Leopold Ernst Graf von Firmian

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Kardinal Leopold Ernst Graf von Firmian

Leopold Ernst Graf von Firmian (* 22. September 1708 in Deutschmetz (Mezzocorona); † 13. März 1783 in Passau) war ein Kardinal und von 1763 bis 1783 der 70. Bischof von Passau, nachdem er zuvor schon Bischof von Seckau war. Er gilt als der letzte große barocke Passauer Kirchenfürst, der aber auch den Übergang zur Aufklärung brachte.

Er ist Namensgeber der Firmianstraße, des Firmianbrunnens, des Firmianguts sowie der Orte Vorder-, Mitter- und Hinterfirmiansreut.

Leben und Wirken

Frühe Jahre

Der 1708 in Deutschmetz (Mezzocorona) geborene Leopold Ernst Graf von Firmian studierte in Rom und in Trient, wo er 1730 Dompropst wurde. Neun Jahre später wurde er bereits im Alter von 31 Jahren zum Bischof von Seckau ernannt. Am 1. September 1763 wurde er auf Empfehlung von Maria Theresia einstimmig zum neuen Bischof von Passau gewählt.

Der Fürstbischof

1765 kaufte er die sogenannten „sieben künischen Dörfer“ (Wollaberg, Heindlschlag, Hintereben, Jandelsbrunn, Rosenberg, Aßberg und Grund) im südlichen Bayerischen Wald zurück und erwarb die Burg Rannariedl (deren Schlosskapelle er 1780 vergrößern ließ) für das Passauer Hochstift.

Als ein Berater von Maria Theresia gab Firmian im Wesentlichen den Anstoß zur Schulreform von 1769/74, welche die Einführung der allgemeinen Schulpflicht mit sich zog.

1772 erhob ihn Papst Klemens XIV. in den Kardinalsstand. Weil die Zahl der Kardinäle damals noch auf 70 begrenzt war, erkennt man daraus durchaus, welch hohe Wertschätzung Bischof Firmian in der Weltkirche genoss.

In den Jahren 1773 bis 1775 ließ er in der Heiliggeistgasse das „Allgemeine Krankenhaus“ errichten. Unter seiner Regentschaft wurde sowohl die Neue Residenz (das Treppenhaus und die Prunkräume bereits im Stil des Rokoko) fertiggestellt als auch weite Teile des Bayerischen Waldes urbar gemacht, woran bis jetzt noch die Ortschaften Vorder-, Mitter- und Hinterfirmiansreut erinnern. Der begeisterte Jäger gestaltete ebenfalls das Schloss Thyrnau zu einem Jagdschloss um und ließ ein weitläufiges Hirschgehege anlegen.

Auf seinen Jagdschlössern Schloss Neuburg, Schloss Wolfstein, Schloss Riedenburg, Schloss Rathsmannsdorf und Schloss Thyrnau verbrachte der Fürstbischof den größten Teil des Jahres. Die Hofjagden waren zugleich auch prachtvolle und kostspielige Hoffeste. Gegen Wildschützen ging Firmian mit harten Strafen vor, die Bauern durften dem Wild, das ihre Äcker verwüstete, nicht einmal auf dem eigenen Boden nachstellen. Trotzdem konnte die Wilderei kaum eingedämmt werden.

Am 18. Juni 1776 erließ Firmian seine Hochfürstlich Passauische Forstordnung. Darin beklagte er die Zerstörung der Wälder durch übermäßige Nutzung und erließ strenge Vorschriften gegen missbräuchlichen Holzeinschlag und den Verbiss durch das Weidevieh der Bauern. Häuser sollten aus Stein statt aus Holz erbaut und mit Dachziegeln oder Stroh statt mit Schindeln gedeckt werden, selbst das Maibaumaufstellen wurde untersagt. Als besonders förderungswürdig galten Eiche, Esche, Ahorn, Linde, Nussbaum und Kirsche, deren Nutzung als Brennholz verboten wurde. Als Anreiz für die Anzucht von Eichen wurden Geldprämien vergeben.

Der Seelsorger

Firmian bemühte sich um neue Formen der Priesterausbildung und der Seelsorge. In Passau förderte er das von seinem Vorgänger eingerichtete, von Weltpriestern geleitete „Josepho-Leopoldinum“ zur Heranbildung der zukünftigen Priester. Er selbst verfasste für sein von eigenen Professoren geleitetes Seminar die Statuten und ließ sie am 15. November 1764 publizieren. Darin bestimmte er die Lehre des hl. Augustinus als Grundlage, lehnte in der Moraltheologie jede Laxheit ab und regelte detailliert das Leben der Studierenden. Dabei bestand der konkurrierende Jesuitenkonvikt mit Theologieunterricht durch die Jesuiten am Lyzeum fort bis zur allgemeinen Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773.

Am 17. Juni 1764 bestimmte er in einem Hirtenbrief das Werk Pastor bonus des Löwener Pastoraltheologen Johannes Opstraet von 1689 als Richtschnur für die Seelsorge im Bistum Passau. Dabei verteidigte er das Buch gegen Kritiker, die es als zu rigoros bezeichneten und beklagte seinerseits den verderblichen Einfluss von „Neuerern“.

Am 1. März 1765 erschien ein Breve von Papst Klemens XIII. mit der Aufforderung, den Pastor bonus zurückzuziehen, da dieses Werk sehr viele Irrtümer aufweise. Firmian verteidigte das Buch in seinem Antwortschreiben und bat den Papst, das Buch nicht zurückziehen zu müssen, da dies einer Bloßstellung vor seinem Klerus gleichkäme. Gleichzeitig verteidigte er sein Seminar und argwöhnte die Jesuiten als Verursacher der Kritik.

Dennoch wurde am 27. Februar 1766 die Pastoraltheologie des Johannes Opstraet indiziert, und 1767 schrieb Papst Klemens XIII. ein zweites Breve, das die ursprünglichen Forderungen wiederholte. Firmian nahm das Buch nicht zurück, verzichtete aber künftig auf die Verordnung, dass ein jeder neuangestellte Pfarrer, der in der bischöflichen Kanzlei installiert wurde, den Pastor bonus mitnehmen müsse.

Den Lebenswandel seines Klerus überwachte der Bischof streng. Priester, die sich des Gasthausbesuches schuldig machten, wurden meist mit vier Wochen Exerzitien bei Wasser und Brot im Stainerschen Priesterhaus in Passau bestraft. Wer sich der Trunkenheit schuldig gemacht hatte, wurde monatelang auf der Veste Oberhaus arretiert. Bei Zölibatsverletzungen erfolgte neben Exerzitien oder Festungshaft stets auch die Absetzung. Alle ihm unterbreiteten Schriftstücke beantwortete Firmian umgehend und war in seinem Stil dabei oft sehr impulsiv. Er zeigte kein Verständnis für ungenaue oder saumselige Ausführung von Befehlen und reagierte heftig auf alle Zeichen des Ungehorsams.

Die Anzahl der kirchlichen Feiertage, der Prozessionen und der Bittgänge wurden durch ihn stark reduziert. Firmian bekämpfte aber ebenso die „abergläubischen Formen des religiösen Lebens“. Nichtsdestotrotz gilt er – vor allem in Religionsfragen – als äußert toleranter Bischof und gestattete bereits 1777 die Beisetzung von Protestanten auf katholischen Friedhöfen.

Letzte Jahre

Bischof Firmian selbst zelebrierte fast täglich die Heilige Messe, betete jeden Tag den Rosenkranz und wallfahrtete häufig zum Gnadenbild Mariahilf ob Passau. In seinen letzen Lebensjahren kam er alljährlich am 26. Juli, dem Tag der hl. Anna, von Schloss Wolfstein aus zum Wallfahrtsort Kreuzberg, wo er mehrere Stunden mit den Wallfahrern vor dem Gnadenbild betete.

Leopold Ernst Graf von Firmian starb am 13. März 1783. Er wurde in der Passauer Bischofsgruft beigesetzt. Ein Denkmal am südwestlichen Vierungspfeiler erinnert bis heute an ihn. Sein Leibmedikus war Julius von Guella.

Dass ihm auch Kaiser Joseph II. zu Lebzeiten großen Respekt entgegenbrachte, zeigt die Tatsache, dass er mit der Abtrennung der österreichischen Gebiete vom Bistum Passau, das zu dieser Zeit auch noch nahezu ganz Oberösterreich sowie einen Teil Niederösterreichs umfasste, bis nach Firmians Tod wartete. Aus diesen abgetrennten Gebieten entstanden dann die Bistümer Linz und St. Pölten.

Galerie

Literatur

  • Karl Bosl (Hrsg.): Bosls bayerische Biographie. 8000 Persönlichkeiten aus 15 Jahrhunderten. Regensburg 1983, ISBN 3-7917-0792-2 (S. 204)
  • Franz Mader, Stadtarchiv Passau: Tausend Passauer. Passau 1995, ISBN 3-924484-98-8 (S. 61 f.)
  • August Leidl: Bischof und Klerus im Großbistum Passau an der Wende vom Barock zur Aufklärung, in: Diener in Eurer Mitte, Festschrift für Dr. Antonius Hofmann, Bischof von Passau, zum 75. Geburtstag, Passavia Universitätsverlag, 1984, ISBN 3 922016 41 3
  • Elmar Thumbach: Der Neuburger Wald, in: Der Bayerische Wald, Jubiläums-Heft 150 Jahre Naturwissenschaftlicher Verein Passau, 21. Jahrgang, Dezember 2008, S. 88−95

Weblinks