Kirche St. Nikola (Passau)

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St. Nikola von der Innstraße aus gesehen.
Ansicht aus dem Kloster-Innenhof.

Die Kirche St. Nikola ist eine katholische Kirche in Passau. Die ehemalige Stiftskirche des gleichnamigen Klosters dient heute als Pfarr- und Universitätskirche. Ihre Einrichtung ist neben den gotische Gemälden und barocken Figuren größtenteils modern. Die romanische Krypta aus der Gründungszeit des Klosters im 11. Jahrhundert ist eine der ältesten erhaltenen Bauten in Passau überhaupt.

Architektur und Ausstattung

Das schlichte spätgotische, mit barocken Eingriffen versehene Äußere der Kirche liegt nur gegen Süden und Osten frei. Die alte Fassadenwand ist hinter dem pilasterbesetzten Vorbau des frühen 18. Jahrhunderts verborgen. Das barocke Dach wird nur von dem mit steinernem Maßwerk gezierten Turm durchbrochen.

Der Innenraum ist eine breite dreischiffige Halle mit Seitenkapellen, emporenbesetztem Querhaus und flach geschlossenem Chor. Das Ranken- und Bandelwerk der Stuckinkrustation schuf Giovanni Battista d’Allio. Die Ausmalung besorgte Wolfgang Andreas Heindl aus Wels unter der Aufsicht von Probst Griesmüller. Im Chor ist die Anbetung der 24 Ältesten zu sehen, in der Vierungskuppel unter einer Scheinarchitektur Mariae Himmelfahrt. Die Kassetten der Scheinkuppel tragen Bilder aus dem Marienleben. Im nördlichen Querhaus sind die Klosterstifter abgebildet, im südlichen Querhaus die Patrone der Musik. Das Langhaus zeigt Szenen aus dem Leben des hl. Nikolaus. In den Seitenschiffen befinden sich Bilder einzelner Heiliger und heilsgeschichtlicher Symbole.

Die moderne Einrichtung wurde von E. Horndasch und Wolf Hirtreiter gestaltet, es gibt aber noch gotische Gemälde und barocke Figuren, darunter ein Tafelbild Marias zwischen den beiden hll. Bischöfen Nikolaus und Altmann aus der Cranach-Schule (1510).

Die Krypta unter dem erhöhten Boden von Vierung und Chor ist ein rechteckiger Raum, den eine Mittelstütze in vier gratige Wölbabschnitte teilt. Das Säulenkapitell hat gedrückte Würfelform mit Blattschmuck, die Basis trägt Eckknollen. Der Raum, einer der ältesten erhaltenen frühromanischen Hallenräume Niederbayerns, besitzt Freskenfragmente des 13. bis 15. Jahrhunderts und eine als Gnadenbild verehrte Steinmadonna von 1430.

Geschichte

Aus der Anlage des 11. Jahrhunderts ist nur die in frühromanischer Zeit um 1075 entstandene Krypta verblieben. Die damalige Kirche wurde beim Erdbeben von 1348 schwer beschädigt. Bald danach begann der Neubau auf altem Grundriss. Um 1410 bis 1420 wurde der Turm errichtet. Nach den Plänen von Johann Michael Prunner aus Linz führte Jakob Pawanger um 1716 die barocke Umgestaltung des Innenraums durch.

In Folge der Säkularisation und der damit einhergehenden Auflösung des Klosters St. Nikola wurde die Kirche 1803 profaniert. Die kunstreiche Einrichtung wurde 1804 nach Vilshofen an der Donau verkauft, wo sie sich in der dortigen Stadtpfarrkirche befindet. Der spätgotische Turmhelm wurde 1815 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

1959 wurde die Kirche restauriert und wieder der katholischen Gemeinde übergeben. Sie dient seither als Pfarrkirche der Pfarrei Passau – St. Nikola und als Universitätskirche. Die Bekrönung des Turms wurde 1960 wiederhergestellt. 1974 bis 1979 wurde die romanische Krypta restauriert. Im Jahr 1990 begann der Wiederaufbau des Turmes, 1993 wurde er fertiggestellt. 2002 wurde das Kirchendach saniert

Gut fünfzig Jahre nach seiner letzten Erneuerung wurde der Innenraum der Kirche ab 2012 erneut saniert.

Krypta

Die in frühromanischer Zeit angelegte Krypta der Kirche diente der Aufbewahrung der Totengebeine. Durch eine 1803 erlassene Verordnung, im Zuge derer die Beerdigungsvorschriften geändert wurden, mussten alle Krypten außer Gebrauch gesetzt werden und verschlossen werden. Das Kloster St. Nikola wurde 1809 in eine Kaserne umgewandelt und die Krypta geriet in Vergessenheit. Erst 1867 entdeckte ein Soldat durch Zufall einen kleinen Eingang und kroch mit einem weiteren in die Gruft hinein. Doch auch danach geriet die Krypta im Laufe der Jahre abermals in Vergesseheit, bis 1895 die Gruft geöffnet wurde. Die dort gefundenen Gebeine wurden gesammelt und feierlich der geweihten Erde des Gottesackers übergeben.

Siehe auch

Literatur

  • Alexander von Reitzenstein, Herbert Brunner: Reclams Kunstführer Deutschland Band 1. Bayern. Baudenkmäler, Philipp Reclam jun. Stuttgart, Universal-Bibliothek Nr. 8055-72, 8. Auflage 1974, ISBN 3-15-008055-X
  • Marianne Mehling (Hg.): Knaurs Kulturführer in Farbe. Niederbayern und Oberpfalz, Droemer Knaur, München 1995, ISBN 3-426-26647-4
  • Jörg Klotzek: Tiefe Risse in der Nikolakirche. In: Passauer Neue Presse vom 16. Oktober 2010 (S. 29)
  • Gerold Zue: Ein Rottaler fand die Krypta Sankt Nikola. In: Passauer Neue Presse vom 1. November 2014 (S. 21)

Weblinks