Franz Matzeder

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Das wohl einzige erhaltene Portrait von Franz Matzeder wurde zur Hinrichtung gefertigt und mit einem Steckbrief versehen.

Franz Matzeder (* 18. Juli 1810 bei Simbach; † 23. Juni 1851 in Straubing durch Hinrichtung) war ein bekannter niederbayerischer Räuber, der im 19. Jahrhundert neun Menschen tötete.

Leben und Wirken

Matzeder wurde am 18. Juli 1810 in der Einöde Matzöd unweit von Simbach geboren und war der Sohn eines Rossknechts und einer Tagelöhnerin. Sein Vater hatte in Matzöd ein Haus für die fünfköpfige Familie gebaut und diese dann als Kleinbauer ernährt. Franz Matzeder eckte schon in der Kindheit an und war für Schlägereien und Diebstähle bekannt. Insgesamt neun Mal hat er im Laufe seines Lebens auf seinen Beutezügen im 19. Jahrhundert im niederbayerischen Hügelland um Simbach und Arnstorf getötet.

Überliefert sind auch die Mitglieder seiner Räuberbande: Die Rottaler Franz Reiter und Georg Weger gingen zusammen mit ihm über Leichen und wurden 1851 von der Polizei geschnappt. Während Weger vom bayerischen König Maximilian II. nur zur lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, blickten Matzeder und Reiter in den Tod durch den Scharfrichter. Am 23. Juni 1851 wurden sie öffentlich am Hagen in Straubing geköpft. Die Veranstaltung sorgte für einen Massenauflauf, wie heutzutage bei Volksfesten. Aus ganz Niederbayern strömten Tausende herbei und auch Gaukler und Zigeuner mischten sich fröhlich unter die Menge.

Als die heutigen Besitzer die alten Stallgebäude abrissen, fanden sie eine doppelläufige Vorderlader-Pistole und ein Vorderlader-Gewehr, die von Waffenexperten untersucht wurden. Alle passen genau in die Zeit von Franz Matzeder. Die Pistolen spielen auch eine große Rolle in dem 2010 erschienenen 183-seitigen Buch über Matzer, das eine Mischung aus Roman und Dokumentation des damaligen Lebens darstellt.

Rezeption

Bücher

Die beiden Simbacher Autoren Fred Haller und Karl Kieslich erforschten die „greisliche Raubergschicht“ Franz Matzeders und brachten sie zu Papier: Zum 200. Geburtstag von Franz Matzeder im Jahr 2010 veröffentlichten sie das 183-seitige Historiendrama „Matzeder – Räuber, Mörder, Delinquent“. Weil die historischen Belege und Überlieferungen für die szenischen Darstellungen nicht ausreichten, mussten die Autoren einige Personen aus dem Umfeld und den Tathergang einzelner Morde erfinden und mit eigenen Ideen anreichern. Ein Sammelsurium aus Fakten, Vermutungen und Beschreibungen der damaligen Lebensumstände wurde für dieses Buch zusammengetragen – darunter auch die Erinnerungen und Funde der Bewohner in den betroffenen Orten, besonders in Matzöd. Aus der ersten Auflage der authentischen Geschichte mit 200 Stück wurden bis Anfang 2011 insgesamt 1.500 verkaufte Exemplare.

Aufgrund des großen Erfolgs des Buchs recherchierten und forschten Fred Haller und Karl Kieslich weiter und fanden weitere Quellen, die einerseits bereits Veröffentlichtes bestätigten, andererseits viel Neues ans Tageslicht brachten. So erschien 2013 die 192-seitige Fortsetzung „Die Matzöder Räuber“, das noch detailierter die Lebensumstände der armen Zeit des frühen 19. Jahrhundert beschreibt und weitere Wegbegleiter Matzeders vorstellt.

Verfilmung

Neben der Mitwirkung an den beiden Büchern schrieb Karl Kieslich auch das Drehbuch für einen Film über Franz Matzeders, das 2011 vom Filmteam „Brandl pictures“ aus Arnstorf in Szene gesetzt wurde. Der Film zeigt die Lebensgeschichte des Matzeders, von der Geburt bis zum Ende auf dem Schafott. Die Darsteller kamen überwiegend aus den Gemeinden Simbach und Arnstorf oder waren Mitglieder der Laienspielgruppe der Feuerwehr Langgraben. Den Part des Franz Matzeders übernahm Günter Brandl, die Rollen seiner Kumpanen Franz Reiter und Georg Weger übernahmen Ulrich Baumgartner und Stefan Nebauer. Daneben standen noch rund 40 weitere Frauen und Männer in authentischen Kostümen aus dieser Zeit vor der Kamera. Das Ehepaar Wagner, als Simbacher Goschnhobler bekannt, brachte sich als Bänkelsänger mit dem Matzeder-Lied ein. Zudem war der Kunstmaler Manfred Völkel, der für die schwarz-weiß-Grafiken im Buch verantwortlich zeichnete, als Darsteller mit von der Partie.

Drehorte waren unter anderem Höherskirchen, Kornöd, Langgraben und Malgersdorf, Straubing und Ruppertskirchen. Der letzte Mord des räuberischen Trios, geschehen in der Nacht vom 27. auf den 28. März 1849, wurde am Originalschauplatz im Schwalbenberger Hoiz bei Pleiskirchen verfilmt. Nach Fertigstellung kam der 130-minütige Film vor allem in den Regionalkinos und Stadthallen zur Aufführung und erschien später auch auf DVD.

Weiterführende Publikationen

  • Fred Haller, Karl Kieslich: Matzeder: Räuber, Mörder, Delinquent. Straubing 2010, ISBN 3000315763
  • Fred Haller, Karl Kieslich: Die Matzöder Räuber. Straubing 2013, ISBN 3942742245

Literatur

Weblinks