Kapelle auf der Zell (Frauenau)

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Die Kapelle auf der Zell. (Foto: Klinger)

Die Kapelle auf der Zell, auch Eisch-Kapelle oder Hermann-Kapelle (nach dem Einsiedler Hermann) genannt, ist eine kleine Kapelle im Ortsteil Zell der Gemeinde Frauenau im Bayerischen Wald. Die Kapelle wurde 1968 von Glaskünstler Erwin Eisch erdacht.

Geschichte

Im Frühjahr 1968 wurde Glaskünstler Erwin Eisch von einem aus Rom kommenden amerikanischen Künstlerkollegen besucht. Seinen altersschwachen VW-Bus ließ der Kollege vor dem Haus stehen und setzte seine Reise per Bahn fort. Da Eisch zusammen mit dem Architekturstudenten Helmut Koller und der Pfarrei Frauenau ohnehin eine zeitgemäße Kapelle an der Stelle erbauen wollte, an der einst der Legende nach der Ortsgründer Hermann eine Klause bewohnt hatte, beschloss er, das Wrack des ausgeschlachteten VW-Busses zum Kernstück des Baus zu machen.

Der VW-Bus wurde hochkant gestellt, mit einer Putzschicht verkleidet und einem langen, tunnelartigen Eingang versehen. So entstand ein enger Raum, der an die Klause Hermanns erinnern sollte. Als im Sommer 1968 Koller bei einem Autounfall tödlich verunglückte, stand das Projekt längere Zeit still. Zögernd nahm Eisch die Arbeit an der Kapelle wieder auf und versah sie mit einem graubraunen Außenbau und einem hellen Betonkreuz.

Ins Innere stellte er einen Stuhl, der aus einem alten Steinblock gehauen wurde. Davor steht ein abgebrochenes Bein aus Stein, das an das Bein erinnert, das Koller nach dem Unfall abgenommen worden war. Fußspuren führen aus dem Tunnel ins Freie. Im Jahre 1972 wurde das Kunstwerk fertig, und Abt Placidus von Kloster Niederaltaich weihte die Kapelle der Schmerzenmutter Maria.

1996 wurde die Kapelle durch Erwin und Gretel Eisch renoviert und neugestaltet. Die Kapelle wirkt seitdem heller und farbenfroher. Unter anderem erhielt sie eine Sonnenuhr, gestaltet von Gretel Eisch. 2007 erfolgte eine weitere Renovierung.

In dem kunsthistorischen Führer „Die Kapelle auf der Zell“ wird die Geschichte der Kapelle und das Bildprogramm, das Gretel und Erwin Eisch entworfen haben, erläutert. In der Kapelle fließen Theologie, Volksfrömmigkeit und Natur in ihrem künstlerischen Ausdruck zusammen. Die Kapelle hat überregionale Bedeutung erlangt.

Literatur

  • Anonymus: Die Kapelle auf der Zell. Dietmar-Klinger-Verlag, 2008
  • PNP: Glaube in der Natur. In: Passauer Neue Presse vom 9. Oktober 2008 (S. 9)
  • Dionys Asenkerschbaumer, Alois Brunner, Ludger Drost, Andreas Paul: Kleinodien · Kostbarkeiten · Kuriositäten. Entdeckungsreisen im Bistum Passau. Herausgeber: Bischöfliches Ordinariat Passau, Verlag Passauer Bistumsblatt, Passau 2011, 2. Aufl. 2012, ISBN 978-3-9813094-3-0