Flugzeugabsturz am Plattenhausenriegel

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Die beiden Flugzeuge vom Typ MiG-15 wurden bei dem Absturz vollkommen zerstört, die Piloten kamen ums Leben.

Der Flugzeugabsturz am Plattenhausenriegel ereignete sich am 20. Juni 1963 nahe des Berges Plattenhausenriegel (1376 m) in der Gemeinde Sankt Oswald-Riedlhütte im damaligen Landkreis Grafenau, (heute Freyung-Grafenau), als zwei tschechoslowakische MiG-15 am Grenzkamm zur Tschechoslowakei abstürzten.

Absturzhergang

Am Nachmittag des 20. Juni 1963 befanden sich drei tschechoslowakische Kampfflugzeuge vom Typ MiG-15 mitten im Kalten Krieg auf einem Übungsflug über dem Grenzkamm von Bayern zur Tschechoslowakei. Sie kamen von ihrer Heimatbasis in Kosice und drangen vermutlich zu provokativen Zwecken in den deutschen Luftraum ein.

Nachdem die Jets bei Bayerisch Eisenstein die Grenze überquerten, drehten sie bei Zwieselau in Richtung Rachel ab, den sie in einer lang gezogenen Schleife umrundeten. Aufgrund der niedrigen Wolkendecke von 500 bis 700 Meter mussten die Düsenjäger in den Tiefflug übergehen, wobei ihnen die Berge des Grenzkammes zum Verhängnis wurden. Augenzeugenberichten zufolge flogen zwei der Maschinen gegen 16 Uhr hintereinander direkt in den Hochwald, wobei sie eine 300 Meter lange und 25 Meter breite Schneise in den Wald rissen und selbst 40 Zentimeter dicke Bäume praktisch abrasierten. Der dritte Pilot beobachtete den Absturz und konnte noch rechtzeitig in den Steigflug übergehen, um später sicher auf dem Heimatflughafen zu landen.

Bergung

Am nächsten Tag, den 21. Juni 1963, fanden die deutschen Zöllner Herbert Hawlik und Anton Schorer gegen 10 Uhr die Unglücksstelle nahe des Grenzsteins 26/10. Dort befanden sich bereits zwei Offiziere einer tschechoslowakischen Einheit sowie ein schwer bewaffneter Soldat mit Hund. Sie wurden gebeten, sich auf tschechoslowakisches Territorium zurückzuziehen.

Von den sterblichen Überresten der beiden abgestürzten Piloten konnten nur noch wenige Teile gefunden werden. Die Trümmer der Maschinen waren im ganzen Wald verstreut. Der Absturz erregte in der Region große Aufregung, da Flugzeuge des Warschauer Paktes den deutschen Luftraum verletzt hatten. In den darauffolgenden Tagen fanden intensive Nachforschungen statt, die auf deutscher Seite von Polizeirat Beck in Waldhäuser geleitet wurden. Am 22. Juni 1963 gegen 14 Uhr erwartete Beck am Grenzstein 26/10 seinen Verhandlungspartner, einen Oberstleutnant der tschechoslowakischen Truppen. Gegen 14.20 Uhr riegelten deutsche Grenztruppen die Absturzstelle ab. Keine dreißig Minuten später öffnete sich das deutsche Hoheitsgebiet für die tschechoslowakischen Sanitätstruppen, die mit Leichentüchern und Tragbahren die sterblichen Überreste der Piloten auf heimatlichen Boden überführten. Da von tschechoslowakischer Seite kein Interesse an der Bergung der Wrackteile gezeigt wurde, zogen die deutschen Behörden einen Alteisenhändler aus der Region Passau hinzu, der die Trümmer mit einem selbst gebauten Pferdeanhänger abtransportierte.

Gedenktreffen

2016 kam es zu einem Gedenktreffen deutscher und tschechischer Kampfpiloten a.D. an der Unglücksstelle. Letztere gaben als Ergebnis ihrer Nachforschungen nach 53 Jahren die Namen der abgestürzten Piloten bekannt: Es handelte sich um Oberleutnant Josef Dostal und Leutnant Pavol Srotyr, beide damals 29 Jahre alt und verheiratet. Der dritte Pilot, der den Absturz vermeiden konnte und danach auf der Fliegerbasis in Line bei Pilsen landete, war Oberleutnant Frantisek Beran. Er verunglückte Jahre später tödlich mit einer MIG 19.

Literatur