Arnbruck

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Arnbruck
Das Wappen von Arnbruck


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Regen
Höhe: 581 m
Fläche: 37,90 km²
Einwohner: 2.025 (30. Juni 2013)
Postleitzahl: 93471
Vorwahl: 09945
Kfz-Kennzeichen: REG
Website: www.arnbruck.de
Erster Bürgermeister: Hermann Brandl
(SPD/Parteifreie Bürger)

Arnbruck ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Regen im Bayerischen Wald und staatlich anerkannter Erholungsort.

Die Pfarrkirche St. Bartholomäus und der sie umgebende Friedhof. (Foto: Weiß)

Lage

Arnbruck liegt im Zellertal am Fuß des Riedlsteins etwa 13 km nordöstlich von Viechtach, 15 km südwestlich von Lam, 12 km nordwestlich von Bodenmais sowie jeweils 24 km von der Kreisstadt Regen und von Zwiesel entfernt.

Ortsteile

Ortsteile sind Arnbruck, Asperhöhe, Auhof, Bach, Baumgarten, Exenbach, Gutendorf, Höbing, Hötzelsried, Lerchenholz, Niederndorf, Poschingerhütte, Rappendorf, Riedl, Röhrlhof, Schedlhof, Sindorf, Streit, Thalersdorf, Trautmannsried, Weidenhof und Wurz.

Geschichte

Herkunft des Ortsnamens

Sprachwissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass ein „Arno“ oder „Anno“ um 950 Namensgeber von Arnbruck gewesen sein könnte. Einen Graf Arno hat es jedoch nicht gegeben, da die ersten Grafen von Bogen erst um 1050 auftauchten.

Die Gründung

Arnbruck ist eine Gründung der Grafen von Bogen. Der Ort bildet den kirchlichen Mittelpunkt des Zellertals. Am 9. Juli 1209 übergab Graf Bertold III. das Dorf Arnbruck und die dortige Mutterkirche mit den Tochterkirchen Böbrach, Sackenried und Wettzell an das Kloster Niederaltaich. Der Grund dieser Schenkung: Weil die Grafen von Bogen als mächtiges Adelsgeschlecht in Südostbayern rücksichtslos das Kloster Niederaltaich erpresst und Besitzungen geplündert hatten, um sich Geldmittel zu beschaffen, drohte ihnen im Auftrag des Königs eine Anklage beim bayerischen Herzog in Straubing. Dem kamen sie mit einem Vergleich zuvor, „schenkten“ die Hofmark Arnbruck dem Kloster Niederaltaich gegen 70 Pfund Pfennige, zumal sie den neuen König Otto IV. nach Rom zu begleiten hatten, was damals durchaus lebensgefährlich war, behielten sich aber nach der Rückkehr die lebenslange Nutzung der geschenkten Güter vor. Arnbruck blieb klösterliche Hofmark bis zur Säkularisation 1803. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Arnbruck eines unter vielen Bauerndöfer in Niederbayern.

Arnbruck um 1900. Foto: Archiv Graßl.
Arnbruck um 1900. Foto: Archiv Graßl.

Der Weg zur kommunalen Selbstverwaltung

1808 wurden unter dem bayerischen König Max I. Josef und Minister Graf Montgelas zwei Gemeinde-Edikte erlassen, die verfügten, dass jede Stadt, jeder Markt und jedes größere Dorf mit den umliegenden Weilern und Höfen eine Gemeinde bilden sollte. So entstand die politische Gemeinde Arnbruck.

1818 erließ die neue Regierung ein zweites Gemeinde-Edikt, das jenes aus dem Jahr 1808 revidierte. Mit diesem Edikt wurde die „Verstaatlichung“ der Gemeinden gelockert und ein erster Schritt in Richtung kommunale Selbstverwaltung getan. Die Gemeinden erhielten nun ein Kollegium von Gemeindebevollmächtigten, das alle drei Jahre frei gewählt werden sollte.

Als am 3. September 1818 die Regierung des Unterdonaukreises den Entwurf zu den neuen Gemeinden genehmigte, waren die bis dahin selbständigen Gemeinden Hötzelsried, Kaitersbach und Rappenhof zur Gemeinde Arnbruck gekommen. Schon am 30. September fanden die ersten Gemeindewahlen statt.

Bauernbefreiung 1848

Erst seit 1848 können Bauern auf eigenem Land und Boden wirtschaften. Zuvor, in der Grundherrschaft, waren sie quasi Pächter des Landes, das ihnen der Grundherr (in Arnbruck erst die Grafen von Bogen und ab 1209 das Kloster Niederaltaich) gegen Abgaben und allerlei Pflichten verlieh. 1848 wurde die Grundherrschaft aufgehoben.

Steuer

Im Jahr 1254 zählte Arnbruck 22 Güter. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts kamen nur acht Anwesen hinzu. Zur steuerlichen Bewertung wurden sie nach dem Hoffuß eingeteilt. Das Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1808 nennt 4 ganze Höfe, 15 halbe Höfe, 3 Viertelhöfe, 5 Achtelhöfe, die Oswald-Sölde, das Schneiderhaus und das Gerichtsdienerhaus, beide ohne Hoffuß.

Wirtschaft

Foto: Weiß/Archiv-Gröller.

Die Land- und Forstwirtschaft bildete die Ernährungsgrundlage für die Bevölkerung. Hier arbeitete der größte Teil (1970 waren dies in Arnbruck noch 34 Prozent). Der Ertrag war gering: Im Jahr 1809 erntete man auf den 160 Tagwerk Ackerland rund um Arnbruck 140 Scheffel Roggen, 120 Scheffel Hafer und 40 Scheffel Weizen. Ausgesät hatten die Bauern 35 Scheffel Roggen, 30 Scheffel Hafer und 10 Scheffel Weizen. Für den Verbrauch standen also nur Dreiviertel der Ernte zur Verfügung. Große Bedeutung erlangte der Anbau von Kartoffeln, daneben Gunkeln und Dorschten sowie Rüben als Zwischenfutter für die Tiere. Der Flachsanbau diente der Gewinnung von Fasern für die Leinenherstellung. 1830/1832 wurden in Arnbruck jährlich 294 Zentner Flachs erzeugt; man war hinter Zachenberg und Geiersthal drittgrößter Flachsproduzent im Landgericht Viechtach.

Arbeit

Knechte und Dirnen

Foto: Weiß/Archiv-Gröller.

Weil alle Arbeiten mit der Hand ausgeführt werden mussten und erst nach dem II. Weltkrieg Kunstdünger zur Ertragssteigerung beitrug, waren viele Leute für kleinen Lohn beschäftigt. Nur die kleinsten Güter konnten im Familienbetrieb bewirtschaftet werden. Auf den meisten Höfen lebten und arbeiteten mindestens ein Knecht und eine Dirn als so genannte Dienstboten oder Gesinde. Die größeren Bauern hatten mehrere Knechte und Dirnen in ihren Diensten, die jeweils zu Mariä Lichtmess (am 2. Februar) ihren Dienstplatz wechselten, eingestellt oder weiter beschäftigt wurden.

Unter den Dienstboten gab es eine feste Rangordnung. Der Chef auf dem Hof war der Bauer. Nach ihm kam der Großknecht. Er wurde auch Rossknecht genannt, weil er für die Pferde zuständig war und den Pferdewagen fuhr. Das Arbeitsverhältnis war so geregelt, dass der Bauer anschuf, was zu tun war und der Oberknecht die Arbeit verteilte. Er führte nach dem Bauern das Ruder. Eine Stufe darunter standen der Unterknecht oder Ochsenknecht, der mit den Ochsen arbeitete, und zuletzt die einfachen Knechte.

Bei den Dirnen herrschte die gleiche Einteilung nach Ober- und Unterdirn. Gab es mehrere Dirnen, so hatten sie die Stellung der Großdirn, Mitterdirn und der kleinen Dirn. Außerdem gab es noch das „Hausdeandl“, das der Bäuerin im Haus zur Hand ging.

Um 1900 schwankte der Lohn eines Knechts zwischen 150 und 200 Mark pro Jahr neben freier Kost, die Dirn erhielt zwischen 80 und 120 Mark und freie Kost.“

Häuslleute

Um 1830 halfen neben den Dienstboten die so genannten Häuselleute als Taglöhner. Sie wohnten in den Inhäusern, die zum Hof gehörten.

Ihre Aufgaben waren das Wirtschaften auf den Höfen, die vielfältigen Arbeiten im Jahreskreis, den Wechsel von Feldbereitung, Aussaat und Ernte, die gefährliche Holzarbeit und die vielen Neben- und Zuerwerbe, mit denen sich die kleinen Bauern durchs Leben schlugen. Nicht zuletzt auch die vielen kleinen und großen Bräuche, die sich mit der Arbeit herausgebildet hatten.

Als ortsüblichen Taglohn setzte der Arnbrucker Gemeindeausschuss am 14. April 1901 fest: 2 Mark für männliche Personen über 16 Jahre, 1 Mark für 14- bis 16-Jährige. Bei weiblichen Personen über 16 Jahren galt ein Tagessatz von 1 Mark.

Gemeindewappen

Bereits im Jahre 1926 hat das Bayerische Staatsministerium des Innern mit Ministerialentschließung vom 18. August 1926 der Gemeinde das Wappen verliehen. Die Brücke ist dabei ein redendes Bild für -bruck, das Ortsnamengrundwort. Der grüne Dreiberg im darüber schwebenden Schildchen deckt sich mit dem alten Wappen des Benediktinerstifts Niederalteich und erinnert an die Frühgeschichte der Gemeinde, als der Ort Ennebruck 1209 durch Schenkung Graf Bertolds von Bogen an das Kloster kam und Mittelpunkt einer Klosterhofmark wurde, die bis zur Säkularisation 1803 Bestand hatte.

Gemeindegebietsreform

Im Zuge der bayerischen Gemeindegebietsreform kam am 1. Mai 1978 der größte Teil der einstigen Gemeinde Niederndorf mit den Dörfern Niederndorf, Gutendorf und Sindorf, sowie dem Weiler Riedl und der Einöde Streit (insgesamt 180 Einwohner, 680 ha Gemeindefläche) aus dem Landkreis Kötzting zur Gemeinde Arnbruck.

Zum selben Zeitpunkt wurde die Verwaltungsgemeinschaft Zellertal mit den Gemeinden Arnbruck und Drachselsried gebildet, die aber zum 1. Januar 1980 wieder aufgehoben wurde.

Politik

Bürgermeister

  • 1. Bürgermeister ist Hermann Brandl (SPD/Parteifreie Bürger). Er ist seit 1990 im Amt und wurde 2014 gegen zwei Mitbewerber mit 57,87 Prozent wiedergewählt.

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 14 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister) und folgende Sitzverteilung:

  • SPD/Parteifreie Bürger: 6 Sitze + 1. Bürgermeister (2008: 6)
  • CSU: 6 Sitze (2008: 5)
  • FW Arnbruck: 2 Sitze (2008: 2)

2008 war zudem die WG Umland mit 1 Sitz im Gemeinderat vertreten.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Liebfrauenkapelle Arnbruck wurde von Wolfgang Schleiderl erbaut und macht durch die nachgesagten Legenden auf sich aufmerksam.
  • Auch die Pfarrkirche St. Bartholomäus in Arnbruck ist ein Gotteshaus mit einer sehr langen und wechselvollen Geschichte: In der Schenkungsurkunde vom 9. Juni 1209 findet die Pfarrei und die Pfarrkirche St. Bartholomäus die erste nachgewiesene Erwähnung. Arnbruck war bereits im 13. Jahrhundert eine eigenständige Pfarrei und bildete den kirchlichen Mittelpunkt des Zellertals. Nach zahlreichen Renovierungen ist die Pfarrkirche mit vielen künstlerischen Werken, Skultpuren und einer prächtigen Kanzel von bekannten Künstlern ausgestattet.
  • Glasdorf Weinfurtner

Bildung und Erziehung

  • Grundschule Arnbruck
  • Kindergarten St. Josef
Sechs Mann, die für die Wald-Vereinssektion Arnbruck 1974 das Waldschmidt-Denkmal auf dem Riedelstein renoviert haben: Georg Penzkofer, der Ecker Rossknecht Karl, Xaver Vogl, Georg Schrötter, Sektionsvorsitzender Alois Gröller und Otto Mühlbauer. Fotografiert hat die Arbeiter Oskar Bauer. Repro: Weiß.

Persönlichkeiten

Vereine

Waldverein Sektion Arnbruck

Der Waldverein entstand am 13. November 1911 aus dem Verschönerungsverein Arnbruck. Er bildet eine Sektion des Bayerischen Wald-Vereins. Die Aufgabe des Vereins ist es „die Kenntnisse des Bayer- und Böhmerwaldes zu erweitern und zu verbreiten, deren Bereisung zu erleichtern, für die Hebung der landschaftlichen Schönheiten zu sorgen und den Fremdenverkehr in Arnbruck zu heben und zu fördern“ (aus dem Gründungsprotokoll).

Weitere Vereine

  • Arnbrucker Theatergruppe
  • Bergwacht Arnbruck
  • CSU-Ortsverein Arnbruck
  • FFW Arnbruck
  • Förderkreis Volksmusik Arnbruck
  • Freie Wähler Arnbruck
  • Gartenbauverein Arnbruck
  • Imker-Verein Arnbruck
  • Kaninchenzuchtverein Arnbruck
  • Motorradfreunde Arnbruck
  • Arnbrucker Viergsang
  • Arnbrucker Seniorenkreis
  • Kath. Frauenbund Arnbruck
  • Kindergarten-Förderverein
  • KLJB Arnbruck
  • Krieger- und Reservistenverein Arnbruck
  • SPD-Ortsverein Arnbruck
  • Sportverein Arnbruck
  • Tennis-Club Arnbruck
  • Wasserwacht Arnbruck
  • Zellertalschützen Arnbruck

Literatur


Städte und Gemeinden im Landkreis Regen
Wappen Landkreis Regen.png

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