Veste Niederhaus
Aus RegioWiki
Die Veste Niederhaus (zumeist nur kurz „Niederhaus“ gennant) ist eine um das Jahr 1250 errichtete Passauer Wasserburg auf der Landspitze zwischen Donau und Ilz, unterhalb der Veste Oberhaus. Das Niederhaus befindet sich bis heute in Privatbesitz und ist daher nicht öffentlich zugänglich. Die offizielle Adresse der Veste lautet Ferdinand-Wagner-Straße 1.
Mit der Veste Oberhaus ist die Anlage über einen Wehrgang verbunden.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Anfänge
Erstmals bebaut wurde die Landspitze bereits um das Jahr 737. In diesen Jahren stand dort eine Wohnstätte, die dem ersten Passauer Bischof Vivilo und einigen Klosterfrauen als vorübergehende Zuflucht diente.
Nachdem Fürstbischof Otto von Lonsdorf bereits zwischen „alter“ und „neuer“ Burg unterscheidet, wird die Existenz der heutigen Burganlage schätzungsweise bis auf das Jahr 1250 zurück datiert.
In etwa um das Jahr 1350 wird im großen Kellergewölbe eine Herberge für arme Pilger eingerichtet. Als Folge der Belagerung der Veste Oberhaus durch die Passauer Bürger im Jahr von 1367, bei der die Bürger das Niederhaus erobern konnten, wurde im Jahr darauf der Verbindungsweg zwischen Ober- und Niederhaus mit einem von Mauern gesäumten Wehrgang abgesichert.
Ebenfalls seit Mitte des 14. Jahrhunderts ist dann auch die Bezeichnung „Niederhaus“ gebräuchlich.
Zerstörung und Wiederaufbau
Eine Pulverexplosion zerstörte um 1430 einen Großteil der Anlage. Allerdings war der Wiederaufbau wohl bereits 1444 vollendet, denn in diesem Jahr berichtet der spätere Papst Pius II. in höchsten Tönen von Ober- und Niederhaus. In dieser Zeit dienten ein Rittersaal sowie zwei Burgkapellen auch als Nebenresidenz der Bischöfe.
Im 17. Jahrhundert wurde das Niederhaus in ein Gefängnis für widerspenstige Geistliche umgewandelt, später wurde es ein Arbeitshaus.
Militärische Verwendung
Mit der Säkularisation war neben dem Veste Oberhaus auch das Niederhaus in den Besitz der bayerischen Herrscher übergegangen. Ab 1805 wurde es militärisch genutzt – und zwar als Kriegsmagazin. Dazu musste der neunstöckige Turm auf vier Stockwerke abgebrochen und auch der östliche Bergfried zur Hälfte abgetragen werden.
Übergang in Privatbesitz
1890 wurde das Niederhaus vom Historienmaler Ferdinand Wagner erworben. 1907 wurde es an den Kunstmaler Eduard Strobelberger verkauft. 1912 ging es an die Familie Brunner. Seit der Gemeindebildung 1818 Teil der Gemeinde Hacklberg, kam das Niederhaus ebenso wie die Veste Oberhaus, Bschütt und weitere Teile der Gemeinde Hacklberg erst am 1. Oktober 1938 zur Stadt Passau.
Sanierung
Von 2004 bis 2007 wurde eine Außensanierung der Veste Niederhaus vorgenommen. Die geschätzen Kosten dafür beliefen sich – aufgrund kostspieliger Handarbeiten beim Auftragen des neuen Außenputzes samt eines frischen Anstrichs – auf rund 1 Million Euro. Davon wurde aber der größte Teil durch Zuschüsse gedeckt. Die Außensanierung diente vor allem dem Erhalt des Stadtbilds, in den Innenräumen wurde nichts saniert. Triebfeder der Sanierung war der ehemalige Hauptkonservator Dr. Mathias Ueblacker.
Für die Sanierungsmaßnahmen erhielt die Familie Brunner den Denkmalpreis 2007 des Bezirks Niederbayern. Familie Brunner verkaufte 2009 den wohl markantesten Wohnsitz Passaus. Der neue Eigentümer zahlte 2,1 Millionen Euro.
Verkauf
Gegen Mitte 2009 wurde bekannt, dass das Niederhaus verkauft werden soll. Der Preis von 2,1 Millionen Euro galt dabei als nicht verhandelbar. Die Summe war sowohl mit den bisherigen Eigentümern, der Familie Brunner, abgestimmt als auch angemessen – man bedenke unter anderem nur die aufwändige Außenrenovierung für 1,1 Millionen Euro. Im Oktober des Jahres wurde der Verkauf letztlich abgewickelt: ein Unternehmer-Ehepaar von der Salzach kaufte die Burg aus Leidenschaft für historische Immobilien.
Niederhaus ist nicht das erste historische Gemäuer, für das die Oberbayern Heide und Hans Rosenberger entflammt sind. Vier denkmalgeschützte Gebäude haben sie schon hergerichtet. Auch daheim an der Salzach bewohnen sie die Burg, die ihre Kleinstadt ziert. Im Niederhaus wollen sie nur ein kleines Refugium für sich reservieren, damit sie bei Besuchen in Passau eine Bleibe haben. Was es heißt, in einem Gebäude aus dem 13. Jahrhundert zu leben, wissen die beiden genau: „Unsere Wohnsituation zuhause ist jener der Familie Brunner im Niederhaus sehr ähnlich: treppauf, treppab“, erzählt der neue Burgherr.
Für die Passauer wird sich der Anblick des Niederhauses in keiner Weise verändern. Noch ausstehende Sanierungen sind nur im Inneren geplant. Im Turm mit den kleinen Wohnungen gehören Sanitär und Elektrik gemacht, in der Hauptburg ist an eine bessere Abtrennung der Wohnungen voneinander gedacht. Die gesamte Burg, auch das mittlere Gebäude, soll zum Wohnen vermietet bleiben. Mit der Familie Brunner, den bisherigen Niederhaus-Eigentümern, wird noch besprochen, ob sie bleiben oder von der Burg in „bürgerliche“ Stadtwohnungen umziehen.
Nutzung als Miethaus
Nach zwei Jahren Generalsanierung und -umbau im Inneren hält die Veste seit Juli 2012 zwölf ganz besondere Wohnungen parat.
Zwei Jahre lang ist Niederhaus innen komplett saniert worden. Heide und Hans Rosenberger investierten rund 3,5 Millionen Euro in eines der Passauer Wahrzeichen. Rosenberger sitzt im Vorstand der Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH & Co. KG mit 4000 Mitarbeitern, die weltweit tätig ist. Eine komplette Eigennutzung stand nie zur Debatte; nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist die Veste innen komplett saniert und umgebaut worden. Die Rosenbergers haben aus der Trutzburg am Zusammenfluss von Donau und Ilz einen der exklusivsten Wohnkomplexe der Stadt gemacht.
Der Passauer Architekt Norbert Paukner arbeitete Vorschläge aus, wie die vier Burgteile Bergfried, Remise, Stöckl und Palas (die Hauptburg) so in Wohnungen aufgeteilt werden könnten, dass die historische Identität des 13. Jahrhunderts genauso gewahrt wird wie der Komfortanspruch des 21. Die Fenster haben nun Isolierglas, Heizung und Elektrik erneuert, Bäder installiert, Holzböden neu verlegt oder geschliffen, Trennwände eingezogen... Der Spagat ist gelungen, soweit es der verwinkelte Bau zulässt - und das Amt für Denkmalpflege. So gibt es auch in Niederhaus 2.0 keinen Aufzug. Dabei ist die Veste mit 40 Metern höher als der neunstöckige Stadtturm. Als Mieter einer solchen Wohnung muss man sich eben auf solche Eigenheiten einlassen. Doch natürlich machen auch diese Eigenheiten den Charme aus: Wo sonst hat man Fensternischen, in die man bequem ein Bett stellen kann, Frühstückstablett inklusive? Die teils drei Meter dicken Außenmauern machen’s möglich.
Weitere Bilder
Literatur
- Franz Danninger: Die Sanierer des Jahres. In: Passauer Neue Presse vom 21. Dezember 2007 (S. 29)
- Franz Danninger: Endlich potenzielle Käufer fürs Niederhaus. In: Passauer Neue Presse vom 5. August 2009 (S. 23)
- Franz Danninger: Burg Niederhaus ist verkauft. In: Passauer Neue Presse vom 17. Oktober 2009 (S. 19)
- Thomas Seider: Niederhaus ist in oberbayerischer Hand. In: Passauer Neue Presse vom 17. Oktober 2009 (S. 29)
- Fanz Danninger: Burg Niederhaus ist verkauft. In: Passauer Neue Presse vom 6. Oktober 2009 (S. 19)
- Franz Danninger: Niederhaus 2.0 ist startklar In: Passauer Neue Presse vom 14. Juli 2012 (S. 25)
