Franz Staudt

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Prof. Dr. Franz Staudt.

Prof. Dr. Franz Staudt (* 5. September 1946 in Kirchdorf am Haunpold, Oberbayern) ist ein deutscher Kinderarzt. Er war über 25 Jahre lang Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Kinderklinik Dritter Orden Passau. Staudt ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Leben und Wirken

Jugend und Studium

Franz Staudt ist gemeinsam mit sechs Brüdern und zwei Schwestern aufgewachsen. Schon früh war Medizin Teil des Familienlebens: Seine Mutter arbeitete als Kinderärztin mit seinem Vater zusammen, der nicht nur als Allgemeinmediziner, sondern auch als Chirurg und Entbindungshelfer tätig war. Wohnhaus und Praxis lagen zusammen. Zur Medizin kam Staudt trotz des Engagements seiner Eltern allerdings auf Umwegen, denn eigentlich wollte der Viertgeborene in der Familie Forstmeister werden.

Nach dem Militärdienst in Mittenwald entschied er sich dann doch für die Medizin und begann das Studium in München. Dort galt sein Interesse bald der Kinderheilkunde, speziell dem Kinder-Elektroenzephalogramm. Der erste Computer, mit dem Staudt Ende der 1960er Jahre am Max-Planck-Institut in Kontakt kam, war damals noch so groß wie zwei Zimmer. Während des Studiums, genauer gesagt in den Anatomie-Kursen, lernte Franz Staudt auch seine Frau Regine kennen. Regine, die später ebenfalls Kinderärztin wurde und die Mutter seiner zwei Kinder, Annemarie und Johannes, war auch bei Studienaufenthalten in Montpellier und Amerika an seiner Seite.

1974 wurde Staudt mit einer Arbeit über „Normative Daten des Elektroenzephalogramms bei Kindern“ an der Technischen Universität München promoviert. Die Habilitation mit dem Titel „Krampfanfälle bei Früh- und Neugeborenen – Untersuchungen zum Stellenwert des EEG im Vergleich zu bildgebenden Verfahren (CT-Scan und Echoenzephalographie)“ folgte 1986. 1992 wurde er an der Technischen Universität München zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Wirken an der Kinderklinik Passau

Nach zehn Jahren in Freiburg kam Franz Staudt 1986 zusammen mit seiner Familie über München nach Passau, wo er die Position des Chefarztes der Kinderklinik Dritter Orden antrat. Bereits ein Jahr danach erfolgte der Spatenstich zum Neubau der Kinderklinik an der Bischof-Altmann-Straße und damit in direkter Nähe zum Klinikum Passau. Diese enge Anbindung an das Klinikum als Schwerpunktversorgungs-Krankenhaus inklusive Perinatalzentrum zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen war Staudt immer ein Anliegen. Gleiches gilt für die Gründung des Sozialpädiatrischen Zentrums. Zu Staudts Verdiensten zählen auch der Ausbau des Schwerpunkts Neuropädiatrie (also der Kinderneurologie, die sich mit Nervenkrankheiten von Kindern beschäftigt) mit besonderem Augenmerk auf Epileptologie und die Einrichtung einer Psychosomatischen Einheit mit Erarbeitung eines Konzepts für ganz Bayern.

In den 25 Jahren hat Staudt als Chefarzt den Weg vom Säuglingsheim zur modernen Kinderklinik gestaltet und begleitet. Dass die Passauer Kinderklinik heute über ein hervorragendes Netzwerk verfügt und die beste medizinische Versorgung auch für psychosomatische Erkrankungen gewährleisten kann, ist nicht zuletzt seinem unermüdlichen Einsatz und seinem Engagement in der Berufspolitik zu verdanken.

Lehrtätigkeit und Wirken in Berufsverbänden

Staudt hielt regelmäßig Volesungen an der Kinderklinik der Technischen Universität München zum Thema „Neuropädiatrie“. Seine Abschiedsvorlesung über „Ethische Aspekte der angeborenen Muskelerkrankungen“ fand im Sommersemester 2017 statt. In Brixen ist er seit 1985 Referent am Osterseminar-Kongress für Kinderärzte und gibt Seminare zu den Themen Schädelsonographie und Kinder-EEG. An der Technischen Hochschule Deggendorf hielt er im Sommersemester 2017 im Rahmen des Bachelor-Studiengangs Duale Pflege ein Seminar zu Medizin-Ethik. Staudt gibt außerdem EEG-Kurse an der Kinderklinik Passau.

Neben seiner Lehrtätigkeit und seinem Wirken als Kinderarzt machte sich Staudt nicht nur als Mitglied nationaler und internationaler Berufsverbände einen Namen. So war er langjähriges Mitglied des Vorstands und 1999/2000 1. Vorsitzender des Bundesverbands der Leitenden Kinderärzte und Kinderchirurgen Deutschlands (VLKKD). Von 1996 bis 2011 war er zudem 1. Vorsitzender des VLKKD-Landesverbandes Bayern. 1993 war er Tagungspräsident der Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Passau und 2007 der Jahrestagung der Gesellschaft für Neuropädiatrie, ebenfalls in Passau. Staudt ist Herausgeber und Mitautor des im August 2014 im Thieme-Verlag Stuttgart erschienenen Fachbuches „Kinder-EEG“.

Verabschiedung und Ruhestand

Nach 25 Jahren ging Franz Staudt am 1. Oktober 2011 im Alter von 65 Jahren als Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Kinderklinik Dritter Orden in den Ruhestand. Zu seiner Verabschiedung beschäftigten sich rund 250 Kinderärzte und Mediziner benachbarter Fachdisziplinen in einem Symposium an der Universität Passau mit einem Thema, das ein Schwerpunkt von Staudts wissenschaftlicher und klinischer Arbeit war: frühe Hirnläsionen. Herausragende Referenten, alle Wegbegleiter von Prof. Staudt, sprachen über Themen und Entwicklungen, die ihm wichtig waren und würdigen ihn damit entsprechend.

Im Ruhestand absolvierte er von 2012 bis 2015 den Master-Studiengang „Ethik“ an der Hochschule für Philosophie München. Seine Masterarbeit verfasste er zum Thema „Ethik in der Kinder- und Jugendmedizin“. Diese ist 2016 in erweiterter Fassung im AkademikerVerlag erschienen. Im September 2016 leitete er eine Tagung „Ethik in der Medizin“ der Cadenabbia-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung auf Frauenchiemsee und gab dazu zusammen mit Prof. Eberhard Schockenhoff, Freiburg einen Tagungsband heraus.

Ehrenamtliches Engagement

Staudt ist seit 2014 Regionalsprecher der Altstipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Passau. Seit 1999 gehört er der Lamplbruderschaft an, inzwischen in der Funktion als Armenbetreuer auch deren Vorstand.

Publikationen

Auszeichnungen

  • Fellow of the Royal College of Physicians (FRCP), London (2003)
  • Ehrenmitglied der Süddeutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (2005)
  • Ehrenmitglied des Fördervereins der Kinderklinik Passau (2011)
  • Ehrenmitglied der Gesellschaft für Neuropädiatrie 2015)

Literatur