Hanns Egon Wörlen

Aus RegioWiki Niederbayern
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hanns Egon Wörlen
Hanns Egon Wörlen in den Räumen des Museums Moderner Kunst in Passau. (Foto: Jäger)
Hanns Egon Wörlen bei der Schlüsselübergabe anlässlich der Einweihung der Regener Auferstehungskirche am 12. Oktober 1952.

Dipl.-Ing. Hanns Egon Wörlen (* 5. April 1915 in Marnheim; † 17. Februar 2014 in Passau) war ein deutscher Architekt und Kunstmäzen. Er war Mitbegründer der Donau-Wald-Gruppe sowie des Passauer Kunstvereins, Stifter des Museums Moderner Kunst Passau sowie Ehrenbürger der Stadt Passau.

Leben und Wirken

Hanns Egon Wörlen wird 1915 als Sohn des Malers, Grafikers und Kunsterziehers Georg Philipp Wörlen in Marnheim in der Rheinpfalz geboren. Seinen Vater lernt er allerdings erst mit fünf Jahren kennen; als dieser aus englischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, zog die Familie 1920 nach Passau, in die Altstadt. Ihre Wohnung war Atelier und Hanns Egon Wörlen arbeitet mit, wo er kann, hilft Papiere und Passepartouts schneiden, Rahmen kleben und betreut die Farbtuben. Schon damals gehen bei den Wörlens Schriftsteller, Schauspieler und Maler aus der ganzen Welt ein und aus. So fasst der junge Hanns Egon Wörlen schon früh den Gedanken, selbst einmal ein Haus für die Kunst zu schaffen. Bereits als Bub präsentiert er interessierten Besuchern die Werke seines Vaters. Dabei kommt es auch hin und wieder zu hitzigen Diskussionen und durch die intensive Beschäftigung wächst Wörlens innige Begeisterung für die Materie immer mehr. Er fasst den Gedanken, selbst Künstler zu werden und offenbart dies seinem Vater. Eine herbe Abfuhr ist die Folge: „Wenn du Künstler werden willst, dann musst du besser werden als ich!“ Dieser Satz beendet sofort die Ambitionen des jungen Hanns Egon Wörlen. Seine Träume vom Leben mit der Kunst aber bleiben.

Auf den Rat seines Vaters meldet sich Wörlen vor seinem Studium für zwölf Monate freiwillig zum Millitär. Danach kann er sein Architektur-Studium in München gerade noch rechtzeitig vor Beginn des Zweiten Weltkriegs abschließen. Von 1939 bis 1945 ist er im Kriegseinsatz und bis 1947 in englischer Gefangenschaft in Ägypten, wo er bereits die Bauleitung für große Projekte inne hat. Nach seiner Rückkehr aus Afrika lässt er sich 1947 als freischaffender Architekt in Passau nieder. Nebenbei leitet er die Künstlervereinigung Donau-Wald-Gruppe und organisiert für die Gruppe – bis zu ihrer Auflösung 1992 – insgesamt rund 120 Ausstellungen in Deutschland, England, Frankreich, Irland, Italien, Japan, Jugoslawien, Neuseeland und Österreich. Besonders zu dieser Zeit knüpft er viele Kontakte zu den großen Namen der Kunst-Szene. 1949 ist er einer der Mitbegründer des stillgelegten Kunstvereins Passau. In den Folgejahren gestaltet er das Leben des Vereins wesentlich mit und ist von 1963 bis 1987 Ausstellungsleiter, von 1984 bis 1987 Vizepräsident und von 1987 bis 1999 Präsident. Bis zuletzt war Wörlen Ehrenpräsident des Kunstvereins.

Von Passau aus baut Wörlen eines der größten Architekturbüros in Niederbayern mit 27 Mitarbeitern auf. Nach seinen Plänen werden unter anderem die 1958 eingeweihte Auferstehungskirche in Regen sowie die im November 1963 eingeweihte Kirche St. Johannes in Bodenmais erbaut. Der viel gefragte Architekt erhält auch Engagements im Rahmen der Sanierung der Passauer Altstadt. Einer seiner Aufträge gilt dem denkmalgeschützten Gebäude Bräugasse 17, das er zu Sozialwohnungen umzubauen soll. Doch stattdessen kommt Wörlen die Idee, hier ein Museum einzurichten. So trägt er dem Passauer Rathaus mit 73 Jahren erstmals sein Museums-Projekt „Bräugasse 17“ vor – und wird belächelt. Doch davon lässt er sich nicht beirren: Im Frühjahr 1988 beantragt er offiziell die Förderung auf Finanzierung und im Mai gründet er die „Stiftung Wörlen - Museum moderner Kunst“. In diese bringt er sein Privatvermögen und die Werte seiner Sammlung ein. Er erwirbt den Gebäudekomplex und baut ihn in einem Jahr und zehn Monaten zum Museum um, in dem zuerst der beträchtliche Nachlass des Vaters – 350 Gemälde, 400 Aquarelle und 600 Graphiken – eine Heimstatt finden. Am 8. Juni 1990 wird das Museum Moderner Kunst Wörlen Passau mit einer großen Wörlen-Retrospektive eröffnet.

Wörlen selbst sieht das Museum Moderner Kunst als sein Lebenswerk und ist besonders stolz auf die hervorragenden Verbindungen zu Ungarn, Polen und der Tschechichen Republik: „Mein Anliegen ist es, am kulturträchtigen Standort Passau die bildende Kunst von der Klassischen Moderne bis zu den neuesten zeitgenössischen Positionen von West nach Ost und von Ost nach West zu vermitteln.“[1]

Auch die beiden Kirchen der evangelischen Kirchengemeinden Regen und Bodenmais wurden nach Hanns Egon Wörlens Plänen erbaut. Die Regener Auferstehungskirche wurde im Oktober 1958 eingeweiht, die Bodenmaiser St. Johanneskirche im November 1963.

Neben der Kunst hat sich Wörlen auch in zahlreichen weiteren Vereinen ehrenamtlich verdient gemacht. Bereits seit 1958 gehörte er der Lamplbruderschaft an. Von 1965 bis 1966 war er Präsident des Lions-Club Passau, dessen letztes noch lebendes Gründungsmitglied er zum Zeitpunkt seines Todes 2014 war. Darüber hinaus war Wörlen lange Zeit Vorstandsmitglied der Deutsch-Spanischen Gesellschaft Passau.

Hanns Egon Wörlen starb am Nachmittag des 17. Februar 2014 im Alter von 98 Jahren im Klinikum Passau. Bis wenige Tage vor seinem Tod saß er noch täglich in seinem Architekten-Büro in der Passauer Steiningergasse und versäumte keine Ausstellungseröffnung „seines“ Museums. Aus den Nachrufen auf Wörlen sprach tiefer Respekt für eine Figur, die die ostbayerische Kunstszene über Jahrzehnte geprägt und inspiriert hat. Die Trauerfeier für ihn fand nach Wörlens eigener Verfügung nicht öffentlich statt. Sein Grab im Friedhof St. Korona, dessen Aussegnungshalle er als Architekt selbst gestaltet hatte, hatte er schon lange vor seinem Tod ausgesucht.

Auszeichnungen

Galerie

Einzelnachweise

  1. Edith Rabenstein: Mäzen, Museumsgründer, Motor für die Kunst. In: Passauer Neue Presse vom 18. Februar 2014 (S. 7)

Literatur

Weitere Berichterstattung der PNP

Weblinks