Schaiblingsturm

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Der Schaiblingsturm am Inn bei Passau.
Das Turminnere im März 2008 bei einer Führung.

Der Schaiblingsturm ist eines der Wahrzeichen Passaus. Er steht auf der Südseite der Passauer Altstadt nahe der Ortspitze auf einem aus dem Inn aufragenden Felsen an der Innpromenade. Von der Kegelform des Turmgemäuers ist wohl auch sein Name ableitbar: Scheibe – Schaibling. Der Rundturm mit dem hohen Spitzhelm ist ein Zeuge der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Passau.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Schaiblingsturm wurde um 1250 als Bollwerk gegen Angriffe in den Inn hinein ragend gebaut. Er ist ein stummer Zeuge aus der Zeit, in der Passau wichtiger Handelsplatz war. Eine weitere wichtige Funktion des Turmes war der Schutz vor den Wellen des Inns für die anlandenden Innschiffe. Im Jahr 1481 wurde der Turm renoviert. Laut Stadtchronik wurden damals Bäume gefällt für den Kegeldachstuhl, der heute zu den wenigen von den Stadtbränden nicht zerstörten mittelalterlichen Dachwerken gehört. Die Urkunde nennt damals den „Scheibling Yhnn Thurn und Stadl“. Der Turm diente auch als Speicher für Pulver und zu Zeiten des Salzhandels legten hier die Inn-Schiffe, die so genannten „Hallaschen“, an. Unmittelbar vor dem Turm flussabwärts bestand bis 1957 eine Seilfähre zur Innstadt. Er beherbergte auch Wachpersonal.

Im letzten Jahrhundert residierte ab 1935 die Hitlerjugend im Turm. 1946 zog Albert Hehn (der Vater Sascha Hehns) dort ein, der damals bei den Kammerspielen Passau engagiert war. Im 20. Jahrhundert soll der Turm zeitweise auch von Künstlern und Redakteuren bewohnt worden sein. Das das Innere des Turmes beheizbar ist, wäre er jederzeit bewohnbar, wird aber nur zwei bis drei Mal im Jahr von der Schule genutzt.

Architektur & Nutzung

Der Turm befindet sich heute in Besitz der Stadt Passau, die Schlüsselgewalt hat der Direktor des Leopoldinums. Zugänglich ist der Turm nur vom Gelände des Leopoldinums aus. Eine hölzerne Wendeltreppe im Innern des Turms führt den Besucher bis unter das Dach hinauf. Die Räume sind alle gleich ausgestaltet und bestehen aus einem runden Tisch mit Eckbank und ein paar Stühlen. Seit den letzten, umfassenden Renovierungen durch die Stadt Passau – die insgesamt rund 260.000 Euro gekostet hat – verfügt der Turm sowohl über eine Zentralheizung als auch eine Toilette und wäre somit durchaus bewohnbar.

Die Räume des Schaiblingsturms werden jedoch nur äußerst selten genutzt. Am meisten wohl durch das Gymnasium Leopoldinum. 1990 wurde der Turm in die Obliegenschaft des Gymnasiums gegeben und wird seither bis zu 20-mal im Jahr für Lesenächte, Seminarveranstaltungen, Fachschaftssitzungen und eben den ganz besonderen Unterricht genutzt. Eine Verwendung für größere Veranstaltungen ist schon allein deshalb ausgeschlossen, weil der Turm nur über einen Zugang verfügt und daher nicht die baurechtlichen Bestimmungen erfüllt (keine Notausgänge). Früher wohnten Wachleute im Turm, der auch mal als Pulverturm genutzt wurde, aber auch Künstler und Journalisten. Die Idee, ihn als Obdachlosenheim zu nutzen, konnte sich in der Vergangenheit nicht durchsetzen.

Aber auch den Sorgen der Naturschützer wurde Rechnung getragen. So wurden Löcher aufgelassen, die als Anflugspunkt für Mauersegler und Fledermäuse dienen sollen.

Restaurierung

Anfang des 21. Jahrhunderts wurde der Schaiblingsturm umfassend restauriert. Die Stadt Passau ließ sich in den vergangenen zehn Jahren die Renovierung des Turms insgesamt 260.000 Euro kosten. Er wurde geputzt und präsentiert sich dem Betrachter seither wie neu. Dazu trägt auch die Schlämmung bei, die, aus zwei Teilen Kalk und einem Teil Sand bestehend, dem Turm ein helles Gesicht gegeben hat. Dr. Mathias Ueblacker, Hauptkonservator vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, hat sich dafür eingesetzt, dass der Eigentümer des Turmes, die Stadt Passau, mit Mitteln des Entschädigungsfonds des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst das Bauwerk so herrichten kann, dass es weiter für lange Zeit ein Wahrzeichen der Stadt bleiben kann. Von den 170.000 Euro Gesamtkosten trug die Stadt einen Eigenanteil von 50.000 Euro.

Fresken an der Außenmauer

Bei der vorangegangenen Maßnahme am Dachstuhl Ende des 20. Jahrhunderts hat das Denkmalamt zudem gesehen, in welch erschreckendem Umfang die Fresken abgetragen waren. Es handelte sich dabei um die Fragmente eines weit überlebensgroßen Freskos des hl. Christophorus mit dem hl. Nikolaus, darüber ein Wappen mit dem Passauer Wolf auf der Wasserseite des Turms. Die Witterung, vor allem der entlang des Inns wie durch eine Düse wirkende Wind, aber auch Hochwässer haben hier schwere Schäden hinterlassen. Größere Teile des Gewandes des Heiligen Nikolaus, seine linke Hand, die drei goldene Kugeln hält, sind noch erkennbar.

Trotz der schweren Verluste, die dieses von Rueland Frueauf im Auftrag der noch heute existierenden Lamplbruderschaft geschaffene Bild hinnehmen musste, ist noch eine eindrucksvolle Farbigkeit zu erkennen. „Die Rettung der Reste dieser bedeutenden Malerei war unerlässlich“, so der Denkmalpfleger, der unter Berücksichtigung der noch von 1481 stammenden Originalputze am gesamten aus Granitsteinen erbauten Turm eine Putzsicherung und eine teilweise Erneuerung durchführen ließ.

Die Diplom-Restauratorin Angelika Porst aus Gröbenzell hat versucht, möglichst nah an den Originalzustand ranzukommen. Sie hat das Fresko gesichert und gereinigt, aber nichts ergänzt und die Restbestände des Originalputzes gesichert. Angelika Porst und Robert Zenger als Restauratoren sprechen von der absoluten Notwendigkeit der Neuverputzung: „Der Altbestand – etwa ein Drittel der Gesamtfläche – war völlig verschwärzt. Es war unbedingt erforderlich, das, was noch da war, zu halten. Es ist eine absolute Besonderheit, noch mittelalterlichen Putz vorzufinden. Die Schlämmung sorgt für optische Einheitlichkeit und verhindert, dass Alt- und Neuputz sich wie ein Flickenteppich präsentieren.“ Das nun in den erneuerten Fassadenputz eingebundene Fresko kann der Witterung besser trotzen. Die Rot-, Ocker-, Weiß- und Grünpartien des Freskos sind dann auch wieder besser zu erkennen. Den Putz hat der Passauer Maurermeister Pierre Starke aufgebracht, der Restaurator im Handwerk ist und die alte Putzmethode mit reinem Kalkputz noch beherrscht. Verputzt wird auch die vom Klosterwinkel zum Turm führende Brücke, die sich mit einem Tonnengewölbe über die Innpromenade legt.

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