Kirche Hl. Dreifaltigkeit (Kößlarn)

Aus RegioWiki Niederbayern
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Kirche Hl. Dreifaltigkeit zu Kößlarn.
Im Innenhof der Wehrkiche Kößlarn: Die zwei Torhäuser (links) mit dem holzverkleideten Wehrgang beheimaten das Kirchenmuseum, rechts steht die Kirche.
Pfarrer Manfred Wurm (Mitte, li.) und Museumsleiter Ludger Drost nahmen den Denkmalpreis von Manfred Hölzlein (li.) und Bezirksheimatpfleger Maximilian Seefelder (re.) entgegen. (Foto: Ritzer)

Die Kirche Hl. Dreifaltigkeit (auch Wehrkirche Kößlarn oder Kirchenburg Kößlarn) ist eine mittelalterliche Wehr- und Wallfahrtskirche in Kößlarn im Landkreis Passau. Heute befindet sich hier auch das Kirchenmuseum Kößlarn.

Geschichte

Baugeschichte

Die Kirchenrechnungen sind seit dem Jahr 1461 fast lückenlos erhalten, sodass die am Bau der massiven Befestigungsanlage beteiligten Künstler und Handwerker bekannt sind. Baumeister war 1461 bis 1480 Michael Sallinger und ab 1481 Hans Wechselperger. Die Kirche ist von einem festgefügten Mauergürtel umgeben, zu denen zwei Tore sowie das Pfarr-, Mesner- und Benefiziantenhaus gehören. Sie wird von einem 1509 errichteten Turm überragt, der von einer gotischen Spitze gekrönt war. Der Spitzturm wurde 1731 abgetragen und der vierseitige Turm wurde achtseitig erhöht. Dabei erhielt er eine, ursprünglich mit Scharschindeln später mit Blech eingedeckte, barocke Turmhaube in Zwiebelform.

Das Kirchenschiff ist im wesentlichen ein Werk der Spätgotik, die Seitenschiffe kamen 1897 dazu. Die Einrichtung ist barock. Der Hochaltar aus dem Jahr 1708 stammt von dem Bildhauer Thomas Stöber, dem Maler Johann Paul Vogl und dem Schreiner Michael Jörg. Auf dem Hochaltar befindet sich das Gnadenbild, eine gotische Holzmadonna mit dem Kind um 1400. Ihre Bekleidung und die Krone sind Werke des 18. Jahrhunderts. Ihr Schrein sowie der Tabernakel wurde 1779 von dem Passauer Bildhauer Joseph Deutschmann geschaffen.

Ein besonderes Prunkstück der Kößlarner Kirche ist die gotische Silbermadonna von Balthasar Waltenberger aus dem Jahr 1488. Sie befindet sich in einem eigenen Votivraum.

1866 wurden die sieben Barockaltären von dem Eringer Maler Leopold Wolfanger restauriert.

Restaurierung des Innenraums

Im Jahr 1912/13 wurde die dringend notwendige Restaurierung im Inneren der Kirche durchgeführt. Im Voraus wurde in der Pfarrkirche 1911 eine kunstgeschichtliche Entdeckung gemacht. Es stellte sich heraus, dass das spätgotische Gewölbe in den Netz- und Zwickelfeldern, über den Bögen mit sehr stilvollen Blatt-Ornamenten versehen war, welche abwechlungsreich bemalt waren. Am Kirchengewölbe wurde die ursprüngliche Malerei aus dem Jahr 1518 wieder aufgedeckt und renoviert. Barocke Altäre und spätgotische Stilelemente wurden freigelegt – die Pfarrkirche Kößlarn bekam ihren barocken Glanz zurück.

Renovierung 2009

2009 stand erneut eine Instandsetzung an. Die Renovierung der Räume und die Einrichtung der Museumsarchitektur durch Architekt Thomas Vogel kosteten 360.000 Euro. Möglich wurde dies nur durch die sehr engagierte Pfarrkirchenstiftung unter Pfarrer Manfred Wurm und eine Großzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter. Finanziert wurde die Sanierung ferner vom Förderkreis Kirchenmuseum Kößlarn e.V., der Diözese Passau, dem Bayerischen Wissenschaftsministerium, der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, dem Bezirk Niederbayern, dem Landkreis Passau, dem Markt Kößlarn und zahlreichen weiteren Förderern. Ebenso konnten durch ein Benefizkonzert, das zahlreiche Kößlarner Vereine und Betriebe unterstützten, zusätzliche Mittel für die Restaurierungskosten gesammelt werden. Letzte Finanzierungslücken konnten durch einen zusätzlich geleisteten Zuschuss der Marktgemeinde in Höhe von 10.000 Euro, einem finanziellen Beitrag der Sparkassenstiftung von 22.000 Euro und einer Spende der Bauernbühne von 500 Euro geschlossen werden.

Am 13. September 2009 wurden die Kößlarner dann vom Bezirk Niederbayern für die Instandsetzung der Kirchenburg mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert. Den Preis in Form eines gläsernen Panthers nahmen Pfarrer Manfred Wurm und Museumsleiter Ludger Drost entgegen.

Sanierungen

Bis 2011 sollte die Sanierung des Dachs der Dreifaltigkeitskirche weitgehend abgeschlossen sein, doch auf der Baustelle fanden sich Schäden von nicht erahntem Ausmaß: An mehr Stellen als gedacht war das Holz des Dachstuhls so stark verfault, dass es ausgetauscht werden musste, Stahlverstrebungen wurden eingezogen. Im Mauerwerk hatte sich der Hausschwamm eingenistet, eine aufwendige Behandlung durch eine Spezialfirma war nötig. Mit den unerwartet großen Schäden ging nicht nur ein Mehr an Arbeitsaufwand einher, sondern auch eine massive Kostensteigerung. War man anfangs von einer Summe von 140.000 Euro für die Dachstuhlsanierung ausgegangen, so schlugen am Ende rund 240.000 Euro zu Buche. Auch wenn die Diözese zwei Drittel der Kosten übernahm, war es ein Kraftakt für die Pfarrei, den Mehrbetrag zu stemmen. Doch wie schon bei der Renovierung 2009 spendeten viele örtliche Vereine und Gruppierungen sowie Privatpersonen. Mit einem Pfarrfest im Kirchhof und dem kostenfreien Einsatz der Ortsfeuerwehren zum Ausräumen von Schutt und Dreck konnte zusätzlich Geld gewonnen beziehungsweise gespart werden.

Rund sechs Jahre war die Sanierungsmaßnahme großes Thema für die Pfarrei Kößlarn. Nachdem 2006 festgestellt worden war, dass das Seitenschiff der Kirche Risse hat, waren erste Untersuchungen angestellt worden. Mehrere Jahre prüften Statiker, forschten nach dem Ursprung der Beschädigungen. Sogar Grabungen wurden durchgeführt, um ein Absenken der Kirche ausschließen zu können. Der Befund: die Firstbäume am Giebel des Dachstuhls aus dem 16. Jahrhundert waren marode und die angebauten Seitenschiffe aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts strapazierten die Balken zusätzlich. Um künftig eine Kontrolle des Zustandes des Kirchendaches zu ermöglichen, wurden bei der letzten Sanierung 2012 Wartungsstege im Dachstuhl eingezogen.

Im Jahr 2013 wurde für 100.000 Euro der Hochaltar saniert. Das große Altarbild, es zeigt Erzengel Michael, war verblasst, es musste ebenso wie schadhafte Stellen und Vergoldungen restauriert werden. Anfang des Jahres 2015 wurde die Modler-Mensa von 1763 renoviert. Dabei wurde die originale Mörtelung bis auf die Stuckmarmor-Schicht entfernt und eine neue Konstruktion angebracht. Das ca. 90 cm große Modler-Medaillon wurde rekonstruiert, da das Original nicht mehr zu retten war.

Siehe auch

Literatur

Weblinks