Konrad von Parzham

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Andachtsbild Bruder Konrads.

Konrad von Parzham, bürgerlich Johann Birndorfer, (* 22. Dezember 1818 in Parzham bei Bad Griesbach; † 21. April 1894 in Altötting) war ein Laienbruder aus dem Kapuzinerorden. Er wurde am 20. Mai 1934 heiliggesprochen, sein Festtag ist der 21. April. Er ist Stadtpatron von Bad Griesbach und Patron der Diözese Passau.

Leben und Wirken

Bürgerliches Leben

Johann Birndorfer kam am 22. Dezember 1818 als elftes Kind der Bauerseheleute Bartholomäus und Gertraud Birndorfer auf dem großen Hof in Parzham zur Welt. Der Venushof war ein großer und begüterter Bauernhof mit 20 Pferden und einem Stall voller Vieh. Schon als junger Mann soll Birndorfer, auch „Venus-Hansl“ genannt, sehr in sich gekehrt gelebt haben. Oft machte er sich auf den Weg zu den Wallfahrten der Umgebung. Der Zeitpunkt, als Gott in sein Leben eingegriffen hat, war vermutlich bei der Kirche St. Anna in Ering: Es muss die Begegnung mit dem Benefiziaten Franz Dullinger gewesen sein, in Predigt und Beichte.

Mit 14 Jahren verlor Johann Birndorfer die Mutter, mit sechzehn den Vater. Die Geschwister hielten zusammen und waren der Ansicht, Johann sollte den Hof übernehmen. Man traute es ihm am ehesten zu, obwohl er der Vorletzte war. Zehn Jahre vergingen, in denen er seine geistlichen Übungen machte: Beichte und Kommunion alle acht oder vierzehn Tage, dazu den Fünf-Stunden-Weg hin und zurück, am Nachmittag auch noch Gebet. Dann unterschrieb er eine Erklärung, in der er auf alles Hab und Gut verzichtete: auf sein Hofrecht zugunsten seiner Geschwister; ein Viertel seines Kapitalanteils am Hof stiftete er für die Erweiterung des Friedhofs in Weng, das zweite Viertel gab er für die Armen der Pfarrei Weng; das dritte Viertel bekam der Bonifatius-Verein für die Diaspora; das letzte Viertel, die letzten 2.500 Gulden gab er dem Pfarrer von Laufen für den Ludwig-Missions-Verein.

Zeit im Kloster

„Vom Venushof-Hansl müssen wir das Beten lernen“, sagte man in Parzham über Johann Birndorfer. Und: „Wenn der kein Heiliger wird, wird es niemand.“ Demütig war Bruder Konrad ohne Zweifel. Mehr als vier Jahrzehnte stellte er sich dann in Altötting in den Dienst der Armen, verteilte Brot und Bier an Hungernde. Die Hilfsbereitschaft ging so weit, dass sich Mitbrüder beklagten, die um den Kloster-Besitz fürchteten. Konrads Kommentar: „Wos ma de Armen gibd, kummd ois wieda rein.“

Kurz nach der Ewigen Profess hatte Konrad den Dienst als Pförtner des damaligen St.-Anna-Klosters in Altötting übernommen. 41 Jahre saß er beinahe täglich bis zu zwölf Stunden am Klostereingang. Er hörte sich die Probleme der Pilger an und betete mit den Kindern, bevor er ihnen eine Scheibe Brot abschnitt. Durch die Pilger drang sein Name und Ruf weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Streng aber geduldig soll er gewesen sein, geprägt von „unbesiegbarer Güte“, wie Papst Benedikt XVI. später sagte. Zu einem Bettelmönch, der Konrad testen wollte und ihm bei der Armenspeisung einen Teller Suppe vor die Füße warf, soll er gesagt haben: „Gell, schmeckt’s da ned, dann hol i dir a andere Suppn.“

Auch außerhalb seines Pförtnerdaseins stand der Glaube in Konrads Mittelpunkt. Täglich ministrierte er bereits bei der Fünf-Uhr-Morgenmesse in der Gnadenkapelle. Beinahe jede freie Minute soll er gebetet haben. Selbst nach dem Mitternachtsgebet der Kapuziner stieg er oft noch in die Klostergruft hinab, um für die Verstorbenen zu beten - was dem damaligen Guardian schließlich zu weit ging. Er sorgte sich um Konrads Gesundheit und befürchtete Neid unter den Mitbrüdern, weshalb er ihm das Gebet in der Gruft verbot.

Er starb am 21. April 1894. In der Kirche des Klosters fand Konrad seine letzte Ruhestätte, sie wurde 1953 in Bruder-Konrad-Kirche umbenannt.

Selig- und Heiligsprechung

Schon bald nach Konrads Tod wurden Rufe laut, die in dem frommen Kapuziner etwas Besonderes sahen, mehr als „nur“ einen einfachen Gottgläubigen. 1922, acht Jahre vor der Seligsprechung, wurden Konrads Gebeine aus der Gruft in die Anna-Kirche überführt. Nach zwei Wunderheilungen, die auf Konrad zurückgeführt wurden, sprach ihn Papst Pius XI. dann 1930 selig.

Die Heiligsprechung erfolgte bereits vier Jahre später am 20. Mai 1934. Sie stieß allerdings nicht bei allen auf Zustimmung. Eine Mutter protestierte, weil Bruder Konrad ihrer Tochter mehrere Halbe Bier gegeben haben soll, weshalb diese im Unterricht eingeschlafen sei. Die Kommission aber verwarf den Einwand mit der einfachen Begründung, dass ein bayerisches Mädel von ein paar Halben keinen Rausch bekäme. Zwei Heilungswunder dienten schließlich als Gottesbeweis für Konrads Heiligkeit – darunter der Fall eines verkrüppelten Mädchens aus Wasserburg, das schlagartig gesundet sein soll, nachdem sein Vater in Altötting den toten Konrad um Hilfe gebeten hatte.

Am 9. Januar 2010 wurden Konrads Reliquien vom Kloster Congregation in einer feierlichen Prozession in das Sankt-Konrad-Kloster übertragen. Dort wurden die drei Reliquienkästchen vor dem Grabaltar des Heiligen abgestellt. In der Silberfigur ruht der Großteil der Gebeine Bruder Konrads und der reich verziehrte Schädel sichtbar im gläsernen Schrein. Die drei Kästchen wurden nach der Messe ins generalsanierte Kloster St. Konrad übertragen und sind im Reliquienraum im ersten Stock nahe der Sterbezelle Bruder Kondrads würdig aufbewahrt.

Nachwirkungen und Einflüsse

Bischof Wilhelm Schraml und Vikar Georg Greimel vor einer Wachsfigur Bruder Konrads in der neuen Konrad-Schatzkammer in Altötting.

Bis in die höchsten Kirchenkreise fand Bruder Konrads Lebensart Anerkennung. Als Papst Pius XI. 1933 eine Namensliste mit Vorschlägen zur Heiligsprechung vorgelegt wurde, soll der Pontifex erstaunt gesagt haben: „Auf dieser Liste fehlt Bruder Konrad“. Und auch den späteren Papst Benedikt XVI. hat der Kapuziner geprägt: Als kleiner Bub war Joseph Ratzinger bei den Feierlichkeiten zur Heiligsprechung in Altötting – für ihn eine „Freude“, die ihn tief bewegt habe, erinnerte er sich später.

Im November 1980 kehrte Joseph Ratzinger an die Wirkungsstätte Bruder Konrads zurück. Als Kardinal weilte er an der Seite von Papst Johannes Paul II. während dessen Altötting-Besuch. Beide waren sie bei den Kapuzinern untergebracht – im Kloster, das mittlerweile den Namen Konrads angenommen hatte.

Die bayerische und die ungarische Kapuzinerprovinz, die Diözese Passau und der Bonifatiusverein in Deutschland wählten Konrad zum Patron bzw. Mitpatron. Eine stattliche, unübersehbare Zahl kirchlicher und öffentlicher Einrichtungen wurde nach ihm benannt: Gotteshäuser und Kirchengemeinden, Heime und Werkstätten, Kindergärten, Bildungszentren und Schulen, Musikkreise, Orchester und Chöre sowie Straßen, Alleen und Apotheken. In Pfarrkirchen etwa ist die Bruder-Konrad-Straße nach ihm benannt und am Stadtplatz in Bad Griesbach erinnert seit 1977 eine Statue an den Stadtpatron; sie wurde am 1. Mai 1977 von Bischof Antonius Hofmann geweiht. Bereits 1947 war in Passau-Heining die die Kremsreiter-Kapelle zu Ehren Bruder Konrads errichtet worden.

In Parzham kann seit 1994 das Bruder-Konrad-Geburtshaus besichtigt werden. Bereiche davon sind noch im Originalzustand erhalten. Seit seiner Eröffnung hat sich das Museum zu einer Pilgerstätte entwickelt: Jedes Jahr kommen rund 30.000 Menschen. Jedes Jahr am 1. Mai wird hier auch das Bruder-Konrad-Fest begangen. Darüber hinaus führt der Trachtenverein Lindenthaler Hebertsfelden seit 1994 alle zehn Jahre ein Festspiel über Bruder Konrads Lebensweg auf.

Zum 75. Jubiläum der Heiligsprechung Bruder Konrads im Jahr 2009 wurde mit dem „Bruder-Konrad-Kinderführer“ ein Lese- und Aufgabenheft für Kinder herausgebracht. Darin wird kindgerecht erklärt, was Mama, Papa, die Geschwister und die Nachbarn wohl damals gedacht haben mussten, als ihr Hansl sich plötzlich entschloss, ins Kloster zu gehen.

Altar als Erinnerung

Unmittelbar nach der Heiligsprechung erteilte der Altöttinger „Botenpfarrer“ Karl Vogl zwei Kunsthandwerkern den Auftrag einen Altar anzufertigen. Noch im selben Jahr wurde dieser mit drei Altarbildern im früheren Marienstift aufgestellt. Er beherbergt auch Reliquien. Aber es ist leider nicht mehr bekannt, von welchem Heiligen sie stammen.

  • Linkes Altarbild: Genau wie Bruder Konrad ist Louise de Marillac, die Schutzheilige der Sozialarbeiter, ein Altarbild zugeteilt. 1934 wurde sie gemeinsam mit Bruder Konrad heilig gesprochen. Sie gründete 1633 mit Vinzenz von Paul, der ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist, den Orden der Barmherzigen Schwestern, die Vinzentinerinnen, die auch im Marienstift tätig waren. Mündlicher Überlieferung zufolge handelt es sich bei dem eventuellen Ehepaar fortgeschrittenen Alters um Altöttinger Persönlichkeiten. Sie sind zusammen mit Louise de Marillac, Vinzenz von Paul auf dem Altarbild zu sehen.
  • Mittleres Altarbild: Im mittleren Altarbild ist der segnende Christus zu sehen. An seiner Seite stehen Josef und Maria. Vor ihm knieen die Hl. Elisabeth von Thüringen und ein Heiliger aus dem Franziskaner-Orden.
  • Rechtes Altarbild: In selbstvergessener Anbetung ist Bruder Konrad auf dem rechten Altarbild dargestellt. Er ist in Begleitung von Klemens Maria Hofbauer, dem ersten deutschen Redemptoristen, als Vertreter für seine in Altötting tätig gewesenen Ordensbrüdern. Sowohl ein Vertreter der Jesuiten, als auch der Stifter des Altares, Pfarrer Karl Vogl sind auf dem Bild zu sehen.

Da ab 1990 die Auflösung des Marienstiftes anstand, stellte sich die Frage, was mit dem bedeutsamen Altar werden sollte. Zufällig fand zeitgleich die Erweiterung des St. Grignionheimes und der Neubau der Hauskapelle statt. Da war klar, dass der Altar weiterhin seiner Bestimmung dienen sollte und wurde so dem St. Grignionhaus überlassen. Der mit der neuen Hauskapelle beauftragte Architekt, Thomas Schwarzenböck, musste sich der besonderen Aufgabe „Altarhöhe“ stellen. Nun umgibt den 5,30 Meter hohen Altar eine Lichtkuppel. Diese spendet gleichzeitig Tageslicht für das niedrige Langhaus.

Galerie

Siehe auch

Literatur

Weitere Berichterstattung der PNP

Weblinks