jahre 1312, am Tag des St. Gotthard, am 5. Mai also, beurkunden Dechantin Adelhaid, Kellnerin Haideweich und der Konvent des Frauenklosters Niedernburg zu Passau, dass Christian von Wittersitt seinem Bruder Nikolaus seine Mühle und seinen halben Hof zu Wittersitt um acht Pfund Pfennige verkauft hat.

Unter den bäuerlichen Zeugen erscheint neben „ander pidreb Laeut“ auch ein Christian von Ring Laib. Der merkwürdige Ortsname, der schon Hans Watzlik zu einem Roman angeregt hat („Die Reise nach Ringolay“), verursacht hinsichtlich der Deutung viel Kopfzerbrechen. Die ältesten Nennungen: 1312 Ring Laib, 1359 Ringlaib, 1471 Ringlay, 1507 Ringlai, 1545 Ringlay, 1575 Ringalay usw. Hinsichtlich der Ableitung des Namens vom Flussnamen „Ohe“ ist Vorsicht geboten. Nach Ansicht der Generaldirektion für Staatliche Archive Bayerns in München kann Ringelai nicht mit der „geringelten Ohe“ und auch nicht „ahe“ gleich „ohe“, was wiederum fließendes Wasser bedeutet, in Beziehung gebracht werden. Vielleicht, so meint die Generaldirektion, handelt es sich hier um einen sogenannten Satznamen in der Form „Ringe den Laib“, was sich auf einen Übernamen für einen Bäcker beziehen könnte. Am naheliegendsten ist folgende Deutung, die aus dem Mittelhochdeutschen herbeigeholt werden muss: „Leibe“ heißt im Mittelhochdeutschen Verbleib, daher am wahrscheinlichsten die Ansiedelung und der weitere Aufenthalt eines Siedlers mit dem Namen „Rincho“ oder „Ringilo“. So könnte sich aus dieser Ansiedelung die Ortschaft den Namen gegeben haben. Wenn auch die Lonsdorfer Urbane und die „Passauer Hochstifts-Tradition“ den Ort Ringelai noch nicht nennen, so steht fest, dass die Gegend zumindest in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts besiedelt wurde. Es war eben damals der Ort noch nicht „zusammengewachsen“ und bildete eine namenlose Streusiedlung.

Ringelai war seit der Gründung – besser gesagt seit der Besiedelung – in Niedernburger Besitz. Erst im 16. Jahrhundert finden wir hier auch fürstbischöfliche Grundholden. Am 24. Juli 1359 verleiht der Klosterkonvent Niedernburg dem Christian dem Zachackcher mehrere Zehenten in der Pfarrei Perlesreut, die dieser von Chunrat dem Prampekch und seiner Hausfrau Elzept gekauft hatte, zu Erbrecht, darunter drei zu Ringlaib. Im 14. Jahrhundert hatte Ringelai also mindestens drei ganze Lehen (Höfe), wahrscheinlich aber waren es viel mehr. Die ältesten Kataster aus dem 16. Jahrhundert vermitteln des Bild eines stattlichen Bauerndorfes. Der Wohlstand war durch die Fruchtbarkeit des Bodens begründet. Der Schwerpunkt war auf die Weidewirtschaft gelegt. Milch und Schmalz bildeten die Lebensgrundlage und auch den Haupterwerb. Noch heute heißt das windgeschützte, fruchtbare Tal der Wolfsteiner Ohe in dem der Ort liegt „der Schmalzdobl“.

Das heutige Gemeindegebiet Ringelai war in fürstbischöflicher Zeit Grenzgebiet zwischen dem Land der Abtei, also zwischen dem Fürstbistum Passau und dem Kurfürstentum Bayern. Noch heute kann man in dieser Grenzgegend Ringelai – Perlesreut die Bezeichnung „D´Bistümler“ und „De Boarischen“ hören. Der Geistliche Stein, ein 731 m hoher dichtbewaldeter Bergrücken war zur fürstbischöflichen Zeit neben dem Lusen und dem Steinberg bei Saldenau der markanteste Grenzpunkt der westlichen Landesgrenze des Fürstbistums Passau gegen Bayern.

Dieser Bergstock ragt weit ins „Ringelaier Ländchen“ hinein. Er hat wohl seinen Namen, der auch im Urkataster zu finden ist, von den geistlichen regierenden Paussauer Bischöfen erhalten. Heute steht in Übermannshöhe der im 1692 auf Veranlassung des Fürstbischofs Kardinal Johann Philipp Graf von Lamberg gesetzte wuchtige Grenzstein auf dem Gipfel dieses schönen mit Wald und Fels durchsetzten Berges. Gleiche Steine stehen noch zu Füßen dieses Berges, sehr versteckt, am Thomasbach.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand eine Kapelle in Ringelai als Nebenkirche von Perlesreut, die dem Hl. Michael geweiht wurde. Die Glocke aus dem Jahre 1479, vom Volksmund „Michaelihund“ geheißen, erinnert heute noch an diese erste Kirche in Ringelai. In diesem Kirchlein wurden vom Perlesreuter Vikar Messen gelesen und zeitweise scheint auch ein eigener Mesner angestellt gewesen zu sein, denn 1507 wird ein „Mesenhaus zu Ringlai“ genannt. Wie der Perlesreuter Vikar Johann Georg Löckher 1749 ab das Passauer Ordinariat berichtete, war damals die alte steinerne Kirche in Ringelai, die ein vielbesuchtes Marien-Gnadenbild von 1697 enthielt, längst baufällig. Ein Neubau war notwendig geworden, zu dem der vielbeschäftigte Passauer Hofmaurermeister Severin Goldberger einen Plan mit einem Kostenvoranschlag von 1112 Gulden vorlegte. Die Bauern zu Ringelai und Umgebung verpflichteten sich zur Übernahme der Kosten, zumal der reiche Perlesreuter Handelsmann Josef Schönauer ihnen einen Zuschuss von 500 Gulden versprochen hatte. Die fürstbischöfliche Regierung ließ daraufhin in Ringelai einen eigenen Ziegelstadel errichten, da Ziegel von auswärts kaum beschafft werden konnten. 30000 Ziegel und ebenso viele Scharschindeln erforderte der Neubau, der – mit schönen Fresken ausgeschmückt – im Jahre 1752 vollendet war. Mittlerweile war freilich der Handelsmann in Perlesreut gestorben und die Ringelaier mussten nun selbst für alle Kosten aufkommen.

Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert hatte ein Hilfsgeistlicher von Perlesreut in Ringelai die Seelsorge auszuüben und seit Errichtung einer Schule im nahen Neidberg 1870 dort auch den Religionsunterricht zu halten. 1900 wurde die Neidberger Schule aufgelöst und in Ringelai ein Schulhaus erbaut. 1904 erhob man die Filialkirche zur Expositur. Die alte, inzwischen ebenfalls baufällig gewordene freskengeschmückte Barockkirche wurde in den Jahren 1919 bis 1921 durch einen Neubau von Michael Kurz ersetzt, wobei die Patrona Bavarie anstelle des Hl. Erzengel Michael Kirchenpatronin wurde. Seit 1921 ist Ringelai selbstständige Pfarrei.

Der Ort Ringelai war ursprünglich ein Teil der Gemeinde Kühbach. Mit Entschl. vom 27. April 1951 wurde die Gemeinde Kühbach in Gemeinde Ringelai umbenannt. Im Zuge der Gebietsreform wurde mit Wirkung vom 1. April 1971 die Gemeinde Wasching eingemeindet.[1]

Die Errichtung des Carbidwerks in der Buchberger Leite, der Bau von vier neuen Straßen und der nun aufstrebende Tourismus in einem der schönsten Orte des Bayerischen Waldes haben diesem früher so absteigenden, weltverlassenen Ort einen Aufschwung gebracht.

Urkundlich wird Ringelai erstmals im Jahre 1312 erwähnt. Das war 2012 mit ein Anlass, dieses 700-jährige Bestehen auch würdig zu begehen. Zur Herausgabe eines Heimatbuches wurde Material, vor allem Bilder, gesammelt und Gespräche mit Dorfbewohnern geführt.

Gemeindewappen

Die Lage der Gemeinde Ringelai zwischen dem Geistlichen Stein und der Wolfsteiner Ohe wird durch den Dreiberg und den Wellenbalken, die Landwirtschaft durch das Kleeblatt ausgedrückt. Die Grenze zwischen dem Hochstift Passau und dem Land Bayern vor 1803, an die noch Grenzsteine aus dem Jahre 1692 erinnern, symbolisiert der Grenzstein. Die Zustimmung des Wappen erfolgte durch ministeriellen Entschluss vom 27. Januar 1965.

Politik

Bürgermeister

  • 1. Bürgermeister ist Max Köberl (SPD-FWG). Er kam 2008 auf 56 Prozent und wurde 2014 mit 71,53 Prozent gegen Christian Mandlmaier (CSU) wiedergewählt.

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 14 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister) und folgende Sitzverteilung:

  • CSU: 6 Sitze (2008: 8)
  • SPD-FWG: 5 Sitze + 1. Bürgermeister (2008: 6)
  • Unabhängige Bürgerliste Ringelai: 3 Sitze (neu)

Sehenswürdigkeiten

Tourismus

  • Das Keltendorf Gabreta in der Nähe von Ringelai bietet dem Besucher einen Einblick in die Zeit der Kelten.
  • Die Buchberger Leite zwischen Freyung und Ringelai ist die wohl romantischste Wildwasserklamm im Bayerischen Wald.
  • Mund-Art-Bühne neben dem Hotel Gross
  • Schroi-Haus

Bildung und Erziehung

  • Grundschule Ringelai
  • Caritaskindergarten Ringelai

Gesellschaft

Die Gemeinde Ringelai ist neben den Gemeinden Saldenburg, Thurmansbang, Grafenau, Perlesreut, Schönberg, Fürsteneck, Röhrnbach und Hutthurm Mitglied im Seniorennetzwerk Ilzer Land, das sind in erster Linie die Intensivierung des Gemeinde-, Vereins- und Verbandsübergreifenden Informationsaustausches mit Sicherung seniorenfreundlicher Strukturen und Dienstleistungen zu Ziel gesetzt hat. Für 2010 liegt ein umfangreiches Programm vor.

Vereine

  • Freiwillige Feuerwehr Ringelai
  • SKV Ringelai
  • TSV Ringelai
  • Hubertusschützen Ringelai
  • Heimatfreunde Ringelai
  • Imkerverein Ringelai
  • Taubenverein Ringelai
  • Eisstockclub Ringelai
  • Blaskapelle Ringelai-Hohenau

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. Umbenennung der Gemeinde im Historischen Atlas von Bayern
Städte und Gemeinden im Landkreis Freyung-Grafenau
Wappen Landkreis Freyung-Grafenau.png

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