Anton Niederleuthner jun.

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Anton Niederleuthner jun.
Denkmal für Niederleuthner auf Oberhaus.

Anton Niederleuthner jun. (* 17. Dezember 1846 in Passau; † 7. Juli 1907 im Stahlbad Bergfried, Passau) war ein königlicher Oberamtsrichter in Passau. Er war Sohn des Gastwirts Anton Niederleuthner und Bruder von Josef Niederleuthner.

Er ist Ehrenbürger der Stadt Passau und außerdem Namensgeber der Anton-Niederleuthner-Brücke über die Ilz sowie des Niederleuthnersteigs am Georgsberg. Bei der Veste Oberhaus, nahe des Aussichtsturms, erinnert heute auch ein Gedenkstein an ihn. Niederleuthner war ebenfalls maßgeblich an der Gründung des Bayerischen Waldvereins beteiligt.

Leben und Wirken

Anton Niederleuthner wurde am 17. Dezember 1846 in Passau als Sohn der Wirtsleute des „Wilden Manns“ geboren. Er besuchte das Gymnasium Leopoldinum in Passau und studierte anschließend in München Rechtswissenschaften. In der Folge wirkte er bis 1891 als Richter in Passau. Neben der gewissenhaften Ausübung seines Amtes setzte er sich für Passau ein, weshalb er bereits mit 41 Jahren – am 20. April 1887 – zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Wirken im Deutsch-Französischen Krieg

Als Rechtspraktikant schloss er sich zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges im Jahr 1870 mit einigen seiner Freunde dem Akademischen Gesangsverein in München, einer freiwillig gebildeten Sanitätskolonne, an. Diese hat besonders in den Schlachten von Weißenburg, Wörth und Sedan in der Pflege von Verwundeten und kranken Außerordentliches geleistet. Als während des Krieges in Deutschland für die Soldaten so genannte „Liebesgaben“ gesammelt wurden, zeigte sich zum ersten Male das große organisatorische Talent Niederleuthners. Er leitete den Transport dieser Gaben von Passau bis nach Frankreich. Den letzten derartigen Transport begleitete er sogar bis aufs Schlachtfeld. Nach diesem Transport meldete sich Niederleuthner wieder bei der freiwilligen Krankenpflege und versah diese Aufgabe bis zum Ende des Krieges. Für seinen Einsatz für das Wohl der Soldaten wurde ihm von König Ludwig II. das Militärverdienstkreuz mit Schwertern verliehen. Nach Beendigung des Krieges begann er seine richterliche Tätigkeit in Mallersdorf, von wo er einige Jahre später in seine Heimatstadt Passau versetzt wurde.

Gründung der Waldvereins-Sektionen

Anton Niederleuthners bedeutendste Tat ist wohl die Gründung des Bayerischen Waldvereins, die auf das Jahr 1883 und eine erste Besprechung mit Forstleuten in Bodenmais zurückgeht. Der junge Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, für den bisher nur wenig besuchten Bayerischen Wald Freunde und Gäste zu werben, gedieh rasch und kräftig und zählte bald 2.500 Mitglieder. Niederleuthner konnte auch die damaligen Passauer Bischöfe und andere namhafte Persönlichkeiten für die Waldvereinssache gewinnen. Am 22. August 1885 wurde Niederleuthner zu seinem ersten Präsidenten gewählt, machte Passau zu dessen Sitz und leitete ihn über 20 Jahre mit leidenschaftlichem Eifer. Auf ihn geht das heute noch verwendete Vereinsemblem mit Arnikablüte und Farnkraut zurück. Er gab zusammenmit dem Hoffotografen Alfons Adolph ein großes Waldvereins-Album heraus. Auf seine Veranlassung und mit seiner Unterstützung erschien auch eine Landkarte des Bayerischen Waldes.

Eine Woche nach der Gründung der ersten Waldvereins-Sektion in Passau, eröffnete er zudem auf der Festung und damaligen Militärstrafanstalt Oberhaus das Waldvereins-Museum. Dieses ist der Vorläufer des jetzigen Oberhausmuseums. Im Jahr 1896 übte Niederleuthner außerdem die Funktion des Landeskommissärs für Niederbayern bei der Bayerischen Landesausstellung in Nürnberg aus. Als solcher war er es, der den Passauer Raum erstmals als Fremdenverkehrsgebiet vorstellte.

Niederleuthner gründete insgesamt über vierzig Waldvereins-Sektionen als „Ortsverbände“.

Sonstiges Engagement

Trotz des großen Zeitaufwandes, den Niederleuthner für seinen Waldverein zu leisten bereit war, konnten auch andere soziale und gesellschaftliche Passauer Vereinigungen auf ihn zählen. Mit großer Aktivität und stets offener Hand arbeitete er eifrig in der „Sanitätskolonne“ mit; bei Prinzenempfängen und Illuminationen, Feuerwerken und Stadtfesten durfte die Kommune immer mit seiner tätigen und finanziellen Hilfe rechnen. Besonders hatte er den damals stillen Markt Hals im Ilztal in sein Herz geschlossen, dessen Entwicklung zum viel besuchten Badeort er nachhaltig förderte.

Ein ganz besonderer Glücksfall für die Stadt Passau sollte Niederleuthners Freundschaft mit dem Historienmaler Ferdinand Wagner werden. Diesem wurde 1886 die Ausmalung der Rathaussäle seiner Vaterstadt übertragen. Das Darstellungskonzept dafür hatte Wagner zusammen mit Niederleuthner entworfen. Desweiteren riefen die beiden Freunde im Jahre 1887 das Ilzer Haferlfest ins Leben. Niederleuthner sorgte ferner auch für die große Popularität des Passauer Tölpels , den er 1884 aus einem Lokal in der Altstadt rettete und in sein Waldvereins-Museum auf Oberhaus brachte.

Von 1887 bis 1902 war er ehrenamtlicher Verwalter des Lukas-Kern-Waisenhauses. 1906 eröffnete er zusammen mit seinen Geschwistern eine Stiftung für hilfsbedürftige Kinder in der Stadt Passau.

Verleihung der Ehrenbürgerwürde

Das vielseitig fruchtbare Wirken des hochverdienten Mannes fand seine vornehmste Auszeichnung durch Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Passau am 20. April 1887. Zusammen mit seinem Freund Ferdinand Wagner wurde ihm am 3. November 1888 in der Feier zur Fertigstellung und Eröffnung des kleinen Rathaussaals die Ehrenbürgerurkunde der Stadt überreicht.

Wie viele hohe Orden und Ehrenzeichen der verdienstvolle Oberamtsrichter a.D. eigentlich besessen hatte, wurde den Passauern erst so richtig bewusst, als die Todesanzeigen der Zeitungen sein am 7. Juli 1907 im Stahlbad Bergfried erfolgtes Ableben vermeldeten. Im selben Rathaussaal, in dem er Ehrenbürger geworden war, versammelten sich sechs Tage danach unter dem Geläut der Glocken des neuen Rathausturmes Magistrat- und Gemeindeverordnete zu einer feierlichen Trauersitzung, bei der Bürgermeister Hofrat Josef Muggenthaler die außerordentlich großen Verdienste des Verstorbenen würdigte. Alle Passauer Zeitungen widmeten ihm ehrende Nachrufe.

Anton Niederleuthner wurde in der Familiengrabstätte im Hochfriedhof Passau beigesetzt.

Auszeichnungen

  • Königlich-bayerischer Verdienstorden vom Hl. Michael, IV. Klasse
  • Ehrenkreuz für 20-jährige freiwillige Krankenpflege
  • Militärverdienstkreuz mit Schwertern
  • Ehrenbürger der Stadt Passau (1887)

Literatur