Kirche St. Paul (Passau)

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Die Kirche St. Paul vom Rindermarkt aus
Blick zum Hochaltar

Die Kirche St. Paul ist die katholische Stadtpfarrkirche der gleichnamigen Pfarrei sowie gleichzeitig die älteste Pfarrkirche Passaus. Sie befindet sich direkt neben dem Paulusbogen, von dem aus eine Freitreppe zu der in Creme und Rosa gegliederten, eintürmigen Kirche hinaufführt. Über dem Portal der Kirche ist die Statue des heiligen Paulus angebracht.

Geschichte

Schon 1050 stand an dieser Stelle eine Kirche, die dem heiligen Paulus geweiht war. Sie wurde vom damaligen Bischof Egilbert errichtet, um das Passauer Pfarrvolk vom Dom fernzuhalten. An der Südseite der Kirche befand sich Jahrhunderte lang der Stadtfriedhof, der nach der Eröffnung des neuen Innstadtfriedhofs ab 1804 ohne Bestattungen blieb und 1811 endgültig geschlossen wurde. Ein weiterer Friedhof, der Armenfriedhof ad tilias wurde 1432 mit dem Stadtfriedhof vereinigt.

Nach der Zerstörung der hochmittelalterlichen Kirche bei den Stadtbränden von 1512 und 1662 entstand von 1667 bis 1686 der heutige, barocke Bau. Wie schon der Stephansdom wurde auch St. Paul von italienischen Baumeistern errichtet, und zwar aufgrund stilistischer und typologischer Merkmale zweifellos aus dem Umkreis der Künstlerfamilie Carlone. Die Vollendung der Innenausstattung dauerte bis 1701. 1851 bis 1852 erfolgte eine Innenrestaurierung. Die Stuckierung der Kirche wurde erst 1910 durch das Kgl. Generalkonservatorium durchgeführt.

Der schmale Turm von St. Paul musste 1950 abgetragen werden, nachdem man festgestellt hatte, dass er höher war als die Türme des Doms. Seither ist der Turm nur mehr der zweithöchste Passauer Kirchturm. Auf dem Foto von 1956 ist der 1950 verkürzte Turm zu sehen. Die Kirche beging am 14. November 1951 das 900. Jubiläum ihres Bestehens mit einem Pontifikalgottesdienst, den Dompropst Dr. Franz Seraph Riemer zelebrierte.

2012 und 2013 wurde die Kirche in 16 Monaten renoviert. Die meiste Zeit davon – 14 Monate lang – war sie deswegen für Gottesdienste geschlossen, nur in den ersten beiden Monaten der Renovierungszeit konnte sie genutzt werden. Unter anderem wurden der Hochaltar in Schwarz und Gold hergerichtet, einiges durch neue Elemente in modernem, schlichten Stil ersetzt, wie Altar, Taufbecken und Bänke. Zudem wurde ein Teil der Eingänge behindertengerecht gestaltet, so dass St. Paul nun für Rollstuhlfahrer problemlos zugänglich ist. Am 20. Oktober 2013 wurde die Kirche durch den emeritierten Bischof Wilhelm Schraml mit der Altarweihe wieder eröffnet. Die Kosten der Generalüberholung beliefen sich auf rund zwei Millionen Euro; das meiste davon trug die Diözese Passau, 20 Prozent die Pfarrei St. Paul und 20.000 Euro stellte das Landesamt für Denkmalpflege für die originalgetreue Gestaltung von Schmuckelementen bereit.

Innenausstattung

Der mächtige Hochaltar des Passauers Erhart Haugg von 1698 besteht aus schwarzem gebeiztem Holz und ist mit vergoldeten Ornamenten geschmückt. Er reicht bis ins Gewölbe des Chorraumes hinauf. Das Altarbild, von Franz Werner Tamm um 1700 gefertigt, zeigt die Enthauptung des Paulus, flankiert wird es von den 1701 hinzugefügten Figuren der Apostel Petrus und Andreas eines unbekannten Meisters.

Die sechs Seitenaltäre und die Kanzel entstanden 1678 bis 1689. Die Altäre in den beiden östlichen Seitenkapellen zeigen die Himmelfahrt Mariens und den hl. Michael mit dem Engelssturz. Der besonders reich geschmückte, 1689 in der zweiten Südkapelle aufgestellte Sebastianialtar wurde von der Sebastiani-Bruderschaft gestiftet. Christoph Denifl lieferte die Schreinerarbeiten, Johann Matthias Högenwald war als Bildhauer tätig, und der ansonsten unbekannte Angelo Alberto malte das Altarblatt mit dem Martyrium des hl. Sebastian.

Die Liebfrauenbruderschaft der Schiffsleute und Salzfertiger, die noch heute als Lamplbruderschaft fortbesteht, stiftete 1678 den Altar von Schiffspatron St. Nikolaus in der zweiten Kapelle der Nordseite. Auch hier arbeiteten Christoph Denifl als Schreiner und Johann Matthias Högenwald als Bildhauer, während das Altarblatt mit dem hl. Nikolaus der Konstanzer Maler Tobias Poch schuf.

Die beiden westlichen Seitenaltäre stammen aus der Zeit um 1680. Vermutlich entstanden sie in der Werkstatt von Johann Seitz und seinem Schwiegersohn Johann Matthias Högenwald. Das Bild des nördlichen Altars mit der Hl. Sippe malte Johannes Spillenberger. Der Meister des Altarblattes auf der Südseite, die Heimsuchung Marias zeigend, ist unbekannt. Die bildhauerischen Werke der Kanzel mit den vier Evangelisten am Kanzelkorb und den vier lateinischen Kirchenvätern auf dem Schalldeckel dürften ebenfalls der Seitz /Högenwaldschen Werkstatt entstammen.

Der sparsame Stuck wurde erst 1909/10 angebracht und 1956 sowie ab 2009 restauriert. Die Disposition der Orgel von 1930 wurde 1968 verändert und 2006 instand gesetzt.

Der Volksaltar besteht seit der Renovierung von 2013 aus einem schwarzen, viereckigen Stein und Seitenteilen aus Bronze. Der schwarze Stein, für den Bildhauer Joseph Michael Neustifter Marmor aus der Ursprungsregion des Christentums in Afrika wählte, soll den Opferstein symbolisieren. Er bezieht sich damit auf das in alttestamentarischer Zeit übliche Brandopfer. Die Teile aus Bronze, die links und rechts angebracht werden, ergänzen ihn zu einem Abendmahlstisch. Dieser stellt eine Referenz her zum neutestamentarischen Opfer, dem Tod Jesu Christi am Kreuz. Das ebenfalls seit 2013 neue Taufbecken am Kircheneingang auf der Rindermarkt-Seite ist aus schwarzem Marmor und heller Bronze und steht für den Anfang allen Lebens. Dazwischen haben die von Neustifter entworfenen Bänke aus hellem Eichenholz ihren Platz. Mit ihrem Holzton sollen sie zusammen mit dem sandfarbenen Boden und den helleren Wänden eine Einheit bilden.

Den Zugang zur Kirche bildet eine überdachte Freitreppe. Zwischen der Treppe und der Fassade steht die Marienkapelle, die gleichzeitig mit der Kirche entstand. In ihrem Inneren birgt das barocke Gehäuse eines Altars die Figur des Kerkerheilands. Die Sakristei der Kirche ist im Oberbau des Paulusbogens untergebracht.

Weitere Bilder

Literatur