ZF Passau
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Die ZF Passau, eigentlich ZF Friedrichshafen AG Standort Passau, (früher: Zahnradfabrik Passau sowie ZF Passau GmbH) zählt zu den größten Arbeitgebern Niederbayerns. Über 4.000 Mitarbeiter sind am Standort in Passau beschäftigt, von wo aus die Division Industrietechnik, eine von vier Divisionen des ZF-Konzerns, koordiniert wird. Vorstand der Division Industrietechnik ist derzeit Wilhelm Rehm, Standortleiter in Passau ist Franz Kleiner.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Gründung und Anfänge
Friedrichshafen war um 1900 der Ursprung der heutigen ZF Passau: Als einen Ableger gründete die ZF Friedrichshafen AG im Jahr 1943 mit finanzieller Unterstützung der NS-Regierung den „reichseigenen“ Betrieb der Waldwerke Passau in Grubweg. Dort fertigte man Panzergetriebe, am Höhepunkt des Krieges auch mit russischen und holländischen Zwangsarbeitern. Grund für diese Standortwahl war vor allen Dingen die vorteilhafte Lagein einer Windung des Donautals, die die Waldwerke vor Luftangriffen schützte.
Nach dem Krieg ruhte die Produktion nicht lange: Am 12. August 1946 folgte, sozusagen als Nachfolger der Waldwerke, die Gründung der ZF Passau GmbH. Man blieb dem Standort Passau erneut wegen seiner Lage treu, denn wegen der wenigen Luftangriffe war der Maschinenpark der Waldwerke Passau fast vollständig erhalten geblieben. Mit 150 Mitarbeitern wurde mit der Produktion von Schleppertriebwerken begonnen. Vier Jahre später war der Betrieb bereits auf 2.000 Mitarbeiter angewachsen.
Bau des zweiten Werks
Im Jahr 1957 wurde – inzwischen mit 3.000 Mitarbeitern – zusätzlich mit der Fertigung von Achsen für Baumaschinen begonnen und 1966 mit der Fertigung von Getrieben für Baumaschinen. Nachdem sich in den Folgejahren bereits abzeichnete, dass das bisherige Werk für die stetig wachsende Produktion zu klein wurde, begann man mit dem Bau eines zweiten Werk in Patriching. Dieses wurde 1983 vom Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß eröffnet.
1985 wurde mit der Fertigung von Kegelrädern für PKW begonnen. Zudem bekam die ZF Passau GmbH in diesem Jahr vom Stammwerk die Verantwortung für den gesamten Unternehmensbereich Arbeitsmaschinen-Antriebstechnik übertragen. 1995 erfolgte eine neuerliche Erweiterung des Produktionsspektrums um die Fertigung von Portalachsen für Niederflur-Stadtbusse, 2006 dann um die Fertigung von Verteilergetrieben für LKW über zehn Tonnen. 2007 besuchte Ministerpräsident Edmund Stoiber die ZF Passau.
Krisenjahr und Umstrukturierung
Das Krisen-Geschäftsjahr 2009 zählte zu den dramatischsten der ZF-Firmengeschichte: Der Umsatz brach um 3,1 Milliarden Euro auf 9,4 Milliarden Euro ein, erstmals seit Jahren schrieb der Konzern damit wieder rote Zahlen. Des Weiteren sank 2009 die Zahl der Beschäftigten um fünf Prozent. Diese Krise konnte jedoch schneller als erwartet überwunden werden und verzeichnete bereits im Folgejahr 2010 einen Konzernumsatz von 12,9 Milliarden Euro erwartet - ein neuer Rekord.
Im Jahr 2010 wurde die ZF Passau GmbH im Rahmen einer Umstrukturierung des ganzen Konzerns aufgelöst und als eine von vier Divisionen in die Konzernmutter ZF Friedrichshafen integriert. Heute erwirtschaftet die ZF Passau rund ein Drittel ihres Umsatzes mit Produkten, die erst seit 2003 in Serie gingen. Insgesamt hält das Unternehmen mehr als 3.000 Patente und entwickelt pro Jahr zwei bis drei neue Produkte. Zahlreiche Auto- und Maschinenhersteller vertrauen auf Getriebe und Achsen aus Passau. Teilweise beträgt der Weltmarktanteil sogar über 90 Prozent – etwa bei einer besonders niedrigen Achse für Stadtbusse („Niederflurachse“).
Neubau in Patriching
Im Herbst 2012 wurde in Patriching ein 30-Millionen Euro Neubau fertiggestellt. Auf rund 4.450 Quadratmeter Grundfläche und 19.700 Quadratmeter Geschossfläche arbeiten etwa 700 Mitarbeiter aus Patriching und Grubweg. Im Oktober 2011 fand das Richtfest des Neubaus statt. Der neue Standort ist mit modernster Energietechnik und großzügigen Grünbereichen ausgestattet.
Zeitgleich wurde ein weiterer Neubau des Montagewerks Prüfsysteme benachbart fertiggestellt. Die Montage- und Nebenflächen umfassen etwa 7200 Quadratmeter, mit der Option auf weitere 2.800 Quadratmeter in einem zweiten Bauabschnitt. Baubeginn war im Dezember 2011.
Ausbildung
Seit 1949 werden in Passau ununterbrochen jedes Jahr Lehrlinge ausgebildet. Jährlich gehen in der Personalabteilung mehr als 500 Bewerbungen um eine kaufmännische oder handwerkliche Lehrstelle ein. 70 Lehrlinge durchlaufen Jahr für Jahr die Büros und Werkstätten und lernen alle Bereiche des Unternehmens kennen. Auch Auslandseinsätze an anderen ZF-Standorten in den europäischen Nachbarländern gehören dazu. Bei diesen jungen Leuten ist der Grundstein für eine lange Laufbahn im Unternehmen gelegt.
Standortleiter (Übersicht)
- 1994 bis 2002: Hans-Georg Härter
- 2002 bis 2010: Manfred Schwab
- 2010 bis 2011: Wilhelm Rehm
- seit 2012: Dr. Franz Kleiner
Division Industrietechnik
Grundlegendes
In der Division Industrietechnik bündelt ZF seine Aktivitäten für Anwendungen „abseits der Straße“. Dazu zählen die Entwicklung und Produktion von Getrieben und Achsen für Land- und Baumaschinen sowie Antriebstechnik für Stapler, Schienen- und Sonderfahrzeuge. Die Division verantwortet auch das weltweite Geschäft in der Marine- und Luftfahrt-Antriebstechnik wie auch die Entwicklung und Produktion von Getrieben für Windkraftanlagen. Zum Portfolio der Division zählen zudem Elektronikkomponenten und Schaltsysteme, Prüfsysteme für alle Anwendungen sowie die offene Telematikplattform Openmatics. Als Führungsstandort der Division Industrietechnik unter der Leitung des Vortsands Wilhelm Rehm ist Passau für rund 13.000 Mitarbeiter an 40 Standorten weltweit verantwortlich.
Nahe dem Standort Passau befindet sich das Werk Thyrnau, das zur ZF-Division Antriebstechnik gehört.
Geschäftsfelder
| Geschäftsfeld | Mitarbeiter | Anteil am Umsatz | Anteil am Umsatz in Mio.* |
|---|---|---|---|
| Arbeitsmaschinensysteme | 4300 | 47 | 1.165,4 |
| Pfüfsysteme | 105 | 2 | 42,0 |
| Elektronische Systeme | 400 | 24 | 601,2 |
| Marine-Antriebstechnik | 1400 | 11 | 280,5 |
| Sonder-Antriebstechnik | 400 | 10 | 251,8 |
| Luftfahrt-Antriebstechnik | 340 | 3 | 72,5 |
| Windkraft-Antriebstechnik | 1650 | 3 | 68,2 |
(* Umsatz nicht konsolidiert)
Standorte
| Standort |
|---|
| Deutschland: Passau, Friedrichshafen, Auerbach, Diepholz, Kassel, Gotha |
| China: Liuzhou, Shanghai, Hangzhou, Shenyang, Hong Kong, Zhuhai, Tianjin |
| USA: Gainesville, Pleasant Prairie, Miramar, Seattle |
| Tschechien: Staňkov, Klasterec, Pilsen |
| Großbritannien: Luton |
| Indien: Madurei, Pune, Coimbatore |
| Italien: Padua |
| Türkei: Istanbul |
| Österreich: Steyr |
| Taiwan: Kaohsiung |
| Belgien: Lommel, Kontich |
| Brasilien: Sorocaba |
| Mexiko: Juarez |
| Vereinigte Arabische Emirate: Schardscha |
| Singapur: Singapur |
| Indonesien: Batam |
| Australien: Bayswater |
Galerie
Kontakt
ZF Friedrichshafen AG, Standort Passau / Werk 1
Donaustraße 25-71
94034 Passau
ZF Friedrichshafen AG, Standort Passau / Werk 2
Tittlinger Straße 28
94034 Passau
Telefon: +49 851 494-0
E-Mail: postoffice@zf.com
Internet: www.zf.com/passau
Siehe auch
Literatur
- Helmuth Rücker: Stoiber ist von der ZF „sehr beeindruckt“. In: Passauer Neue Presse vom 31. Juli 2007 (S. 27)
- Stephanie Lade, Christoph Eberle: Mit mehr als 3000 Patenten zum Erfolg. In: Passauer Neue Presse vom 21. August 2008 (S. 8)
- Alexander Kain: Zahnräder aus Passau für Werke in Brasilien. In: Passauer Neue Presse vom 2. September 2008
- Alexander Kain: ZF Passau tritt auf die Bremse. In: Passauer Neue Presse vom 4. März 2009 (S. 5)
- Alexander Kain: „Die Situation ist sogar sehr schwierig.“ In: Passauer Neue Presse vom 21. Mai 2009 (S. 6)
- Alois Schießl: ZF: Keine Kündigungen – aber weniger Lohn? In: Passauer Neue Presse vom 7. Juli 2009 (S.6)
- Christoph Kleiner: 250-Millionen-Staatskredit für ZF. In Passauer Neue Presse vom 16. September 2009 (S. 1)
- Christoph Kleiner: ZF baut Stellen ab – aber nicht in Passau. In: Passauer Neue Presse vom 16. September 2009 (S. 5)
- Alexander Kain: ZF rechnet für 2010 mit schwarzen Zahlen. In: Passauer Neue Presse vom 16. Dezember 2009 (S. 5)
- PNP: Wechsel an der Spitze der ZF Passau. In: Passauer Neue Presse vom 26. Februar 2010 (S. 1)
- Thomas Seider: Stühlerücken in der Chef-Etage der ZF. In: Passauer Neue Presse vom 26. Februar 2010 (S. 19)
- Christina Mendi: Bei der ZF geht es langsam aufwärts. In: Passauer Neue Presse vom 6. März 2010 (S. 7)
- Alexander Kain: ZF peilt 2010 wieder elf Milliarden Euro Umsatz an. In: Passauer Neue Presse vom 15. April 2010 (S. 5)
- Alexander Kain: Passauer ZF-Standorte sind absolut sicher. In: Passauer Neue Presse vom 1. Juli 2010 (S. 5)
- Jörg Klotzek: ZF Passau: Säule eines Weltkonzerns. In: Passauer Neue Presse vom 30. August 2010 (S. 24)
- Alois Schießl: Krise vorbei: ZF auf Rekordkurs. In: Passauer Neue Presse vom 15. Dezember 2010 (S. 1)
- Alois Schießl: ZF kündigt 3000 Neueinstellungen an. In: Passauer Neue Presse vom 15. Dezember 2010 (S. 5)
- Alois Schießl: ZF-Erholung dauert in Passau etwas länger. In: Passauer Neue Presse vom 28. April 2011 (S. 9)
- Alois Schießl: ZF Passau mit neuer Struktur auf Rekordkurs. In: Passauer Neue Presse vom 16. Juli 2011 (S. 6)
- Wolfgang Lampelsdorfer: Mega-Baustelle in Patriching: Alles im Plan. In: Passauer Neue Presse vom 16. Juli 2011 (S. 19)
- Roland Mitterbauer: ZF Passau: Konzernstruktur wird umgebaut. In: Passauer Neue Presse vom 20. Oktober 2010 (S. 17)
- Wolfgang Lampelsdorfer: Spatenstich auf 30-Millionen-Baustelle. In: Passauer Neue Presse vom 15. Oktober 2010 (S. 17)
- PNP: ZF baut für 30 Millionen neue Passau-Zentrale. In: Passauer Neue Presse vom 15. Oktober 2010 (S. 5)
- Wolfgang Lampelsdorfer: Halbzeit auf Passaus Mega-Baustelle. In: Passauer Neue Presse vom 15. Oktober 2011 (S. 17)
- Wolfgang Lampelsdorfer: Richtfest für neue Passau-Zentrale der ZF. In: Passauer Neue Presse vom 15. Oktober 2011 (S. 7)
- Ernst Fuchs, Alexander Kain: ZF-Chef zieht Bilanz: „Zu viel daneben lag ich nicht“. In: Passauer Neue Presse vom 17. September 2011 (S. 7)
- PNP: ZF baut neue Montagehalle in Patriching. In: Passauer Neue Presse vom 1. Dezember 2011 (S. 21)
- Alois Schießl: ZF-„Motor“ läuft weiter auf hohen Touren. In: Passauer Neue Presse vom 2. Juni 2012 (S. 7)
