Kelheim

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Kelheim
Das Wappen von Kelheim


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Kelheim
Höhe: 343 m
Fläche: 76,79 km²
Einwohner: 15.488 (30. Juni 2013)
Postleitzahl: 93301–93309
Vorwahl: 09441
Kfz-Kennzeichen: KEH
Website: www.kelheim.de
Erster Bürgermeister: Horst Hartmann (SPD)

Kelheim ist die Kreisstadt des niederbayerischen Landkreises Kelheim.

Blick auf Kelheim von der Befreiungshalle aus
Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Das Donautor, eines der drei Stadttore

Lage

Kelheim liegt an der Donau zwischen Ingolstadt und Regensburg im Mündungsbereich der Altmühl am Main-Donau-Kanal. Nach dem Donaudurchbruch bei Weltenburg weitet sich die Donau hier erstmals wieder. Im Westen der 345 Meter hoch liegenden Stadt erhebt sich steil der Michelsberg mit der in 448 Metern Höhe befindlichen Befreiungshalle.

Ortsteile

Neben dem Hauptort Kelheim gehören zur Stadt die Ortsteile Affecking, Arzberg, Frauenhäusl, Goldberg, Gronsdorf, Großberghofen, Gundelshausen, Herrnsaal, Hohenpfahl, Kapfelberg, Kelheimwinzer, Klösterl, Lindach, Lohstadt, Michelsberg, Nierand, Rosengarten, Schlait, Schlott, Schultersdorf, Schwaben, Staubing, Stausacker, Thaldorf, Unterwendling und Weltenburg.

Geschichte

Frühe Spuren

Kelheim hat eine reiche vorgeschichtliche Vergangenheit, die im Archäologischen Museum ausführlich dokumentiert ist. Besonders seit der Urnenfelderzeit war Kelheim Mittelpunkt eines dicht besiedelten Gebietes.

In der Keltenzeit befand sich hier die größte auf bayerischem Boden gelegene Siedlung namens Alkimoennis. Der Name leitet sich von der keltischen Bezeichnung für die Altmühl her. An die keltische Herrschaft erinnern Hügelgräber sowie Viereckschanzen. Umfangreiche Erzgrubenfelder auf der Hochfläche bezeugen einen intensiven Tagebau zu dieser Zeit.

Seit der Ankunft der Römer um 15 v. Chr. lag Kelheim für Jahrhunderte am Limes und damit an der Grenze des römischen Weltreiches. Im 5. Jahrhundert nahmen die Bajuwaren das Gebiet in Besitz. Zwischen 865 und 885 datierte die Schenkung eines Chrefting in Celeheim an das Domkloster St. Emmeram, zugleich die erste urkundliche Erwähnung Kelheims.

Mittelalterliche Blütezeit

Im 11. Jahrhundert gelangte der Ort in den Besitz der Grafen von Scheyern-Wittelsbach, die Kelheim 1045 mit dem Marktrecht ausstatteten. 1180 wurden die Wittelsbacher zu Herzögen von Bayern ernannt. Nach einer späteren Aufzeichnung aus dem Kloster Rohr wurde Kelheim von ihnen 1181 zur Stadt erhoben.

Hier residierte Herzog Ludwig der Kelheimer, der 1231 auf der Donaubrücke ermordet wurde. Sein Sohn Otto verlegte die Residenz daraufhin nach Landshut.

Aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen förderten die Wittelsbacher ihren einstigen Regierungssitz weiterhin. Die Grenzstadt Kelheim wurde im 13. Jahrhundert mit einer Mauer umzogen, deren Tore noch heute erhalten sind. Seit 1273 beschickte es die bayerischen Landstände. Um 1280 entstand das Pfleggericht Kelheim. Der Pfleger hatte seinen Sitz in den Resten der herzoglichen Pfalz, dem heutigen Landratsamt. Der Rat der Stadt durfte Bürger aufnehmen und übte die Niedergerichtsbarkeit aus, während die Hochgerichtsbarkeit dem landesfürstlichen Pfleger vorbehalten blieb.

Während des Mittelalters war Kelheim eine bedeutende Handelsstadt am Donauübergang. Wichtige Handelsgüter waren Wein, der seit der Römerzeit in der Umgebung angebaut wurde, ferner Salz, Fisch, Vieh, Steine und Holz. Aus dieser Blütezeit hat sich die Bausubstanz der Altstadt erhalten.

Die folgenden Jahrhunderte führten mit der Verlegung der Fernhandelswege zu einem Niedergang. Im 18. Jahrhundert war Kelheim im Spanischen und Österreichischen Erbfolgekrieg jahrelang durch österreichische Truppen besetzt. Während des Spanischen Erbfolgekrieges konnten Kelheimer Bürger unter Metzgermeister Matthias Kraus im Jahre 1705 die österreichische Besatzung kurzzeitig vertreiben.

Das 19. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahhunderts verlor Kelheim sein altes Stadtrecht und wurde als Landstadt III. Klasse eingestuft. Das Pflegeamt hieß fortan Landgericht. Von 1842 bis 1863 ließ König Ludwig I. die weithin sichtbare Befreiungshalle auf dem Michelsberg errichten. 1872 wurde die Eisenbahntrasse von Regensburg nach Ingolstadt entlang der Poststraße geführt, Kelheim erhielt 1875 eine Stichbahn von Saal bis zur Stadt.

Ein Werksteinbetrieb war 1850 die erste industrielle Niederlassung in Kelheim. 1882 folgte die Errichtung eines Zweigwerks der späteren Zellulosefabrik Waldhof, die Holz zu Zellstoffpappe verarbeitete. Von 1888 bis 1927 wurde ein Kalkwerk in Kelheim betrieben.

Das 20. Jahrhundert

Die Zellulosefabrik wurde nach dem Ersten Weltkrieg abgebrochen und in den Jahren 1925 bis 1928 durch einen Neubau ersetzt. 1927 ließ sich die Parkettfabrik AG in Kelheim nieder. 1935 folgte die Süddeutsche Chemiefaser AG, 1937/1938 die Süd-Chemie AG mit ihrem Werk Kelheim. Mit dieser zielstrebigen Industrialisierung verbunden war eine starke Erhöhung der Einwohnerzahlen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges übergaben 1945 beherzte Bürger Kelheim auf eigene Gefahr den amerikanischen Truppen.

Die Industrieansiedlung setzte sich auch nach 1945 fort, während die Landwirtschaft an Bedeutung verlor. Der enge Raum im Talkessel wurde benötigt, um die vielen zugezogenen Menschen, Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Umsiedler unterzubringen, so dass im Osten und Süden weiträumige neue Stadtteile emporwuchsen.

Als Problem erwiesen sich die produktionsbedingten Abwässer der Stadt. In den 1950er Jahren kam die Donauverschmutzung durch das Zellstoffwerk der Verschmutzung einer Stadt von 600 000 Einwohnern gleich, die Verschmutzung durch die Zellwolleproduktion der Verschmutzung einer Stadt von 60 000 Einwohnern.

Im Zuge der Gebietsreform vergrößerte sich die Stadt Kelheim um Kelheimwinzer, Herrnsaal, Kapfelberg, Lohstadt und Gundelshausen, Thaldorf, Weltenburg, Staubing und Stausacker. Als Kreisstadt des 1972 wesentlich vergößerten Landkreises Kelheim und mit der Eröffnung des Main-Donau-Kanals am 25. September 1992 stieg die Bedeutung der als Mittelzentrum eingestuften Stadt.

Stadtwappen

Das 1950 verliehene Stadtwappen greift zurück auf das Bild im ältesten Siegel aus der Zeit um 1280, das in Abdrucken seit 1292 nachweisbar ist. Die Wellen im Schildfuß stehen für die Donau, die Torburg für den Stadtstatus Kelheims, der Rautenschild verweist auf die alte wittelsbachische Ortsherrschaft.

Von 1410 bis 1809 führte Kelheim ein Stadtwappen, das einen schräg geteilten Schild mit Rauten und Weinrebe zeigte. Es ist seit 1377 auf Siegeln nachweisbar und erinnert an den früheren Weinbau um Kelheim.

Von 1809 bis 1950 führte Kelheim ein von König Max I. Joseph 1809 als Dank für den Einsatz der Bürgerschaft in der Schlacht von Abensberg verliehenes Wappen. Es zeigte ein Rautenschild, dem ein gekrönter goldener Löwe mit Schwert und Zepter aufgelegt war.

Politik

Bürgermeister

  • Erster Bürgermeister ist Horst Hartmann (SPD). Er gewann 2014 die Stichwahl mit 53,86 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Fritz Mathes (FW).

Stadtrat

Der Stadtrat hat 24 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister). Die Sitze verteilen sich aufgrund der Kommunalwahl 2014 wie folgt:

  • SPD: 6 Sitze + 1. Bürgermeister (2008: 7)
  • FW: 6 Sitze (2008: 6)
  • CSU: 7 Sitze (2008: 6)
  • Bündnis 90 / Die Grünen: 4 Sitze (2008: 3)
  • Bayernpartei. 1 Sitz (neu)

Die FDP, die 2008 2 Sitze erhalten hatte, ist nach der Wahl 2014 nicht mehr im Stadtrat vertreten.

Sehenswürdigkeiten

Der Schleiferturm/Römerturm in Kelheim
Die Befreiungshalle von der Donau aus gesehen
Die Franziskanerklosterkirche, heute Orgelmuseum
  • Die Altstadt besteht aus einem Rechteck mit zwei sich kreuzenden Straßenzügen. Im Zuge der Altstadtsanierung wurde der Ludwigsplatz umgestaltet. Der Brunnen zwischen Neuem Rathaus und der Sparkasse symbolisiert den Zusammenfluss von Donau, Altmühl und Kanal. Die etwa sieben Meter hohe Mariensäule wurde als Nachbildung von Münchens Patrona Bavariae durch den Ratsherrn Jakob Mayr im Jahr 1700 errichtet. Im Osten des Platzes befindet sich das 1863 gefertigte Denkmal von König Ludwig I. im Krönungsornat.
  • Altes Rathaus, 1598 erbaut und im 17. Jh. erneuert
  • Neues Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, seit 1879 Rathaus. 1912 umgebaut erhielt es seinen geschweiften Giebel und das Gemälde "Bürger- und Bauernschaft huldigt der Befreiungshalle".
  • Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet, von 1877 bis 1886 verlängert und verändert. Die Einrichtung ist neugotisch und enthält Figuren des 15. Jahrhunderts.
  • Weißes Brauhaus, 1607 errichtet
  • Ottokapelle, errichtet von Herzog Otto zur Sühne für den Mord an Herzog Ludwig den Kelheimer. Seit 1490 Spitalkirche, erhielt sie ihre heutige Form im Jahr 1600.
  • Mittertor, im 14. Jh. erbauter Wehrturm. Das 1904 angebrachtem Wandbild stellt die Gefangennahme der österreichischen Besatzung durch Metzgermeister Kraus am 12. Dezember 1705 dar, Original im Nationalmuseum München
  • Altmühltor, Mitte des 13. Jh. errichtet
  • Donautor, errichtet Mitte des 13. Jahrhunderts
  • Erasmusturm, 1360 als Turm der Erasmuskirche erbaut, 1803 profaniert
  • Schleifer- oder Römerturm, 1476 aus den Überresten des alten Herzogschlosses erbaut, enthält seit 1931 das Kriegerdenkmal
  • Stadtknecht- oder Bürgerturm, Befestigungsturm der Stadtmauer, ehemals mit Strafzellen
  • Befreiungshalle auf dem Michelsberg, erbaut 1842 bis 1863 von Baumeister Leo von Klenze. König Ludwig I. ließ das Monument zur Erinnerung an die Befreiungskriege von 1813 bis 1815 gegen Napoleon errichten.
  • Kloster Weltenburg. Die heutige barocke Klosteranlage wurde 1716 bis 1739 erbaut. Die Kirche ist ein Werk der Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam.
  • Archäologisches Museum der Stadt Kelheim. Das Museum im spätgotischen Herzogkasten enthält reiches Material zur Besiedlung des Kelheimer Raumes von der Zeit des Neandertalers bis zur Stadtgründung Kelheims
  • Ehemalige Franziskaner-Klosterkirche, 1461 bis 1506 erbaut, mit Wandmalereinen von 1490 und einer spätgotischen Marienkrönungsgruppe
  • Orgelmuseum in der ehemaligen Franziskaner-Klosterkirche. Es wurde 1997 inoffiziell und 2006 offiziell eröffnet. Bisher kamen vier spielbare Orgeln und drei Orgelmodelle zur Aufstellung.
  • Naturschutzgebiet Hirschberg und Altmühlleiten

Persönlichkeiten

Sport und Freizeit

  • Keldorado Erlebnisbad

Bildung und Erziehung

Schulen

  • Donau-Gymnasium
  • Grundschule Kelheim-Nord
  • Grundschule Kelheim-Hohenpfahl
  • Grundschule Kelheimwinzer
  • Wittelsbacher Mittelschule
  • Bayerische Waldbauernschule
  • Berufsfachschule für Krankenpflege
  • Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen
  • Volkshochschule Kelheim
  • Städtische Sing- und Musikschule
  • Staatl. Berufsschule mit FOS
  • Sonderschule Thaldorf
  • Schülerhilfe Kelheim

Kindergärten

  • Evangelischer Kindergarten Affecking
  • Katholischer Kindergarten Affecking
  • Kindergarten Kelheim Stadt
  • Kindergarten Kelheimwinzer
  • Kindergarten Staubing
  • Kindergarten St. Pius

Bücherei

  • Stadtbücherei Kelheim

Literatur

  • Ulrich Pietrusky, Günther Michler, Donatus Moosauer: Niederbayern – im Fluge neu entdeckt, Verlag Morsak Grafenau, 2. Aufl. 1982, ISBN 3-87553-135-3


Städte und Gemeinden im Landkreis Kelheim
Wappen Landkreis Kelheim.png

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