Alois Jurkowitsch

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Alois Jurkowitsch, Aufnahme von 2017 (Foto: Josef Lang)

Alois „Lois“ Jurkowitsch (* 12. März 1948 in Suben, Oberösterreich) ist ein bayerisch-oberösterreichischer Fotograf und Objektkünstler. Er lebt und arbeitet in Passau und gilt als Original und Lebenskünstler.

Leben und Wirken

Studium und Ausbildung

Der im oberösterreichischen Innviertel geborene Jurkowitschs zog im Alter von Jahren mit seiner Familie aus Suben nach Taufkirchen an der Pram auf den Bauernhof eines Onkels gezogen. In Taufkirchen hat er die Volksschule besucht. Mit 14 Jahren ist Jurkowitsch auf Empfehlung an die Bischöfliche Lehrerbildungsanstalt der Marianisten in Linz gekommen, wo er 1967 die Matura mit Auszeichnung ablegte und zugleich die Befähigung zum Grundschullehrer erlangte. Von 1967 bis 1969 studierte er in Wien Psychologie, Pädagogik und Publizistik. 1970 bis 1972 war er (ohne Abschluss) an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 1972 lebt er in Passau.

Berufliche Tätigkeit

Grundlagen für seinen Lebensunterhalt hat sich Alois Jurkowitsch immer wieder als Fotograf beschafft, als Künstler ist er in der Region Passau seit 1980 in Ausstellungen präsent. In den frühen 1980er Jahren hat er bei der bauhistorischen Erfassung der bürgerlichen Passauer Baudenkmäler dem Bauhistoriker Michael H. Korte und dem Restaurator Sebastian Roser als Fotodokumentar zugearbeitet. Im Zuge dieser monatelangen Arbeit in den Altstadthäusern wandte er sich den Dingen zu, die dort eingestellt, gelagert und verbaut waren. Er betrachtete diese Dinge als Zeitzeugen und begann sie zu sammeln.

Altstadthof in Passau, analoges Lichtbild (auf Baryt), 1984 (Privatsammlung)

Jurkowitschs Lichtbilder (einige davon befinden sich als Baryt-Handabzüge in privaten und öffentlichen Sammlungen) dokumentieren Bauensembles und Baudetails, Läden und Ladeninhaber in der Zeit vor der Sanierung und umfassenden touristischen Erschließung der Altstadt Passaus. Fotografien dieser Zeit hat er 1984 im Andreas Haller Verlag (später Karl Stutz Verlag) unter dem Titel „Hausmeisterkunst“ veröffentlicht.

Jurkowitschs bildnerische Werke sind Installationen oder – im aktuellen Kunst-Jargon – Storage-Bilder, außerdem Fotografien von Fundstücken. Jurkowitsch sammelt Sachen und arrangiert sie nach ästhetischen Grundsätzen oder unter anekdotischer Zielsetzung.

„Das ist Jurkowitschs Kunst: Dem Nichtigen gibt er Wert und Würde durch Transformation. Diese Transformation kann der Wandel vom Dinglichen ins Lichtbild sein, sie kann geschehen, indem er ihnen einen Rahmen gibt, sie hinter Glas birgt, oder er schafft sie durch Montage oder rhythmisches Arrangement.“ (Martin Ortmeier)

Manche Fundstücke arrangiert er in ausrangierten Schubläden, in verglasten Kästchen oder frei zu aufrechtstehenden Werken, sogenannten künstlerischen Objekten. Die Kulturgeschichte stellt Gattungsbegriffe für diese Art Werke bereit, die Alois Jurkowitsch schafft: Eingericht oder Kastenbild und Bildstock.

Unter dem Namen „Dreikreizl Stockmanufaktur“ stellt Jurkowitsch Spazier-, Wander- und Würdestöcke her (ausgestellt unter anderem 2017 in der Sankt Anna-Kapelle). Er sammelt dazu Naturholz und bearbeitet und schmückt dies in traditioneller Weise, sich ganz in die Tradition des Primitivismus der modernen Kunst einfügend.

„Wir begegnen Lois Jurkowitsch en passant in Passaus Altstadt, im ‚Gasthaus Hofragner‘, im ‚Unterhaus‘, im ‚Museumscafé‘ des Museums Moderner Kunst. Wir erleben ihn oft scheinbar untätig. Jurkowitsch ist Flaneur, Connaisseur. Er ist ein Schelm, der uns den Spiegel vorhält. Er kennt vieles, was wir gar nicht wahrnehmen, er sieht das Schöne, das Eigentümliche im Unwerten, im Verworfenen, im So-oder-so-Gewordenen. Er hat diesen Phänomenen, deren Ästhetik im Verborgenen, nein vielmehr im Offensichtlichen, jedoch lediglich nicht Bemerkten liegt, seine Aufmerksamkeit geschenkt. Seine Werke helfen uns, auch zu sehen.“ (Martin Ortmeier)

1998 war er neben Waltraud Danzig, Hubert Huber, Michael Lauss und Christian Zeitler, an der von Martin Ortmeier organisierten Kunstaktion Holzofen auf der Veste Oberhaus beteiligt.

Aufschluss (vulgo), Assemblage aus handwerklich gefertigten Kastenschlössern, digitales Lichtbild, 2016

Ausstellungen (Auswahl)

  • Realistische Bilder, Galerie der Freien Kinos, Wien 1972
  • Nachtstücke, Kleine Galerie am Residenzplatz (Horst Stauber), Passau 1980
  • Fundstellen, Galerie im Scharfrichterhaus, Passau 1981
  • Fenster, Galerie im Scharfrichterhaus, Passau 1983
  • Hanfdämonen und Haselgeister (mit Monika Kasimirow), Galerie Maerz, Linz 1983
  • Hanfdämonen …, Galerie Gegenwart, Straubing 1983
  • Passion, Galerie im Scharfrichterhaus, Passau 1984
  • Hausmeisterkunst, Cordonhaus Cham, 1985
  • Rauchgaszug „Minne“ bei der Kunstaktion Holzofen, Veste Oberhaus, Passau 1996
  • Lois Jurkowitsch – Photographie 1984–2000, Galerie am Steinweg (Horst Stauber), Passau 2002
  • 15 Tage im Leben der Boheme (Beteiligung), Bananapark, Landau an der Isar, 2002
  • Fundstücke, Galerie am Steinweg (Horst Stauber), Passau 2006
  • Objekte, Galerie am Steinweg (Horst Stauber), Passau 2009
  • Hausmeisterkunst, Galerie Truktschechtarow (Till Hofmann) in München, 2011
  • Rostdrucke von Lois Jurkowitsch, Schaufenstergalerie Rotthalmünster, 2012
  • Fluss Ufer Stock, Sommergalerie Zöbing, Zöging am Kamp 2013
  • Grenzen (mit Rudolf Klaffenböck), Sankt Anna-Kapelle (Kunstverein Passau), Passau 2017
  • Eisenherz – Alois Jurkowitsch Fotos und Objekte, Schloss Obernzell (Kunst- und Kulturverein Obernzell) 2017
  • Die Kunst des Verfallenden (mit Peter Untermaierhofer), Stadtturmgalerie, Vilshofen 2018

Publikationen (Auswahl)

  • Alois Jurkowitsch – Fotos und Texte: Hausmeisterkunst. Passau 1984 (Andreas-Haller-Verlag)
  • Alois Jurkowitsch (Red. und Photos): Von alten und neuen Läden in Passau. Passau 1986 (Andreas-Haller-Verlag)
  • Alois Jurkowitsch (Photos): Es war einmal – Kindsein in Passau. In: Edith Rabenstein (Hg.), Passauer Almanach 6, Passau 2009

Literatur