Petrus Canisius

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Petrus Canisius. Kupferstich von Dominikus Custos, um 1600

Der heilige Petrus Canisius (* 8. Mai 1521 in Nimwegen; gebürtig Pieter Kanijs; † 21. Dezember 1597 in Freiburg, Schweiz) war der erste deutsche Jesuit sowie bedeutender Prediger, Seelsorger und Theologe.

Leben und Wirken

Er studierte 1536 bis 1540 in Köln Philosophie und trat 1543 als erster Deutscher in Mainz in die Gesellschaft Jesu ein. 1546 empfing er die Priesterweihe. Nach seiner Teilnahme am Konzil von Trient 1547 und der Promotion zum Doktor der Theologie in Bologna 1549 wurde er 1549 Professor und Prediger an der Universität Ingolstadt. 1552 wurde er nach Wien und Prag beordert, wo er ab 1554 als Administrator der Diözese Wien die Gegenreformation betrieb. 1556 gründete er das Jesuitenkolleg in Prag.

Von Dezember 1556 bis März 1557 wirkte er als offizieller Prediger am Dom St. Peter in Regensburg. 1558 kam er nach Straubing und setzte sich bei der Stadtverwaltung für die Einhaltung des Augsburger Religionsfriedens ein. Dabei predigte er drei- oder viermal wöchentlich in der alten Jakobskirche. Von 1559 bis 1568 wirkte er als Domprediger in Augsburg.

Im Oktober 1569 hatte er entscheidenden Anteil an der Erneuerung der Wallfahrt Altötting. In der Gnadenkapelle heilte er die besessene siebzehnjährige Anna von Bernhausen. Fünfzehn Magister der freien Künste, Kanoniker und öffentliche Beamte bezeugten namentlich die dramatischen Umstände, unter denen durch seine Gebete Frieden über die Geheilte kam.

Von 1571 bis 1577 war er Hofprediger in Innsbruck. Im April 1577 war Canisius in Landshut dem apostolischen Nuntius Portia zu Diensten und wirkte zugleich als Hofprediger beim Prinzen Wilhelm von Bayern. 1578 hielt er hier so wirksame Fastenpredigten, dass Prinz Wilhelm ihn auch 1579 als Fastenprediger erbat. Dabei predigte er nicht weniger als zwanzig Mal innerhalb eines Monats.

In seinen zahlreichen Briefen und Gutachten zeigte er durchaus Respekt vor den Lehren der Reformatoren und deckte andererseits offen und mutig kirchliche Missstände auf. Siebenmal reiste er nach Rom. Canisius fiel bei Prinz Wilhelm, der seit 1579 als Herzog Wilhelm V. regierte, in Ungnade, weil er sich für die Versetzung von dessen Beichtvater Mengin eingesetzt hatte. 1580 wurde er nach Freiburg in der Schweiz geschickt, wo er sich um den Aufbau des dortigen Jesuitenkollegs bemühte.

Canisius nahm an mehreren Reichstagen teil und war Berater von Kaiser Ferdinand I. Als erster Provinzial der süddeutschen Jesuiten errichtete er zahlreiche Niederlassungen. Seine Katechismen erschienen noch zu seinen Lebzeiten in mehr als 200 Ausgaben und Übersetzungen, und auch seine Gebetbücher galten als vorbildlich. Er wurde 1864 selig- und 1925 heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erhoben.

Werke

  • Großer Katechismus (1555)
  • Kleiner Katechismus (1556)
  • Mittlerer Katechismus (1558)
  • Lectiones et precationes ecclesiasticae (1556)
  • Manuale Catholicorum (1587)

Literatur

  • Hubert Jedin: Canisius, Petrus. In: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 122 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118518836.html
  • Hans-Michael Körner (Hg. unter Mitarbeit von Bruno Jahn): Große Bayerische Biographische Enzyklopädie, Band 1 A-G, K. G. Saur München 2005, ISBN 3-598-11460-5
  • Richard Mayer: Die Heiligen in Deutschland, Verlag Neue Stadt, München 1987, ISBN 3-87996-206-5