Waldmuseum Zwiesel

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Braunbär im Urwalddiorama.
Historische Stadtapotheke.
Bayerisch-böhmische Gläser.

Das Waldmuseum Zwiesel ist ein heimatkundliches Museum, das es seit 1905 in Zwiesel gibt. Es umfasst die drei Bereiche Wald, Heimat und Glas.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Museum befindet sich im ehemaligen Kommunbrauhaus hinter dem Rathaus am Stadtplatz. Bereits 1905 wurde dort das erste Museum eröffnet.

Geschichte

Bereits im Jahre 1905 wurde in Zwiesel das erste Heimatmuseum eröffnet, das vom damaligen Direktor der Glasfachschule, Sebastian Müller, eingerichtet worden war. 60 Jahre später kam es zu einer grundlegenden Umstrukturierung und Neugestaltung. "Wald - Heimat - Glas" lautete das griffige Konzept des ersten deutschen Waldmuseums, das vor allem zwei Väter hatte. Es waren der Oberforstrat Konrad Klotz, als Leiter des Forstamtes Zwiesel-Ost eine forstliche Kapazität, sowie der bekannte Geologe Dr. Georg Priehäußer, die das Museum zu einer großartigen Lehrschau und einem unübersehbaren Aushängeschild für die Stadt machten. Zur Eröffnung des neuen Museums am 15. Mai 1966 war die Gattin des damaligen Ministerpräsidenten Dr. Alfons Goppel nach Zwiesel gekommen.

Im Herbst 1973 konnte die Stadt den gesamten Nachlass des niederbayerischen Heimatkomponisten Erhard Kutschenreuter für das Waldmuseum erwerben und so sein künstlerisches Erbe für die Nachwelt erhalten. Kutschenreuters Sohn Franz hatte die Kontakte zur Stadt und zum Waldmuseum geknüpft und nach längeren Verhandlungen die wertvollen Noten und Schriftstücke dem Museum übergeben. Zum Dank widmete die Stadt einige Jahre später dem Komponisten eine Straße.

Rundgang durchs Museum

Wald

Das Glanzstück der Abteilung „Wald“ ist des große Urwald-Diorama, in dem Bär, Wolf, Luchs und viele andere Tiere zu entdecken sind. Ein weiteres Diorama ist den heute vorhandenen Tieren des Waldes gewidmet. „So wächst der Wald“ wird an Schnitten einer 500 Jahre alten Urwaldtanne mit fast zwei Meter Durchmesser und der Bismarcktanne aus dem Urwaldgebiet bei Zwieslerwaldhaus zu sehen, die bei einem Sturm umgeworfen wurde. In weiteren Räumen sind Pflanzen des Waldes und eine Pilzlehrschau zu sehen.

Heimat

Hier sieht man die Einrichtung der ehemaligen Stadtapotheke aus dem Jahr 1870 mit Verkaufsraum und Kräuterkammer. Im weiteren Räumen wird an verdiente Zwieseler Bürger, den Schriftsteller Paul Friedl und den Geologen Dr. h.c. Georg Priehäußer erinnert. Außerdem sind Erinnerungsgegenstände des niederbayerischen Heimatkomponisten Erhard Kutschenreuter zu sehen, der zwar nicht in Zwiesel gelebt hat, aber dessen gesamter Nachlass im Waldmuseum aufbewahrt wird. Alte Musikinstrumente sind eine wertvolle Ergänzung in diesem Raum. Im Bereich Arbeiten und Wohnen steht ein funktionsfähiger Webstuhl und es sind Gegenstände des täglichen Lebens ausgestellt. Ein weiterer Raum ist schließlich der Volksfrömmigkeit gewidmet.

Glas

Hier dominiert vor allem das Modell einer Glasmachersiedlung um etwa 1750 mit Glashütte, Glasschmelzofen, Flusshütte und mehrere anderen Häusern, die zu einer funktionieren Siedlung gehörten. Sehr sehenswert ist auch die Glassammlung aus fünf Jahrhunderten mit dem Schwerpunkt Glasfachschule Zwiesel, mit Beinglas aus der Glashütte Schachtenbach und einer Sammlung von Schnupftabakgläsern.

Sonderausstellungen

Im Museum sind auch Räume für Sonderausstellungen reserviert, derzeit wird dort Silberglas gezeigt.

Zukunft

Das Museumsgebäude ist inzwischen längst viel zu klein geworden. Deshalb soll das Museum in nächster Zeit in das ehemalige Mädchenschulhaus oberhalb der Stadtpfarrkirche umgesiedelt und neu konzipiert werden. Das 1889 erbaute Gebäude wurde grundlegend renoviert und diente als Standort für die Bayerische Landesausstellung 2007. Das neue Museum sollte bereits Ende Juli 2010 eröffnet werden. Mit der Erstellung des wissenschaftlichen Feinkonzepts sind Elisabeth Vogl und der Zwieseler Historiker Sven Bauer beauftragt. Nach ihren Plänen soll es auf den fast 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche vier Hauptthemen geben: „Der Bayerische Wald – das Grüne Dach Europas“; „Der Mensch im Bayerischen Wald“; „Glas im Bayerischen Wald“ und „Der Glasstandort Zwiesel und seine Umgebung“.

Im Erdgeschoss wird es um Entstehung und Geologie des Bayerwaldes gehen. Die Besucher sollen dabei ein echtes Stück Urwald begehen können, das schließlich in eine Art Waldlehrpfad übergeht. Kuriositäten aus dem Wald und Erläuterungen zum Unterschied von Natur- und Nationalpark gehören ebenfalls in diesen Teil des Museums.

Den Treppenaufgang würden die Wissenschaftler im Stile eines Säumerpfades gestalten, um eine weitere historische Besonderheit der Region, den Handel mit Böhmen, aufzugreifen. Im ersten Stock werden in der Abteilung „Der Mensch im Bayerischen Wald“ unter anderem die Besiedlung und die Lebensverhältnisse der Waldler in früherer Zeit dargestellt. Erwerbszweige wie die Holzdrahtherstellung (drei derartige Firmen gab es einst in Zwiesel) und die Wagnerei bekommen ihren Platz, aber auch die Selbstversorgung, wie Bitzlerarbeiten oder Sammeln der Früchte des Waldes. Ein größerer Komplex ist der Volksfrömmigkeit gewidmet, mit Themen wie Votivbilder, Totenbretter oder Wallfahrt zur Bergkirche.

In der Abteilung Glas soll unter anderem das Leben auf einem Hüttengut, auch die soziale Verantwortung des Hüttenherrn, thematisiert werden; als Beispiel dient die Familie von Poschinger. In diesem Bereich des Museums sollen auch das Miniatur-Glashüttendorf und die prächtige Sammlung von Schnupftabakgläsern gezeigt werden, über die das Museum verfügt. In der früheren Kapelle der Mädchenschule will man wertvolle Hinterglasbilder aus der Sammlung von Dr. Raimund Schuster präsentieren.

An einem exemplarischen Lebenslauf eines Hüttenarbeiters wollen die Wissenschaftler die Geschichte der Farbenglaswerke (Schott) beleuchten. Theresienthal und Schachtenbach werden in der Abteilung „Glasstandort Zwiesel“ natürlich ebenfalls eine große Rolle spielen. Aber auch Stadtgeschichte, Sport und Tourismusentwicklung werden hier abgehandelt. Die einstige Stadtapotheke wird auch im neuen Waldmuseum einen würdigen Platz erhalten.

Das Dachgeschoss ist als multifunktionaler Bereich vorgesehen, der vor allem von der Stadt für Veranstaltungen genutzt werden kann. Das Museum bekommt dort einen Sonderausstellungsraum und Platz für sein Depot.

Die Präsentation im künftigen Waldmuseum soll deutlich moderner ausfallen als im jetzigen Gebäude. Man setzt auf Abwechslung: Neben Objekten und Bildern wird es Ausschnitte aus alten Filmen zu sehen geben, zusätzliche Informationen erhält der Besucher an Computerstationen. Nicht nur Kinder sollen das Museum mit allen Sinnen erfahren können. So denken die Planer beispielsweise an eine begehbare Original-Hirtenhütte oder eine Heißluftkabine, die den Gästen einen Eindruck von den Arbeitsbedingungen am Glasofen vermitteln soll. Gedacht ist sogar an einen Bienenstock mit lebenden Bienen, über den man einen Bezug zum Außenbereich des Museums herstellen könnte. Laut Sven Bauer bemüht man sich bei der Konzeption Themen aus den Lehrplänen der Schulen aufzugreifen, um verstärkt Schulklassen anzusprechen.

Probleme

Im Oktober 2009 äußerte sich 2. Bürgermeister Eberhard Kreuzer aufgrund der angespannten Finanzlage der Stadt zurückhaltend zu dem für das Jahr 2010 geplanten Umzug. „Ob und wann der Umzug stattfindet, ist derzeit nicht zu sagen“, lautete seine Aussage dazu. Aus der Sicht des Landratsamtes war der Museumsumzug angesichts der Finanzlage der Stadt Zwiesel nicht zu vertreten. In seiner Sitzung am 26. Mai 2011 beschloss der Stadtrat von Zwiesel mit 13 zu 9 Stimmen, den Umzug des Waldmuseums in das ehemalige Mädchenschulhaus in die Tat umzusetzen. Ansonsten müsste der Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro zurückgezahlt werden. Die Maßnahme soll bis 2013 abgeschlossen werden.

Inzwischen wurde die Planung ergänzt. Das Gebäude soll nicht nur als Museum, sondern auch als Kulturzentrum genutzt werden. Im Eingangsfoyer soll die Kur- und Touristik-Information ihren neuen Platz finden, die ehemalige Kapelle soll als repräsentatives Trauungszimmer genutzt werden.

Literatur

Weblinks

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