Tänzl von Tratzberg (Adelsgeschlecht)

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Das historische Wappen der Freiherren Tänzl von Tratzberg aus Tirol. (Foto: LNP)
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Das Wappenfresko im Kastenhof stammt aus der Zeit um das Jahr 1750. (Foto: LNP)
Tänzel-Epitaph in der St. Lorenz Kapelle in Traidendorf 1782.

Die Freiherren Tänzl von Tratzberg waren ein aus Österreich stammendes Adelsgeschlecht, dessen Angehörige zeitweise Vicedom und Pfleger in Landau und Laaber waren.

Geschichte

Das Geschlecht der Tänzl von Tratzberg kommt aus dem niederen Adel. Seit mindestens 1350 waren die Tänzl Kaufleute in Innsbruck. Später beteiligen sie sich als Bergwerksunternehmer und Schmelzherren im Silberabbau in Schwaz in Tirol und wurden reich. Schwaz war im Mittelalter ein Zentrum des Silber- und Kupferbergbaus. Unter anderem besaßen die Freiherren zeitweise die mächtige, hoch über dem Inntal liegende Burg Tratzberg, die sie als Brandruine vom späteren Kaiser Maximilian eintauschten und prachtvoll als Renaissanceschloss ausbauten. Das im Jahr 1508 wieder aufgebaute Schloss gilt als eines der schönsten Schlösser Europas aus der Zeit der Renaissance. Schloss Tratzberg ist auch Bestandteil ihres Namens geworden.

Die Tänzl waren als erfolgreiche Geschäftsleute die Gegenspieler der mächtigen Augsburger Fugger, gegen die sie sich letztendlich nicht behaupten konnten. Im Jahr 1502 werden die Tänzl vom Kaiser geadelt und werden die Freiherren Tänzl von Tratzberg. Sie führen ein fürstliches Leben und haben Einfluss am kaiserlichen Hof. Ab 1520 geht es mit dem Reichtum aber bergab. Einer ihrer Bergwerksdirektoren veruntreut Geld in großem Ausmaß, was zum Niedergang und Bankrott des reichen Kaufmannsgeschlechts führt. Um 1550 ist das Tänzl-Imperium endgültig zerschlagen und zusammengebrochen. Die Tänzl verlassen Tirol und kaufen sich bescheiden in Bayern ein.

Die Freiherren traten nun als treue Ministerialen in den Dienst von hohen Fürsten wie Kaiser oder bayerische Kurfürsten. So erscheint im Jahr 1640 in der Gehaltsliste des kaiserlichen Hofstaats zu Wien ein gewisser Mattias Tänzl von Tratzberg als Kaiserlicher „Panathier“, als kaiserlicher Speisenvorschneider und Mundschenk und bekommt dafür monatlich 40 Gulden.

In der Liste der kurfürstlichen Pfleger in Landau erscheinen im 18. Jahrhundert zwei Freiherren Tänzl von Tratzberg. In der Zeit von 1750 bis 1780 ist Johann Hektor Tänzl der kurfürstliche Pfleger, also Stellvertreter des wittelsbachischen Herrschers im Amt Landau, das soeben von Brand und schwersten Verwüstungen im Österreichischen Erbfolgekrieg 1743 in die Knie gezwungen worden ist. Zwei Generationen wird es dauern, bis sich Landau von dieser Katastrophe einigermaßen erholt haben wird. Dem ersten der Freiherren von Tänzl folgt in der Zeit von 1780 bis 1790 sein Sohn, ein gewisser Friedrich Josef Tänzl als Landauer Pfleger nach. Dieser wechselte aber 1791 in die Oberpfalz. Dort erscheinen sie als Pfleger auf Laaber und Herren auf Traidendorf und Dietldorf im Vilstal. In Dietldorf erbauen sie 1706 ein bemerkenswertes Schloss im Stil der italienischen Spätrenaissance, das heute noch von Nachkommen bewohnt wird.

Die Freiherren Tänzl von Tratzberg sind 1812 in die bayerische Adelsmatrikel eingetragen und im Jahr 1935 im männlichen Stamm ausgestorben. Der Titel besteht jedoch durch Adoption weiter.

Historisches Wappen

Das historische Wappen der Freiherren Tänzl von Tratzberg aus ihrem Stammland in Tirol entspricht dem im Gewölbesaal des Kastenhofes in Landau vorhandenen linken Wappenfresko und stammt aus der Zeit um 1750. Ein anderes Wappen aus ihrem Stammland in Tirol stammt aus der Zeit um 1520. Die beiden Abbildungen sind nicht ganz identisch.

Das Wappenschild beider Tänzl-Wappen ist übereinstimmend in vier Felder geteilt. Feld 1 (oben links) und Feld 4 (unten rechts) sind in Schwarz und Gold mittig gespalten. In ihnen befindet sich ein zusammengefügtes Schachrosspärchen, ein „Doppelrössel“ in der umgekehrten Farbe zum Feld. Feld 2 und 3 sind mit einem aufgerichteten, einem Löwen nicht unähnlichen, gepunkteten Leoparden auf schwarzem Hintergrund versehen.
Über dem eigentlichen Schild sind zwei gekrönte Ritterhelme mit schwarz-goldenen, mit weit herabhängenden Ornamentdecken. Auf dem linken Helm ist dessen Spitze von den zwei typischen Rösselköpfen gekrönt, umkränzt von einem schwarz-goldenen Strahlenkranz. Auf dem rechten Helm wacht der aufrecht sitzende Leopard vor einem Kranz von schwarz-goldenen Straußenfedern.

Die beiden Wappen der Freiherren Tänzl von Tratzberg, einmal aus ihrem Stammland in Tirol aus der Zeit um 1520 und zum anderen das im Kastenhof aus der Zeit um 1750, wurden 2009 gegenübergestellt.

Das zum Vergleich herangezogene Ursprungswappen befindet sich im Kreuzgang des Franziskanerklosters Schwaz bei Innsbruck, der Herkunftsgegend des Geschlechts der Tänzl. Dieses „Urwappen“ stammt aus der Zeit um 1520. Im Jahr 1502 sind die Tänzl- Tratzberg eben erst als Freiherren in den Adelsstand erhoben worden. Es ist noch im „Urzustand“.

Dem gegenüber steht das Wappen der Freiherren Tänzl von Tratzberg im Gewölbesaal des Landauer Kastenhofs, das aus der Zeit um 1750 stammt. Mehr als zehn Generationen der Tänzl haben ihr Stammwappen inzwischen stolz getragen. Der eine oder andere von ihnen hat es seinen Vorstellungen leicht angepasst. So hat sich das Tänzl-Wappen im Lauf der Jahrhunderte weiterentwickelt.
Beim ursprünglichen Wappen im Kloster Schwaz aus der Renaissancezeit (um 1520) schaut die aufgerichtete, gefleckte Großkatze beide Male nach rechts, beim Kastenhof-Wappen aber nach links. Im vierten Feld in der unteren Reihe hat das Wappenfeld der Tänzl-Tratzberg in Schwaz/Tirol die gleiche senkrechte Farbteilung wie im Feld 1, also linke Seite schwarz und rechts Gold. Die Rössel sind entsprechend links golden und rechts schwarz.
Im Kastenhof-Wappen sind die Feldfarben und die Schachfiguren in Feld 4 in der umgekehrten Farbfolge von Feld 1 abgebildet. Die üppige Verzierung des Kastenhof-Wappens durch die zwei aufgesetzten Helme mit den signifikanten Wappensymbolen, „Springer“ und Leopard, sowie die stilisierten Blattornamente fehlen beim ursprünglichen Wappen aus der Renaissance-Zeit nach 1500 noch ganz.

Literatur