Aids-Beratungsstelle Niederbayern

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Die Aids-Beratungsstelle Niederbayern ist eine Einrichtung des Freistaates Bayern in Passau.

Geschichte

Leiterin der Beratungsstelle Diplom-Sozialpädagogin (FH) Sabine Eggersdorfer

Im Jahr 1987 begann der Freistaat Bayern, psychosoziale Beratungsstellen zu fördern, die von freien Trägern der Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege eingerichtet wurden. Für jeden Regierungsbezirk in Bayern gibt es eine solche Beratungsstelle, in München mehrere. Am 1. Oktober 1988 wurde die AIDS-Beratungsstelle Niederbayern in Passau eröffnet. Sie ist die einzige ökumenische Beratungsstelle in Bayern - es gelang, mit dem Diakonischen Werk und der Caritas beide großen christlichen Kirchen einzubinden. Diese Zusammenarbeit erwies sich als bedeutsam, sie schuf eine breite Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung.

Monika Resch, Psychologin B.Sc. der Beratungsstelle

Mitarbeiter

Verwaltungsangestellte Barbara Schranner

Die Passauer Beratungsstelle arbeitet seit ihrer Gründung mit einer Mindestbesetzung an Personal: einer Diplom Psychologin, einer Diplom Sozialpädagogin (FH) und einer Verwaltungsangestellten. In Landshut leitet eine Honorarkraft die Arbeit ehrenamtlich Mitarbeitender in der Prävention an.

Seit Bestehen der Beratungsstelle haben aber auch über 130 ehrenamtliche Mitarbeiter daran mitgewirkt oder wirken immer noch mit. Das Alter reicht von aktuell Anfang 20 bis über 60. Es gibt Ehrenamtler-Gruppen in Passau und in Landshut mit monatlichen Treffen. Hier werden anstehende Aktionen besprochen und gelaufene Veranstaltungen reflektiert. In Passau treffen sich auch diejenigen, die Infizierte begleiten einmal monatlich.

Die Bedeutung der Ehrenamtler für die Aids-Beratungsstelle ist hoch. Ohne sie kann wesentlich weniger in der Prävention gemacht werden. Auch die Begleitung von Betroffenen als Maßnahme gegen die Einsamkeit und als Ersatz für ein soziales Netz wäre nicht in dem Umfang möglich.

Ziele der Aids-Beratungsstelle

Honorarkraft Christiane Klein

Ziele der Aids-Beratungsstelle sind:

  • Reduzierung von Neuinfektionen
  • Realistischer und eigenverantwortlicher Umgang mit der HIV-Infektion und den HIV-Infizierten
  • Abbau von Ausgrenzung, Diskriminierung und Förderung der Solidarität mit HIV-infizierten Menschen
  • Respektvoller Umgang mit HIV-Infizierten Menschen und Unterstützung menschenwürdiger Lebensbedingungen
  • Förderung eines ganzheitlichen Verständnisses von Aids

Aufgaben der Aids-Beratungsstelle

Die Aufgabenstellung der Aids-Beratungsstelle lässt sich in vier Schwerpunktbereiche gliedern

  1. Prävention und Aufklärung
  2. allgemeine Beratung der Bevölkerung
  3. die Begleitung infizierter Menschen und ihres Umfeldes
  4. Fachstellenkompetenz für andere Beratungsstellen und Dienste

Prävention und Aufklärung

Aufklärung und Prävention bilden einen sehr wesentlichen Teil der Arbeit. Solange Aids nicht heilbar ist, kann nur Prävention dabei helfen, eine weitere Ausbreitung der HIV-Infektion einzudämmen. Prävention ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, weil in der Bevölkerung HIV und Aids als Gefährdung nicht mehr im ausreichenden Maße wahrgenommen wird. Durch die antivirale Therapie entsteht missverständlich der Eindruck, Aids sei heilbar oder zumindest „nicht mehr so schlimm“.

Die Methoden von Aufklärung und Prävention sind:

  • Gesprächsgruppen
  • Aufsuchende Präventionsarbeit (z. B. Kneipen, Diskotheken, Szene)
  • Informationsstände
  • Öffentliche Veranstaltungen (z. B. Lesungen, Galas, Filmreihen)
  • Ausstellungen, Kunstprojekte
  • Mitmachprojekte
  • Beratung für Referate und Diplomarbeiten

Zielgruppenspezifische Informations- und Aufklärungsveranstaltungen

Generell soll die sexuell aktive Bevölkerung erreicht werden. Besonders wichtige Zielgruppen sind dabei jedoch erstens die heranwachsende Bevölkerung (Jugendliche, Schüler und Auszubildende erforschen den Bereich der Sexualität erst und können deshalb leichter lernen, verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen), zweitens Hauptbetroffenengruppen (homosexuelle und bisexuelle Männer, intravenös Drogenabhängige, Migrantinnen und Migranten; sie sind einem erhöhten Gefährdungspotenzial ausgesetzt, weil in ihrer Gruppe HIV-Infektionen vermehrt vorkommen) sowie drittens Sextouristen (sie gehen häufig ein erhöhtes Risiko ein).

Schulung von Multiplikatoren und Berufsgruppen

Einige Berufsgruppen kommen mit höherer Wahrscheinlichkeit in Kontakt mit infizierten Menschen. Andere müssen gut informiert sein und sich mit der Problematik HIV und Aids auseinander gesetzt haben, um dieses Wissen als Multiplikatoren weitergeben zu können. Wichtige Multiplikatoren sind auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstellen.

Öffentlichkeitsarbeit

Da die Arbeit der Aids-Beratungsstellen eher im Stillen stattfindet, ist Öffentlichkeitsarbeit erforderlich, um sie transparent zu machen und die Angebote der Beratungsstelle aufzuzeigen. Die Thematik Aids soll im Bewusstsein der Bevölkerung verankert und das gesellschaftliche Klima positiv beeinflusst werden. Zudem wird über massenmediale Information regelmäßig auf neue Entwicklungen hingewiesen und die Bevölkerung sensibilisiert. Durch Medienarbeit (Zeitung, Radio, Fernsehen), Plakate und Flyer, eigene Broschüren oder Internet werden dabei breite Bevölkerungskreise erreicht, die nicht im persönlichen Kontakt zur Beratungsstelle stehen.

Allgemeine Beratung der Bevölkerung und des dienstlichen Umfeldes

Die Fachstellen der Beratungsstelle.

Das Angebot der allgemeinen Beratung richtet sich an alle Menschen, die Fragen zu Aids haben. Ziel ist es, zu informieren und Ratsuchende zu einem realistischen und eigenverantwortlichen Umgang mit HIV und den Infektionsrisiken zu befähigen.

Allgemeine Beratung beinhaltet daher:

  • die Vermittlung eines angemessenen Wissenstandes über die HIV-Infektion
  • die intensive, auch emotionale Auseinandersetzung mit Aids
  • die Verbesserung der Motivation zu selbst- und fremdschützendem Verhalten
  • die Vermittlung notwendiger und hinreichender Schutzmaßnahmen zur Verhinderung von Neuinfektionen

Begleitung infizierter Menschen und ihres Umfeldes

Zentrale Aufgabe ist die psychosoziale Beratung und Begleitung HIV-infizierter Menschen und ihrer Angehörigen. Diese Menschen sind von einer lebensbedrohlichen übertragbaren Krankheit betroffen und mit gravierenden sozialen, psychischen, gesundheitlichen und materiellen Problemen konfrontiert. HIV-infizierte Menschen müssen sich nicht nur mit ihren eigenen Ängsten und Nöten auseinandersetzen, sondern sind darüber hinaus mit den Ängsten und Vorurteilen ihrer Umwelt konfrontiert. Die Auseinandersetzung mit der eigenen bzw. der Infektion von Angehörigen ist ein lebenslanger Prozess. Vor allem aber führen die Sorge um den Gesundheitszustand und die Krankheitsprognose sowie die Frage nach Therapiebeginn, Therapiemanagement und Nebenwirkungen oft zu außergewöhnlichen Belastungen.

Dabei stehen die Aids-Beratungsstellen den Betroffenen und ihren Angehörigen zur Seite und bieten ihnen einen geschützten Rahmen. Ziel ihrer Arbeit ist es, ein soziales Netzwerk aufzubauen und den Menschen in dieser schwierigen Lebenssituation professionelle psychosoziale Hilfe zu geben beim Versuch...

  • sich mit den oben beschriebenen Problemen auseinander zu setzen
  • ihre Probleme zu lösen und ihre Lebensqualität zu sichern
  • mit Infektionsrisiken dauerhaft erfolgreich umzugehen (safer sex, safer use)
  • eine positive Perspektive für ihr Leben zu entwickeln

Fachstellenkompetenz für andere Beratungsstellen und Dienste

In ihrer Arbeit sind die psychosozialen Aids-Beratungsstellen zu anerkannten Fachstellen geworden. Sie sind kompetent für die klassischen Arbeitsfelder Prävention, Beratung und Begleitung. Sie loten in enger Kooperation den Bedarf an Aktivitäten und Einrichtungen für Betroffene aus, um eine HIV-spezifische Versorgungsstruktur aufzubauen. Außerdem verstehen sie sich als Anwalt einer adäquaten Behandlung der Aids-Thematik in Gremien, Verwaltungen, Verbänden und politischen Vertretungen.

Beratender Arzt

Dr. med. Thomas Sternfeld

Die Beratungsstelle arbeitet eng mit dem Infektiologen Dr. med. Thomas Sternfeld zusammen. Auf kurzem Dienstweg wird versucht, gemeinsamen Patienten und Klienten schnell und interdisziplinär zu helfen und zu unterstützen. Ebenso ist es ein gemeinsames wichtiges Anliegen, die Schwierigkeiten von HIV-positiven Menschen im ländlichen Raum aufzudecken und bessere Strukturen für diese zu schaffen. Kontakt:

Dr. med. Thomas Sternfeld
Infektiologe, Hämatologe & Onkologe, Gastroenterologe & Hepatologe, Internist, Reisemediziner
Praxis für innere Medizin
Luitpoldstraße 58
84034 Landshut
Telefon: 0871/6601970
Fax: 0871/66019719
Email: info@praxis-sternfeld.de
web: www.praxis-sternfeld.de
Sprechzeiten: Mo. - Fr. 9:00 - 12:00 Uhr, Montag 15:00 - 17:00 Uhr, Donnerstag 17:00 - 19:00 Uhr, sowie nach Vereinbarung
sowie nach Vereinabarung

Grundsätze der Aids-Arbeit

Aids geht alle an

HIV/Aids geht jeden an und kann jedes Individuum, jede Familie, jede Gruppe, jede Organisation betreffen. Demnach richten sich die Angebote der Aids-Beratungsstellen prinzipiell an die gesamte Bevölkerung Bayerns.

Niedrigschwelligkeit und Anonymität

Die Angebote der Aids-Beratungsstellen sind kostenlos und auf Wunsch anonym. Die Möglichkeit telefonischer Beratung, die Bereitschaft zur aufsuchenden Arbeit und die Vermeidung von langen Wartezeiten stellen sicher, dass möglichst vielen Menschen die Angebote der Aids-Beratungsstellen unmittelbar zugänglich sind.

Freiwilligkeit

Die Inanspruchnahme der Angebote der Aids-Beratungsstellen basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.

Vertraulichkeit und Schweigepflicht

Die Wahrung der Schweigepflicht, der vertrauliche Umgang mit persönlichen Daten und die Wahrung des Persönlichkeitsschutzes haben höchste Priorität.

Fachkompetenz

Die Mitarbeiter der Aids-Beratungsstellen haben neben ihrer persönlichen Eignung eine ihrem Einsatzgebiet entsprechende Fachqualifikation. Teamarbeit, Supervision und regelmäßige Fortbildung der Mitarbeiter sind selbstverständlich.

Kooperation/Vernetzung

Es wir die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit HIV/Aids angestrebt, durch eine personenbezogene und institutionelle Zusammenarbeit und Vernetzung aller an der Versorgung der Klienten Beteiligten.

Ganzheitlichkeit von Beratung/Begleitung

Beratung und Begleitung wird als ganzheitlich angesehen und die Gesamtpersönlichkeit, die Lebenssituation und das soziale Umfeld werden miteinbezogen.

Kooperationspartner der Aids-Beratungsstelle

Vernetzung der Aids-Beratungsstelle.

Eine Vernetzung und Zusammenarbeit ist im Aids-Bereich unumgänglich. Die wesentlichen Kooperationspartner sind dabei die Gesundheitsämter in Niederbayern. Sehr wichtig ist aber auch die Zusammenarbeit auf Bayernebene mit anderen psychosozialen Beratungsstellen und mit Aids-Schwerpunktmedizinern und –kliniken. Kontakte dienen der Versorgung infizierter Menschen in den Bereichen, in denen Fachberatung notwendig ist, der Hilfe zur medizinischen und pflegerischen Versorgung, der rechtlichen Sicherstellung und der finanziellen Hilfe.

Fazit und Ausblick

Medizinisch gab es große Fortschritte. Die Diagnose „HIV-positiv“ bedeutet heute nicht mehr, dass man in absehbarer Zeit sterben wird. Es ist zu erwarten, dass sich auch in den nächsten Jahren die Medikamente weiterhin verbessern.

Trotzdem ist Aids keine Krankheit wie andere. Die Menschen, die infiziert sind, haben immer noch berechtigte Ängste, dass sie diskriminiert, stigmatisiert und ausgegrenzt werden, wenn ihre Infektion bekannt wird. Hier liegt der wesentliche Grund, warum Aids-Beratungsstellen weiter gebraucht werden – um Menschen psychisch zu begleiten und um aufzuzeigen, warum es sich lohnt, sich davor zu schützen. Auch in der Prävention ist die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und der Kontakt zu Einrichtungen, die uns in ihrem Rahmen Aufklärung ermöglichen notwendig.

Sprechzeiten

  • Montag - Freitag: 09:00 bis 13:00 Uhr

Weitere Termine sehr gerne nach telefonischer Vereinbarung.

Kontakt

Aids Informations- und Beratungsstelle Niederbayern
Bahnhofstraße 16b
94032 Passau

Telefon: +49 851 71065
Fax: +49 851 71066

Homepage: www.aidsberatung-niederbayern.de
E-Mail: beratung@aidsberatung-niederbayern.de oder kontakt@aidsberatung-niederbayern.de facebook: [1]