Kirche St. Achatius (Hals)

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Außenansicht der Kirche St. Achatius von Süden

Die Wallfahrtskirche St. Achatius in Hals ist eine Nebenkirche der Pfarrei Hals.

Geschichte

Die Kirche birgt Reliquien des Märtyrers und Kirchenpatrons Achatius, die einer örtlichen Tradition zufolge 1149 Baldemar von Hals von einem Kreuzzug mitbrachte. Zur Verehrung der Reliquien ließ er eine Holzkapelle bauen, die später durch eine Kirche ersetzt wurde. Historisch gesichert ist eine Kirche erst 1351 durch die urkundlich überlieferte Stiftung des Passauer Bürgers Ulrich der Nusser an das „Geschwesterhaus bei Sankt Achaty“ im Salbuch des St.-Johannesspitalstifts Passau. Das Geschwesterhaus diente womöglich weiblichem Dienstpersonal als Altersheim.

Die jetzige Kirche entstand vermutlich Ende des 15. Jahrhunderts mit späteren An- und Umbauten, die Friedhofskapelle 1727. Ein benachbartes Siechenhaus wurde 1882 abgebrochen. Die Wallfahrt wurde ab dem 17. Jahrhundert durch den Apostolischen Stuhl gefördert. Wallfahrtstage finden jedes Jahr Ende Juni statt ("Achatius-Woche").

Die Kirche war vom Hochwasser 1954 betroffen und wurde 1955/1956 umfassend instand gesetzt. 1970 und 1985 erfolgten Innenrenovierungen, 2003 eine Außenrenovierung. St. Achatius wurde wiederum in schlimmer Weise vom Hochwasser 2013 betroffen, wobei die Inneneinrichtung in größtem Umfang beschädigt wurde.

Beschreibung

Die dreischiffige Kirche St. Achatius, gleichzeitig Friedhofskirche des Passauer Stadtteiles Hals, ist ursprünglich ein einschiffiges spätgotisches Bauwerk des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Im 17. Jahrhundert kamen die beiden Seitenschiffe hinzu, so dass sich eine ungleiche Hallenkirche ergab, da der Mittelschiffscheitel höher liegt als der der Seitenschiffe. Die Ausstattung ist barock mit einem von Pfleger Joseph Matthias Kramer gestifteten Hochaltar von um 1696. Dieser ist mit einem Baldachin nach der Art eines römischen Kriegszeltes ausgestattet. Das mit 1696 bezeichnete Altarblatt stammt von Gordian Säntz und zeigt das Martyrium des hl. Achatius und seiner Gefährten.

Die Seitenaltäre stammen aus der 1757 abgebrochenen Heinrichskapelle von Kloster Niedernburg. Sie kamen 1818 in die Pfarrkirche St. Georg und 1855 als Ersatz für vier entfernte Seitenaltäre in die Achatiuskirche. Die Altarbilder zeigen einerseits die hll. Heinrich und Kunigunde und andererseits den Tod des hl. Benedikt, letzteres gemalt von Joseph Helbling 1758. Die Kanzel entstand etwa zur gleichen Zeit wie der Hochaltar, eine Figur ist mit 1698 bezeichnet.

Die lebensgroße Muttergottesstatue von 1520 bis 1530, genannt Halser Madonna ist ein ausgezeichnetes Beispiel für den Donaustil. Der Schöpfer ist unbekannt. Die Kirche besitzt zahlreiche Grabmäler aus dem späten 15. bis 18. Jahrhundert.

Literatur

  • Susanne Hansen (Hg.): Die deutschen Wallfahrtsorte, Pattloch Verlag, Augsburg, 2. Aufl. 1991, ISBN 3-629-00005-3
  • Marianne Mehling (Hg.): Knaurs Kulturführer in Farbe. Niederbayern und Oberpfalz, Droemer Knaur, München 1995, ISBN 3-426-26647-4
  • Alexander von Reitzenstein, Herbert Brunner: Reclams Kunstführer Deutschland Band 1. Bayern. Baudenkmäler, Philipp Reclam jun. Stuttgart, Universal-Bibliothek Nr. 8055-72, 8. Auflage 1974, ISBN 3-15-008055-X
  • Peter Morsbach, Irmhild Heckmann, Christian Later, Jörg-Peter Niemeier: Denkmäler in Bayern, Band II.25 Kreisfreie Stadt Passau. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7917-2552-9