Otto Schweiger

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Otto Schweiger 1933
Otto Schweiger hält 1969 die Festrede bei der Eröffnung des Niederbayerischen Bauernhofmuseums Massing im Rottal


Der Architekt Otto Schweiger (* 2. November 1907 in München; † 20. Oktober 1995 in Eggenfelden) war im staatlichen und kommunalen Dienst tätig. 1947 bis 1973 war er Kreisbaumeister des Landkreises Eggenfelden. Als ehrenamtlicher Kreisheimatpfleger zählte er zu den Gründern des Freilichtmuseums Massing.

Leben und Wirken

1928 bis 1930 studierte Otto Schweiger an der Staatsbauschule in München, danach war er in München und Pontevedra (Spanien) als technischer Angestellter und Architekt tätig. 1934 trat er beim Brandversicherungsamt Kronach in den Staatsdienst ein, 1937 wechselte er als Bauinspektor zum Stadtbauamt Landshut, 1939 avancierte er zum Kreisbaumeister in Mainburg. 1943 bis 1945 war er im Kriegsdienst, 1945 bis November 1946 in russischer Kriegsgefangenschaft. Schließlich wurde er 1947 Kreisbaumeister in Eggenfelden, wo er für seine Familie nach eigenen Plänen ein Wohnhaus erbaute. 1934 heiratete Otto Schweiger die Münchener Gemeindebeamtin Maria Rieß (1911–1994), sie hatten drei Kinder.

In der Heimatpflege hat sich Otto Schweiger um die Dokumentation und Erhaltung des im Landkreis Eggenfelden beheimateten historischen Bauernhaustyps Rottaler (Eggenfeldener) Stockhaus verdient gemacht, das Grundlage war für das hochentwickelte, in Nadelholzblockbau errichtete Rottaler Bauernhaus. Im Jahr 1967 zählte Otto Schweiger noch 35 Rottaler Stockhäuser, wenige sind bis heute erhalten geblieben. Dieser bereits im 19. Jahrhundert altertümlich gewordene Haustyp wurde als Ausdruck des Wesens der regionalen Bevölkerung angesehen: „In der Tat wird man immer wieder von dem massigen, breit und behäbig hingelagerten Baukörper dieses Bauernhauses beeindruckt, der eine gewisse Monumentalität ausstrahlt. Mächtig und blockhaft an der Nordseite stehend, beherrscht das Stockhaus den Vierseithof. In ihm kommt so recht der Charakter des einheimischen Bauernvolkes zum Ausdruck, das ebenso wie das Stockhaus fest mit dem Heimatboden verwurzelt ist, dem es aber an stolzem Selbstbewußtsein nicht mangelt.“ (Otto Schweiger). Die Ideologie, die in dieser Aussage mitschwingt, war zeittypisch, ebenso die Einengung des Blickes auf den auf eigenem Grund wirtschaftenden Vollbauern.

1964 bis 1969 wurde u.a. auf Otto Schweigers Initiative beim Markt Massing mit dem Stockhaus von Schusteröd das Niederbayerische Bauernhofmuseum Massing im Rottal errichtet. Mit dem Massinger Altbürgermeister Adolf Hummel (1910–1992) und Bürgermeister Michael Osterholzer (1925–2018) zählt Otto Schweiger zu den Gründungspersönlichkeiten des Museums, das auf Initiative des Museumleiters Dr. Martin Ortmeier seit 1984 den Namen Freilichtmuseum Massing trägt.

Beim Wasservogelspiel im Markt Wurmannsquick hat Otto Schweiger 1953 als Kreisbaumeister die Requisiteure beraten.

Otto und Maria Schweiger haben Möbel und Hausrat hinterlassen, die für die Jahre 1930 bis 1955 zeittypisch sind. Im Stil der Reformmöbel hat Otto Schweiger 1933/34 die Möbel für das Wohnzimmer und das Schlafzimmer seiner Familie entworfen und von örtlichen Handwerkern für die erste Wohnung in Kronach herstellen lassen. Diese Möbel haben sie zu den weiteren Dienstorten in Landshut, Mainburg und Eggenfelden begleitet. Evi (geb. Schweiger) und Peter Siegel haben 2019 dem Freilichtmuseum Massing ein großes Konvolut als Schenkung übereignet. Damit wurde das 2019 instandgesetzte Obergeschoss der Kramerei beim Heilmeierhof nach einem Konzept von Dr. Martin Ortmeier als Beispiel ländlich-bürgerlichen Wohnens ausgestattet. Die von ihm erarbeitete didaktisch Erschließung wurde 2020 in seiner Nachfolge in den Räumen nicht realisiert. Sanierung und Ausstattung dieser Wohnung hat die Bramenkamp-Stiftung Landau durch eine Förderung ermöglicht.

Quellen und Literatur

  • Otto Schweiger. Das „Eggenfeldener Stockhaus“. In: Heimat an Rott und Inn. Heimatbuch für die Landkreise des Rottals. 1967, S. 173–180
  • Martin Ortmeier. Das „Rottaler Bauernhaus“. In: Niederbayern. Bauernhäuser in Bayern. Dokumentation Band 5 (Hg. von Baumgartner, Georg und Helmut Gebhard). München, S. 89-96
  • Martin Ortmeier. Vom niederbayerischen Bauernhofmuseum Massing zum Freilichtmuseum Massing – 50 Jahre Geschichte eines Heimatmuseums. In: Passauer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte und Kultur Ostbaierns 61/2019, S. 275-204-292
  • Archiv Freilichtmuseum Massing: Aktenzeichen M 7.2.2.8.3, Wohnung Schweiger, 2020-01