Fürstenzell

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Fürstenzell
Das Wappen von Fürstenzell


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Passau
Höhe: 320 - 497 m
Fläche: 79,31 km²
Einwohner: 7.719 (30. Juni 2013)
Postleitzahl: 94081
Vorwahl: 08502
Kfz-Kennzeichen: PA
Website: www.fuerstenzell.de
Erster Bürgermeister: Manfred Hammer (SPD)

Fürstenzell ist ein Markt im Landkreis Passau. Die Patenstadt von Fürstenzell ist Bad Griesbach.

Das Rathaus von Fürstenzell

Lage

Der Markt Fürstenzell liegt im Isar-Inn-Hügelland zwischen Donau und Inn. Die mächtige Doppelturm-Fassade der Pfarrkirche prägt mit der Klosteranlage den Hauptort, der sich als Unterzentrum zu einem geschäftlichen und schulischen Mittelpunkt des südlichen Landkreises entwickelt hat.

Ortsteile

Fürstenzell hat 124 Ortsteile: Aiching, Altenmarkt, Aspertsham, Aubach, Aumühle, Ausham, Bad Höhenstadt, Bibing, Bromberg, Brunndobl, Burgdobl, Dinglreit, Distlzweil, Edenweg, Edlwang, Edt, Eggerswiesen, Endau, Engertsham, Fünfeichen, Fürstenzell, Gadham, Geiselberg, Gföhret, Gimplarn, Ginglsöd, Gollwitzer, Großsandten, Großtann, Gründobl, Grüntobel, Gurlarn, Hafering, Haufenberg, Haunreut, Hausberg, Hieblmühle, Hiefing, Hilleröd, Hissenau, Hocheck, Hofmark, Hohenau, Holzbach, Holzhammer, Holzhäuser, Holzstadl, Höng, Hörbertsham, Hub, Hundsöd, Irsham, Irsöd, Jägerwirth, Kalkberg, Kaps, Kemating b.Bad Höhenstadt, Kemating b.Voglarn, Kitzbichl, Kleingern, Kleinloipertsham, Kleintann, Klessing, Krottenthal, Kühloh, Kumpfmühle, Kurzholz, Lachham, Liebenreut, Loipertsham, Mahd, Maieröd, Moosbauer, Munzing, Oberaign, Obereichet, Oberhaushof, Oberirsham, Obermühle, Oberreisching, Obersimbach, Obersulzbach, Oderer, Parsting, Parzham, Pemelöd, Peslöd, Pfalsau, Pilzweg, Prims, Rehschaln, Reising, Reut, Sandten, Scheuereck, Schönau, Spirkenöd, Spitzöd, Steindobl, Steinhügl, Strangmühle, Straß, Tannet, Unteraign, Untereichet, Unterhaushof, Untersimbach, Untervoglarn, Urlharting, Voglarn, Wallham, Wallmberg, Wallmer, Wartmanning, Weidenberg, Weidenthal, Welln, Wiesen, Wiesenöd, Willenreut, Wimberg, Würfelsdobl und Zwieselsberg.

Geschichte

Ursprünglich war in Fürstenzell nur ein Einödhof mit dem Namen „Zell“ bei dem eine Kapelle stand, die dem Hl. Laurentius geweiht war; vermutlich eine römische Gründung. Der Hof gehörte später zur Pfarrei Irsham, die im Jahre 1075 zum erstenmal urkundlich erwähnt wird. Im Jahre 1259 verwüstete König Ottokar von Böhmen das Land und die Kapelle von Fürstenzell.

Domherr Hartwig von Passau kaufte den Hof samt Grundstücken und stiftete 1274 ein Kloster für die Zisterzienser. Im gleichen Jahr verlieh Herzog Heinrich der XIII. von Niederbayern dem Zellhof Erlass aller dinglichen und persönlichen Leistungen, Zollfreiheit und niedere Gerichtsbarkeit. Wegen dieser Gnadenerweise wurde Zell in Fürstenzell umbenannt. Die Besiedelung des neu gestifteten Klosters erfolgte von Kloster Aldersbach aus.

Im Jahre 1319 kamen die Pfarrkirchen von Höhenstadt und Irsham durch Schenkung an das Kloster, wo 1334 die Weihe der ersten dreischiffigen Kirche durch Bischof Dietrich erfolgte. Das Kloster wurde im Jahre 1473 zur Abtei erhoben. Durch das Vordringen der Reformation in den Jahren 1540 bis 1555 verlor das Kloster Fürstenzell seine Bedeutung. Die Klosterkirche brannte im Jahre 1622 nach Blitzschlag völlig aus.

In den Jahren 1633 bis 1634 wütete die Pest und raffte auch den Abt Jakobus Bruckner hinweg. Die Schweden kamen 1647 bis vor Fürstenzell, jedoch blieben Kloster und Kirche von der Plünderung verschont.

Eine glanzvolle Blütezeit begann im 18. Jahrhundert mit den Äbten Abundus de Pugnetti (1707 - 1727) und Stephan Mayr (1727 - 1761). Letzterer gewann den Münchner Hofbaumeister Johann Michael Fischer für den Neubau der Klosterkirche, ein Hauptwerk des bayerischen Rokoko, das unter Mitwirkung weiterer großer und namhafter Künstler dieser Zeit entstanden ist. Das in den Jahren 1740 bis 1748 errichtete Gotteshaus wurde am 27. Oktober 1748 von Kardinal Joseph Dominikus Graf von Lamberg, Fürstbischof von Passau, zu Ehren der Glorreichen Himmelskönigin geweiht. Abt Otto Prasser (1761 - 1792) erweiterte das Kloster in den Jahren 1760 bis 1770. Er ließ die beiden Kirchtürme aufführen und gewann bedeutende Künstler zur Ausschmückung des Festsaals im Mitteltrakt der Prälatur und der Bibliothek. Unter Abt Edmund Bachmayr (1792 - 1803), einem hervorragendem Schulmann, wurde das Kloster, in höchster Blüte stehend, 1803 aufgehoben.

Die Familie Wieninger erwarb die Kloster- und Ökonomiegebäude, gab den Bewohnern der Umgebung Arbeit und ließ eine Besiedlung des Ortes zu. 1807 wurde die Klosterkirche Pfarrkirche der Pfarrei Fürstenzell. Wenige Jahre darauf wurde die bisherige Pfarrkirche in Unterirsham abgebrochen.

Wegen der schlechten Wirtschaftslage verkaufte Wieninger den Gebäudekomplex im November 1928 an die bischöfliche Brauerei Hacklberg, die ihn jedoch schon zwei Jahre später an die Deutsche Provinz der Gesellschaft Mariens weiterveräußerte. Die Maristenpatres erwarben im Jahr 1930 das ehemalige Kloster in Fürstenzell und eröffneten 1948 das Maristengymnasium.

Mit dem Zustrom der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine rege Bautätigkeit ein. Fürstenzell erhielt 1950 ein Rathaus und 1953 eine evangelische Kirche, 1955 eine 8-klassige Volksschule und 1962 ein modernes Freischwimmbad. Ein kleines Krankenhaus konnte 1932 erheblich erweitert werden. 1997 musste es aber wegen einer vom Staat geforderten Verringerung von Krankenhausbetten geschlossen werden. In den Gebäulichkeiten befinden sich nun eine Dialysestation, sowie eine ambulante Unfallchirurgie. Für das staatliche Gesundheitsamt, das nun ebenfalls in Fürstenzell seinen Platz findet, wurde das ehemalige Schwesternwohnheim umgebaut.

Die Gemeindegebietsreform vereinigte ab 1972 die Gemeinden Fürstenzell, Altenmarkt, Bad Höhenstadt und Engertsham; 1978 folgten der größte Teil der Gemeinde Voglarn und Teile der Gemeinde Sandbach.

Zur 900-Jahr-Feier der Pfarrei Fürstenzell und 700-Jahr-Feier des Klosters im Jahre 1975 erhielt Fürstenzell die Bezeichnung „Markt“ verliehen.

Wappen

Die Gemeinde übernahm 1952 vollständig das seit 1475 nachweisbare Abteiwappen des ehemaligen Zisterzienserklosters Fürstenzell, von dem die Besiedlung der Gegend ausging. Die heraldische Figur der goldenen Fürstenkrone unter dem von Rot und Silber gezwickelten "Zelt", einem für Zell falsch redenden Symbol, ergibt die sinnbildliche Darstellung des Kloster- und heutigen Gemeindenamens. Da die Tingierung in der älteren heraldischen Literatur nicht einheitlich ist, orientieren sich die Farben des Gemeindewappens an den heraldischen Schraffuren der erhaltenen Abtsiegel aus dem 18. Jahrhundert. Der Sparren trägt die Farben des Schachbalkens der Zisterzienser. Die bis zur Eingemeindung nach Fürstenzell im Jahr 1972 selbstständige Gemeinde Bad Höhenstadt führte seit 1957 ein eigenes Wappen, das mit Sparren, Anker und Sternen auf ein Fürstenzeller Abtwappen Bezug nahm.

Politik

Bürgermeister

  • 1. Bürgermeister ist Manfred Hammer (SPD). Er wurde am 16. März 2014 mit 53,04 Prozent gegen Frank Reisinger (CSU, 36,61 Prozent) und Ludwig Danner (BU, 10,34 Prozent) zum neuen Bürgermeister gewählt. Hammer trat die Nachfolge von Franz Lehner (parteilos) an, der nach zwei Amtsperioden aus Altersgründen nicht mehr kandidieren durfte. Lehner war 2008 mit 59,46 % der abgegebenen Stimmen wiedergewählt worden.

Marktgemeinderat

Der Marktgemeinderat (20 Sitze + 1. Bürgermeister) setzt sich wie folgt zusammen:

  • CSU: 7 Sitze (2008: 7)
  • SPD: 5 Sitze + 1. Bürgermeister (2008: 4)
  • ÖDP/Aktive Bürger: 2 Sitze (2008: 3)
  • Überparteiliche Wählergemeinschaft (ÜW): 2 Sitze (2008: 2)
  • BU/CWG 4 Sitze (2008: 3)

2008 war noch dei Junge Fürstenzeller Generation (JFG) mit einem Sitz im Marktgemeinderat vertreten.

Demos gegen Rechts

Die Bürger von Fürstenzell wehren sich gegen den braunen Spuk in ihrer Gemeinde, der seine Keimzelle in „Traudls Café“ im Ortszentrum hat. Das Lokal ist zu einem überregionalen Treffpunkt der NPD und Neonazis geworden. Anfang Januar 2008 demonstrieren 450 Bürger gegen Rechts, 500 sind es bei einer weiteren Kundgebung im März. Am 13. Dezember 2008 ereignet sich das Unfassbare: Passaus Polizeidirektor Alois Mannichl (52), der in Fürstenzell wohnt, wird vor seiner Haustür vermutlich von einem Neonazi niedergestochen. Am 22. Dezember 2008 versammeln sich 700 Menschen zu einer stummen Lichter-Demo.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt oder auch der „Dom des Rottals“ von Johann Michael Fischer, eine der bedeutendsten Kirchen, die den Übergang zwischen Hochbarock und Rokoko dokumentieren, befindet sich in Fürstenzell, wo der bekannte Freskant Johann Jakob Zeiller die Ausgestaltung der Kirche übernahm. Stuck und Kanzel schuf Johann Baptist Modler.
  • Die Portenkirche als Teil der ehemaligen Klosteranlage reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Von dem nach Auflösung des Klosters profanierten Kirchenbau besteht nach Abbruch des Langhauses nur noch der Altarraum mit einem Fresko von Ignaz Keyl. Nach jahrelangem Wiederaufbau dient sie seit Frühjahr 2008 als Veranstaltungsraum.
  • Klostergebäude. Der Bibliotheksraum enthält bedeutende Schnitzwerke von Joseph Deutschmann.

Tourismus

  • Der Markt bekam 2008 mit dem Panorama Golfplatz den ersten Feng-Shui-Golfplatz Deutschlands. Die Prinzipien von Tai Chi, Yoga oder Feldenkrais werden eine große Rolle spielen - ein Alleinstellungsmerkmal für die neunte 18-Loch-Anlage im Landkreis. Architekt Egon Krassler hat sich damit einen Traum verwirklicht. Rund 3,7 Millionen Euro hat er aus eigener Tasche finanziert.
  • Der Feng Shui-Golfplatz in Fürstenzell gelang 2009 auf den 9. Platz der bundesweit besten Golfplätze.

Betriebe

Projekte

Der Naturpark Donauengtal ist ein Projekt, welches im Jahre 2006 beschlossen und am 11. November 2008 wieder beendet wurde. Fürstenzell war daran beteiligt.

Religion

Bildung und Erziehung

  • Maristengymnasium Fürstenzell
  • Private Heimvolksschule St.Maria Fürstenzell (Grund- und Mittelschule)
  • Volksschule Fürstenzell (Grund- und Mittelschule, mit Schulorten in Fürstenzell, Jägerwirth und Engertsham)
  • Musikschule Fürstenzell
  • Kindergarten St. Maria
  • Evang. Kindergarten Arche Noah
  • Kindergarten Wilhelm Diess Bad Höhenstadt
  • Kath. Kindergarten Jägerwirth
  • Gemeindebücherei Fürstenzell
  • vhs Fürstenzell
  • Volksbildungswerk Fürstenzell

Vereine

  • 1. Karate Dojo Fürstenzell
  • Bauernverband Fürstenzell
  • BU/CWG Fürstenzell
  • Bund Naturschutz Ortsgruppe Fürstenzell
  • CSU Fürstenzell
  • FC Fürstenzell
  • Fischereiverein Fürstenzell
  • Frauenbund Fürstenzell
  • Freunde und Förderer der Grundschule Fürstenzell
  • Fürstenzeller Anglerfreunde
  • Forum Cella Principum e.V.
  • Goldhauben Fürstenzell
  • Fürstenzeller Schützen
  • Ring junger Landwirte Fürstenzell
  • Ring junger Landfrauen Fürstenzell
  • Ski-Club Fürstenzell
  • SPD Fürstenzell
  • TC-Blau Weiß-Fürstenzell
  • Theaterverein "Die Dorfheiligen"
  • Trachtenverein Fürstenzell
  • Trachtenkapelle Fürstenzell
  • VdK Ortsverband Fürstenzell
  • Verein der Freunde und Förderer des Maristengymnasiums
  • VFL Fürstenzell
  • Wasserwacht Ortsgruppe Fürstenzell

Personen

  • Überregional großes Aufsehen verursachte der Mordanschlag auf den Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl vor dessen privater Wohnungstür in Fürstenzell am 13.12.2008.
  • Anna Sternweiler (1925-2016)


Städte und Gemeinden im Landkreis Passau
Wappen Landkreis Passau.png

Aicha v.W.AidenbachAldersbachBad FüssingBad Griesbach i.R.BeutelsbachBreitenbergBüchlbergEging am SeeFürstensteinFürstenzellHaarbachHauzenbergHofkirchenHutthurmKirchhamKößlarnMalchingNeuburg a.I.Neuhaus a.I.Neukirchen v.W.ObernzellOrtenburgPockingRotthalmünsterRudertingRuhstorf an der RottSalzwegSonnenTettenweisThyrnauTiefenbachTittlingUntergriesbachVilshofen an der DonauWegscheidWindorfWitzmannsberg