RömerMuseum Kastell Boiotro
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Das RömerMuseum Kastell Boiotro ist ein im Jahr 1982 eröffnetes Passauer Museum. 1986 wurde es ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München. 2006 hat die Stadt Passau die Trägerschaft übernommen.
Das Museum steht auf den Fundamenten des spätrömischen Kastells Boiotro, Reste der Militärbefestigung sind im Freigelände des Museums zu besichtigen. Der Heilige Severin, Missionar des Noricum, ließ Ende des 5. Jahrhunderts in den Ruinen des Römerkastells wahrscheinlich ein Kloster errichten, durch seine Aufzeichnungen wurde jedenfalls der Name Boiotro (verballhornt spätlat. für den Namen des Vorgängerkastells Boiodurum) bis in die Gegenwart erhalten.
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Ausstellungen und Exponate
Das Museum ist in einem modernisierten spätmittelalterlichen Gebäude untergebracht. Die Reste des Kastells wurden nach sporadischen früheren Ausgrabungen überwiegend in den 1970er Jahren freigelegt, nachdem 1974 ein Baggerfahrer beim Bau des Innstadt-Kindergartens die Grundmauer aus der Römerzeit entdeckte. Durch die räumliche Verbindung der Grabungsstätte und des Museums entstehen für den Besucher sowohl Einblicke in die frühe Geschichte Passaus und seiner Umgebung als auch in die archäologische Praxis. Die Ausstellungsstücke des Museums beschränken sich auf Funde aus dem ostbayerischen Raum und auf Passau selbst. Der Zeithorizont der Sammlung reicht von der Stein- bis in die Neuzeit. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt jedoch auf der Passauer Siedlungsgeschichte sowie den Funden und Grabungsergebnissen der Römerzeit mit der Modellrekonstruktion der römischen Ansiedlung.
Das Museum bietet zweimal jährlich wechselnde Sonderausstellungen. Etwa 6.000 Besucher kommen jedes Jahr in das historische Gebäude.
Anbau
Bereits 1990 hat die Stadt das Nebengebäude Lederergasse 45 erworben, 2004 beschloss der Stadtrat die Erweiterung, zu der 2006 dann auch die finanziellen Mittel bereitstanden. Im Oktober 2009 begannen schließlich die Baumaßnahmen. Der Bauausschuss der Stadt Passau hat im Januar 2009 der Planung eines Anbaus für das Römermuseum zugestimmt. Das Nachbargebäude, eine ehemalige Schusterwerkstatt, wurde in die angrenzenden Räume des Museum integriert. Auf drei Ebenen wurden die Wände durchbrochen und mit einem Treppenhaus verbunden, das den Blick freigibt auf die historische Mauer.
Der Anbau kostete 520.000 Euro. Die Ausgaben finanzierten die Stadtkasse und die von der Regierung von Niederbayern verwaltete Städtebauförderung je zur Hälfte.
Mit dem Anbau wurde das Museum von knapp 500 auf 650 Quadratmeter erweitert. Im obersten Stockwerk ist ein Raum für Museumspädagogik geschaffen worden, so dass Schulklassen im Museum die römische Geschichte Passaus erarbeiten können. Ein Stockwerk darunter gibt es eine Multimediaeinführung zum Römermuseum sowie eine virtuelle Rekonstruktion des Kastells. Im Erdgeschoss soll eine Ausstellung rund um das Thema Zollbezirk an der gallisch-illyrischen Grenze entstehn. Das museumspädagogische Konzept und der Plan sind mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt, die Außenansicht aus der Lederergasse blieb unverändert.
Neues Konzept 2010/2011
Nach dem Umbau wird das Römerkastell Boiotro in der Innstadt neu konzipiert. Das Museum will sich in Zukunft weniger akademisch, sondern moderner und kindgerechter präsentieren. Zu dem neuen Konzept gehören auch eine Münz- und Schmucksammlung sowie ein kleiner Garten.
In den kommenden drei Jahren will Niemeier im Römerkastell zunehmend Passauer Funde zeigen. Auf der um 130 Quadratmeter auf 600 Quadratmeter erweiterten Ausstellungsfläche gibt es reichlich Platz, um vor allem die Zeit der Römer in Passau zu dokumentieren.
Auch auf dem Freigelände des Museums wird eine Ausstellungsfläche angelegt: In einem kleinen Garten werden auf etwa fünf Quadratmetern ein Feigenbaum, ein Pfirsichbaum, Kräuter der italienischen Küche und eine Buchsbaumhecke gepflanzt - mit diesen Gütern wurden die römischen Kohorten einst vom Passauer Umland versorgt.
Weil Passau in der Antike nicht nur als Grenzstadt mit strategisch wichtiger Lage, sondern auch als Handelsstadt galt, möchte Niemeier in einigen Vitrinen mit einer Münz- und Schmucksammlung das römische Münzsystem erklären. Neben Exponaten zur Passauer Zollgeschichte soll ein Zöllner an einer Hörstation aus seinem Leben erzählen.
Für die Neukonzeption des Museums rechnet Niemeier mit rund 900 000 Euro. Die Kosten sollen sich die Regierung von Niederbayern und die Stadt Passau teilen. Der Kulturausschuss hat das Konzept abgesegnet. Nun muss sich laut Niemeier der Finanzausschuss noch damit befassen. Erst dann kann der Archäologe definitiv mit der Umsetzung beginnen. Neben einer Reinigungskraft und einem Wächter betreibt Jörg-Peter Niemeier das Boiotro quasi allein. Er hofft, dass er Verstärkung durch einen Museumspädagogen bekommt. Auch das muss der Finanzausschuss klären.
Die Neukonzeption übernimmt die Firma "Ranger Design" aus Stuttgart - 158 000 Euro fallen allein an Lohnkosten an. Im Zentrum der Konzeption steht ein Zinnfiguren-Diorama, ein Modell, das Kastell und Zivilsiedlung Boiodurum zeigt. Das Modell soll das mittelkaiserzeitliche Kastell und die umgebende Zivilsiedlung im Maßstab 1:100 zeigen, belebt durch 200 bemalte Zinnfiguren. Das Modell soll 5,50 auf 2,20 Meter groß sein. Zu sehen werden Mannschaftsunterkünfte sein, zum Teil mit geöffnetem Dach, Feuerstellen, den damals schon üblichen Stockbetten und Gegenständen des täglichen Bedarfs, einen Sturmschaden mit abgedecktem Dach haben sich die Modellbauer überlegt, den Blick in eine Latrine, Bauarbeiten an der Kastellmauer, Entwässerungskanäle, Brunnen, Lastkahn und Fuhrwerke. In der Siedlung sind Einblicke in ein Handwerkerhaus, ein Wirtshaus und die Kastelltherme vorgesehen. Das Diorama soll 50 000 Euro kosten.
Derzeit besuchen das Muuseum jährlich etwa 5500 Menschen - knapp die Hälfte davon sind Kinder bzw. Schüler.
Besucher - Kinder
Gerade zur Ferienzeit sind im Boiotro viele Kinder anzutreffen. In den Vitrinen besichtigen die jungen Besucher Tonschalen, Schmuck, Skulpturen oder manch anderes Fundstück und gehen auf einen Rundgang durch das Freigelände.
Für die Kleinen zu bestaunen gibt es Münzen oder Waffen aus spätrömischer Zeit, die in und um Passau gefunden wurden, oder auch das Pektoralkreuz des Gregorius von Armenien, das zu den interessantesten Exponaten des Museums zählt. Klein und eher unscheinbar ist das kleine Bronzeblech, in das eine Figur mit weit ausgebreiteten Armen eingeritzt ist. Seine Geschichte regte die Fantasie der jungen Betrachter an: Denn das Kreuz gehörte einst einem frommen, jedoch armen Erzbischof, der in Passau fremd war, hier aber 1093 ausgerechnet während einer Sonnenfinsternis verstarb. Er wurde in Niedernburg begraben.
Öffnungszeiten
- 1. März bis 15. November: Dienstag bis Sonntag, von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr
- 16. November bis 29. Februar: geschlossen
Kontakt
RömerMuseum Kastell Boiotro
Lederergasse 43
94032 Passau
Telefon: 0851/34769
E-Mail: boiotro@passau.de
Internet: www.stadtarchaeologie.de/museum
Literatur
- Franz Danninger: Mehr Platz im Kastell. In: Passauer Neue Presse vom 26. Januar 2009 (S. 21)
- Jörg Klotzek: Bald ist wieder Röhmerzeit in Passau. In: Passauer Neue Presse vom 18. Mai 2010 (S. 21)
- Dominik Schweighofer: Umbau des Römermuseums soll erst der Anfang sein. In: Passauer Neue Presse vom 16. Juli 2010 (S. 17)
- Robin Immisch: Boiotro mit neuem Konzeot. In: Passauer Neue Presse vom 14. September 2010 (S. 19)
- Barbara Osdarty: Passaus Römer sind in bei Alt und Jung. In: Passauer Neue Presse vom 21. August 2010 (S. 24)
- Thomas Seider: Stadt lässt Kastell Boiotro wieder aufbauen. In: Passauer Neue Presse vom 29. März 2011 (S. 19)
