Hinterschmiding

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Hinterschmiding
Das Wappen von Hinterschmiding


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 635-900 m
Fläche: 21,04 km²
Einwohner: 2.534 (30. Juni 2013)
Postleitzahl: 94146
Vorwahl: 08550
Kfz-Kennzeichen: FRG
Website: www.hinterschmiding.de
Erster Bürgermeister: Fritz Raab (ÜWG)

Hinterschmiding ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau. Sie hat sich mit der Gemeinde Philippsreut zur Verwaltungsgemeinschaft Hinterschmiding zusammengeschlossen.

Lage

Die Gemeinde liegt im östlichen Bayerischen Wald westlich des 1.167 Meter hohen Haidel und umfasst die Gemarkungen Herzogsreut und Hinterschmiding.

Hinterschmiding liegt 4 km östlich von Freyung, 12 km von der Grenze zu Tschechien, 28 km von der Grenze zu Österreich, 15 km nördlich von Waldkirchen und 38 km von Passau entfernt. Nachbargemeinden sind die Kreisstadt Freyung, Philippsreut und Grainet.

Hinterschmidinger Dorfplatz vom Kirchturmdach aus. Foto: Stadler Martin
Das Rathaus von Hinterschmiding

Gemeindeteile

Orte in der Gemeinde sind Gstöcket, Heldengut, Herzogsreut, Hinterschmiding, Holzwiese, Kaining, Rothbachau, Schlichtenberg, Schwarzkopf, Sonndorf und Vorderschmiding.

Geschichte

Hinterschmiding

Die Siedlung Schmiding ist das Werk von Rodern. Wahrscheinlich wurde der erste Hof an der Stelle erbaut, wo der „Goldene Steig“ von Winkelbrunn her die Anhöhe erreichte. Die Gründungen gingen weiter und es entstand ein sogenanntes Reihendorf, die Häuser in zwei Zeilen ausgerichtet. Mit Erlaubnis seines Lehensherrn durfte dann ein Schmied in der Ortsmitte sein Haus, seine Werkstatt, seine Nebengebäude errichten (heute Rathaus, Dorfplatz 23) und gab damit der Siedlung den Namen. Erst als ein Pfleger oder Schreiber von Wolfstein die zwei Siedlungen am Weg nach Böhmen auseinanderhalten wollte, schrieb er kurzerhand „Vorder-schmiding“ und „Hinterschmiding“. Bereits um 1200 bestand eine Waldpfarrei in Freyung „vorm Wald“, zu der Hinterschmiding, Sonndorf, Grainet und später auch die nach 1600 gegründeten Grenzorte gehörten.

Vor dem Jahre 1400 wurde Schmiding im Stiftwesen des damaligen Fürstbistums Passau jedoch nicht erwähnt. Aus alten Urkunden geht hervor, daß Schmiding 1419 von den Hussiten gebrandschatzt wurde. 1458/59 gab es kriegerische Verwicklungen zwischen Bischof Ulrich von Nußdorf und den böhmischen Nachbarn; 1468 kam es zum Kriegszug der Passauer Söldner nach Winterberg. Bei diesen Ereignissen wurde Hinterschmiding in Mitleidenschaft gezogen. 1470 fielen die Winterberger in das Land der Abtei ein und zündeten 3 Dörfer an, darunter Hinterschmiding. Der Dreißigjährige Krieg brachte schweres Elend über den Ort. In den nachfolgenden Pestzeiten starben die Dörfer fast gänzlich aus. Einmal lebte in Hinterschmiding nur noch ein Mann. Aber die Gemeinde erlebte auch gute Zeiten. In früheren Jahrhunderten war der Salzhandel eines der wichtigsten und einträglichsten Geschäfte, an dem auch Hinterschmiding teilhatte. Im Säumerdorf Hinterschmiding konnten sich die Salzhändler, die sogenannten „Säumer“ verdingen, die das Salz über den Winterberger Steig, „Goldener Steig“ genannt, transportierten.

Um 1700 bedrohte der politisch bedingte Zusammenbruch des Salzhandels den Wohlstand des Abteilandes. Im 18. Jahrhundert kam der Salzhandel zum Erliegen. Doch die Landwirtschaft behielt ihre Bedeutung als Lebensunterhalt der Bewohner. Im Frieden von Preßburg 1805 wurde der größte Teil des ehemaligen Hochstifts Passau, so auch Hinterschmiding, dem Königreich Bayern zugesprochen. 1808 kam der erste Schullehrer nach Hinterschmiding; 1810/11 wurde die erste Schule im Ort errichtet. 1818 erhielt Hinterschmiding durch freie Wahl einen Bürgermeister und Gemeindevertreter.

1936 wurde der Ort zur Kirchengemeinde erhoben. Der erste Kirchenbau erfolgte in den Jahren 1927/28. 1952 erbaute man das Pfarrhaus. 1969/70 entstand die heutige Pfarrkirche Hinterschmiding, die alte mußte abgebrochen werden. Seit 1964 ist Hinterschmiding selbständige Pfarrei. In jenem Jahr entstand auch eine neue Kapelle in Sonndorf.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es ein amerikanisches Krieggefangenenlager für ca. 1.300 Mann, das sogenannte „Camp Sonndorf“. Nach 1945 kamen viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach Hinterschmiding. Es waren bittere Zeiten für alle Beteiligten, doch auch diese wurden, wie über- all, langsam überwunden. Die Erwerbsmöglichkeiten in Hinterschmiding beschränken sich heute hauptsächlich auf holzverarbeitende Betriebe, Baumschulen, Speditionen, Installationsfirmen und andere Gewerbezweige. Es gibt nur noch wenige Landwirte. Der Großteil der Arbeitnehmer sind Nah- und Fernpendler.

Der Fremdenverkehr wurde seit den 60er Jahren stark gefördert und ist heute eine wichtige Erwerbsquelle. Der Ort wird als Wohngemeinde geschätzt und ist als Urlaubs- und Ferienort beliebt. Zur früheren Gemeinde gehörten noch die Orte Sonndorf, Vorderschmiding, Kaining, Holzwiese und Kohlstatt.

Herzogsreut

Im Jahre 1620 wurde Herzogsreut von dem damaligen Fürstbischof von Passau Leopold Erzherzog von Österreich gegründet. Ursprünglich bestand das Dorf aus 18 Siedlern. 1626 ist die Ortschaft durch die Pest halb ausgestorben. Von 1841 bis 1843 wurde die heutige Pfarrkirche erbaut. Seit 1894 ist Herzogsreut selbständige Pfarrei. Der bedeutsame Schulhausneubau erfolgte 1885. Erst die Osthilfe des Deutschen Reiches ermöglichte mit einem Zuschuß von 17.000 RM 1928/29 eine Schulhauserweiterung auf zwei Klassenzimmer. 1968 hat man die Volksschule Herzogsreut aufgelöst, 1974 konnte die Pfarrei Herzogsreut, nach 142 Jahren, nicht mehr besetzt werden. 1978 wurde Herzogsreut im Rahmen der Gemeindegebietsreform nach Hinterschmiding eingemeindet. Zur früheren Gemeinde Herzogsreut gehörten die Ortschaften Schlichtenberg, Schwarzkopf, Gstöcket, Heldengut und Rotbachau.

Wappen

Am 21. Mai 1958 hat der Gemeinderat beschlossen, für Hinterschmiding ein eigenes Wappen anzunehmen. Das Originalwappen, entworfen von dem Graphiker Max Reinhart aus Passau, zeigt auf rotem Hintergrund ein silberfarbenes Pferd, die Wappenfarben des fürstbischöflichen Landesherren: Weiß und Rot. An den „Goldenen Steig“ gemahnt der Goldton des Säumersackes wie auch der Kennzeichen des Schmiedehandwerkes: Hufeisen und Hammer.

Eine besondere Auszeichnung wurde dem Hinterschmidinger Wappen im Deutschen Wappen-Museum in Berchtesgaden zuteil, das 1967 von dem Bildhauer und Heraldiker Hans. D. Riemann gegründet wurde. In dem ehemaligen Hohenzollernschloss sind bereits 3.000 Wappenstücke zu sehen. In dem Raum der bayerischen Wappen, an der Wappenwand von Niederbayern, hat das Wappen von Hinterschmiding einen bevorzugten Platz erhalten, darunter steht der Vermerk: „Stiftung der Gemeinde Hinterschmiding“. Die Wappen in diesem Museum geben Kunde davon, daß jede Gemeinde die Aufgabe hat, Träger der Heimatgeschichte, des deutschen Volkstums und der deutschen Kultur zu sein.

Politik

Bürgermeister

  • 1. Bürgermeister ist Fritz Raab (Überparteiliche Wählergemeinschaft). Er gewann 2014 die Stichwahl mit 50,59 Prozent der Stimmen gegen Hubert Blöchl (FWG Herzogsreut, 49,41 Prozent). Sein Vorgänger Heinrich Lenz (CSU) stellte sich 2014 nicht mehr zur Wahl.

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 14 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister) und folgende Sitzverteilung:

  • CSU: 5 Sitze (2008: 4)
  • ÜWG: 5 Sitze + 1. Bürgermeister (2008: 4)
  • FWG Herzogsreut: 4 Sitze (2008: 4)

2008 war zudem Pro Hinterschmiding mit 2 Sitzen im Gemeinderat vertreten.

Tourismus

  • Damit auch weniger Sportliche die Schönheit der Natur rund um die Gemeinde entdecken kann, bietet die Gemeinde als neuen Service motorisierte Fahrräder, die sogenannten E-Bikes zum Ausleihen an.
  • Anlässlich des Schmiedefestes in Hinterschmiding wurde 2010 ein Schmiedewanderweg geschaffen.

Bildung und Erziehung

  • Schule am Haidel Grundschule Hinterschmiding-Grainet
  • Kindergarten Hinterschmiding

Projekte

Die "Lebensbrücke Reiterberg" macht Platz für Jugendliche mit Defiziten. Hier finden sie künftig pädagogische Hilfestellungen und Unterstützung bei ihrem Schulabschluss oder einer beruflichen Ausbildung.

Vereine

  • Orts-Caritasverband Hinterschmiding
  • CSU Hinterschmiding
  • DJK-SSV Hinterschmiding
  • Freiwillige Feuerwehr Hinterschmiding
  • Förderverein Abbé Felix Hinterschmiding
  • Frohschar Hinterschmiding
  • Furaha-Chor Hinterschmiding (Afrika-Chor)
  • Fremdenverkehrsverein Hinterschmiding
  • Gartenbauverein Hinterschmiding
  • Jugendchor Hinterschmiding
  • Jugendtreff V.I.P. Hinterschmiding
  • Junge Union Hinterschmiding
  • Kath. Arbeitnehmerbewegung Hinterschmiding
  • Kath. Frauenbund Hinterschmiding
  • Kinderchor Hinterschmiding
  • Kirchenchor Hinterschmiding
  • Siedlergemeinschaft Hinterschmiding-Herzogsreut
  • Musik- und Heimatverein Hinterschmiding
  • VdK Ortsverband Hinterschmiding-Herzogsreut
  • Männerchor Hinterschmiding
  • Musikkapelle Hinterschmiding
  • Krieger- u. Soldatenverein Hinterschmidng
  • Saitenmusi Hinterschmiding
  • Schmidinger Bayernfreunde
  • Seniorenclub 100 Hinterschmiding
  • Pro Hinterschmiding
  • Vereineforum Hinterschmiding
  • Wald-Verein Leopoldsreut

Literatur


Städte und Gemeinden im Landkreis Freyung-Grafenau
Wappen Landkreis Freyung-Grafenau.png

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