Zwiesel

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Zwiesel
Das Wappen von Zwiesel


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Regen
Höhe: 580-750 m
Fläche: 41,14 km²
Einwohner: 9.713 (30. Juni 2011)
Postleitzahl: 94227
Vorwahl: 09922
Kfz-Kennzeichen: REG
Website: www.zwiesel.de
Erster Bürgermeister: Franz Xaver Steininger (parteifrei)

Zwiesel ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Regen und staatlich anerkannter Luftkurort. „Fein Glas, gut Holz sind Zwiesels Stolz“ lautet der Wahlspruch der Stadt.

Ihren Ruf als "Glasstadt" verdankt die Stadt der ansässigen Glasindustrie mit der Zwiesel Kristallglas AG und ihren Produktmarken Zwiesel 1873, SCHOTT ZWIESEL sowie JENAER GLAS, der traditionsreichen Kristallglasmanufaktur Theresienthal sowie weiteren zahlreichen Glasherstellungs- und Glasveredlungsbetrieben und vor allem auch der Glasfachschule.

Die Lage im Herzen des Bayerischen Waldes, der Waldreichtum der Umgebung, die intakte Natur und die gute Luft machen die Stadt zu einem vielbesuchten Urlaubsort.

Blick auf Zwiesel von der Einsiedelei aus

Inhaltsverzeichnis

Lage

Zwiesel liegt in einem weitläufigen Talkessel am Zusammenfluss des Großen und Kleinen Regen zum Schwarzen Regen am Fuß des Großen Arbers (1.456 m), des Großen Falkensteins (1.315 m) und des Kiesruck (1.265 m) sowie am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald. Die Kreisstadt Regen, mit der Zwiesel ein gemeinsames Mittelzentrum in der Region Donau-Wald bildet, liegt etwa 10 km südwestlich von Zwiesel. Zum Grenzübergang nach Tschechien in Bayerisch Eisenstein sind es 15 km.

Zur Stadt Zwiesel gehören auch das Kirchdorf Rabenstein sowie die Stadtteile Lichtenthal und Theresienthal, die Dörfer Bärnzell, Griesbach, Innenried, Klautzenbach, Zwieselberg und der Weiler Glasberg.

Geschichte

Anfänge

Zwiesel liegt an einem uralten Handelsweg, dem Böhmweg, der von der Donau nach Böhmen führte und bereits im 6. Jahrhundert nachgewiesen ist.

Der Name „Zwiesel“ leitet sich vom bajuwarischen Wortstamm zwisl ab, der die Form einer Gabelung bezeichnet. Die Gabelung der beiden Regenflüsse und das dazwischenliegende Land nannte man deshalb Zwiesel.

Goldwäscher und Säumer

Das genaue Gründungsjahr des Ortes ist nicht bekannt. Lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung in einer Besitzaufstellung des Abtes Hermann von Niederaltaich: „Zwisl Dorf, das unbewohnt ist, und Wiese“ aus dem Jahr 1254 haben sich hier Goldwäscher aufgehalten und dabei Abraumhügel im heutigen Stadtpark und in der Umgebung hinterlassen. Bald entstand hier ein Rast- und Handelsplatz für die Säumerzüge, die auf dem „Baierweg“ (Böhmweg) und etwa seit 1010 auch auf dem „Guntherweg“, der von Niederaltaich über Rinchnach in den Wald führte und in Zwiesel mit dem „Baierweg“ zusammentraf, nach Böhmen führten.

Markt und Steuerfreiheit

1295 wurde erstmals der Ort als Mauthstelle erwähnt, die von Rinchnach–Klessing hierher verlegt wurde. Weil das Zollrecht in enger Verbindung mit dem Marktrecht steht, wurde Zwiesel im Jahre 1312 erstmals als „Markt“ bezeichnet. Um das Leben der Bewohner im unwirtlichen Nordwald zu erleichtern, gewährte ihnen Kaiser Ludwig der Bayer und das Kloster Niederaltaich 1342 „ewige“ Steuerfreiheit sowie kostenlose und unbegrenzte Waldnutzungsrechte. Die Steuerfreiheit wurde erst 1808 durch Montgelas aufgehoben, die Nutzungsrechte sind heute fast gänzlich gegen Geld abgelöst worden. Der Ort entwickelte sich so zu einem lebhaften und wohlhabenden Handelsplatz. Die Säumer brachten nicht nur Salz und andere Waren nach Böhmen, sondern von dort auch auch den böhmischen Hopfen, der in Zwiesel umgeschlagen und bis nach München geliefert wurde.

Verleihung des Wappens

Nachdem 1471 die Marktrechte bestätigt worden sind und 1521 Zwiesel „Kaiserlicher Markt“ wurde, verlieh Herzog Albrecht V. am 11. September 1560 dem Markt das heute noch gültige Wappen, das Hofmaler Hans Mielich entworfen hatte: In rotem, durch eine gestürzte eingebogene goldene Spitze, gespaltenem Feld ein stehender Geharnischter mit einem Eisenhut auf dem Kopf, an der Seite einen Dolch und Sporen an den Panzerschuhen, in der Rechten hält er ein gesenktes, mit goldenem Wehrgehänge umwundenes Schwert, mit der Linken einen gespaltenen Dreiecksschild, der vorne einen halben schwarzen Adler in Gold und hinten die bayerischen Wecken zeigt.

Redend im Wappen ist die Spitze, die gleichbedeutend mit Zwiesel ist. Es wird dabei auf den Zusammenfluss der beiden Regenflüsse angespielt. Der Reichsadler und die festgelegte Zahl von 21 Rauten weisen auf Kaiser Ludwig von Bayern hin, der 1342 Zwiesel an Hartwig von Degenberg gab. Der Ritter könnte Sinnbild um das politische Ringen um den Ort zur Zeit der Wappenverleihung sein.

Kriege und Hungersnöte

Der Ort hatte im Laufe seiner wechselvollen Geschichte auch schwere Zeiten zu überstehen. 1432 wurde Zwiesel von den Hussiten belagert und im Böcklerkrieg 1468 völlig niedergebrannt. 1596 herrschte eine Hungersnot, die den Markt entvölkerte. Zweimal, in den Jahren 1633 und 1641 wurde der Markt von den Schweden niedergebrannt und 1649 herrschte im Ort die Pest. 1655 wurde der Ort und seine Umgebung durch einen schweren Sturm zerstört.

Die Schlacht am Landwehrbergl

Ein Überfall durch böhmische Landwehr 1809 wurde bei der Schlacht am Landwehrbergl am 19. Juni 1809 durch bayerische und Sachsen-Weimarsche Truppen und der Zwieseler Bürger-Landwehr abgewehrt. Dabei wurden 6 Mann getötet, 16 Mann mit dem böhmischen Hauptmann von Bellen gefangen genommen, die übrigen in die Flucht geschlagen.

Munizipalgemeinde und Märkte

Im Jahr 1818 nahm der Markt Zwiesel in Verbindung mit der Gemeindeformation die magistratische Verfassung an und war damit eine Munizipalgemeinde III. Klasse mit 120 Anwesen. 1701 waren 97 Häuser gezählt worden.

Obwohl Zwiesel seit 1312 Markt war, wurden bis um das Jahr 1800 keinerlei Märkte abgehalten. Erst nach 1800 gab es dreimal im Jahr die Krämer-Märkte und die gewöhnlichen Märkte im Juli und September.

Brände im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert hatte der Markt eine Reihe von Bränden zu verkraften. Beim Marktbrand von 1818 sind 12 Häuser und die Kirche niedergebrannt. Der Marktbrand von 1825 zerstörte den oberen Marktbereich von Zwiesel. Alexander Freiherr von Reitzenstein war zu dieser Zeit Kontrolleur beim Zwieseler Zollamt. Er führte damals Tagebuch und hielt so das Unglück für die Nachwelt fest.

Beim Marktbrand von 1832 brannte der untere Marktplatz mit dem Rathaus, beim Marktbrand von 1849 der Anger. Beim Marktbrand von 1870 und dem Marktbrand von 1876 brannte abermals der obere Markt mit der Kirche.

Pferdeschlitten-Rennen im 19. Jahrhundert

Die Pferdeschlitten-Rennen sind in Zwiesel vom 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre ausgetragen worden. Bei den Veranstaltungen waren Teilnehmer aus ganz Bayern vertreten.

Fleiß und Aufbauwille

Die Glasfabrik der Zwiesel Kristallglas AG

Allen Kriegen und Katastrophen zum Trotz entwickelte sich der Ort zusehends. Um 1400 sind hier die Anfänge der Glasmacherkunst zu vermelden und 1421 entstand in Rabenstein die erste Glashütte. Durch die Errichtung des Forstamtes 1785 wurde das Holz zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. 1834 wurde die Krystallglasfabrik Theresienthal gegründet und 1872 die Glashütte Annathal, die späteren SCHOTT-Werke, die nun als Zwiesel Kristallglas AG firmiert und heute Weltmarktführer für Kristallglas in der internationalen Spitzengastronomie und -hotellerie ist. 1830 wurde der Marktplatz erstmals gepflastert und 1854 bekam Zwiesel die erste Straßenbeleuchtung. 1862 wurde in Lichtenthal am Kleinen Regen eine weitere Glashütte gegründet, die jedoch heute nicht mehr existiert. 1869 erhielt der Ort den ersten Telegraphen und ein Meilenstein in der Geschichte war die Eröffnung der Bahnlinie von Plattling im Jahr 1877. 1884 wurde die erste Wasserleitung gebaut in im selben Jahr feierte man in Zwiesel das erste Volksfest. 1887 gab es in Zwiesel die erste Zeitung und 1890 verkehrte der erste Zug auf der Bahnstrecke Zwiesel-Grafenau. Bereits 1808 wurde unter der Regie des damaligen Königs Max Josef I. die erste Postexpedition errichtet.

Bau der Stadtpfarrkirche

1896 konnte in Zwiesel die Fertigstellung der neuen katholischen Stadtpfarrkirche gefeiert werden, ein dreischiffiger, neugotischer Backsteinbau nach den Plänen des Münchener Architekten Johann Baptist Schott. Das Gotteshaus wird wegen seiner Ausmaße bald als „Dom des Bayerischen Waldes“ bezeichnet und dessen 86 Meter hoher Turm zur prägenden Dominante des Stadtbildes. Bereits 1895 wurde die evangelische Pfarrkirche, ebenfalls im neugotischen Stil, fertig gestellt.

Glasfachschule und Stadterhebung

Durch die Errichtung der Glasfachschule 1904 entwickelte sich Zwiesel zum bedeutenden Schul- und Fachschulort der Region. Im selben Jahr erhob Prinzregent Luitpold von Bayern den Markt Zwiesel zur Stadt, die in der Folgezeit zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Mittleren Bayerischen Waldes aufstieg.

Einwohnerentwicklung

Der Markt hatte 1800 bereits 803 Einwohner und 140 Wohngebäude und 1810 konnte der 1.000. Einwohner gezählt werden. 2.072 Einwohner in 243 Wohngebäuden wurden 1867 gezählt und im Jahr 1900 hatte der Markt Zwiesel 3.760 Einwohner in 330 Wohngebäuden. 1933 hatte die Stadt 5.540 Einwohner und 1980 wurden 10.283 Einwohner in 1.970 Wohngebäuden gezählt.

Der Erste Weltkrieg

Typische Berufe der damaligen Zeit waren auf den Notgeld-Münzen abgebildet. Foto: Steckbauer.

Nur zehn Jahre waren der jungen Stadt geblieben, um die mit soviel Schwung begonnene Entwicklung fortzusetzen. Auch das bürgerliche Leben blühte, es zeichnete sich durch ein reges Vereinsleben aus und allzeit wurde fröhlich gefeiert. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges machte dann alles zunichte. Den Siegen folgte die Niederlage, dem endlich erreichten Frieden eine rasante Verschlechterung der Lebensumstände, die durch die rasante Geldentwertung zu immer neuen Tiefpunkten heruntergedrückt wurde. Die Stadt war sogar gezwungen, ihr eigenes Notgeld zu prägen. Als Motive dienten hier die typischen Berufe der damaligen Zeit, wie der Holzhauer oder der Glasmacher. Bereits 1917 hatte die Stadt Zwiesel über eine halbe Million Münzen geprägt, aber nicht einmal die Hälfte der ausgegebenen Münzen wurde eingelöst, da untereinander größenteils mit Waren gehandelt wurde.

Trotzdem packte die Stadt zwischen 1926 und 1929 wichtige Vorhaben an und führte sie zur Vollendung. 1926 wurde mit dem Bau einer neuen, großzügig dimensionierten Wasserleitung begonnen und 1928 vollendet. Das bedeutendste Projekt dieser Zeit war aber die Errichtung des Krankenhauses unterm Zwieselberg in den Jahren 1928 bis 1929, welches das 35 Jahre alte Bezirkskrankenhaus an der Frauenauer Straße ersetzte, das längst nicht mehr den medizinischen Anforderungen der Zeit genügte. Und 1928 wurde schließlich die Bahnstrecke Zwiesel-Bodenmais eröffnet. 1929 richtete eine Unwetterkatastrophe große Schäden an.

Das Dritte Reich

Die Hitlerzeit war für die Stadtentwicklung ein ziemlich unbedeutender Abschnitt. Sie war eine traurige Zeit für die kleine Stadt, in der vor allem das gegenseitige Vertrauen der Einwohner untereinander zerstört wurde, neue Lebensformen aufkamen und schließlich für volle sechs Jahre der Krieg die Existenz jedes einzelnen bestimmte.

Das Kriegsende

Der Zweite Weltkrieg hat 452 Zwieslern als Soldaten das Leben gekostet. Die Stadt war aber von kriegerischen Handlungen verschont geblieben – bis zum 20. April 1945, als 56 Flugzeuge der britische Royal Air Force einen Angriff auf die Bahnanlagen des Gleisdreiecks der Stadt flogen und in zwei Angriffswellen rund 200 Sprengbomben abgeworfen haben. Die Schäden an den Gleisanlagen hielten sich jedoch in Grenzen, dafür wurden in der Langdorfer Straße und in der Schlachthofstraße zwei Häuser völlig zerstört und zehn Gebäude schwer beschädigt. 18 Menschen musste bei diesem Bombenangriff ihr Leben lassen, darunter 10 Kinder. Bei einem weiteren Tieffliegerangriff wurde Rabenstein beschossen, dort gab es nochmals zwei Tote und mehrere Verletzte. Es ist einigen couragierten Männern – Bürgermeister Alfons Maria Daiminger, Egon Ritter von Poschinger und dem evangelischen Pfarrer Wiesinger – zu verdanken, dass die Stadt am 29. April 1945 den US-Truppen kampflos übergeben werden konnte. Sie hatte den Befehlshaber der noch verbliebenen deutschen Truppe von der Sinnlosigkeit einer Verteidigung der Stadt überzeugen können und darauf mit den Amerikanern verhandelt. So blieb weiteres Blutvergießen erspart.

Nachkriegszeit

Die Lähmung, die im Sommer 1945 das öffentliche Leben in der Stadt und ihrer Umgebung befallen hatte, begann sich bereits im Herbst wieder zu lösen. So gab es im Januar 1946 bereits die erste Kommunalwahl. Je 7 Stadträte von der CSU und der SPD sowie ein Stadtrat von der KPD bildeten den ersten Stadtrat nach dem Krieg.

Wohnungsnot

Die ersten Nachkriegsjahre in der Stadt waren geprägt von einem hartnäckig geführten Kampf gegen die Wohnungsnot., denn die Stadt musste eine große Zahl von Heimatvertriebenen unf Flüchtlingen eine neue Heimat bieten. Deren Anteil betrug im Jahr 1949 27,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ein unter vergleichbaren niederbayerischen Städten beispielloses Vorhaben war die Gründung der Baugenossenschaft im Jahre 1947. Die Bautätigkeit unter marktwirtschaftlich privater Regie milderte Zug um Zug den Mangel an Wohnraum deutlich. Zur guten Entwicklung der Stadt in den Folgejahren und der Steigerung der Wirtschaftskraft trugen auch die heimatvertriebenen Mitbürger bei, die sich gut eingegliedert haben. Sie gründeten vor allem im Bereich der Glasveredlung kleine Betriebe, etablierten sich als Handwerker und zeigten durch ihre Teilnahme am öffentlichen Leben, dass sie dazugehören.

Das erste Gymnasium im Bayerischen Wald

Bis in die Neuzeit hinein war der innere Bayerische Wald zwischen Passau und Cham ein weißer Fleck auf der Landkarte, was die zum Abitur führenden Schulen anging. Bürgermeister Joseph Dötsch, seit 7. November 1948 im Amt, gelang es, für die Stadt und ihr Umland die erste höhere Schule im gesamten Bayerischen Wald durchzudrücken. Sein Vorhaben muss als eine Pionierleistung von höchstem Rang gewertet werden, weil sein Vorstoß zunächst beim Kultusministerium auf taube Ohren stieß. Es hatte großer Anstrengungen bedurft, um die Münchner Nein-Sager-Bastion sturmreif zu schießen. Am 21. Mai kam die endgültige Entscheidung für die Errichtung einer weiterführenden Schule, die am 2. September dieses Jahres ihren Lehrbetrieb mit 108 Schülerinnen und Schülern aufnahm, zunächst noch in den Räumen der Landwirtschaftsschule in der Fachschulstraße. Doch der Neubau zum heutigen Gymnasium Zwiesel, dessen Grundstein feierlich am 22. Mai 1952 gelegt wurde, war bereits im Entstehen. Oberstudienrat Paul Prähauser leistete als Gründungsdirektor ausgezeichnete Aufbauarbeit und bereicherte auch als Musiker das kulturelle Leben der Stadt besonders nachhaltig.

Der Bundespräsident besucht die Stadt

Ein echter Höhepunkt im Leben und Wirken von Bürgermeister Dötsch war der Besuch von Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss in Zwiesel. Im Sommer 1954 hatte er im Sporthotel Brennes Urlaub gemacht und dabei natürlich auch die Stadt Zwiesel besucht. Legendär war nach der Besichtigung der Farbenglaswerke der fröhliche Frühschoppen mit dem Bürgermeister in der ehemaligen Kürschner-Weinstube, bei dem sich der hohe Gast auch in das Goldene Buch der Stadt Zwiesel eintrug.

Das Zwieseler Waldmuseum

Bereits im Jahre 1905 wurde in Zwiesel das erste Heimatmuseum eröffnet, das vom damaligen Direktor der Glasfachschule, Sebastian Müller, eingerichtet worden war. 60 Jahre später kam es zu einer grundlegenden Umstrukturierung und Neugestaltung. "Wald - Heimat - Glas" lautete das griffige Konzept des ersten deutschen Waldmuseums, das vor allem zwei Väter hatte. Es waren der Oberforstrat Konrad Klotz, als Leiter des Forstamtes Zwiesel-Ost eine forstliche Kapazität, sowie der bekannte Geologe Dr. Georg Priehäußer, die das Museum zu einer großartigen Lehrschau und einem unübersehbaren Aushängeschild für die Stadt machten. Zur Eröffnung des neuen Museums zur Sommersaison 1966 war die Gattin des damaligen Ministerpräsidenten Dr. Alfons Goppel nach Zwiesel gekommen. Inzwischen konnten rund 3 Millionen Besucher gezählt werden.

Im Herbst 1973 konnte die Stadt den gesamten Nachlass des niederbayerischen Heimatkomponisten Erhard Kutschenreuter für das Waldmuseum erwerben und so sein künstlerisches Erbe für die Nachwelt erhalten. Kutschenreuters Sohn Franz hatte die Kontakte zur Stadt und zum Waldmuseum geknüpft und nach längeren Verhandlungen die wertvollen Noten und Schriftstücke dem Museum übergeben. Zum Dank widmete die Stadt einige Jahre später dem Komponisten eine Straße.

Nun steht eine abermalige Neuausrichtung an. Weil das Museumsgebäude hinter dem Rathaus inzwischen viel zu klein geworden ist, soll das Museum in nächster Zeit in das ehemalige Mädchenschulhaus oberhalb der Stadtpfarrkirche umgesiedelt und neu konzipiert werden. Das 1889 erbaute Gebäude wurde grundlegend renoviert und diente als Standort für die Bayerische Landesausstellung 2007 "Bayern und Böhmen: 1.500 Jahre Nachbarschaft". Der Umzug ins neue Gebäude war für das Jahr 2009 vorgesehen, musste aber wegen der allgemeinen Finanzkrise verschoben werden.

Inzwischen wurde die Planung ergänzt. Das Gebäude soll nicht nur als Museum, sondern auch als Kulturzentrum genutzt werden. Im Eingangsfoyer soll die Kur- und Touristik-Information ihren neuen Platz finden, die ehemalige Kapelle soll als repräsentatives Trauungszimmer genutzt werden. In seiner Sitzung am 26. Mai 2011 beschloss der Stadtrat mit einer Mehrheit von 13 zu 9 Stimmen, noch heuer mit dem Umbau zu beginnen. Ansonsten müsste der Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro zurückgezahlt werden.

Eingemeindungen

Maßvoll und mit Bedacht wurden im Zuge der bayerischen Gemeindegebietsreform der 1970er Jahre ehemals selbständige Nachbargemeinden in die Stadt eingegliedert. Die erste Gemeinde war Klautzenbach (ca. 500 Einwohner und 772 ha Gemeindefläche), die bereits zum 1. Oktober 1971 eingemeindet wurde. Am 1. Januar 1978 kam das Kirchdorf Rabenstein (609 Einwohner, 1.350 ha Gemeindefläche) zur Stadt Zwiesel und am 1. Mai 1978 wurde mit der Gemeinde Bärnzell (652 Einwohner, 1.250 ha Gemeindefläche) die letzte Eingemeindung vollzogen. Insgesamt hat die Gebietsreform der Stadt einen Einwohnerzuwachs von 20 % gebracht, während sich das Stadtgebiet flächenmäßig um das zehnfache erweitert hat.

Stadtplatzumbau

Eines der großen Projekte, die der 1971 als Nachfolger von Dr. Gottlieb Bernreiter gewählte Bürgermeister Georg Haberland anpackte, war die Umgestaltung des Stadtplatzes. Man wollte die Parkflächen in der Mitte des Platzes auflassen und dafür das Stadtzentrum rückseitig erschließen. Schon bald nach Abschluss der großen Baumaßnahme im Jahr 1974 haben die Zwieseler Bürger den Gewinn erkannt. Die Stadt hat eine "gute Stube" für die Fußgänger auf beiden Seiten des Platzes erhalten, der Verkehr floss ungehindert und die Stadt hat zentrumsnah ausreichende Parkplätze erhalten. 1975 stiftete Ehrenbürger Prof. Dr. Erich Schott den Schott-Brunnen am unteren Stadtplatz, der ein beliebter Rastplatz für jung und alt geworden ist und nach wie vor bildet das Nepomuk-Denkmal, das bereits 1767 errichtet wurde, die Dominante im Erscheinungsbild des Zwieseler Stadtplatzes.

Das Nepomuk-Denkmal wird 2010 zusammen mit dem Schott-Brunnen, dem zweiten Wahrzeichen des Zwiesler Stadtplatzes restauriert. Seit langer Zeit fehlt am Nepomuk-Denkmal der Unterarm des Heiligen Georgs.

Bau der Umgehungsstraße

Viel Weitblick bewies Bürgermeister Haberland mit der Planung und dem Bau einer Ortsumgehung. Am 29. Juli 1983 erfolgte der erste Spatenstich für die dreijährige Bauphase und am 9. Oktober 1986 wurde die neue Ortsumgehung für den Verkehr freigegeben. In einem Interview sagte damals Bügermeister Haberland: "Ohne diese Maßnahme wären alle Bemühungen der Stadt um eine Verbesserung der Wirtschaftsstruktur oder der Lebensqualität vergeblich gewesen, da der unzumutbare, ja für einen Luftkurort geradezu tödliche Durchgangsverkehr auf Dauer alles zunichte gemacht hätte." Wie recht er hatte, zeigte sich bereits im Jahre 1989, als nach der Öffnung der tschechischen Grenze der Verkehr stark zunahm und ungehindert rollen konnte.

Bayerische Landesausstellung

Das herausragende Ereignis für die Stadt in den letzten Jahren war die Bayerische Landesausstellung im Jahr 2007: „Bayern und Böhmen: 1.500 Jahre Nachbarschaft“. Es war das erste Mal, dass das Haus der Bayerischen Geschichte seine jährlich an wechselnden Orten stattfindene Ausstellung an eine Kleinstadt, die Zwiesel nun einmal ist, vergeben hat.

Politik

Bürgermeister

Frühere Kammerer und Bürgermeister von Zwiesel

Stadtrat

Der Stadtrat hat 24 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister) und folgende Sitzverteilung:

Der parteifreie 1. Bürgermeister Franz Xaver Steininger gehört keiner der im Stadtrat vertretenen Fraktionen an.

Ehrenbürger

Personen

Aktuelles

Sehenswürdigkeiten

Kirchen

Die evangelische Kreuzkirche

Baudenkmäler

Sonstiges

Tourismus

Zwieseler Innenstadt. Foto: Waldgeist

Die ersten Urlauber, Sommerfrischler genannt, kamen bereits in der 1880er Jahren aus Sachsen und führen mit der Eisenbahn von Dresden über Prag und Pilsen nach Bayern. Aber auch Besucher aus Bayern, meist passionierte Wanderer, die den großen Wald erleben wollten, kamen bereits nach Zwiesel. Um 1900 wurden die ersten Fremdenverkehrsprospekte gedruckt.

Private Initiativen führten in der Folgezeit immer wieder zu Steigerungen. Es gründeten sich erste Fremdenverkehrsvereine und der Bayerische Waldverein hat mit der Markierung von Wanderwegen, dem Bau von Schutzhäusern auf den Bayerwaldbergen und mit ersten Einrichtungen zur Vermittlung von Quartieren Entscheidendes dazu beigetragen. Bleibende Verdienste hat sich dabei der ehemalige Fachlehrer an der Zwieseler Glasfachschule, Anton Pech, erworben, der auch als der Hausmeister des Bayerischen Waldes bezeichnet wird. Allerdings konnte damals noch nicht von einem Wirtschaftszweig „Fremdenverkehr“ gesprochen werden. Im Dritten Reich waren es die „Kraft-durch-Freude“-Urlauber, die in den Bayerischen Wald geleitet wurden.

Nach der Währungsreform 1948 begann man verstärkt auf die Karte „Tourismus“ zu setzen. In Zwiesel und in Bodenmais entstanden die ersten Verkehrsämter. Vor allem unter Bürgermeister Dr. Gottlieb Bernreiter begann in der Stadt der verstärkte Ausbau des Fremdenverkehrs. Das Prädikat „Luftkurort“ wurde erreicht, eine Kurabgabe eingeführt und es entstanden viele neue Einrichtungen. Keiner seiner Nachfolger hat die Förderung der touristischen Einrichtungen ignorieren können, sondern auf Vorhandenem kräftig weitergebaut und verbessert. So wurde der Tourismus zum zweiten wirtschaftlichen Standbein.

Die Stadt hat ihre zentrale Lage im mittleren Bayerischen Wald sehr gut genutzt. So gelang die Ausweitung der Sommersaison bis weit in den Herbst hinein und ein erfolgreicher Ausbau der Wintersaison. Mit rund 45.000 Übernachtungen pro Jahr hat die Stadt in den fünfziger Jahren begonnen. In den ersten neunziger Jahren erreichte Zwiesel erstmals die angepeilte Marke von 500.000 Übernachtungen, die sich heute auf etwa 40.000 bis 450.000 Übernachtungen eingependelt haben.

Als Pluspunkte erweisen sich auch die Angebote zum „Urlaub auf dem Bauernhof“ – vor allem auch für Familien mit Kindern.

Zum touristischen Angebot der Glasstadt gehören das Zwieseler Erlebnisbad mit dem Bayerwald-Saunadorf, die Zwieseler Themenwege, Nordic-Walking-Strecken, Radwege, ein Golfplatz, 80 km Loipen und viele weitere Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Verschiedene Museen, Konzerte und Ausstellungen sorgen für ein ausgewogenes kulturelles Angebot. Geschickt bindet man auch den Wirtschaftszweig "Glas" in das touristische Angebot ein. Alle zwei Jahre finden die Zwieseler Glastage statt, jedes Jahr Mitte August die Zwieseler Glasnacht. Anfang Dezember gibt es außerdem einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt rund um die Stadtpfarrkirche.

Der rund 26 Kilometer lange Zwieseler Panoramaweg beginnt an der Stadtpfarrkirche in Zwiesel und führt überwiegend über wenig befahrene Straßen am Kamm der sanften Höhenzüge um die Stadt herum und verbindet einzelne Sehenswürdigkeiten miteinander.

Zwieseler Glaskönigin

Die Glastradition der Stadt und des Bayerischen Waldes wird von einer Symbolfigur repräsentiert: Die Zwieseler Glaskönigin wird alle zwei Jahre neu gewählt.

Projekt "Tierisch Wild"

Am 1. Januar 2009 fiel der Startschuss für das über Interreg geförderte Projekt "Tierisch Wild", eine Kooperation von Naturschutz und Tourismus. 13 bayerische und neun böhmische Gemeinden, sowie die Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava haben sich zusammengeschlossen, um die Stärken der Nationalparkregion optimal zu nutzen und miteinander zu kombinieren. Patentier von Zwiesel ist der Auerhahn.

Bildung und Erziehung

Zwiesel ist eine Schulstadt. Sämtliche Schularten sind vertreten: Grundschule, Hauptschule, Realschule und Gymnasium.

Die 1971 gegründete Staatl. Realschule Zwiesel

Wirtschaft

Kultur

Sport

Vereine

Infrastruktur

Literatur

Weblinks

Städte und Gemeinden im Landkreis Regen
Wappen Landkreis Regen.png

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