Martin Ortmeier

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Martin Ortmeier (Foto: Reinhard Winkler, 2013)

Dr. Martin Ortmeier (* 24. Juni 1955 in Passau) ist ein deutscher Kunsthistoriker, Schriftsteller, Heimatforscher und Ofensetzer. Er leitet die Freilichtmuseen Finsterau und Massing und ist Präsident des Kunstvereins Passau e. V.

Leben und Wirken

Studium und Ausbildung

Martin Ortmeier studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Theoretische Linguistik in Regensburg und München. Er promovierte 1983 über den „Primitivismus moderner Malerei“ bei Friedrich Piel und schloss mit „summa cum laude“ ab. 1982 erhielt er den Gesellenbrief zum Industriekaufmann. Von 1983 bis 1984 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Bischöflichen Kunstsammlungen in Regensburg. Bei Max Gibis absolvierte er eine Ausbildung zum Ofensetzer und war zwischen 1992 und 2007 im historischen Kachelofen-, Herd- und Gewölbeofenbau tätig.

Leitung der Freilichtmuseen Finsterau und Massing

Seit 1984 leitet Martin Ortmeier die Freilichtmuseen Finsterau und Massing und fungiert seit 2001 als Sprecher der ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen.

Im Freilichtmuseum Finsterau führte er die Translozierung des Petzi-Hofs durch (1984–1988), welche aufgrund der komplexen Hofanlage von 7 Gebäuden wegbereitend in den bayerischen Freilichtmuseen war. 2000 schuf er den „Jugendsteig“ mit Kunstwerken von Renate Balda, Gabriele Berger, Karl Mader, Hartwig Rainer Mülleitner, Liao Weidong und Christian Zeitler. Darüber hinaus zeichnete er u. a. für die Rettung der Ruine des gründerzeitlichen Tanzsaals „Salettl“ von Passau-Mariahilf und dessen Rekonstruktion in Finsterau (2010–2013) verantwortlich. 2018 wird für Finsterau unter seiner Leitung das Geburtshaus des Bayerwalddichters Paul Friedl abgetragen.

Im Freilichtmuseum Massing veranlasste Ortmeier die Fertigstellung des Kochhofs (1989) und die Translozierung des Freilinger Häusls (1988), die Translozierung des Lehnerhofs aus der Hallertau (1991–1995) sowie die Rekonstruktion der Seilerhütte bei der Marxensölde (2010). 2017 begann er mit der Translozierung der Görgenmannsölde, einem Hafneranwesen aus dem Kröning.

2007 erhielt das Freilichtmuseum Massing für sein neu errichtetes Sammlungsdepot den bayerischen Museumspreis (Sonderpreis); gewürdigt wurde die Systematik und Ökonomie, die Ortmeier gemeinsam mit dem Depotleiter Hans Eichinger und dem Restaurator Johannes Baur konzipiert hat.

Ehrenamtliche Tätigkeit

Für den Kunstverein Passau e. V., dem Martin Ortmeier seit 2014 als Präsident vorsteht, kuratierte er zahlreiche Ausstellungen wie „Enge der Geschichte und Weite der bäuerlichen Welt“ mit Lichtbildern von Igor Grossmann und Bruno Mooser (2009), „Venku – Draußen“ über Kunst im öffentlichen Raum (2011), „Zwölf Lichtbildner“ u. a. mit Werken von Stevie Casino, Klaus Ditté, Erika Groth-Schmachtenberger, Rudolf Klaffenböck, Peter Litvai und Reinhard Winkler (2014) sowie „Passau im Lichtbild – Perlen aus dem Archiv“ mit Lichtbildern u. a. von Alois Alt, Rudolf Schneider, Max Schütz und Franz Weismann (2017).

Bereits im Jahr 2000 übernahm er die Redaktion der Halbjahreszeitschrift des Kunstvereins, der „Passauer Kunst Blätter“. Heft 36 ist Ortmeier zum 50. Geburtstag gewidmet.

1998 entwarf und organisierte er die Kunstaktion „Holzofen“ auf der Veste Oberhaus mit Beiträgen von Waltraud Danzig, Hubert Huber, Lois Jurkowitsch, Michael Lauss u. a.

Von 2012 bis 2018 war er Vorsitzender des Kulturbeirats der Stadt Passau.

Publikationen (Auswahl)

Ortmeier publiziert über Kunst der Moderne, Bauernhäuser in Niederbayern und Südböhmen, Sachvolkskunde, Kunst im öffentlichen Raum, Kulturgeschichte des Granits sowie Künstler und Künstlerinnen in Niederbayern und Oberösterreich. Belletristische Veröffentlichungen finden sich im Passauer Bistumsblatt (2002–2006) und in der oberösterreichischen Zeitschrift Landstrich (2006–2016).

Er hat acht Leitfäden zur Inventarisierung volkskundlicher Sachzeugnisse (Schmiede- und Schlosserwerkzeug, Gerät und Werkzeug der Seilerei, der Hopfen- und der Forstwirtschaft u. a.) herausgegeben und den Band zu einfachen Korbwaren (2012) selbst verfasst.

Bücher

  • Der Primitivismus moderner Malerei. Eine gattungs- und rezeptionstheoretische Studie. München 1983 (Dissertation)
  • Bauernhäuser in Niederbayern. Passau 1989
  • Freilichtmuseum Finsterau. Bauernhäuser und ihre Geschichte. Passau 1990
  • Bauernhäuser in Südböhmen – Jihočeská lidová architektura. Passau 1992 (Hg.)
  • Granit. Landshut 1997 (hrsg. mit Winfried Helm)
  • Millionenbauern. Bäuerlicher Graphitbergbau im Unteren Bayerischen Wald. Landshut 2001 (hrsg. mit Winfried Helm)
  • Die schönsten Bauernhäuser des Rottals. Zeugnisse bäuerlicher Vergangenheit. Waldkirchen 2002
  • Schee is gwen, owa hirt. Alte Bilder aus dem Bayerischen Wald. Amberg 2003
  • Warum keine Frauen an der Krippe standen. Erzählungen. Passau 2005
  • Herent und drent. Alte Bilder aus dem Bayerischen Wald und dem Böhmerwald. Amberg 2008
  • Steinreich. Granitene Zeugen zwischen Donau und Böhmerwald. Passau 2010 (hrsg. mit Winfried Helm)
  • Pragmatischer Leitfaden zur Inventarisierung einfacher Korbwaren. Landshut 2012
  • Mei liabstes Stück. Landshut 2012 (hrsg. mit Cornelia Schlosser)
  • Das Salettl von Passau-Mariahilf. Landshut 2013
  • Walter Mauder 1913–1999. Passau 2014 (hrsg. mit Philipp Ortmeier)
  • Passau im Lichtbild. Perlen aus dem Archiv. Passau 2017

Aufsätze

  • Vom Durchschauen des Bildes. Wirklichkeitsvergewisserung durch Fiktion und deren Auflösung durch Handeln. Zu einem Gespräch mit Fünfjährigen über das Buch von Monique Felix: „In diesem Buch steckt eine Maus …“. In: Jugend und Buch, Nr. 3 (1982), S. 14–16
  • Der Stein des Anstoßes. Über die Grundkategorien der plastischen Bildnerei anhand der namenlosen Granitskulptur an der Universität Passau. (Vortrag an der Universität Passau zu einer Skulptur von Herbert Peters, 14. Dezember 1982.) In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch für Geschichte, Kunst und Volkskunde, Bd. 25 (1983), S. 137–151
  • Glump und Gloria. Die Rekonstruktion eines niederbayerischen Kleinbauernhauses. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch für Geschichte, Kunst und Volkskunde, Bd. 29 (1987), S. 134–150
  • Probleme eines Museums ohne Konzept. In: Museumsblatt. Mitteilungen aus dem Museumswesen Baden-Württembergs, H. 13 (1994), S. 33–35
  • Autohof Hengersberg. In: Landstrich. Eine Kulturzeitschrift, Nr. 22 (2006), S. 75–80
  • Huadersautreiben. In: Landstrich. Eine Kulturzeitschrift, Nr. 24 (2008), S. 21–27
  • Schau mich an! – Wirklichkeit und Radierkunst bei Michel Ciry. Regarde-moi! — Réalité et art de la gravure chez Michel Ciry (frz. von Vèronique Otto). In: Ciry, Michel. Graphiken – L’oevre graphique. Passau 2010, S. 24–39
  • Draußen. Kunst im öffentlichen Raum in Niederbayern. In: Draußen / Venku. Kunst im öffentlichen Raum in Südwest-Böhmen und Niederbayern 1990–2010 / Umění ve veřejném prostoru v jihozápadních Čechach a Dolním Bavorsku 1990–2010, hrsg. vom Centrum pro dějiny sochařství Horažďovice o. s. in Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum Finsterau und dem Kunstverein Passau e. V. Klatovy (Klattau) 2011, S. 6–33
  • Otto Sammer zeichnet Franz Xaver Unertl. In: Passauer Kunst Blätter 48/2 (2011), S. 22–24
  • Wiesenwässerung durch Berieseln. Die Wührgräben im Hinteren Bayerischen Wald, die Wasserschöpfräder an der Regnitz und die gebräuchlichen Werkzeuge der Wässerwiesenwirtschaft. In: Gutes Wetter – Schlechtes Wetter, hrsg. von Birgit Angerer, Renate Bärnthol u. a. Finsterau 2013, S. 195–212
  • Fery Höfer – Revision. In: Landstrich. Eine Kulturzeitschrift, Nr. 30 (2014), S. 44–50
  • Unter Buchen im Park. In: Landstrich. Eine Kulturzeitschrift, Nr. 31 (2015), S. 32–33
  • Verstreute Quellen zur Gründungsgeschichte des Freilichtmuseums Finsterau. In: Passauer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte und Kultur Ostbaierns 57 (2015), S. 219–226
  • Gibst an Hamsterer nix, vosündigst dich gegen d’ Nächstenliab; gibst eam ebbs, vosündigst dich gegen d’ Volksgemeinschaft. Wirklichkeit und Ideologie – und althergebrachte Werte auf dem Land. In: Volk Heimat Dorf. Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre, hrsg. von Birgit Angerer, Renate Bärnthol u. a. Petersberg 2016, S. 13–21
  • Josef Opitz in Finsterau 1946–1953. In: Gubíková, Renáta; Prontekerová, Markéta (Hgg.), Josef Opitz a umění na Chomutovsku a Kadaňsku 1350–1590 – Josef Opitz und die Kunst im Komotauer und Kaadner Land 1350–1590. Komotau 2015, S. 84–103
  • Damals in Bogotá. In: Landstrich. Eine Kulturzeitschrift, Nr. 32 (2016), S. 22–24

Literatur

Weblinks