Orgeln des Doms St. Stephan

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Die Hauptorgel des Doms.
Die Hauptorgel des Doms.
Die Hauptorgel des Doms.
Die Epistelorgel mit Domorganist Ludwig Ruckdeschel. (Foto: Jäger)

Die fünf Orgeln des Doms St. Stephan zu Passau gehen ursprünglich auf das Jahr 1688 zurück, wurden dann 1924 bis 1945 wiederhergestellt und 1978 bis 1980 sowie 1993 zu ihrer heutigen Form umgebaut. Sie bilden zusammen – dann z.T. auch als Steinmeyer/Eisenbarth-Orgel bezeichnet – die größte katholische Kirchenorgel der Welt, die zugleich als eine der größten Orgeln weltweit gilt. Darüber hinaus ist sie die größte Orgel Europas.

In den fünf Orgelwerken sind insgesamt 17.974 Pfeifen und 233 Register zu finden, die alle über den fünfmanualigen Hauptspieltisch auf der Empore gespielt werden können. Die größte der Orgelpfeifen ist über 11 Meter hoch und wiegt 306 Kilo während die kleinste nur 6 mm lang und einen Durchmesser von 2,5 mm hat.

Die Verantwortung über das Instrument liegt beim jeweiligen Domorganisten, dieses Amt hat derzeit Ludwig Ruckdeschel inne. Die regelmäßigen werktäglichen Mittagskonzerte teilt sich der Domorganist mit Domkapellmeister Gerhard Merkl und Domkantorin Brigitte Fruth.

Zu den großen Abendkonzerten werden regelmäßig auch namhafte Organisten aus aller Welt eingeladen.

Geschichte

Die Orgel im Passauer Dom war nicht als größte Domorgel der Welt gebaut worden. Die besondere und großartige Akkustik im Barockdom hat von jeher eine mächtige und farbenreiche Chor- und Orgelmusik notwendig gemacht. So entstand nach und nach die große Domorgel.

Schon im 16. Jahrhundert befanden sich im damals noch gotischen Dom mehrere Orgeln, welche allerdings beim großen Stadtbrand von 1662 mit zerstört wurden. In den folgenden Jahrhunderten wurden von den Passauer Orgelbaumeistern Leopold Freundt, Johann Ignaz Egedacher und Martin Hechenberger mehrere Orgeln für die Domkirche gefertigt.

Die Orgel von 1688

Nach der Schaffung der Stuckaturen und Deckenfresken beschloss der Geistliche Rat am 23. Oktober 1684, den Orgelbau in Angriff zu nehmen. Die barocke Orgel wurde bis zum 14. Juni 1688 in der Werkstatt des Passauer Meisters Leopold Freundt fertiggestellt. Sie verfügte über zwei Manuale und ein Pedalwerk mit insgesamt 21 Registern. Ihr Preis war am 5. August 1685, dem Tag des Vertragsabschlusses, auf 2300 Gulden festgelegt worden.

Die Orgeln von 1718

Fürstbischof Raymund Ferdinand Graf von Rabatta ließ 1715 bis 1718 zusätzlich zur Hauptorgel zwei Seitenorgeln an den inneren Kuppelpfeilern einrichten. Ihr Schöpfer war der Passauer Orgelbauer Johann Ignaz Egedacher. Die beiden je zehnregistrigen Werke kosteten 2800 Gulden. Das Gehäuse errichtete um 190 Gulden Schreinermeister Paul Lederer, die Fassung besorgte für 440 Gulden der Maler Johann Georg Radler. Um 1860 ließ Bischof Heinrich von Hofstätter die beiden Gehäuse auf die westlichen Seitenschiffemporen verlegen, wo sie jetzt „Epistelorgel“ und „Evangelienorgel“ genannt werden.

Die Orgel von 1733

Am 15. April 1731 erhielt Egedacher von Fürstbischof Joseph Dominikus Graf von Lamberg den Auftrag, innerhalb von zwei Jahren auch die große Orgel neu zu bauen. Sie kostete 6500 Gulden und hatte 39 Register auf drei Manualen mit Pedal. Der fünfteilige Rokokoprospekt wurde von Bildhauer Joseph Matthias Götz geschaffen. Damit war der Passauer Dom neben dem Salzburger Dom im süddeutschen Bereich die einzige Kirche mit einer dreimanualigen Orgel.

Die Orgel von 1889

Am 6. März 1886 schloss das Domkapitel mit dem Passauer Meister Martin Hechenberger den Vertrag für eine neue Orgel. Die Disposition lieferte der Linzer Orgelbaurevisor Reiter. Mit 72 klingenden Stimmen bei drei Manualen erreichte die innerhalb von vier Jahren erstellte Orgel den Rang des größten Pfeifeninstrumentes Bayerns.

Die Orgel von 1928

Am 17. Januar 1924 beschloss das Domkapitel, eine neue Orgel erbauen zu lassen. Die heutige Domorgel wurde dann 1924 bis 1928 von der Firma Georg Friedrich Steinmeyer aus Oettingen (unter anderem auch in Zusammenarbeit mit dem damaligen Thomaskantor Prof. Karl Straube) erbaut. Große Verdienste im Rahmen der Anschaffung erwarb sich auch der damalige Domkapellmeister, Johann Nepomuk Kühberger. Steinmeyer erschuf dabei die größte Kirchenorgel der Welt (Steinmeyer-Orgel), verteilt auf fünf räumlich getrennte Orgeln mit 208 klingenden Registern und 17.774 Pfeifen. Die Hauptorgel befand sich wie auch beim heutigen Instrument in dem vom Passauer Bildhauer und Architekten Joseph Matthias Götz gefertigten Gehäuse aus dem Jahre 1731. Die elektrische Traktur ermöglichte die Zusammenkoppelung aller fünf Orgeln zu einer einheitlichen Anlage.

Die Orgel von 1981

Von 1976 bis 1981 wurde die Orgel im Rahmen der ersten Gesamtrenovierung des Domes von der Passauer Orgelbaufirma Orgelbau Eisenbarth unter Verwendung alter Teile erneuert und teilweise erweitert. Dabei erhielt sie auch einen neuen Hauptspieltisch. Sie wird daher seither unter anderem auch Eisenbarth-Orgel genannt.

Wegen des feuchten Sommers 2009 mussten einige Teile der Orgel gegen Ende des Jahres einer Schimmelsanierung unterzogen werden.

Die Orgel verfügt aktuell über 233 klingende Register mit 17.974 Pfeifen sowie vier Glockenspiele, verteilt auf fünf selbständige, in sich geschlossene Orgeln. Die Register stehen auf Schleifwindladen, die Traktur ist wahlweise mechanisch oder elektrisch.

Domgrundriss mit Lage der einzelnen Orgeln.

Disposition

Die Passauer Domorgel besteht eigentlich aus räumlich voneinander getrennten Teilorgeln: der Hauptorgel, Epistel- und Evangelienorgel auf den Westemporen, der Chororgel am Eingang zum Altarraum und der Fernorgel auf dem Dachboden im Langhaus des Domes. Bei letzterer kommt der Ton durch das „Heiliggeistloch“ in den Kirchenraum. Alle fünf Orgelwerke können vom Hauptspieltisch auf der Empore aus gespielt werden. Dieser besitzt fünf Manuale und Pedal mit elektrischer Traktur sowie eine elektrische Registersteuerung mit einem 4000-fachen elektronischen Setzer in modernster Digitaltechnik.

Von Hauptspieltisch kann der Domorganist jedes der 233 Register und jede der 17.974 Pfeifen zum Erklingen bringen, Pfeifen aus Metall, Holz und dazu vier Glockenspiele mit zusammen 134 Resonanzkörpern. Die größte Orgelpfeife hat eine Länge von über elf Meter und wiegt 306 Kilo. Ihr Ton mit etwa 16 Schwingungen pro Sekunde liegt an der unteren Hörgrenze. Die kleinsten Pfeifen haben eine Länge von sechs Millimeter und die Töne liegen mit etwa 16.000 Herz an der oberen Hörgrenze des Menschen. 120 Kilometer Kabel wurden in der Anlage verlegt. Da die Orgel auch mechanisch gespielt werden kann, wurden sogenannte Abstrakten, Züge aus Zedernholz verwendet, die die Verbindung zum Pfeifenventil herstellen. Über 5.000 Meter wurden dabei verarbeitet. Die Windversorgung erfolgt durch Gebläse in den einzelnen Teilwerken. Die Hauptorgel besitzt zwei, die alleine 80 Kubikmeter Luft pro Minute liefern.

Hauptorgel

Die Hauptorgel (1) befindet sich auf der Empore. Sie besitzt auf vier Manualen und Pedal 126 klingende Register. Ein Auszug von 77 Registern ist auch von einem Spielschrank aus mechanisch spielbar, wobei die elektronische Setzerkombination für die Register mitbenutzt werden kann.

Evangelienorgel

Die Evangelienorgel (2) befindet sich nördlich auf der Westempore der Seitenschiffe. Sie verfügt über 22 Manual- und 3 Pedalregister verfügt und vom Hauptspieltisch aus gespielt wird.

Epistelorgel

Die Epistelorgel (3) befindet sich südlich auf der Westempore der Seitenschiffe. Sie hat 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal und ist auch von einem eigenen freistehenden vollmechanischen Spieltisch spielbar, bei dem die Windversorgung auch durch Bälgetreter möglich ist.

Fernorgel

Die Fernorgel (4) befindet sich über dem mittleren Gewölbejoch des Langhauses. Sie verfügt über 15 Manual- und 4 Pedal-Register. Ihre deren Klänge kommen durch das mit einem Ziergitter verschlossene „Heiliggeistloch“. Die Fernorgel kann sowohl vom Spieltisch der Chororgel wie auch vom Hauptspieltisch auf der Empore gespielt werden.

Chororgel

Die Chororgel (5) befindet sich im Altarraum. Ihre 38 Register können auch von einem Spielschrank mit drei Manualen und Pedal mit mechanischer Traktur gespielt werden.

Größte (Kirchen-) Orgel der Welt?

Die Passauer Domorgel ist heute die drittgrößte Kirchenorgel der Welt. Sie wird nur von einer evangelischen Kirchenorgel in den USA übertroffen, derjenigen der First Congregational Church in Los Angeles, sowie von der Orgel der Military Academy Cadet Chapel in West Point, New York. Die Frage nach der größten Orgel ist jedoch immer abhängig von den genauen Kriterien; nach der Anzahl der Spieltische, den Manualen, den Registern, den Pfeifen oder dem Tonumfang. In jedem Fall zählt die Passauer Domorgel zu den größten Orgeln der Welt.

Boardwalk-Hall-Orgel Wanamaker-Orgel Domorgel zu Passau
Gebäude: Veranstaltungshalle Kaufhaus Dom St. Stephan
Ort: Atlantic City, USA Philadelphia, USA Passau, D
Spieltische: 2 1 3 (?)
Manuale: 7 6 5
Ranks: 336 463 327
Register: 336 374 233
Pfeifen: 32.000 bis 33.000 28.482 17.974

Die Boardwalk-Hall-Orgel (erbaut 1929 bis 1932) gilt nominell als größte Orgel der Welt. Da seit Jahren jedoch nur mehr etwa 1/3 des Materials im spielbaren Zustand ist, handelt es sich bei ihr nicht um die weltweit größte funktionsfähige Orgel. Diesen Titel der „größten spielbaren Orgel der Welt“ beansprucht die Wanamaker-Orgel. Da beide jedoch nicht in einem Gotteshaus, sondern in einem Theater bzw. in einem Kaufhaus stehen geht der Titel der größten katholischen Kirchenorgel an die Passauer Domorgel.

Blick auf die Hauptorgel.

Orgel- und Geistliche Konzerte

Von Mai bis Oktober kann man jeden Werktag um 12 Uhr Mittag ein Konzert mit Werken von Kirchenmusikern wie Bach, Händel oder Muffat erleben. Jeden Donnerstag (außer Feiertage) gibt es um 19:30 Uhr auch ein Abendkonzert. An Sonn- und Feiertagen finden keine Konzerte statt, die Orgel erklingt jedoch im Rahmen der liturgischen Feiern.

(Aktuelle) Details können beispielsweise bei der Tourist-Information Passau erfragt werden.

Orgelkonzerte

  • Tag: täglich (außer Sonn- und Feiertage)
  • Beginn: 12:00
  • Dauer: 30 Minuten
  • Saison: 2. Mai bis 31. Oktober, Advent: jeden Mittwoch und Samstag, Weihnachten-Silvester: an Werktagen
  • Eintritt: 4 Euro (Erwachsene), 2 Euro (ermäßigt)

Abendkonzerte/Geistliche Konzerte

  • Tag: jeden Donnerstag (außer an Feiertagen)
  • Beginn: 19:30 Uhr
  • Dauer: ca. 60 Minuten
  • Saison: 2. Mai bis 31. Oktober
  • Eintritt: 10 Euro (Erwachsene), 5 Euro (ermäßigt)

Galerie

Literatur

Weblinks


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