ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen

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Tagung der ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen mit (v.l.): Dr. Otto Kettemann, NN, Ariane Weidlich M.A., Bertram Popp, Heinrich Hacker M.A., Dr. Martin Ortmeier, Dr. Sabine Fechter, NN, Dr. Herbert Mai, Dr. Birgit Angerer, NN, Renate Bärnthol und Dr. Maximilian Böhm; 26. Juni 2014 (Photo: Archiv Martin Ortmeier)

Die ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen ist ein nicht institutionelles Zweckbündnis leitender Wissenschaftler nichtstaatlicher, insbesondere bayerischer Freilicht- und Freilandmuseen. 1995 wurde sie gegründet, seitdem hat sie acht aufwändige Wanderausstellung zu volkskundlichen und kulturgeschichtlichen Themen erstellt.

Die ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen fußt auf Kollegialität. Die Ausstellungsthemen werden einvernehmlich gewählt – nach langen und oft kontroversen Diskussionen. Als außerbayerisches Museum, und damit die Charakterisierung der ARGE als süddeutsch begründend, war bei der ersten Ausstellung und dann wieder ab 2013 das baden-württembergische Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackershofen beteiligt.

Mitglieder

In der ARGE finden sich Forscherinnen und Forscher zusammen, die in leitender Tätigkeit in süddeutschen Freilicht-, Freiland- und Bauernhofmuseen beschäftigt sind, u.a. Dr. Birgit Angerer (seit 2000), Renate Bärnthol (seit 2009), Jan Borgmann M.A. (seit 2003), Dr. Maximilian Böhm (seit 2003), Dr. Sabine Fechter (bis 2016), Heinrich Hacker M.A. (seit 2001), Michael Happe M.A. (seit 2013), Dr. Hermann Heidrich (bis 2000), Dr. Ralf Heimrath (bis 2008), † Lothar Hofmann M.A., Dr. Birgit Jauernig (sporadisch), Dr. Otto Kettemann (bis 2014), Dr. Herbert May (seit 2000), Dr. Martin Ortmeier (bis 2019), Bertram Popp, Juliane Sander M.A. (sporadisch), Gudrun Thiel M.A. (seit 2016) und Ariane Weidlich M.A. Neben Heidrich, Heimrath, Kettemann, Ortmeier, Popp und Weidlich zählte Albrecht Bedal, Leiter des Hohenloher Freilandmuseums Wackershofen zu den Gründern der ARGE.

Die Finanzierung und praktische Abwicklung der Ausstellungen und Kataloge leisten die Museen Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim (Mittelfranken), Freilichtmuseum Finsterau (Niederbayern), Fränkisches Freilandmuseum Fladungen (Unterfranken), Bauerngerätemuseum Ingolstadt-Hundszell, Freilichtmuseum Glentleiten (Oberbayern), Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren, Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz und Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen. Mehrfach assoziiert waren das Gerätemuseum Ahorn (Coburg), das Bauernmuseum Bamberger Land (Frensdorf) und das Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackershofen (Baden-Württemberg).

Für die Ausstellung, die sich Wetter und Klima widmen sollte, hatte sich 2013 ein bayerischer kommunaler Spitzenverband als Partner angeboten. Die Zusammenarbeit erwies sich als unvereinbar mit dem informellen Prinzip der ARGE und dem Ethos wissenschaftlicher Kollegialität. Sprecher der ARGE war bis 2019 Dr. Martin Ortmeier. Einige Ausstellungen erwiesen sich als visionär: im Jahr 2000 Fremde auf dem Land, als die Höhe der Asylbewerberzahlen politisch virulent war, im Jahr 2020, am Höhepunkt der Corona-Pandemie, Hygiene auf dem Land. Manche Ausstellung war vorrangig einer Themenidee verpflichtet, z.B. Volk, Heimat, Dorf – Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre, andere orientierten sich an den reichen Sammlungen der beteiligten Museen, z.B. Pracht, Prunk, Protz – Luxus auf dem Land (2009) und Sauberkeit zu jeder Zeit – Hygiene auf dem Land (2019). Eine logistische Herausforderung war echt, stark! – Naturstein im ländlichen Bayern (2011), bei der einige Tonnen Exponate von Ausstellungsort zu Ausstellungsort transportiert werden mussten.

Seit 2003 werden wissenschaftliche Volontärinnen und Volontäre zu den Arbeitstagungen beigezogen.

Titel der ARGE-Ausstellung des Jahres 2009
Titel der ARGE-Ausstellung des Jahres 20011
Titel der ARGE-Ausstellung des Jahres 2013

Ausstellungen

Die Verantwortung für die Realisierung der Ausstellungen – Gestaltung, konservatorische Überwachung, Textredaktion, didaktische Erschließung und Finanzabwicklung – wechselt rotierend. Mit der Ausstellung Gutes Wetter – Schlechtes Wetter hat sich 2013 Otto Kettemann aus der ARGE verabschiedet, mit Sauberkeit zu jeder Zeit – Hygiene auf dem Land im Jahr 2019 Martin Ortmeier.

  • Mägde, Knechte, Landarbeiter – Dienstboten auf dem Land, 1997 (Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackershofen)
  • Fremde auf dem Land, 2000 (Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen) – mit Beiträgen von Maria Bruckbauer über „Fremde Hände“ beim Gemüseanbau in Niederbayern und Martin Ortmeier über die Ziegler aus Friaul in Niederbayern
  • Auf der Hut – Hirtenleben und Weidewirtschaft, 2003 (Freilichtmuseum Finsterau)
  • Pracht, Prunk, Protz – Luxus auf dem Land, 2009 (Freilichtmuseum Glentleiten) – mit einem Beitrag von Martin Ortmeier über den Schrot am niederbayerischen Bauernhaus
  • echt, stark! – Naturstein im ländlichen Bayern, 2011 (Fränkisches Freilandmuseum Fladungen) – mit Aufsätzen von Winfried Helm über den Steinhauerstreik 1991/92 im Bayerischen Wald und Martin Ortmeier über die Herstellung von Granitpflastersteinen in Niederbayern
  • Gutes Wetter – Schlechtes Wetter, 2013 (Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren) ¬– mit einem grundlegenden Forschungsbeitrag über die Wiesenwässerung im Bayerischen Wald
  • Volk, Heimat, Dorf – Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre, 2016 (Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim) – mit einem Aufsatz von Simone Kuhnt über die letzten Kriegstage in Schönberg und Waldkirchen im Bayerischen Wald
  • Sauberkeit zu jeder Zeit – Hygiene auf dem Land, 2019 (Freilichtmuseum Finsterau) – mit Quellen zu einem Brunnenbau im Rottal von Martin Ortmeier

Die nächste Ausstellung, die, beginnend im Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackershofen, voraussichtlich 2023 auf Wanderschaft gehen wird, soll das Nutztier in der ländlichen Wirtschaft zum Thema haben.

Publikationen

Unter dem Reihentitel „Schriften Süddeutscher Freilichtmuseen“ sind sieben Bände erschienen, der erste Band Mägde, Knechte, Landarbeiter – Dienstboten auf dem Land wurde ohne Bandziffer publiziert. Die Seitengestaltung der Begleitbücher (Ausstellungskataloge) hat 1997 Hermann Heidrich (damals am Freilandmuseum Bad Windsheim tätig) entworfen, sie blieb, weil sie sich bewährt hat, bis heute weitgehend unverändert. Mehrere Kataloge hat der Zweckverband Niederbayerische Freilichtmuseen verlegt (Landshut; Gestaltung und Satz: Theorie & Praxis – Winfried Helm, Passau), die jüngsten der Michael Imhof Verlag (Petersberg). Herausgeber sind die langjährigen Mitglieder der ARGE, Redakteure waren bisher Hermann Heidrich, Ralf Heimrath, Herbert May und Martin Ortmeier. Der Band Volk, Heimat, Dorf – Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre ist dem Volkskundler und ARGE-Mitglied Lothar Hofmann M.A. (1957-2016) gewidmet, der Band Sauberkeit zu jeder Zeit – Hygiene auf dem Land dem Quellenforscher und langjährigen Referenten für die Freilichtmuseen der (bayerischen) Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Georg Waldemer. Die Begleitbücher tragen den Namen der jeweiligen Ausstellung im Titel und Untertitel. Die Auflagen sind vergriffen. Auf dem Markt sind noch folgende Bände:

  • Volk, Heimat, Dorf – Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayer der 1930er und 1940er Jahre, Petersberg 2016, ISBN 978-3-7319-0349-9
  • Sauberkeit zu jeder Zeit – Hygiene auf dem Land, Petersberg 2019, ISBN 978-3-7319-0837-1

Literatur

  • Martin Ortmeier: 20 Jahre ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen. In: Angerer, Birgit, Renate Bärnthol u.a. (Hgg.). Volk, Heimat, Dorf – Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre. 2016, S. 8-11
  • Martin Ortmeier: Sauberkeit zu jeder Zeit – Eine Ausstellung zur Zeitgeschichte der Hygiene auf dem Land. In: Passauer Kunst Blätter, Nr. 64 (2-2019), S. 22–27