Burg zu Burghausen

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Luftaufnahme der Hauptanlage der Burg zu Burghausen. Im Vordergrund die Kemenaten, rechts der Palas. (Foto: Touristik-Leidorf)

Die Burg zu Burghausen ist eine hauptsächlich ab dem 14. Jahrhundert errichtete Festungsanlage in Burghausen. Mit ihren 1.051,02 Metern Länge ist sie die längste Burg Europas und gemäß Guinness-Weltrekord die längste Burg der Welt. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt.

Geschichte

Die Burg zu Burghausen über der Stadt mit (von links) Palas, innerer Burgkapelle und Dürnitzstock
Der Pulverturm am Eggenberg
Die äußere Burgkapelle St. Maria, genannt Hedwigskapelle

Die erste Burg auf dem markanten Burgberg entstand wohl schon um 700. Der Besitz Burghausens garantierte die Beherrschung der Schifffahrt am Oberlauf der Salzach und am Zusammenfluss mit dem Inn. Heinrich XIII., der bei der ersten Teilung Bayerns 1255 Landshut und Burghausen erhalten hatte, begann mit dem Neuaufbau der Burg. Er ließ Palas, Kapelle, Dürnitz und Kemnate aufführen. Damit rückte die Anlage zum zweiten Burgsitz der Landshuter Herzöge auf.

Die gewaltige Anlage hinterließ einen großen Eindruck bei den Zeitgenossen. Abt Angelus Rumpler von Kloster Vornbach rühmte, man meine, nicht eine Burg, sondern eine Stadt zu sehen. Die Glanzzeit der Burg begann 1392, als Burghausen bei der Landesteilung wieder an eine niederbayerische Linie fiel. Die Burg wurde nun zum Hauptwaffenplatz der Landshuter Herzöge, Hort ihrer Familien, Speicher ihrer Schätze und Gewahrsam für ihre prominentesten Häftlinge. Der prominenteste Gefangene auf der Burg war Herzog Ludwig der Gebartete von Bayern-Ingolstadt, der vom September 1446 bis zu seinem Tod um Mai 1447 hier in Haft gehalten wurde.

Die Hofordnung, die Ludwig der Reiche erließ, war selbst für seine Gemahlin Amalie sehr streng. Auch sein Sohn und Nachfolger Georg der Reiche hielt sich nur selten und jeweils nur wenige Tage auf der Burg bei seiner Gemahlin Hedwig auf. Unter Georg dem Reichen vollendete Hofbaumeister Ulrich Pesnitzer das Bauwerk durch großzügige Umgestaltungen und die Ausweitung mit Befestigungen und Nebengebäuden. Zuvorderst sicherte er die schwächste Stelle der über einen Kilometer langen Anlage ab – denn der Zugang von Norden, also über den heutigen Curaparkplatz, war die Schwachstelle schlechthin. An der Stelle, wo heute das Fotomuseum eingerichtet ist, ließ der Herzog die Schütt errichten.

Die Schütt war ein 80 Meter breites Querbauwerk. Es hatte drei Meter dicke Mauern, keine Fenster im Erdgeschoss und war von zwei zehn Meter breiten Türmen flankiert. Das gesamte Konstrukt schloss die Anlage damals in etwa dort ab, wo heute das Reiterstandbild steht. An der Ostseite ragte der Rentmeister- und an der Westseite der Pesnitzerturm in die Höhe. Wer in die Burg wollte, musste also durch das seitlich postierte Christophstor, das den Abschluss des Hofberges bildet.

Die Burg war ein von der Stadt unabhängiges Gemeinwesen. Nicht nur ein großer Hofstaat, Kriegsleute und Marstallknechte lebten hier, sondern auch Kapläne in den beiden Kapellen, Schulmeister, Müller, Bäcker, Metzger, Bierbrauer, Schmiede, Zimmerleute und viele andere.

Georg der Reiche ließ kurz nach seinem Regierungsantritt aus der Wallfahrtskirche von Altötting alle Kostbarkeiten im Wert von 80000 Gulden in das Schatzgewölbe der Burg überführen. Er starb 1503. Im Jahr 1504 führte man auf siebzig sechsspännigen Wagen den Kapellenschatz wieder hinweg. Der Abstieg der Burghauser und vor allem auch der Landshuter Residenz begann nach dem Ende des Landshuter Erbfolgekrieges ab 1505. Georg der Reiche hatte keine männlichen Erben. Die Mauern bewahrten sein Reich am Ende nicht davor, unter die Herrschaft der Münchner Linie der Wittelsbacher zu kommen. Die „armen Vettern“ aus München waren am Ende die Nutznießer und erbten das reiche Herzogtum. Münchens Aufstieg folgte.

1511 erschütterte ein starkes Erdbeben die Region, und die Burg wurde beschädigt.

Nach dem Aussterben der Landshuter Herzöge war die Burg keine Residenz mehr, aber sie hatte noch immer einen großen militärischen Wert. Im Österreichischen Erbfolgekrieg ergab sich Burghausen nach kurzer Beschießung am 5. Februar 1742 den Österreichern. Der Burghauser Hofkaminkehrermeister Franz Carl Cura konnte jedoch mit seinem freiwilligen Schützenkorps von 22 Mann am 16. Oktober die Burg und wenig später auch die Stadt einnehmen. Über diesen Handstreich verfasste er selbst einen Bericht. Im Mai 1743 besetzten die Österreicher Burghausen ein zweites Mal, aber Cura konnte am 20. November 1744 erneut Burg und Stadt einnehmen und bis April 1745 halten.

Als Kaiser Joseph II. 1779 das ihm gerade zugefallene Innviertel besuchte, blickte er von Ach jenseits der Salzach voller Bewunderung auf die Burg zu Burghausen. Am 28. April 1809 kam Napoleon nach Burghausen und ritt in die Burg ein.

Lage & Bau

Die Burganlage befindet sich auf dem aus der Risseiszeit stammenden Nagelfluh des Burgbergs, einem von Südwesten nach Nordosten verlaufenden schmalen und langgestreckten Bergrücken. An der Südostseite fließt die Salzach entlang, an der Nordwestseite liegt der Wöhrsee, ein Altwasser der Salzach.

Architektur

  • Außenwerk am Eggenberg. Ein verdeckter Gang führt südlich des Wöhrsees zur Burg.
    • Pulverturm, eigentlich Geschütz- und Barriereturm
    • Changierturm
    • Mühl- oder Wöhrturm
  • Haupthof im äußersten Süden der Burg. Hier befindet sich der vom Zwinger umzogene Hauptbau. Er behielt trotz Umgestaltungen durch das 15. Jahrhundert im Wesentlichen den Charakter des 13. Jahrhunderts.
    • Palas. Der Fürstenbau ganz im Süden erhielt seinen Innenausbau unter Georg dem Reichen im späten 15. Jahrhundert. Er enthält das Staatliche Burgmuseum mit der Staatsgalerie Burghausen.
    • Burgkapelle St. Elisabeth. Die innere Burgkapelle trägt an den Außenwänden kräftigen Blendbogenschmuck mit schmalen, sich leicht spitzenden Fenstern, Merkmale des mittleren 13. Jahrhunderts. Innen befinden sich Netzwölbungen des ausgehenden 15. Jahrhunderts und freigelegte Wandfresken um 1400 und 1570.
    • Dürnitzstock. Der Name kommt von dem beheizbaren Saal im ersten Obergeschoss (Dürnitz), in dem das herzogliche Gefolge speiste. Der Dürnitzstock enthält übereinander drei mächtige Räume, die als Vorratshalle, Speisehalle für die Gefolgsmannen und Tanzsaal dienten.
    • Kemenaten. In den Wohnräumen, dessen untere südliche Teile noch dem 13. Jahrhundert angehören, waren die Gemächer des weiblichen Hofstaates untergebracht. Hier befindet sich jetzt das Stadtmuseum Burghausen.

Diesem Kerngefüge schloss die Spätgotik im 15. und 16. Jahrhundert ausgedehnte Vorwerke mit weiteren fünf Höfen an:

  • Erster Vorhof
    • Stephansturm
    • Georgstor
  • Zweiter Vorhof
  • Dritter Vorhof
  • Vierter Vorhof
    • Burgkapelle St. Maria. Die äußere Burgkapelle, genannt Hedwigskapelle, ist ein Bau der Spätgotik zwischen 1479 und 1489 von Ulrich Pesnitzer. Sie enthält im Inneren reiche Netzgewölbe und ein Stifterrelief Georgs des Reichen.
    • Unmittelbar neben dem Garten steht der Gärtnerturm.
    • Der Kastengegenschreiberturm befand sich am Ende des Hofes.
  • Fünfter Vorhof. Er wurde durch die sogenannte Schütte verriegelt, die nach 1800 abgetragen wurde. Im Hof befinden sich Brunnenhaus und Uhrturm aus dem 17. Jahrhundert.

Sanierung

Der 2009 eingerüstete Büchsenmeisterturm. (Foto: Furtner)

Schon seit einigen Jahren werden Teile der Burg saniert. Nach den Sanierungen des Kornmesserturms und der Burg 30 war im Mai 2009 der Büchsenmeisterturm an der Reihe. Mit den Sanierungsarbeiten soll die Burg wetterfest gemacht werden. Dabei werden neue Dächer angebracht oder die Mauern ausgebessert.

Aufwändige Sanierungsarbeiten sind an der Brücke vor dem Georgstor und an zwei weiteren Brücken erforderlich. Es haben sich in den Pfeilern der Brücke tiefe Risse bis zu einem Zentimeter Breite aufgetan. Die Brücke wurde deshalb mit einem Gerüst gesichert. Ein statisches Gutachten wurde in Auftrag gegeben. Grundsätzlich gab es mehrere Konzepte, um die Pfeiler zu stabilisieren. Aufwändig und damit teuer seien sie allesamt und zwar deshalb, weil aufgrund des Denkmalschutzes für die historische Bausubstanz nicht einfach mit Stahl und Beton nachgeholfen werden könne. Das Mauerwerk stammt noch aus dem 16. Jahrhundert. Somit sind die Pfeiler rund 200 Jahre alt.

Umbauten zur Bayerischen Landesausstellung 2012

Für die Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung 2012 investierte die Stadt Burghausen 600.000 Euro in ihr Heimatmuseum in der Kemenate der Burg. Dabei wurde der Eingangsbereich neu gestaltet und im Innern entstand ein 80 Quadratmeter großer Multifunktionsraum für Sonderausstellungen.

In der Ausstellung zu Burghausen, welche mit Oberösterreich gemeinsam veranstaltet wird, wird die Zeit von 700 bis 1400 gezeigt. Die nachfolgenden Epochen werden in Österreich auf Schloss Mattighofen und Kloster Ranshofen gezeigt.

Die längste Burg der Welt?

„Längste Burg der Welt“ als Marke

Reinhold Grundke (li.) und Georg Reisinger. (Foto: Furtner)
Rechtsgültige Urkunde zur Markeneintragung. (Bild: PNP)

Am 5. Juli 2006 meldeten Reinhold Grundke und Georg Reisinger „Die längste Burg der Welt“ als Marke an. Nachdem die Einspruchsfrist ohne Ergebnis verstrichen war, erfolgte am 12. März 2007 die Eintragung als Marke. Hotelier Georg Reisinger vom Landhotel Bayerische Alm in Burghausen suchte im Sommer 2008 bei Guinness World Records in London um diesen Weltrekord an. Die Schiedsrichter recherchierten und bestätigten, dass in Burghausen die „längste Burg der Welt“ steht. Sie war erstmals 2010 im „Guinness-Buch der Rekorde“ zu finden. Auf der Urkunde ist vermerkt: „The longest castle of the world is the Burg zu Burghausen which measures 1051.02 metres (3448 ft 2 in) long and is located in Burghausen, Germany.“

Noch nicht geklärt schien bisher die Frage, ob Burghausen wirklich die längste Burg der Welt besitzt. Experten führten ins Feld, dass zum Beispiel Fort Gwalior in Indien mit 2,4 Kilometern Länge eher der Titel zustünde. Die Guinness-Redaktion in London hat sich jedoch in dieser Frage zu Gunsten Burghausens festgelegt. Auf eine Anfrage des Anzeigers, wo denn der Unterschied zwischen einem Fort (Gwalior) und einer Burg zu sehen sei, kam als Antwort aus London: „Nach unserer Auffassung ist der Unterschied zwischen einer Burg und einem Fort, dass die Burg der permanente Wohnsitz eines Herrschers oder Regenten ist und das Fort nur eine militärische Anlage zur Verteidigung eines strategisch wichtigen Punktes unter mehreren. Gwailor bezeichnet sich selbst als Fort und wurde als eines von mehreren Forts zur Verteidigung der Region erbaut. Anscheinend war es nicht als permanenter Wohnsitz eines Regenten konzipiert. Des Weiteren ist es strittig, ob es sich bei Gwailor aufgrund der Größe und der vielen zivilen Gebäude, die es beinhaltet, nicht doch eher um eine befestigte Stadt handelt. Wir haben uns aufgrund dessen entschlossen, dass die Burg zu Burghausen den Rekord längste Burg behalten darf. Für Gwailor würden wir eine neue Kategorie für das ’längste Fort’ vorschlagen, wenn der Unterschied zu einer befestigten Stadt deutlich gemacht werden kann.“ Somit ist für das Guinness-Buch diese Frage geklärt: Burghausen hat die längste Burg der Welt.

Rekord?

Die Stadt und die Schlösserverwaltung Bayern haben sich mit der längsten Burg der Welt angefreundet. Die Stadt Burghausen nutzt seit 13. Dezember 2011 den Superlativ in ihrem Logo.

Experten ergaben ein völlig anderes Ergebnis als das der Guiness-Redaktion: Vergleicht man systematisch diese beiden Festungsanlagen hinsichtlich des architektonischen Befundes, also der einzelnen Bauten und der damit verbundenen Funktionen, so stellt man fest, dass ausnahmslos alle Gebäudetypen, die die Burghauser Anlage als Burg kennzeichnen, auch in Gwalior vorhanden sind und sich keinerlei zivile Gebäude auf dem Areal befinden. Würde man umgekehrt dem dortigen riesigen Bauwerk auf dem Sandsteinplateau den Status einer Burg absprechen, müsste man dies dann auch für die Anlage in Burghausen tun. Mit ca. 2.590 Metern ist die Burg von Gwalior rund 2,5-mal so lang wie die Burg zu Burghausen. Laut Georg Reisinger hat Guinness World Records für den Fall, daß sich Fort Gwalior um die längste Burg bewerben sollte, zugesichert, daß Fort Gwalior unter der neuen Kategorie "Fort" geführt werden würde.

Literatur

Weblinks