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Trinkwassertalsperre Frauenau

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Die Trinkwassertalsperre Frauenau. Foto: WWA Deggendorf
Die Trinkwassertalsperre Frauenau mit Entnahmeturm und Überlauf vom Damm aus gesehen
Herbert Mandlmeier, der stellv. Betriebsleiter der Talsperre in den Katakomben.
Die Sickerwassermesszentrale. Hier wird fortwährend überprüft, wie viel Wasser durch den Damm dringt.

Die Trinkwassertalsperre Frauenau im Bayerischen Wald wurde von 1976 bis 1983 bei Frauenau erbaut und wird vom Kleinen Regen und vom Hirschbach gespeist. Sie dient der Sicherung der Trinkwasserversorgung in weiten Teilen Niederbayerns.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Trotz hoher jährlicher Niederschlagsmengen reicht das Grundwasser im Bayerischen Wald zur Trinkwasserversorgung nicht aus. Ursachen sind der Mangel an grundwasserführenden Schotterkörpern, häufig undurchlässiger Untergrund, geringmächtige Verwitterungsdecken und kleine Einzugsgebiete. An verbrauchsreichen Tagen fehlten 1974 bis zu 50.000 m³ Wasser, für das Jahr 2000 wurde ein Fehlbedarf von 2000 l/s berechnet. Schon 1963 wurde deshalb der Zweckverband Fernwasserversorgung Bayerischer Wald gegründet. Das Leitungsnetz des Verbandes erhielt sein Wasser aus den grundwasserführenden Schichten an der Mündung der Isar. Dieses Wasservorkommen reichte aber nicht aus, so dass beschlossen wurde, den Fehlbedarf durch Talsperrenwasser zu decken.

Als Standort wurde der Kleine Regen bei Oberfrauenau gewählt, wo bewaldetes Niederschlagsgebiet, fehlende öffentliche Verkehrswege, unbewohntes Areal und ausreichendes Wasser gute Voraussetzungen boten. Da die tertiären und quartären Überdachungen den anstehenden Fels nur an wenigen Stellen zutage treten lassen, konnte keine Staumauer errichtet werden, sondern man entschied sich für einen Steinschüttdamm mit zentralem Lehmkern, für dessen Errichtung auch geeignete Baustoffe im Stauraum vorhanden waren.

Inbetriebnahme

Obwohl die Talsperre offiziell erst nach ihrer Fertigstellung am 24. September 1984 vom damaligen Bayerischen Innenminister Dr. Karl Hillermeier mit einem Festakt ihrer Bestimmung übergeben wurde, musste sie schon früher als vorgesehen von einem Tag auf den anderen Trinkwasser liefern. Damals, im heißen und trockenen Sommer 1983 kam es zur akuten Wasserknappheit im Bayerischen Wald. Durch die anhaltende Trockenperiode versiegten viele Quell- und Brunnenfassungen. Die Verantwortlichen entschieden daher, am 20. Juli 1983 die Stadt Regen als erste Kommune mit Wasser aus der Trinkwassertalsperre Frauenau zu versorgen. Schon wenige Tage später folgte der Anschluss weiterer Städte und Gemeinden an das Wasserreservoir der Talsperre.

Daten und Fakten

Die Talsperre Frauenau hat ein maximales Volumen von 21,7 Mio. Kubikmetern Wasser. In ihrer größen Ausdehnung beträgt die Oberfläche des Stausees 0,94 Quadratkilometer. Der Staudamm ist 71 Meter hoch - und damit der vierthöchste in Deutschland. Die Talsperre hat sogar einen Architekturpreis gewonnen.

Insgesamt 1.200 Meter lang sind die unterirdischen Stollen, inklusive hunderter Treppenstufen. Der tiefste Punkt im Stollensystem liegt ca. 360 Meter tief und 690 Meter über Normal Null.

Aus Sicherheitsgründen wird der Damm an mehr als 200 Messpunkten 24h überwacht. Zusätzlich dazu gibt es noch mehrere unterirdische Kontrollräume. Ein sehr wichtiger Kontrollraum ist die Sickerwassermesszentrale. Hier ist die Lokalisierung eines eventuellen Lecks möglich, sodass im Notfall eine kontrolliere Senkung des Wasserspiegels durchgeführt werden könnte.

Laut Wasserwirtschaftsamt Deggendorf ist nach menschlichem Ermessen ein Dammbruch ausgeschlossen.

Jährlich gelangen bis zu 15 Mio. Kubikmeter Wasser aus der Talsperre zu rund bis zu 500.000 Menschen im Versorgungsgebiet. Das Versorgungsgebiet umfasst die Landkreise Regen, Straubing-Bogen, Freyung-Grafenau, Dingolfing-Landau, Passau, Deggendorf und den Landkreis Cham. 2011 werden die Abnehmer des Zweckverbandes Wasserversorgung Bayerischer Wald zu etwa 80 Prozent mit Wasser aus der Trinkwassertalsperre Frauenau beliefert. Bei einer Jahresabgabe der Talsperre von derzeit knapp neun Millionen Kubikmetern und einem Pro-Kopf-Verbrauch von täglich etwa 125 Litern Trinkwasser werden so rechnerisch rund 200 000 Einwohner versorgt. Da jedoch die meisten Städte und Gemeinden des zirka 5500 Quadratkilometer großen Versorgungsgebietes nur Zusatzwasser beziehen, erhalten erheblich mehr Bürger in der Region das Waldwasser aus der Talsperre.

Bevor das Wasser die Talsperre verlässt wird es noch durch zwei Turbinen geleitet womit rund 470 Kilowatt Strom pro Stunde erzeugt werden. In der Aufbereitungsanlage Flanitz wird das Wasser aufbereitet und von dort aus in die Netze der örtlichen Versorger eingespeist. Das angegliederte Kraftwerk erzeugt Strom für zirka 1.000 Haushalte. Das zirka ein Quadratkilometer große, bewaldete Wasserschutzgebiet, welches vollständig frei von Siedlungen, öffentlichen Verkehrswegen und landwirtschaftlicher Nutzung ist, gewährleistet dabei die gleich bleibende, hohe Wasserqualität.

Der Rundwanderweg um die Talsperre, ein beliebtes Naherholungsziel, ist 5,5 km lang.

Bei der 25-Jahr-Feier am 7. Oktober 2009 waren rund 200 Gäste. „Mit der Talsperre hat es noch nie Probleme gegeben, sie ist nach wie vor in einem sehr guten Zustand“, betonte Michael Kühberger, Chef des Wasserwirtschaftsamtes Deggendorf beim Festakt.

Nach den Aufzeichnungen des Wasserwirtschaftsamtes Deggendorf ist Anfang Februar 2011 der 200-millionste Kubikmeter Wasser in die Leitungsrohre des Zweckverbandes Wasserversorgung Bayerischer Wald geflossen. Da die Trinkwassertalsperre Frauenau ein 67 Meter tiefes Speicherbecken mit einem Inhalt von rund 20,8 Millionen Kubikmetern hat ist also - rein rechnerisch - der Inhalt in den 28 Jahren seines Bestehens bis 2011 schon fast zehn Mal abgezapft worden.

Mit dem großen Speicherbecken der Talsperre kann eine jährliche Wasserlieferung von 15 Millionen Kubikmetern gewährleistet werden - auch in ausgesprochen niederschlagsarmen Jahren. So ergaben sich selbst im extremen Trockenjahr 2003 keinerlei Versorgungsprobleme - zumindest nicht dort, wo ein Anschluss an die Versorgungseinrichtungen des Zweckverbandes Wasserversorgung Bayerischer Wald bestand. Gravierende Versorgungsdefizite traten jedoch bei vielen gemeindlichen und privaten Eigenversorgungen zum Vorschein. Was manche schon vergessen hatten, wurde so wieder in Erinnerung gerufen: Der Bayerische Wald ist trotz hoher Niederschläge ein Grundwassermangelgebiet. Ursache sind die hydrogeologischen landschaft. Das Grundgebirge, überwiegend aus Gneis und Granit aufgebaut, besitzt nur wenige Hohlräume, Wasser speichernde Überlagerungen in größerer Mächtigkeit fehlen. Daher kann nur ein kleiner Anteil des Regens zurückgehalten und für die Wasserversorgung genutzt werden. Mit Inbetriebnahme der Talsperre des Freistaates Bayern konnten diese Versorgungsprobleme für den Bayerischen Wald gelöst werden.

Auf Grund der Tauperiode Mitte Januar 2011 ist die Talsperre gut gefüllt (Stand Februar 2011). Der Wasserspiegel liegt laut Wasserwirtschaftsamt knapp 3,70 Meter unter dem Stauziel. Die kommende Schneeschmelze im Frühjahr wird den Wasserspeicher weiter füllen. Der Speicherinhalt würde selbst für mehrere extreme Trockenjahre reichen, ohne dass Versorgungsengpässe zu befürchten wären.

Galerie

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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