Luitpoldbrücke (Passau)

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Die Luitpoldbrücke bei Nacht. (Foto: Geisler)
Panorama: Aussicht von der Hängebrücke.

Die Luitpoldbrücke (vollständig Prinzregent-Luitpold-Brücke, ugs. meist nur Hängebrücke) ist eine 208 Meter lange Brücke in Passau. Sie überspannt seit 1910 die Donau am Flusskilometer 2225,7 und wird täglich von 6.500 Fahrzeugen überquert. Auf der Südseite wird sie von normalen Pylonen und auf der Nordseite von kleinen Pylonen in der Felswand gehalten. Luitpoldbrücke ist ebenfalls der Name der über die Brücke führenden Straße.

Auf der Luitpoldbrücke und dem benachbarten Römerplatz findet jedes Jahr das bekannte „Passauer Brückenfest“ des Alten Bräuhauses statt.

Geschichte

Vorgeschichte und Bau

Beim Bau der Prinzregent-Luitpold-Brücke.

Seit 1869 verband ein Kettensteg die Passauer Altstadt mit dem Anger. Mit der Zeit war er jedoch baufällig geworden und konnte dem steigenden Verkehrsaufkommen in keiner Weise mehr gerecht werden – zumal er eigentlich nur als Fußgängerbrücke diente. Bereits Ende des Jahres 1900 schrieb der damalige Bürgermeister Joseph Muggenthaler:

„In enger Verbindung mit der Brückenfrage steht das Bedürfnis, den Lokalverkehr zu heben. Die Frage des öffentlichen Fuhrwerks liegt hier sehr im Argen. Es wäre mit Freude zu begrüßen, wenn ein regelmäßiger und ständiger Motorwagenverkehr eingerichtet werden könnte.“[1]

Das Bayerische Staatsministerium des Innern genehmigte den Brückenbau „im Sinne der Schifffahrt“ – ungeachtet der großen Proteste aus der Öffentlichkeit. So hatte das Gemeindekollegium unter Bürgermeister Joseph Muggenthaler über die Umsetzung zu entscheiden und schwankte zwischen einer Bogenbrücke und einer Kettenbrücke. Das günstigste und beste Angebot für die Herstellung der „Drahtseilbrücke Passau“, machte die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG. Sie erhielt am 15. Juni 1909 vom Magistrat den Auftrag, für den Pauschalbetrag von 300.000 Mark die Brücke zu errichten. Anfang Oktober 1909 begannen die Arbeiter mit der Sprengung der Felswand am linksseitigen Ufer (Anger). Zudem wurde das alte Schlachthofgebäude auf der Altstadtseite weichen und die heutige Lukas-Kern-Straße wurde als „Zubringerstraße“ angelegt. Der gesamte anfallende Felsabtrag vom Anger sowie der Bauschutt vom alten Schlachthof wurden als Auffüllmaterial wiederverwendet. Die Metallkonstruktion aus „basischen Thomas-Flußeisen nach den deutschen Normbedingungen“ hatte ein Gesamtgewicht von 350 Tonnen. Für den Bau wurden dann zunächst zwei je 25 cm starke Litzenseile von je 960 Tonnen Bruchfestigkeit über die Donau gespannt. Anschließend wurden von einem Pontonschiff die 40 Versteifungsträger angebracht. Das spektakuläre Hochziehen der Drahtkabel im Juli 1910 verfolgten hunderte von Schaulustigen. Zum Schluss wurden die beiden Gehwege mit Eisenbetonplatten abgedeckt und die Brückenstraße gepflastert.

Jede einzelne Bauphase wurde von einem eigens angestellten Fotografen festgehalten. So ist die Hängebrücke das erste Bauwerk in Passau, von dem eine fast lückenlose Fotodokumentation vorhanden ist.

Proteste der Bevölkerung

Ferdinand Wagner schrieb unter sein 1906 gemaltes Bild: „Gegenwärtig neuerdings drohendes gräßliches Unglück für Bayerns schönstgelegene Stadt“.

Gegen die Baupläne der Stadt protestierten damals zahlreiche Bürger, da ihrer Meinung nach die Brücke die Schönheit der Passauer Landschaft unwiderruflich zerstören würde. Rechtsrat Martin Seitz äußerte schon 1907 Bedenken, dass „[...] das der Stadt angesonnene beträchtliche finanzielle Opfer keine Gewähr biete, dass die daran geknüpften Erwartungen [Anm.: gemeint ist der von Muggenthaler gewünschte, regelmäßige Motorwagenverkehr] sich auch erfüllen“.[1] Auch Ferdinand Wagner, Historienmaler und Passauer Ehrenbürger, hätte am liebsten keine neue Brücke gehabt: Er war von Anfang an ein großer Gegner des geplanten Brückenbaus dicht oberhalb des Niederhauses, das sich seit 1890 in seinem Besitz befand. Zum Ausdruck brachte er dies mit folgendem Zitat:

„Wer die Regensburger Bogenbrücke genießen kann, ohne sich innerlich verletzt zu fühlen, wer sich ein ähnliches Scheusal an Stelle des Drahtstegs kaltherzig denken kann, ohne über sich selbst zu erröten, dem mangelt eben das Auge für die Schönheit des Erdenfleckchens, das doch mit Wissen und Willen niemand verderben will.“[2]

Belastungsprobe und Einweihung

Die Luitpoldbrücke von oben.

Nachdem die Brücke schon am 15. Dezember 1910 für Fußgänger freigegeben worden war, schlug die „Stunde der Wahrheit“ für das neue Prestige-Bauwerk der Stadt dann am 20. Januar 1911: Unter Anwesenheit höchster Vertreter der Regierung von Niederbayern, des Straßen- und Flußbauamtes, der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) und fast des gesamten Passauer Magistrats sowie Bürgermeister Joseph Muggenthaler begann man mit der Belastungsprobe. Dazu verteilten die Bauarbeiter auf der 126,08 Meter langen und 6,40 Meter breiten Fahrbahn Pflastersteine im Gesamtgewicht von fast 300 Tonnen. Außerdem wurden sechs Fuhrwerke mit sechs Tonnen Bruchsteinen beladen. Insgesamt 16 Stunden dauerte diese Höchstbelastung, wobei in der Brückenmitte eine Senkung von 299 Millimetern gegenüber der unbelasteten Brücke gemessen wurde. Unter großem Applaus gab Chefingenieur Albrecht bekannt, dass die Brücke den Belastungstest bestanden hatte.

Eigentlich hätte die Brücke jetzt feierlich eingeweiht werden können. Doch da zuvor bereits der einstimmige Beschluss gefallen war, die Brücke dem geliebten Prinzregenten Luitpold zu widmen, wurde die Brückeneinweihung auf den 11. März 1911 verschoben – einen Tag bevor Prinzregent Luitpold seinen im ganzen Land bejubelten 90. Geburtstag begehen konnte. Die Weihe der Brücke, auf dem mit „frischgrünen Tannen“ und mit Fahnen geschmückten Festplatz (heute steht hier das Parkhaus Römerplatz) nahm Bischof Sigismund Felix Freiherr von Ow-Felldorf vor. Ferdinand Wagner war bei der festlichen Einweihung nicht zugegen. Noch am gleichen Tag wurde die Brücke dem Verkehr übergeben. Weil es neben der Brückeneinweihung aber noch das Geburtstagsfest des Prinzregenten zu würdigen galt, lud der Magistrat am 12. März 1911 zu einem mehrgängigen Festdiner in den Großen Rathaussaal.

Kriegsschäden & Wiederaufbau

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke – unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner – am 2. Mai 1945 teilweise gesprengt. Nach der Zerstörung waren nur die beiden Betonpylonen vor dem heutigen Bräuhaus und das unterstromige Tragkabel nahezu unbeschädigt. Die Bergung der zerstörten Brücke haben die „Königlichen Ungarischen Stromstreitkräfte“ im September 1945 übernommen.

Der Wiederaufbau gestaltete sich aus finanziellen Gründen äußerst schwierig. Allerdings konnte die Brücke dank der Unterstützung durch Spenden und bayerische Ministerien bereits am 17. August 1948 wieder dem Verkehr freigegeben werden. Insgesamt kostete die „neue“ Hängebrücke 1,5 Millionen DM. Oberbürgermeister Stephan Billinger stellte damals fest, dass „die Hängebrücke von jeher das Lieblingskind der Passauer gewesen sei“.[1]

Sanierungen

1972 wurde die Brücke am linken Ende um einige Meter verkürzt, um eine Verbreiterung der Angerstraße auf vier Spuren zu ermöglichen. Die ersten größeren Sanierungen wurden im Jahr 1988 vorgenommen, als die Seile erneuert werden mussten. 1998 wurden die Stahlplatten auf beiden Fußgängerwegen erneuert sowie die Asphaltdecke neu abgedichtet.

Im Sommer 2008 wurde die Brücke wegen Sanierungsarbeiten für den Verkehr gesperrt. Die beiden Gelenke, die den mittleren Stahlteil mit den so genannten Tragarmen verbinden, sind kaputt. Der deshalb notwendig gewordene Austausch kostete 100.000 Euro und dauerte zwei Wochen. Die Sperrung der Brücke für den kompletten Autoverkehr begann am 11./12. August; die Wieder-Freigabe der Brücke erfolgte gegen Ende August, wenige Tage vor Eröffnung der Stadtgalerie Passau.

Am 13. Juni 2010, einen Tag nach dem Brückenfest, wurde das 100-Jahr-Jubiläum der Brücke mit rund 500 Gästen spektakelmäßig gefeiert.

Ab Juli 2016 soll laut die Luitpoldbrücke für voraussichtlich 800.000 Euro saniert werden.

Weitere Bilder

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Christian Karl: Mehrteilige Gaudi zum 100-Jahr-Jubiläum der Hängebrücke. In: Passauer Neue Presse vom 29. Mai 2010 (S. 27)
  2. Richard Schaffner: „Schämt Euch für Euer Tun, ihr Brückenmänner“. In: Passauer Neue Presse vom 22. August 2011 (S. 35)

Literatur

Weblinks