Heinrich Oswald

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Heinrich Oswald (* 8. Mai 1866 in Dösing im Lallinger Winkel; † 26. Oktober 1945 in München) war ein kämpferischer Sozialpolitiker und Minister aus dem Lallinger Winkel im Landkreis Deggendorf.

Leben und Wirken

Politische Anfänge

Heinrich Oswald wurde am 8. Mai 1866 in Dösing geboren. Nach der Schulzeit lernte Heinrich Oswald im Elternhaus das Schäfflerhandwerk und arbeitete als Knecht. Nach Ende der Militärzeit 1889 wurde Heinrich Maschinenarbeiter in Ingolstadt.

Bereits 1894 wurde er gewerkschaftlich tätig. Der Vorsitz des christlichen Zentralverbands der Staats-, Gemeinde-, Hilfs- und Transportarbeiter ließ sich 1912 nicht mehr mit seiner seiner politischen Arbeit vereinbaren. Heinrich Oswald war 1905 für die Zentrumspartei im Wahlkreis Miltenberg erstmals in den Landtag gewählt worden. Das Thema seiner Jungfernrede im Landtag hatte bereits zentrale Bedeutung seiner politischen Arbeit: Am 25. Oktober befasste er sich mit der Arbeitslosenunterstützung. Von 1907 bis 1919 hat Heinrich Oswald den Wahlkreis Aschaffenburg vertreten, ab 1919 Ingolstadt-Schrobenhausen.

Wirken als Sozialminister

In der Zeit des Ersten Weltkriegs setzte sich Heinrich Oswald vor allem für Maßnahmen zur Linderung der Ernährungsprobleme ein. Kurz nach der Revolution von 1918 trat er bei Kundgebungen der christlichen Arbeiterschaft in München als Redner auf und wetterte gegen die sozialistischen Machthaber. Heinrich Oswald wurde am 1. Juni 1919 Staatsrat im Sozialministerium, am 17. März 1920 Minister für Soziale Fürsorge.

Die ganze Ministeramtszeit beschäftigten Heinrich Oswald Arbeitnehmerprobleme, Fürsorge für Kriegshinterbliebende und Kriegsbeschädigte sowie Wohnungsfragen. Naturgemäß stießen viele seiner Entscheidungen bei Arbeitgeberverbänden und Hausbesitzern auf wenig Gegenliebe. Die langjährige Erfahrung als Gewerkschaftler ließen ihn zu arbeiternehmerfreundlichen Überzeugungen kommen, von denen er sich in seiner Ministerzeit auch nicht abbringen ließ und für die er sich immer einsetzte.

Verfehlte Wiederwahl und Niedergang

Das Jahr 1928 wurde für die politische Karriere von Heinrich Oswald zur großen Zäsur. Er wurde nicht wieder in den Landtag gewählt. Trotz heftiger Widerstände wurde nach einem Rechtsruck im Juni das Sozialministerium aufgelöst und als Abteilung Arbeit dem Landwirtschaftsministerium angegliedert. Der nicht mehr benötigte Minister wurde als Staatssekretär ins neue Ministerium abgeschoben.

Zum Verhängnis wurden Heinrich Oswald unglückliche Familienverhältnisse. Er verschuldete sich beim Helfen der Tochter erheblich. Auf Druck der Parteileitung musste er im Dezember 1929 zurücktreten und sich aus der aktiven Politik verabschieden. Durch seine politische Karriere geriet Heinrich Oswald ins Visier der Nazis. Sie warfen ihm nicht nur mehrmals die Fenster seiner Wohnung ein, sondern starteten in den Medien auch eine Hetzkampagne. Im Januar 1934 entzogen ihm die neuen Machthaber die Ministerpension. Selbst ein Brief seiner Frau an Rudolf Heß blieb ohne Erfolg.´ Ab 1937 stand er unter staatlicher Beobachtung.

Heinrich Oswald starb am 26. Oktober 1945.

Literatur